Wer sind die Paneristi?

Panerai-Uhren zu sammeln, ist ein Lebensgefühl. Dazu gehören natürlich möglichst viele der begehrten Zeitmesser – aber auch Freundschaften, Reisen und gemeinsame Erlebnisse. Der folgende Artikel stellt die eingeschworene Gemeinschaft der Panerai-Fans vor, die sich Paneristi nennen.

Paneristi zu sein ist mehr als Uhren sammeln, es ist ein Lebensgefühl.
Paneristi zu sein ist mehr als Uhren sammeln, es ist ein Lebensgefühl.

Viele Leute, die mechanische Uhren sammeln, haben es mitunter schwer, ihre Leidenschaft anderen zu erklären. Immerhin können sie auf die kleinen, aber feinen Unterschiede der Uhren hinweisen: Hier der Klassiker, der sich durch seine Ultraflachheit auszeichnet, dort die Uhrenikone aus Glashütte mit dem markanten Zifferblatt. Oder die verrückten Tourbillonkonstruktionen einiger Schweizer Spezialisten. Aber wie erklären Fans der italienischen Taucheruhrenmarke Panerai, warum sie etliche Modelle besitzen – fällt es doch auch ausgewiesenen Fachleuten manchmal schwer, Unterschiede zu erkennen? Darüber können Paneristi nur müde lächeln. “Mindestens zwei Jahre braucht man schon, um sich in den verschiedenen Referenzen wenigstens annähernd auszukennen”, schätzt Pascal Biskup, bekennender Paneristi und Gründungsmitglied des Fanclubs für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz. Aber was sind schon zwei Jahre für einen echten Paneristi.

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Woran erkennt man einen Paneristi?

Überhaupt haben Paneristi nur entfernte Ähnlichkeit mit Uhrensammlern im herkömmlichen Sinne. Beispiele? Nun, wie wäre es mit einem Panerai-Logo, fein und präzise auf die Innenseite des Unterarms eines ansonsten durch und durch seriösen Geschäftsmannes gestochen? Oder das Foto eines Hotelzimmerschlüssels, der die gleiche Nummer trägt wie die Referenz der Lieblings-Panerai und deshalb sorgfältig nebeneinander arrangiert für immer in der Bildergalerie aufbewahrt wird? Oder Reisepläne für ein kurzes internationales Treffen von Paneristi im von Deutschland aus gesehen nicht eben um die Ecke gelegenen Singapur, und zwar ausschließlich zu dem Zweck, sich mit anderen Paneristi aus der ganzen Welt zu treffen und natürlich nur über Panerai zu reden?

Paneristi achten auf Details: Hier die passende Zimmernummer im Hotel mit der Lieblings-Panerai PAM 232.
Paneristi achten auf Details: Hier die passende Zimmernummer im Hotel mit der Lieblings-Panerai PAM 232.

“Paneristi zu sein, ist ein Lebensgefühl. Das hat nichts mit Vernunft oder Prestigedenken zu tun”, versucht Karim Rayess eine Erklärung, und man muss ihm uneingeschränkt recht geben. Der 45-jährige Handwerksmeister aus dem Ruhrgebiet hat seine erste Panerai als junger Mann gekauft, “zufällig in einem Schaufenster entdeckt, es war Liebe auf den ersten Blick.” Voller Verständnis nicken Thomas Dimitriou, Pascal Biskup und Guido Engelen, seine Vorstandskollegen des neuen Paneristi-Clubs für den deutschsprachigen Raum. Sie hatten ähnliche Erweckungserlebnisse. Den Club haben sie mit den nicht anwesenden Uwe Heimann, Oliver Jänsch und Christian Lückert im Januar 2015 als e.V. gegründet. Die deutschen Panerai-Sammler stehen sowieso ständig in Kontakt miteinander, um kurze Treffen, Wochenendtrips oder sogar lange Reisen miteinander zu planen. “Es wurde also Zeit, das wir uns ordentlich organisieren”, erklärt Rayess. Zum Start des Clubs im Februar 2015 sind 52 Mitglieder eingetragen. “Das ist ein handverlesener Kreis von richtig fanatischen Sammlern”, erklärt Vorstandsvorsitzender Christian Lückert, Unternehmer und Marketingexperte aus Düsseldorf, wo der Club auch seinen Sitz hat. Diese 52 Mitglieder besitzen zusammen über 400 zum Teil ausgewählte Panerai-Uhren.

Table Shot: Zum Abschluss jedes Paneristi-Treffens kommen alle Uhren auf den Tisch.
Table Shot: Zum Abschluss jedes Paneristi-Treffens kommen alle Uhren auf den Tisch.

Bei Treffen ist es Brauch, dass alle Mitglieder um einen Tisch stehen und ihre Uhren darauf ablegen, der sogenannte “Table Shot”. Jeder darf die Uhren der anderen in die Hand nehmen, anlegen und bewundern. “Vertrauen ist bei uns sehr wichtig”, erklärt Lückert. Schließlich stellt eine Panerai-Sammlung einen nicht unbeträchtlichen Vermögenswert dar. Diese Treffen werden oft mit Hilfe der Marke Panerai mit kleinen Präsenten wie Basecaps und Katalogen unterstützt und auch von Vertretern des Unternehmens besucht.

Über was reden die Paneristi?

Die Paneristi reden natürlich über ihre Uhren. Anders als bei vielen anderen Uhrensammlern spielt die Technik der Werke bei den Paneristi eher eine untergeordnete Rolle. “Ein Manufakturwerk ist gar nicht so wichtig”, findet Engelen. Er ist beispielsweise großer Fan der Panerai-Uhren mit Unitas-Kalibern, denn Panerai verbaut bis auf ein Unitas-Kaliber nur noch eigene Uhrwerke. “Für mich zählt eher die Geschichte und das Design der Uhren”, erklärt Biskup. Der Unternehmer im Personalbereich ist einer der wenigen Panerai-Sammler, der tatsächlich auch das Tauchen als Hobby ausübt. Denn bekannterweise wurden die schweren, großformatigen Uhren ja ursprünglich für italienische und deutsche Kampftaucher der Marine entwickelt. 1936 entstand die erste Radiomir mit einem 47 Millimeter großem Stahlgehäuse und dem sogenannten California-Zifferblatt, mit teils römischen, teils arabischen Ziffern. Radiomir war der Name der Leuchtmasse aus Zinksulfat und Radiumbromid, die Panerai entwickelt hatte und sich patentieren ließ. Das Rohwerk stammte von der Firma Cortébert, die Uhr selbst wurde von Rolex zusammengebaut, als eine Art überdimensionierte Oyster. Mit dem Kaliber P.2002 stellte Panerai, seit 1997 zur Richemont-Gruppe gehörend, 2005 sein erstes selbst entwickeltes Uhrwerk vor. Die Referenznummern, die verwendeten Kaliber und historischen Vorbilder sind eine Wissenschaft für sich, von Paneristi mit heiligem Ernst betrieben. Profis erkennt man daran, dass sie von “Vor-A-Serien”, dem “Ägypter” oder der “Egiziano” fachsimpeln. Auch die Zifferblätter, für den Laien auf den ersten Blick eigentlich immer gleich aussehend, bieten mit ihren feinen Unterscheidungen Stoff für stundenlange Gespräche, ganz zu schweigen von der riesigen Auswahl an Bändern und Schließen.

Vintage-Uhren von Panerai sind bei den Paneristi besonders beliebt.
Vintage-Uhren von Panerai sind bei den Paneristi besonders beliebt.

Die Geschichte der Panerai-Modelle spielt auch in den verschiedenen Foren der Paneristi immer wieder eine große Rolle. Es gibt mehrere Bücher zu diesem Thema, einige davon hat das Autorenduo Volker Wiegmann und Ralf Ehlers verfasst. Sie haben umfangreiche Recherchen zu den Erstbesitzern von Vintage-Panerai-Uhren aus dem Zweiten Weltkrieg angestellt, eine “spannende Lektüre”, finden die Paneristi. Rund 300 dieser alten Uhren gibt es noch weltweit. Es muss kaum erwähnt werden, dass sie auf Auktionen Höchstpreise erzielen. Für Zivilisten ist die Marke überhaupt erst seit 1993 erhältlich und erlebt seitdem einen beispiellosen, anscheinend nie endenden Boom. Viele der Paneristi sind ständig auf der Jagd nach einer Vintage-Uhr. Die Wahrscheinlichkeit, ein gut erhaltenes, echtes Expemplar zu ergattern, ist allerdings heute sehr gering. Es ist ja schon nicht ganz einfach, ein modernes Exemplar zu erhalten. Für die meisten Panerai-Neuerscheinungen gibt es bereits vorab Wartelisten. Davon können auch die Paneristi ein Lied singen. “Aber natürlich haben wir durch unsere langjährige Erfahrungen bei vielen Händlern einen Stein im Brett”, erklärt Dimitriou. Engelen erinnert sich noch lebhaft an die Eröffnung der Münchner Panerai Boutique 2011: “Meine Frau und ich standen bereits zwei Stunden vor Ladenöffnung vor der Tür und warteten.” Die Mühe hat sich gelohnt: Es war der Hochzeitstag des Paares und Engelens Frau schenkte ihm ein Exemplar der Boutique-Edition. “Mein Söhne schütteln dagegen nur den Kopf über meine Verrücktheit”, erzählt er lachend.

Ergebnis eines Paneristi-Treffens: Panerai-Uhren gestapelt auf einer Grappa-Flasche
Ergebnis eines Paneristi-Treffens: Panerai-Uhren gestapelt auf einer Grappa-Flasche

Wenn man sich mit der sympathischen Gruppe unterhält, spürt man die Verbundenheit, die ihre Liebe zu Panerai herstellt. “Ob brasilianischer Schönheitschirurg oder walisischer Bautruppleiter, in diesem Punkt sind wir alle gleich”, fasst Biskup sehr schön zusammen. Es gehe auch nicht darum, mit Wohlstand zu protzen. Jeder, der ernsthaftes Interesse zeigt, ist willkommen, ob er nun eine “Einsteigeruhr” wie die Luminor Marina PAM 111 trägt, die mittlerweile aber auch nicht mehr unter 5.000 Euro zu haben ist, oder die neueste Mare Nostrum das Handgelenk nach unten zieht und das Konto mal eben mit etwa 37.000 Euro belastet.

Der harte Kern der Paneristi: Weltweit nur 300 Personen

Auf der ganzen Welt gibt es etwa 3.000 Paneristi, schätzt Vereinsvorsitzender Lückert. “Davon zählen aber nur etwa 300 zum wirklich harten Kern.” International sind die Uhrenfans gut vernetzt: Die Website paneristi.com zählt durchschnittlich rund zwei Millionen Besuche im Monat. Wie in jeder Bewegung gibt es auch hier Anführer, Legenden und Ikonen. Besonders bekannt ist der Australier Alan Bloore alias “Hammer”, der seit einem Jetskiunfall 2006 im Rollstuhl sitzt. In den ersten schweren Jahren nach dem Unfall sorgte oft nur die Leidenschaft für Panerai für Ablenkungen und Lichtblicke. Uwe Heimann, Pascal Biskup und Thomas Dimitriou lernten Hammer 2014 während eines P-Days in Venedig kennen und waren begeistert: “Obwohl er kein Deutsch und ich kein Englisch spreche, hatten wir eine wunderbare Unterhaltung”, erzählt Dimitriou.

Im Web kursiert auch das Bild von Hammer bei einem Treffen mit Panerai-Präsident Angelo Bonati. Die beiden hatten zuvor 14 Jahre lang eine Webfreundschaft gepflegt. “Bonati ist toll”, sind sich die Paneristi in Deutschland einig. Ansonsten sind sie nicht immer mit allem einverstanden, was das Unternehmen auf den Markt bringt. Aber einen echten Paneristi stört es nicht, wenn er unter den Neuerscheinungen kein “Must-have” entdeckt. Es gibt ja genügend Auswahl unter den älteren Modellen.

Text: Katrin Nikolaus

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