TeStaF – die Anforderungen

Technischer Standard für Fliegeruhren

Katharina Studer
von Katharina Studer
am 20. Juli 2012
Ein Pilot bei Eurocopter führe den Praxistest für die Entwicklung des TeStAF durch
Ein Pilot bei Eurocopter führe den Praxistest für die Entwicklung des TeStAF durch
[Foto: Carl Ockier 2011]

Am 19. Juli 2012 präsentierte die Fachhochschule Aachen zusammen mit der Uhrenmarke Sinn und der Zeitschrift UHREN-MAGAZIN den Technischen Standard für Fliegeruhren beim Hubschrauberhersteller Eurocopter in Donauwörth.

Bereits 2008 gab Lothar Schmidt, Inhaber der Uhrenmarke Sinn, den Anstoß für die Entwicklung eines solchen Standard:

 

 

  • Was ist eigentlich eine professionelle Fliegeruhr?
  • Welche Zwecke muss sie für den Piloten beim Flug erfüllen?
  • Welche Merkmale sind unverzichtbar, welche überflüssig?
  • Nach welchen Kriterien kann man eine Uhr testen, um Sie als Fliegeruhr zu identifizieren?
Professor Dr. Frank Janser
Professor Dr. Frank Janser

Professor Dr. Frank Janser, der Leiter des Fachbereichs Luft und Raumfahrttechnik an der FH Aachen, präsentierte das Projekt TeStaF, dass das Ziel hat, einen Standard zu erarbeiten, der die Anforderungen vorgibt, die “mechanische Armband-Fliegeruhren mit analoger Zeitanzeige beim zivilen Flugbetriebe nach Sicht- beziehungsweise Instrumentenflugregeln heute erfüllen müssen”.

Die Einhaltung eines solchen Standards, soll die Sicherheit geben, dass eine Armbanduhr die einschlägigen funktionalen und technisch-physikalischen Anforderungen an Zeitmessvorrichtungen in den verschiedenen Fluggeräteklassen erfüllt, so die TeStaF-Broschüre.

Lothar Schmidt, Inhaber Sinn, gab den Anstoß für die Entwicklung des TeStaF
Lothar Schmidt, Inhaber Sinn, gab den Anstoß für die Entwicklung des TeStaF

Eine Fliegeruhr sollte somit primäres Zeitmessinstrument an Bord sein und ein Back-up für den Fall eines Geräteausfalls.

Der Technische Standard für Fliegeruhren fordert somit folgendes:

1. Funkionalität

  • Intuitive Bedienbarkeit der Uhr
  • Ablesbarkeit bei Tag und Nacht
  • Sichere Bedienbarkeit auch mit Handschuhen
  • Gangenauigkeit (+/- 30 sec/Tag)
  • Gangreserve (> 36 Stunde)
TeStaF Differenzdruckprüfung
TeStaF Differenzdruckprüfung

 

2. Widerstandsfähigkeit

  • Umgebungsdruck, auch zyklisch wechselnder Umgebungsdruck (hier wird ein Druckwechseltest durchgeführt, inkl. Sogtest)
  • operativer Temperaturbereich (-15 °C bis +55°C)
  • Temperaturwechsel (-15°C bis +50°C innerhalb von fünf Minuten)
  • Stoß- und Schlagsicherheit nach DIN 8308
  • G-Belastung (6 G für 1 Minute)
  • Vibrationen
  • Wasserdichtheit nach DIN 8310/ISO 2281
  • Beständigkeit gegen flugbetriebstypische Flüssigkeiten wie Kerosin, Lösungsmittel, etc.
  • Magnetfeldbeständigkeit nach DIN 8309/ISO764
TeStaF G-Belastungsprüfung
TeStaF G-Belastungsprüfung

3. Sicherheit und Kompatibilität

  • Magnetische Signatur (hat die Uhr Einfluss auf den Kompass oder andere Geräte im Cockpit)
  • Vermeidung von Lichtreflexionen (keine Blendung)
  • Kompatibilität zum Rest des Cockpits (das heißt: ungestörte Ablesbarkeit der Instrumente)
  • Formgebung (wie beispielsweise kein Verhaken der Uhr im Cockpit)
  • sichere Bandfestigkeit, jedoch auch gutes Lösen des Bandes im Notfall

Die Projektgruppe der Fachhochschule Aachen war stets darauf bedacht, wenn DIN- oder andere Normen vorhanden waren für einen Test, diese zu Rate zu ziehen. Zudem entwickelte die Fachhochschule auch eigene Prüfgeräte beispielsweise für die Stoß- und Schlagsicherheit.

Zur Prüfung nach TeStaF muss folgendes eingereicht werden:

  • 2 gebrauchsfertige Uhren im Anlieferungszustand (fabrikneu) aus einem Seriennummernkreis
  • 1 Gehäuse ohne Uhrwerk mit Drehring
  • 9 Zifferblattgläser
  • 9 Uhrwerksgläser (falls vorhanden)
  • je 9 Dichtungsexemplare der verwendeten Dichtungen
  • je 1 Armbandsystem, das für die Verbindung mit TeStaF-zertifizierten Uhren vorgesehen ist

Wenn die Uhren alle Kriterien erfüllen, verleiht ausschließlich die FH Aachen über das Aachen Institute of Applied Sciences e.V. (AcIAS), der zu diesem Zweck gegründet wurde, das Zertifikat “TeStaF”. Somit können alle Uhren aus diesem Seriennummernkreis mit dem Logo und/oder Schriftzug auf Zifferblatt oder Gehäuse bezeichnet werden.

Die Testdauer beträgt circa 1 bis 1,5 Wochen, wobei die Nettotestzeit ungefähr 35 Stunden ist.

Die Kosten für den Hersteller betragen ungefähr 8.000 Euro. Die ersten Testuhren stammten von Sinn. Beide Uhren wurden erfolgreich mit dem TeStaF zertifiziert. Das Modell EZM 10 wurde extra für diesen Standard als Fliegeruhr entwickelt, das bekannte Modell 103 musste lediglich modifiziert werden, um den Anforderungen zu entsprechen.

Martina Richter, leitende Redakteurin des UHREN-MAGAZINS, ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats
Martina Richter, leitende Redakteurin des UHREN-MAGAZINS, ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats

Ein wissenschaftlicher Beirat wurde nun ebenfalls gegründet, der den TeStaF stets weiterentwickelt und die Ergebnisse und Fortschritte laufend diskutiert. Zu diesem Beirat zählt auch Martina Richter, die Leitende Redakteurin des UHREN-MAGAZINS. Das UHREN-MAGAZIN unterstützte das Projekt TeStaF beratend, aufgrund der langjährigen Erfahrungen im Bereich der Fliegeruhrentests.

Watchtime.net hat mit Martina Richter über die Rolle des UHREN-MAGZINS bei TeStaF und ihre Aufgabe im wissenschaftlichen Beirat gesprochen:

>> Reinhören:
Interview mit Martina Richter

 

 

Weitere Informationen zum TeStaF gibt es auch auf der Website: www.testaf.org

 

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