Uhren mit hoher Gangautonomie

Der lange Atem bei Uhren

 Redaktion
von Redaktion
am 27. Oktober 2011

Eins, zwei oder drei… Beim Blick in ein Uhrwerk kann es vorkommen, dass man nicht nur ein, sondern gleich mehrere Federhäuser entdeckt. Ein Ergebnis, das dem Streben nach höherer Gangreserve zu verdanken ist und Uhrmacher vor verschiedene Herausforderungen stellt.

Rekordverdächtig: Gangreserveanzeige der Lange 31 mit einem ganzen Monat Gangreserve
Rekordverdächtig: Gangreserveanzeige der Lange 31 mit einem ganzen Monat Gangreserve

Mehr Komfort und Bedienerfreundlichkeit: Eine Uhr, die nicht täglich aufgezogen werden muss, verspricht dem Besitzer unbeschwerte Tragefreude. Doch nicht nur das hat in den vergangenen Jahren Handaufzugsuhren mit immer längerer Gangreserve auf den Markt gebracht. Es ist auch eine Art Wettbewerb entstanden, Kollektionen mit einer besonders ausdauernden Uhr schmücken zu können.

Den Rekord hält die Glashütter Manufaktur A. Lange & Söhne mit dem Uhrenmodell Lange 31, welche 31 Tage läuft, ohne aufgezogen zu werden. Mit auf dem Treppchen steht Jacob & Co. mit der Uhr The Quenttin, ebenfalls mit 31 Tagen Gangreserve dank der Energie von sieben Federhäusern. Das Modell ist eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur wegen der Vielzahl von Federhäusern, sondern auch wegen derer Anordnung auf einer Achse. Ebenso ungewöhnlich die Zeitanzeige, die digital auf Rollen stattfindet. Ein interessantes Konzept. Noch interessanter aber ist der Umgang mit der Gangdauer in ganz normalen Langläufern.
 
Lange 31, Rückansicht: Blick auf das Handaufzugswerk. In der oberen linken Hälfte wird ein Schlüssel zum Aufziehen des Werks angesetzt. Gut unter der Platine zu sehen: Der Rand eines Federhauses und dessen übergroße Dimension
Lange 31, Rückansicht: Blick auf das Handaufzugswerk. In der oberen linken Hälfte wird ein Schlüssel zum Aufziehen des Werks angesetzt. Gut unter der Platine zu sehen: Der Rand eines Federhauses und dessen übergroße Dimension

Denn dieses Thema stellt Konstrukteure und Uhrmacher schon seit Jahrhunderten vor große Herausforderungen. Im Mittelpunkt der Bemühungen steht das Federhaus, denn die Gangdauer umschreibt die Zeitspanne vom Vollaufzug der Zugfeder bis hin zu deren völliger Entspannung. Je mehr Umdrehungen das Federhaus bis zur Entspannung der Zugfeder zurücklegt, desto länger auch die Gangdauer

Klassischerweise beträgt diese bei den heutigen Armbanduhren rund 50 Stunden, bei historischen Taschenuhren sind es etwa 24 Stunden. Es gibt auch his­torische “8-Tage-Uhren” – Taschenuhren mit einer Gangdauer von acht Tagen, die durch ein zusätzliches Rad im Räderwerk erreicht wird. Dieses Zahnrad heißt Beisatzrad und ist zwischen Minuten- und Kleinbodenrad platziert. Es vergrößert die Übersetzung vom Federhaus zum Minutentrieb – bis heute ein probates Mittel, die Gangdauer zu erhöhen. Es erfordert eine leistungsstarke Zugfeder. 

Ebenfalls längere Gangautonomie schafft eine Idee, die schon Abraham-Louis Breguet (1747–1823) umsetzt: statt einer Zugfeder kommen einfach zwei zum Einsatz. In Breguets Instrument Nr. 3118 gibt es zwei Federhäuser, die separat aufgezogen werden; beide Systeme sind mit Gesperr und Stellung versehen. Abweichend von dieser Kons­truktion sind in Breguets Chronometer Nr. 428 zwei Federhäuser nebeneinander geschaltet und werden gemeinsam aufgezogen.
Eine weitere Variante dieser Idee stammt aus dem Jahre 1785. Damals fertigt Henri Louis Jaquet-Droz (1752 – 1791) eine Selbstaufzug-Taschenuhr mit Gewichten und zwei Federhäusern – wobei jedes Federhaus von einem Gewicht separat aufgezogen wird. Auch Alfred Helwig (1886 – 1974), der berühmte deutsche Feinuhrmacher, verbaut in verschiedenen Modellen zwei Federhäuser und konstruiert eine serielle Schaltung, bei der das erste Federhaus die Kraft an das zweite weitergibt.

Zu den Pionieren der Armbanduhr mit zwei Federhäusern gehört die Firma Favre-Leuba. 1962 präsentiert sie zwei Handaufzugskaliber mit zwei parallel geschalteten Federhäusern, die auf das Minutentriebrad einwirken. Ein weiteres, gerne verwendetes Uhrwerk aus diesem Zeitraum ist das Kaliber 82 von Büren, ebenfalls mit zwei parallel geschalteten Federhäusern aufgerüstet. Die größere Federkraft wird für eine höhere Frequenz verwendet – das Werk läuft mit 5 Hertz, also 36.000 Halbschwingungen.
 
Beim geschichtlichen Rückblick fällt auf, dass es in Uhrwerken mit mehreren Federhäusern immer wieder um die Art des Aufzugs und die Energieweitergabe geht. Heute ist es üblich, mehrere Federhäuser in Serie zu schalten. Die andere Variante wäre die parallele Schaltung, bei der der Eingriff beim Aufzug über das mittig platzierte Kronrad gleichzeitig auf beide Federhäuser wirkt; umgekehrt erfolgt das Ablaufen ebenfalls simultan.
 
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