Wie werden Zeiger hergestellt?

Gebläut, leuchtend, billig oder hochwertig – Zeiger ist nicht gleich Zeiger

 Redaktion
von Redaktion
am 25. Dezember 2014

Zeiger sind die Protagonisten auf dem Zifferblatt: Sie machen die Zeit sichtbar und sind äußerst vielseitig – von klassisch schlicht oder gebläut bis hin zu sportlich und kräftig mit Leuchtmasse ausgelegt. Dementsprechend gibt es in der Herstellung von Zeigern Unterschiede. Der folgende Artikel aus dem UHREN-MAGAZIN Extra Wissen 2015 zeigt, von welchen Unternehmen und auf welche Weise Zeiger gefertigt werden und was hochwertige Zeiger ausmacht.

Klassiker: Die Form der Breguet-Zeiger stammt aus dem 18. Jahrhundert.
Klassiker: Die Form der Breguet-Zeiger stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Als die Uhr erfunden wurde, war Zeit noch relativ: Die ersten Uhren aus dem 16. Jahrhundert waren mit nur einem Zeiger ausgestattet, der lediglich Auskunft über die aktuelle Stunde gab. Das genügte. Erst Ende des 17. Jahrhunderts ging es genauer zu, als die ersten Uhren mit Minutenzeiger aufkamen. Wie all die anderen Komponenten von Werk und Habillement wurden sie in alten Zeiten selbstverständlich von Hand gefertigt, was sehr aufwändig sein konnte. Bis zu zwei Tagen war der Handwerker mit der Herstellung der Zeiger beschäftigt: Sie wurden von Hand aus Goldblech ausgestochen oder mit Schlag und Hammer aus einem Metallband geschlagen. Ab 1800 konnte man sie durch Stanzen fertigen.

Wer fertigt Zeiger?

Die Herstellung von Zeigern erfolgt heute durch spezialisierte Unternehmen. In der Schweiz ist der Kreis der Zulieferer übersichtlich. Während es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch etwa sechzig Zeigerhersteller gab, sind es heute nur noch ein halbes Dutzend – alle traditionell angesiedelt in den wichtigsten Regionen der Uhrmacherei. Universo, der größte und bekannteste Zeigerhersteller und der Swatch Group zugehörig, hat seinen Sitz in La Chaux-de-Fonds. Beliefert werden die Marken der Swatch Group sowie Drittfirmen. Das Unternehmen mit heute rund 350 Angestellten entsteht 1909 durch die Fusion einer Gruppe kleiner Zeigerhersteller. Außerdem gibt es die Firmen Fiedler (Genf), Waeber (Fleurier), Estima (Grenchen) sowie Aiguilla (Biel). Um ihr Fachwissen zu erhalten und sich gegenseitig zu unterstützen, haben die Fabriken die GFSAH gegründet, das »Groupement des fabricants suisses d’aiguilles pour l’horlogerie« mit Sitz in Neuchâtel. In Deutschland gibt es ebenfalls nur noch wenige Zeigerhersteller; sie fertigen überwiegend Zeiger für Großuhren. Die Firma UTM Uhrenteile-Manufaktur in Schramberg ist hingegen auf Zeiger für Armbanduhren spezialisiert. Das ist jedoch nicht mehr der einzige Geschäftszweig, da seit einigen Jahren die Konkurrenz aus Fernost übermächtig ist. So besitzt der große und bekannte Uhren- und Uhrwerkehersteller Citizen ein eigenes Werk zur Zeigerherstellung, angesiedelt in Tohoku im Norden Japans, rund 500 Kilometer von Tokio entfernt. Zum Angebot gehören sowohl günstige Arbeitszeiger, die bei der Kontrolle von Uhrwerken zum Einsatz kommen, als auch exklusive Zeiger, welche auch in hochwertigen Uhren ihren Platz finden, die ihrerseits weit über hunderttausend Franken kosten.

Das Auftragen von Leuchtfarbe auf die Zeiger kann Handarbeit sein.
Das Auftragen von Leuchtfarbe auf die Zeiger kann Handarbeit sein.

Aus dem Ausland kommt heute daher so gute Qualität zu so günstigen Preisen, dass der deutsche Hersteller nicht mehr mithalten kann. Den Schweizer Kollegen ergehe es nicht anders, weiß UTM-Firmeninhaber Ralph-Peter Mannke zu berichten. Er hat bereits Konsequenzen gezogen: Sein Unternehmen konzentriert sich nun auf die Herstellung von hochwertigen Zeigern und offeriert andere Arbeiten rund um die Uhr, zum Beispiel das Lackieren und Bedrucken von Zifferblättern sowie Werkeveredelung und -reparatur. Die größte Erfahrung besitzt man aber nach wie vor bei der Herstellung von Uhrzeigern. Diese wurde in den vergangenen Jahren bei UTM stark automatisiert. Gearbeitet wird mit den modernsten technischen Verfahren. Häufigste Ausgangsmaterialien sind Messing und Neusilber. Bei hochwertigen Uhren dominieren gebläuter Stahl, Platin und Gold.

Aus welchen Materialien werden Zeiger hergestellt?

Bei Quarzuhren mit nicht allzu kräftigem Schrittschaltmotor sowie bei preiswerten Uhren kommt das leichte Aluminium zum Einsatz. Das Metall wird als 0,10 bis 0,15 Millimeter dickes Metallband angeliefert und an besonderen Maschinen weiterverarbeitet. “Viele davon sind Eigenentwicklungen”, erklärt Ralph-Peter Mannke von UTM. Auch das Werkzeug wird im eigenen Haus gefertigt – eine schwierige und anspruchsvolle Tätigkeit wegen der kleinen Dimensionen der Zeiger.

In Reih und Glied: Zeigerrohlinge warten auf die Weiterverarbeitung.
In Reih und Glied: Zeigerrohlinge warten auf die Weiterverarbeitung.

Die Metallbänder, aus denen die Zeiger gefertigt werden, bestehen beim Zeigerhersteller Citizen aus Messing, Aluminium und dem so genannten »CuBe« beziehungsweise Cupro-Beyllium, einer sehr harten und teuren Kupfer-Legierung. Diese wird für Chronographenzeiger benutzt, die hohen Kräften ausgesetzt sind, wenn die Rückstellung auf null erfolgt. Aluminium kommt wegen seiner Leichtigkeit überwiegend bei Quarzuhren zum Einsatz. Andere Zeigerhersteller verarbeiten auch Neusilber, gebläuten Stahl, Platin und Gold.

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