Wie Zenith mit der neuen Defy Lab die Zeitmessung revolutioniert

Zenith baut ein mechanisches Uhrwerk, wie es noch nie eines gegeben hat

Hier ist das Wort “Revolution” wirklich einmal angebracht: Zenith präsentierte am 14. September am Firmensitz im schweizerischen Le Locle ein völlig neuartiges mechanisches Uhrwerk – unter anderem ohne Unruh. Das Kaliber ZO 342, das in dem neuen Modell Defy Lab debütiert, verfügt nicht über eine herkömmliche Hemmung mit runder Unruh und Spiralfeder, sondern über einen neuartigen Gangregler, der aus einem einzigen Stück monokristallinen Siliziums besteht. Dieser Gangregler mit dem Namen Zenith Oszillator ersetzt neben Unruh und Spirale auch den bekannten Anker.

Zenith: Defy Lab Black
Zenith: Defy Lab Black

Was hat der Kunde davon? Zenith spricht von einer um den Faktor 10 höheren Ganggenauigkeit der Uhr: Die durchschnittliche tägliche Gangabweichung der Defy Lab soll lediglich 0,3 Sekunden am Tag betragen. Zum Vergleich: Die offizielle Schweizer Chronometerprüfstelle COSC erlaubt pro Lage (Zifferblatt oben, Krone unten etc.) Werte zwischen -4 und +6 Sekunden in 24 Stunden, Rolex reguliert seine Uhren mit +/-2 Sekunden pro Tag ein.

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Zenith-Kaliber ZO 342 mit Zenith-Oszillator
Zenith-Kaliber ZO 342 mit Zenith-Oszillator

Ermöglicht wird diese Präzision durch eine für mechanische Uhren ungewöhnlich hohe Frequenz von 15 Hertz, das entspricht 108.000 Halbschwingungen pro Stunde (A/h), bei einer Amplitude von gerade einmal +/-6 Grad gegenüber rund 300 Grad bei einer klassischen Unruh. Bisher galt das Chronographenwerk El Primero, ebenfalls von Zenith, mit 5 Hertz (= 36.000 A/h) bereits als “Schnellschwinger”. Trotz der enorm hohen Frequenz besitzt das neue Uhrwerk eine hohe Gangreserve von 60 Stunden. Laut Aussage von Zenith soll sie mehr als 95 Prozent dieser Zeit – also etwa 57 Stunden lang – ihre oben erwähnte hohe Ganggenauigkeit behalten.

Ersetzt herkömmliche Bauteile wie Unruh, Spiralfeder und Anker: der Zenith Oszillator aus monokristallinem Silizium
Ein Teil ersetzt über 30 herkömmliche Bauteile: Der Zenith Oszillator aus monokristallinem Silizium

Und es gibt weitere Vorteile: Da der Gangregler aus Silizium besteht, ist er weitgehend unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, Schwerkrafteinflüssen und Megnetfeldern, und es ist keine Schmierung (durch Öle oder Fette, die altern könnten) nötig, zumal konstruktionsbedingt keine Teile direkt miteinander in Kontakt stehen. Ermöglicht wird so eine Konstruktion durch den Einsatz modernster Siliziumtechnik, in der man im DRIE-Verfahren auf sogenannten Wafers komplexe zweidimensionale Formen herstellen kann, die sich mit herkömmlichen Stahlteilen nicht realisieren lassen würden.

Silizium-Wafer mit mehreren identischen Zenith-Oszillatoren
Silizium-Wafer mit mehreren identischen Zenith-Oszillatoren

Ersonnen hat das neue Werk mit der revolutionären Technik Guy Sémon, der CEO des Instituts für Forschung und Entwicklung der LVMH Watch Division, zu der neben Zenith auch TAG Heuer und Hublot gehören. Sémon hatte bereits während seiner Zeit bei TAG Heuer extrem schnell schwingende Chronographen wie den Mikrogirder konstruiert, die kleinste Zeitspannen bis zu einer Zweitausendstelsekunde messen konnten. Seit dieser Zeit hatte er sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die dabei gewonnen Erkenntnisse mithilfe der Siliziumtechnologie dazu nutzen lassen könnten, die Performance mechanischer Uhren zu verbessern.

Guy Sémon, Chef Forschung und Entwicklung der LVMH Watch Division
Guy Sémon, Chef Forschung und Entwicklung der LVMH Watch Division

Zum Start bringt Zenith genau zehn Uhren mit der neuen Technologie auf den Markt: zehn individuelle Einzelstücke unter dem Namen Defy Lab, die sich nur in der Farbgebung unterscheiden. Allen gemeinsam ist ein ebenfalls neuartiges Gehäuse aus Aeronith, einem extrem leichten Aluminium-Composite, das Zenith inhouse entwickelt hat. Es besteht aus einem soliden Metallschwamm, dessen gleichmäßig verteilte Poren mit einem Composite-Material versteift sind.

Das Gehäuse der Zenith Defy Lab besteht aus dem superleichten Aluminium-Komposit Aeronith
Das Gehäuse der Zenith Defy Lab besteht aus dem superleichten Aluminium-Komposit Aeronith

Das Aerontih ist 2,7-mal leichter als Titan und 1,7-mal leichter als Aluminium. Auch sind alle Uhren dreifach zertifiziert, unter anderem durch ein Chronometerzertifikat des Observatoriums Besançon. Die Magnetfeldresistenz gibt Zenith mit 88.000 Ampere pro Meter oder 1.100 Gauß an – mehr als bei Uhren mit herkömmlichem Weicheisenkäfig, aber weniger als bei der Master Chronometer von Omega oder die von Zenith im Frühjahr 2017 vorgestellte Defy El Primero 21.

Der Preis der Zenith Defy Lab beträgt 29.900 Schweizer Franken. Laut Zenith war die gesamte Auflage von zehn Exemplaren bereits am Tag der Präsentation ausverkauft. buc

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sie möchten und mit dem Artikel über diese sensationelle Zeitmessung auf den arm nehmen -ich hoffe es zumindest-, oder?
    Da kommt jemand, baut Silizium ein, nimmt alles raus was eine mechanische Uhr definiert, beschimpft es “revolutionär“ und sie präsentieren es und als DIE Weiterentwicklung der mechanischen Zeitmessung?
    Wieso erinnert mich das ganze an die stinknormale, für 4,95€ Quarzuhr?

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  2. Guten Tag ,
    völlig überflüssig die neue Technologie von Zenith im mechanischen Uhrenbau . Wenn ich die genau Zeit brauche , nehme ich Quartz oder besser gleich eine Funkuhr . Zenith hat das Wesen der Mechanik im Uhrenbau verfehlt .
    Mit freundlichen Grüßen
    Schönau

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  3. Die beiden vorigen Kommentare sind amüsant : Beide haben den Unterschied zwischen mechanischen und Batteriebetriebenen Uhrwerken noch nicht verstanden 🙂
    Quarz ist tote Materie, braucht eine Batterie und hat keine Seele.

    Dieses mechanische Kunstwerk von Zenith ist bemerkenswert und übertrifft an Innovation wohl auch z.B. die Uhrwerke von “Richard Mille”. Aber das kann man wohl erst in ca. 8 Jahren beurteilen, wenn sich diese Technik als zuverlässig gezeigt hat.

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  4. Also zunächst einmal definiert sich eine mechanische Uhr dadurch, dass sie eben mechanisch (durch Zufuhr von Energie mittels aufziehen oder Automatik) angetrieben wird und nicht per Batterie. Das ist bei dieser neuen Zenith genauso der Fall wie bei den bisherigen mechanischen Uhren, die im Übrigen durch das aufkommen dieser neuen Uhr auch nicht verschwinden werden.
    Wie man gegenüber dieser – meiner Meinung nach – beachtlichen Forschungs- und Entwicklungsleistung eine derartige Abneigung haben kann, verstehe ich beim besten Willen nicht. Was ist verkehrt daran, bei mechanischen Uhren über den Tellerrand hinauszudenken? Und, das verstehe ich erst recht nicht: was ist verkehrt an einer äusserst präzisen mechanischen Uhr? Müssen mechanische Uhren jetzt zwingendermassen ungenau sein, damit sie “akzeptiert” werden? Ja, es liegt in der Natur der Sache, dass diese ungenauer sind als Quarzuhren. Aber warum sollte man nicht optimieren dürfen? Dass man ein System, das von Natur aus eine gewisse Ungenauigkeit hat, so optimiert, dass es nahezu perfekt genau läuft, halte ich nicht für einen Akt des “Seele ausraubens”, sondern für höchst beachtliche Innovation.

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  5. Die ersten beiden Kommtare kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Als altem Uhrmachermeister bleibt mir nur dem Genie Respekt zu zollen! Eine Uhr ohne Batterie oder Akku, dazu extrem wartungsarm also umweltfreundlich, die braucht eigentlich nur noch die Massenfertigung um sie zu einem akzeptablen Preis auf den Markt zu bringen.

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  6. Die beiden ersten Kommentare Zeugen von klassischen Amateurhaften Wissensstand und sind meiner Meinung nach komplett fehl am Platz. Die Uhr ist eine faszinierende Konstruktion und als Uhrmacher kann ich den Leuten von Zenith nur gratulieren zu ihrem Meisterwerk.

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