A. Lange & Söhne Lange 1: Die begehrteste Uhr aus Glashütte

Alles über die Uhrenikone Lange 1 von A. Lange & Söhne

Jens Koch
von Jens Koch
am 23. Dezember 2017
A. Lange und Söhne stellte bei seiner Neugründung in Glashütte 1994 die Lange 1 mit einem Paukenschlag vor: eine Uhr mit dezentralen Anzeigen, die nicht das volle Zifferblatt zur Darstellung der Uhrzeit benötigte! Ein solcher Umgang mit dem zur Verfügung stehenden Raum war revolutionär. Dabei blieb die Fläche außerhalb des Hauptzifferblatts keineswegs ungenutzt. Hier fanden ein Großdatum, eine Gangreserveanzeige und eine kleine Sekunde reichlich Platz. Die Zentren der Anzeigen bildeten ein gleichseitiges Dreieck und wirkten daher harmonisch. Keine Anzeige beschnitt oder verdeckte eine andere. Zudem folgten die Skala der Gangreserveanzeige und die Schriftzüge oben und unten dem Zifferblattrand, sodass die runde Form des Gehäuses aufgenommen wurde und das Zifferblatt nicht leer oder ungleichmäßig gefüllt wirkte. Eine Ikone muss nicht nur schön, sondern auch einzigartig gestaltet sein; das ist A. Lange & Söhne mit der Lange 1 auf Anhieb gelungen.

Wie die Lange 1 im Chronos-Test abschneidet, lesen Sie hier!

A. Lange & Söhne: Uhrenikone Lange 1
A. Lange & Söhne: Uhrenikone Lange 1

Lange 1 – ein charakterstarkes Design macht sie zur Ikone

Zu dem damals ungewöhnlichen Großdatum ließ sich Lange von der Fünfminutenuhr in der Dresdner Semperoper inspirieren. Es löste in der Folge einen anhaltenden Trend zum Großdatum aus. Und dezentrale Anzeigen brachten später auch andere Glashütter Marken. Während die erste Lange 1 noch einen geschlossenen Boden hatte, erlaubte schon ein Jahr später ein Glasboden, das Kaliber L901.0 zu betrachten. Als typisches Lange-Werk zeigte es die bekannten Merkmale der Glashütter Marke: Dreiviertelplatine aus Neusilber mit Glashütter Bandschliff, verschraubte Goldchatons, Schraubenunruh und einen handgravierten Unruhkloben mit Schwanenhals-Feinregulierung. Alle Dekorationen wie die anglierten und polierten Kanten waren sorgfältig ausgeführt. Ebenfalls positiv: Die Gangautonomie betrug 72 Stunden. Zwei Jahrzehnte lang war die Lange 1 auch dafür bekannt, dass sie immer noch in der 1994 vorgestellten Form erhältlich war. So perfekt war das Design, dass es keiner Anpassung bedurfte. Erst 2015 wurde die Uhr zum ersten Mal überarbeitet, und zwar vor allem im Innern: Sie erhielt ein komplett neues Werk mit durchgehender Dreiviertelplatine und Exzentergewichten statt Schrauben auf der Unruh und einer Spiralfeder aus eigener Fertigung. Optisch hat sich außer einer etwas schmaleren Lünette nichts getan. Während es die klassische Lange 1 also seit 1994 nahezu unverändert gibt, ließen nach und nach zahlreiche Erweiterungen die Lange 1 zu einer ganzen Kollektion werden.

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Dann lesen Sie hier alles darüber, wie sich die Preise seit 1994 verändert haben!

Es gibt sogar eine Damenversion mit Perlmuttzifferblatt: A. Lange & Söhne Kleine Lange 1
Es gibt sogar eine Damenversion mit Perlmuttzifferblatt: A. Lange & Söhne Kleine Lange 1

Wie hat sich die Lange 1 seit 1994 weiterentwickelt?

Lange 1 Tourbillon

Den Anfang machte 2000 gleich eine besonders anspruchsvolleKomplikation: Beim Lange 1 Tourbillon nahm ein Zifferblattausschnitt mit sichtbarem Kloben und darunterliegendem Tourbillon die Position der kleinen Sekunde ein. Die kleine Sekunde wanderte in das Zeitzifferblatt zwischen sieben und acht Uhr. 2010 debütierte im Tourbillon mit Honiggold ein neues Gehäusematerial, und das Werk wurde technisch auf den neuesten Stand gebracht: Dank des patentierten Sekundenstoppmechanismus ließ sich die Zeit nun exakt einstellen. Weil man die V-förmige Unruhstoppfeder sichtbar machen wollte, wurde der Zifferblattausschnitt vergrößert, sodass die Großdatumsscheibe in den Tourbillonausschnitt ragte. Damit man dennoch den Durchblick behielt, bestanden die Scheiben aus Saphirglas und wurden im Großdatumsfenster weiß hinterlegt. Mit Honiggold hat Lange eine eigene 18-karätige Goldlegierung entwickelt, die durch die Beimischung von Mangan und Silizium sowie durch eine Temperaturbehandlung deutlich härter als herkömmliches Gold und sogar härter als Platin wird und dabei einen besonderen Farbton zeigt. Zum 20. Jubiläum 2014 zeigte die Manufaktur das Lange 1 Tourbillon in der auf 20 Stück limitierten Sonderauflage „Handwerkskunst“. Vom Vorgänger unterscheidet es sich vor allem durch das Zifferblatt aus schwarzem Email, das Lange in seiner Manufaktur in Glashütte selbst herstellt. Das schwarze Hilfszifferblatt für die kleine Sekunde besteht aus massivem Silber und ist vertieft eingesetzt. Die Brücke für das Minutentourbillon sowie die Kloben von Kronrad und Zwischenrad tragen aufwendige Gravuren.

Die Lange 1 Tourbillon in der von A. Lange & Söhne entwickelten harten Legierung Honiggold.
Die Lange 1 Tourbillon in der von A. Lange & Söhne entwickelten harten Legierung Honiggold.

Lange 1 Mondphase

2002 ergänzte Lange seinen Klassiker um eine Mondphase. Die Anzeige wurde optisch geschickt in die kleine Sekunde integriert, sodass sich die harmonische Verteilung der Anzeigen nicht änderte. Außerdem konstruierten die Sachsen den Mechanismus von Grund auf neu. Pro Lunation läuft die Anzeige nur um 57 Sekunden falsch. Daraus ergibt sich eine Abweichung von einem Tag in 122,6 Jahren. Bei der Lange 1 schaltet der Mond nicht wie bei den meisten anderen Uhren einmal am Tag, sondern ist immer in Bewegung. Er befindet sich im direkten Kraftfluss, wird also nicht wie sonst üblich mit Nocken geschaltet. 2017 überarbeitete Lange dieses Modell und ergänzte eine raffinierte Tag-Nacht-Indikation: Während die Mondphase von einem goldenen Mond angezeigt wird, dreht sich darunter in 24 Stunden eine Scheibe, die nachts Sterne auf einem dunkelblauen Hintergrund und tags einen hellblauen Himmel zeigt.

A, Lange & Söhne: Lange 1 Mondphase mit in der Mondphasenanzeige integrierter Tag-Nacht-Anzeige
A. Lange & Söhne: Lange 1 Mondphase mit in der Mondphasenanzeige integrierter Tag-Nacht-Anzeige

Große Lange 1 

Da der 38,5-Millimeter-Durchmesser der klassischen Lange 1 über die Jahre von immer mehr Kunden als zu klein empfunden wurde, schoben die Glashütter 2003 die 41,9 Millimeter messende Große Lange 1 nach. Allerdings durchbrachen sie damit den bis dahin gültigen Lange-Grundsatz, dass ein neues Modell auch ein neues Werk bräuchte: Man griff auf das Kaliber L901.0 der Lange 1 zurück – mit dem Ergebnis, dass sich die Anzeigen auf dem Zifferblatt überschnitten. Vor allem das in die Stundenskala ragende Großdatum sorgte für ein unharmonisches Bild. 2012 erhielt die Große Lange 1 dann endlich ein eigenes Werk. Bei einer Gehäusegröße von 40,9 Millimetern übertrugen die Lange-Designer die harmonischen Proportionen des Ursprungsmodells auf die Neue. Dabei vergrößerten sie das Großdatum entsprechend. Das neue Kaliber überragt das alte um fast vier Millimeter im Durchmesser.

A. Lange & Söhne: Handaufzugskaliber der Lange 1 mit den typischen Merkmalen wie Dreiviertelplatine, verschraubten Goldchatons, Schwanenhalsfeinregulierung und handgraviertem Unruhkloben
A. Lange & Söhne: Handaufzugskaliber der Lange 1 mit den typischen Merkmalen wie Dreiviertelplatine, verschraubten Goldchatons, Schwanenhalsfeinregulierung und handgraviertem Unruhkloben

Chronos hat die Große Lange 1 mit dem eigenen Werk ausführlich getestet. Hier geht es zum Test!

Lange 1 Zeitzone

2005 ergänzte Lange die Lange 1 um eine interessante Zeitzonenfunktion. Das Besondere am Mechanismus ist der Städtering: Er ist mit dem kleineren Zifferblatt für die zweite Zeitzone gekoppelt. Wird er über den Drücker bei der Acht weitergeschaltet, springt auch der Stundenzeiger in Stundenschritten weiter und zeigt so stets die passende Zonenzeit. Eine aufgesetzte Pfeilspitze bei fünf Uhr weist auf die gewählte Referenzstadt. Beim Einstellen der Heimatzeit auf dem größeren Zifferblatt bewegt sich die zweite Zeitzone synchron mit. Beide Zeitzonen werden im Zwölf-Stunden-Format angezeigt und besitzen daher noch eine Indikation. Das markentypische Großdatum richtet sich stets nach dem größeren Zifferblatt. Der Zeitzonenmechanismus ist teilweise auf der Dreiviertelplatine sichtbar.

Bei der Lange 1 Zeitzone von A. Lange & Söhne wählt man die Stadt aus, die entsprechende Zeit erscheint auf dem kleinen Zifferblatt
Bei der Lange 1 Zeitzone von A. Lange & Söhne wählt man die Stadt aus, die entsprechende Zeit erscheint auf dem kleinen Zifferblatt

Erstmals mit Automatikaufzug: Lange 1 Daymatic

Im Jahr 2010 bekam die Lange 1 in Gestalt der Daymatic zum ersten Mal einen automatischen Aufzug. Der Rotor rotiert über die ganze Werkfläche. Weil eine Gangreserveanzeige bei einer Automatikuhr nicht so wichtig wie bei einer Handaufzugsuhr ist, wurde die zugehörige Skala durch eine retrograde Wochentagsanzeige ersetzt: vom Sonntag am oberen Ende der Skala springt der Zeiger auf den Montag zurück. Zudem hat Lange den Gehäusedurchmesser um einen Millimeter auf 39,5 Millimeter vergrößert und das Uhrengesicht gespiegelt, sodass sich das Zeitzifferblatt nun rechts und die übrigen Anzeigen links befinden.

Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender

2012 kam die bis heute komplizierteste Lange 1: Mit der Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender hat die sächsische Manufaktur ein Maximum an Werkkomplexität erreicht. Das Minutentourbillon besitzt den Lange Sekundenstopp zur genauen Einstellung und wurde zudem als erster Lange-Drehgang mit Exzentergewichten auf der Unruh statt mit der bekannten Schraubenunruh ausgestattet. Zugunsten der Ablesbarkeit hat die Manufaktur auf einen Tourbillonausschnitt im Zifferblatt verzichtet, und auch die Anordnung der Kalenderanzeigen um das dezentrale Stunden- und Minutenzifferblatt herum stört die Zeitanzeige nicht. Die größte Schwierigkeit lag in der neuartigen Konstruktion des Kalendariums: Der außen laufende Monatsring braucht beim Sprung noch mehr Kraft als das patentierte Lange-Großdatum, der retrograde Wochentag, die Schaltjahresanzeige und die präzise Mondphase. Die Lösung für das Problem lag in einem eigenen Speicherrad, das über den gesamten Monat hinweg Kraft für den anstrengenden Sprung sammelt.

A. Lange & Söhne Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Handwerkskunst: Die Ziffern des Großdatums sind von Hand gemalt, das weißgoldene Zifferblatt ist handgraviert.
A. Lange & Söhne Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Handwerkskunst: Die Ziffern des Großdatums sind von Hand gemalt, das weißgoldene Zifferblatt ist handgraviert.

Das Werk erkennt die richtigen Monatslängen mit Hilfe eines Abtastmechanismus, der in unterschiedlich geformte Vertiefungen auf der Unterseite des Monatsrings greift. Zusätzlich zu den versenkten Korrekturdrückern für jede Anzeige gibt es einen Gesamtkorrektor, der alle Indikationen gleichzeitig weiterschaltet. Das fein verzierte Automatikkaliber besteht aus 624 Einzelteilen und wird von einem Rotor aus Gold und Platin aufgezogen. Das Werk arbeitet in einem 41,9 Millimeter großen Gehäuse. Schon 2013 brachte die Glashütter Manufaktur mit der Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Handwerkskunst eine noch exklusivere und kostspieligere Variante der kompliziertesten Lange 1 heraus. Auf 15 Exemplare limitiert besitzt sie ein Weißgoldzifferblatt, das in verschiedenen Techniken von Hand graviert wurde. Die blauen Ziffern des Großdatums sind erstmals von Hand gemalt und das Werk weist ebenfalls noch mehr Gravuren auf.

Die Lange 1 leuchtet: Große Lange 1 Lumen

In der 2013 vorgestellten Großen Lange 1 Lumen leuchtete das stilbildende Großdatum erstmals im Dunkeln. Die technische Realisation war komplexer, als man denkt: Die Einerstellen wurden auf eine Glasscheibe gedruckt und liefen über ein Leuchtmassefeld, das sich bei Lichteinwirkung jederzeit aufladen konnte. Somit leuchtete dieser Teil der Anzeige direkt nach dem täglichen Schaltvorgang mit voller Kraft. Die Zehnerstellen waren wie gewohnt auf ein Drehkreuz mit den Ziffern Null, Eins, Zwei und Drei gedruckt. Damit dieses sich bereits vor dem Umschwenken auf eine neue Ziffer aufladen konnte, lag es hinter einem halbtransparenten Saphirglaszifferblatt. Neben dem Datum waren auch die übrigen Anzeigen bis hin zur Gangreserveindikation nachleuchtend ausgeführt, sodass sich im Dunkeln ein vollständiges Uhrengesicht ergab. Von der Platinuhr wurden 200 Exemplare gebaut, die schnell ausverkauft waren.

Große Lange 1 Mondphase Lumen

Als Nachfolger der Großen Lange 1 Lumen zeigte die Manufaktur 2016 als besondere Version ihrer 2014 vorgestellten Großen Lange 1 Mondphase wieder eine Lumen-Version.

Die große Lange 1 Lumen von A. Lange & Söhne besitzt ein semitransparentes Zifferblatt und ein nachleuchtendes Großdatum
Die große Lange 1 Lumen von A. Lange & Söhne besitzt ein semitransparentes Zifferblatt und ein nachleuchtendes Großdatum

Einen ausführlichen Test zur Großen Lange 1 Mondphase Lumen finden Sie hier.

Hier leuchten auch der Mond und die 1164 unterschiedlich großen Sterne auf der Mondphasenanzeige innerhalb des Zeitzifferblatts im Dunkeln. Die urbanen Lumen-Modelle sind für die sonst streng elegante Marke A. Lange & Söhne wohl die ungewöhnlichsten Lange-1-Versionen. Die ursprüngliche Lange 1 ist dank ihres ebenso charakterstarken wie eleganten Designs schnell zur Ikone geworden und wird immer noch optisch nahezu unverändert gebaut. Daneben gibt es Erweiterungen in mehrere Richtungen: verschiedene Funktionen, extrem komplizierte Modelle, mit besonders viel Handarbeit und alten Techniken veredelte Versionen und eben die urbanen und technischen Lumen-Modelle, die auch von vorn ein wenig der Mechanik sehen lassen. Die Lange 1 bleibt sich also treu und erfindet sich gleichzeitig immer wieder neu. jk

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