Rolex Perpetual Padellone: Vollkalender mit Haplos-System
Mit der Perpetual Padellone erweitert Rolex seine 2023 eingeführte Perpetual-Kollektion um ein Modell mit Vollkalender und Mondphase. Der Name ist Programm, allerdings nicht ganz in dem Sinn, den man zunächst vermuten könnte: „Perpetual" bezeichnet bei Rolex die Produktlinie, nicht zwangsläufig die Komplikation. Die Padellone selbst trägt einen Jahreskalender mit Datum, Wochentag, Monat, dazu die Mondphase –, keinen ewigen Kalender im klassischen uhrmacherischen Wortsinn, der auch die unterschiedliche Zahl der Monatstage automatisch über Jahrhunderte hinweg korrekt verarbeitet. Das muss man auseinanderhalten, gerade weil der Name der Kollektion zur Verwechslung einlädt.
Der Modellname selbst ist ebenso keine Erfindung von heute, sondern ein Sammlerbegriff: „Padellone" (italienisch für „große Pfanne") bürgerte sich unter Sammlern für die Referenz 8171 ein, einen Rolex-Vollkalenderchronographen der 1950er-Jahre mit für seine Zeit ungewöhnlich großem Gehäuse. Mit der neuen Padellone knüpft Rolex an diese Referenz an, ohne sie zu kopieren – ein historisches Zitat, keine Reedition.
Die neue 2026 Rolex Perpetual Padellone.
RolexKaliber 7190: Abgeleitet vom Land-Dweller-Werk
Technisch basiert die Padellone auf dem im Frühjahr 2025 vorgestellten Kaliber 7135 aus der Land-Dweller-Kollektion. Für die Padellone hat Rolex daraus das Kaliber 7190 entwickelt, ein vollständig manufaktureigenes Automatikwerk, das denselben Regulierorgan-Ansatz übernimmt: Dynapulse-Hemmung aus Silizium mit sequenzieller Kraftverteilung, Syloxi-Spirale, Unruh aus Hightech-Keramik und optimiertes Paraflex-Antischocksystem. Die Frequenz liegt bei 36.000 Halbschwingungen pro Stunde, also 5 Hertz – höher als bei den meisten anderen Rolex-Kalibern der 71XX-Familie, die üblicherweise mit 4 Hertz laufen. Gleichzeitig baut das 7190 dünner als vergleichbare Werke dieser Familie, was bei einer Gesamthöhe von 12,20 Millimetern für das fertige Gehäuse zu Buche schlägt.
Der eigentliche Clou liegt im Kalendermechanismus. Rolex nennt ihn „Haplos" und hat dafür sieben Patentanmeldungen eingereicht, zwei davon exklusiv für dieses System. Gegenüber klassischen Jahreskalenderkonstruktionen kommt das System laut Hersteller mit lediglich zwei zusätzlichen Bauteilen aus, die mit dem Datumsmechanismus verbunden sind: einem zusätzlichen Mitnehmerfinger und einem Jahreshebel. Das ist bemerkenswert schlank für einen Mechanismus, der zwischen 30- und 31-tägigen Monaten unterscheidet und Datum, Wochentag und Monat gemeinsam um Mitternacht springend weiterschaltet – eine zusätzliche technische Feinheit ist die Programmierung des Jahreskalenders auf der Rückseite der Monatsscheibe, die dem Jahreshebel den laufenden Monat mitteilt. Ob sich das reduzierte Bauteilkonzept auch in der Praxis als robust erweist, wird sich erst über längere Nutzungszeiträume zeigen; auf dem Papier verspricht es zumindest weniger potenzielle Fehlerquellen als komplexere Kalenderkonstruktionen mit mehr bewegten Teilen. Die Gangreserve gibt Rolex mit rund 66 Stunden an, ermöglicht durch die Kombination aus Federhauskonstruktion und dem höheren Wirkungsgrad der Dynapulse-Hemmung. Angetrieben wird das Werk vom Perpetual-Rotor, verziert mit Côtes de Genève sowie einer durchbrochenen Schwungmasse in Gelbgold.
Die neue 2026 Rolex Perpetual Padellone.
RolexZifferblatt: Meteorit statt Lack für die Mondphase
Bei der Mondphasenanzeige, platziert bei sechs Uhr, hat Rolex auf ein Material gesetzt, das in der eigenen Kollektion bislang selten zum Einsatz kam: Voll- und Neumond auf der blau emaillierten Scheibe bestehen aus Meteoritengestein, der Neumond zusätzlich mit dunkelblauer PVD-Beschichtung, die silberfarbenen Sterne sind im Tampondruck aufgebracht. Ein zentraler blauer Zeiger mit Halbmondspitze zeigt auf einer Skala am Zifferblattrand das Datum an; die Monatstage werden dabei in Schwarz dargestellt, mit Ausnahme der 31, die in Blau erscheint, um die unweigerliche optische Kollision mit der 1 zu entschärfen. Wochentag und Monat sind über zwei Fenster bei zwölf Uhr in englischer Sprache angezeigt.
Die neue 2026 Rolex Perpetual Padellone.
RolexDie beiden Auflagen unterscheiden sich in Gehäusematerial und Zifferblattfarbe: Die Version in 18-Karat-Everose-Gold (Referenz 53505) trägt ein tiefweißes, gekörntes Zifferblatt und ist wahlweise mit einem siebengliedrigen Settimo-Metallband oder einem mattbraunen Alligatorlederband erhältlich. Die Platin-950-Version (Referenz 53506) kommt mit eisblauem Zifferblatt und mattschwarzem Alligatorlederband. Beide Gehäuse messen 39 Millimeter im Durchmesser, verfügen über eine bombiert-geriffelte Lünette und einen verschraubten, verspiegelten Saphirglasboden, durch den sich das Werk betrachten lässt. Die Wasserdichtigkeit liegt bei moderaten 50 Metern – für ein Kalendermodell dieser Preisklasse eher Standard als Ausreißer, zumal Rolex hier erkennbar nicht auf Sportuhren-Robustheit zielt.
Das neue Kaliber 7190
RolexRolex-Zertifizierung seit 2026 erweitert
Rolex nutzt die Padellone auch, um auf eine Anpassung seiner internen „Superlative Chronometer"-Zertifizierung hinzuweisen: Seit 2026 kommen zu den 2015 eingeführten Kriterien Ganggenauigkeit, Wasserdichtigkeit, automatischer Aufzug und Gangreserve drei weitere hinzu – Widerstandsfähigkeit gegen Magnetismus, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit. Die Ganggenauigkeit der fertig montierten Armbanduhr muss laut Rolex zwischen -2 und +2 Sekunden pro Tag liegen, gemessen nach dem Einschalen des Uhrwerks – ein strengerer Wert, als ihn die offizielle Chronometerzertifizierung für das reine Uhrwerk vorschreibt.
Die Padellone positioniert sich innerhalb der Perpetual-Kollektion als Komplikationsmodell zwischen der reinen Zeitanzeige der Land-Dweller und der eleganten 1908-Reihe sowie den aufwendigeren Komplikationen der Sky-Dweller- sowie alten Cellini-Linien. Dass Rolex für den Vollkalender kein separates Manufakturkaliber von Grund auf entwickelt, sondern das Land-Dweller-Regulierorgan mit dem neuen Haplos-Kalendermodul weiterentwickelt, lässt sich auch als Vertrauensbeweis in das erst 2025 vorgestellte Kaliber 7135 lesen. Statt die Padellone auf ein etabliertes Werk aus der 71XX-Familie zu setzen, macht Rolex das neue Regulierorgan der Land-Dweller zur Basis für ihr erstes Kalendermodell dieser Bauart – noch bevor das Kaliber 7135 selbst lange auf dem Markt ist. Das deutet darauf hin, wie zentral die Land-Dweller-Architektur für die kommenden Kalibergenerationen der Marke sein dürfte, und wirft die Frage auf, welche weiteren Komplikationen und Modelle in den nächsten Jahren auf demselben Regulierorgan aufbauen werden. Die Preise starten bei 52.500 Schweizer Franken bei der Ledervariante der Everose, für das Settimo-Band werden 64.800 Schweizer Franken fällig, die Platinvariante kostet 59.000 Schweizer Franken.