„Fortis ist längst unser drittes Kind“
Fortis war ursprünglich als Investition gedacht. Heute prägt die traditionsreiche Schweizer Uhrenmarke den Alltag von Jupp und Petra Philipp beinahe rund um die Uhr. Aus einem eher zufällig entstandenen Engagement wurde ein gemeinsames unternehmerisches Projekt, das beide längst als ihr „drittes Kind“ bezeichnen. Im Gespräch mit WatchTime erzählen sie, warum Marktstudien keine große Rolle spielen, wie ein Ehepaar gemeinsam erfolgreich ein Unternehmen führen kann und weshalb eine robuste Uhr vor allem eines braucht: glaubwürdige Tests.
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FortisVom Familienunternehmen in die Uhrenbranche
WatchTime: Herr Philipp, Sie stammen ursprünglich aus einer ganz anderen Branche. War es jemals Ihr Plan, eine Schweizer Uhrenmarke zu übernehmen?
Jupp Philipp: Nein, das war überhaupt nicht geplant. Ich komme aus einem Familienunternehmen, das seit rund 100 Jahren besteht und inzwischen in vierter Generation geführt wird. Wir stellen Fruchtsaftkonzentrate und Lebensmittelfarben her. Ich habe dort mehr als 20 Jahre gearbeitet und bin gemeinsam mit meinen Geschwistern bis heute im Unternehmen tätig. Gleichzeitig hatte ich schon länger den Wunsch, zusätzlich noch etwas Neues anzupacken oder zu investieren. Wenn ich aber noch einmal etwas mache, dann muss es etwas sein, das mir wirklich Freude bereitet. Alles andere, was ich mir damals angesehen hatte, war für mich entweder langweilig oder einfach nicht das Richtige.
WatchTime: Wie kam Fortis ins Spiel?
Jupp Philipp: Eher durch Zufall. Eigentlich wollten wir einem Freund dabei helfen, ein anderes Unternehmen zu verkaufen. Über diesen Kontakt entstand dann die Verbindung zu Fortis. Wir sind vorbeigefahren, ich habe mir die Firma angesehen und relativ schnell gesagt: „Genau das ist es, was ich machen möchte.“
Petra Philipp: Ursprünglich war es tatsächlich eher als Investition gedacht. Ich fand den Gedanken schön, auch in der Schweiz etwas aufzubauen – nicht zuletzt für unsere beiden Söhne. Dass daraus einmal Fortis werden und die Marke so viel Freude in unser beider Leben bringen würde, hätten wir damals nicht erwartet. Im Grunde ist Fortis heute unser drittes Kind.
Jupp Philipp: Mir war von Anfang an klar, dass es kein Hobby werden sollte. Was ich allerdings unterschätzt habe, war die Trägheit der Uhrenindustrie. Ich habe schon andere Unternehmen übernommen. Normalerweise ist man am Anfang sehr intensiv eingebunden, hat die Strukturen aber nach zwei oder drei Jahren weitgehend im Griff. Bei Fortis war das anders. Dass die Uhrenbranche so schwer anzukurbeln ist und alles so lange dauert, hätte ich mir nicht vorgestellt.
WatchTime: Inzwischen sprechen Sie dennoch von einem Lebenswerk.
Jupp Philipp: Ja. Ein früherer Verkaufsleiter von mir, der schon vor meiner Zeit in der Uhrenindustrie tätig war, hat einmal gesagt: „Es ist sehr schwer, in diese Branche hineinzukommen – und noch schwerer, wieder herauszukommen.“ Damit hatte er offenbar recht.
Flieger
Fortis„Fortis ist unser drittes Kind“
WatchTime: Wann wurde Ihnen klar, welchen Umfang das Engagement tatsächlich annehmen würde?
Petra Philipp: Wir hatten keine wirkliche Vorstellung davon, wie die Uhrenindustrie funktioniert. Dass man am Ende so intensiv mit Messen, Veranstaltungen und den Menschen beschäftigt ist, hatten wir überhaupt nicht überblickt. Wir hätten auch nicht erwartet, dass das alles einen solchen Umfang annimmt – und gleichzeitig so viel Spaß macht.
Jupp Philipp: Normalerweise habe ich mich nach der ersten intensiven Phase eines Unternehmens schrittweise zurückgezogen, Mitarbeiter aufgebaut und Verantwortung übergeben. Ganz herausgezogen habe ich mich natürlich nie. Aber dass ich bei Fortis wirklich sieben Tage die Woche im Tagesgeschäft stecke und beinahe rund um die Uhr für diese Firma unterwegs bin, hätte ich nicht gedacht. Jetzt ist es so – und wir machen weiter, weil es einen wahnsinnigen Spaß macht.
WatchTime: Gab es dennoch Momente, in denen Sie ernsthaft gezweifelt haben?
Jupp Philipp: An der Entscheidung selbst nicht. Zweifel daran, ob man einen bestimmten Weg richtig eingeschlagen hat, gibt es natürlich regelmäßig. Man muss sich selbst und das System ständig hinterfragen. Nur so entwickelt man sich weiter. Aber aufgeben war nie eine Option.
Petra Philipp: Im Leben gibt es immer wieder Punkte, an denen man entscheiden muss: Geht man vorwärts oder rückwärts? Wir sind Menschen, die vorwärtsgehen.
Jupp Philipp: Ich hätte die Firma allerdings niemals gekauft, wenn Petra mir nicht ihr Einverständnis gegeben hätte. Ich habe ihr vorher ganz klar gesagt, dass ich in den ersten Jahren kaum zu Hause sein würde. Die Entfernung war zu groß, um jeden Tag hin- und herzufahren. Ich musste vor Ort sein und das Unternehmen führen.
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FortisZwei Menschen, klare Aufgaben
WatchTime: Viele Paare würden vermutlich davon abraten, gemeinsam ein Unternehmen zu führen. Warum funktioniert es bei Ihnen?
Jupp Philipp: Ich komme aus einem Familienunternehmen. Dort gibt es eigentlich eine sehr klare Regel: keine Freunde und keine Verwandten im Unternehmen, weil das schnell schiefgehen kann. Auch Ehepartner haben bei uns früher nie mitgearbeitet. Ich kann deshalb gut verstehen, warum viele davon abraten. Bei uns funktioniert es wahrscheinlich deshalb, weil jeder seine Rolle kennt und weiß, was er kann – und was nicht. Keiner von uns mischt sich in einen Bereich ein, von dem er weiß, dass der andere ihn besser beherrscht. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir seit 26 Jahren als Paar funktionieren.
Petra Philipp: Ich war nicht von Anfang an dabei. Unsere Kinder waren damals noch kleiner. Später hatte ich mehr Zeit und Lust, mich einzubringen. Zuerst habe ich Flüge und Hotels gebucht. Irgendwann hieß es: Wenn du schon die Reisen und Messen organisierst, kannst du dir auch Gedanken über den Messestand machen. So ist das Schritt für Schritt gewachsen. Irgendwann habe ich gesagt: „Wenn ich die Messen plane, möchte ich auch mitkommen.“
Jupp Philipp: Eventmanagement ist purer Stress. Das möchte normalerweise keiner machen. Petra organisiert solche Dinge dagegen mit Leidenschaft und Freude. Deshalb war für mich völlig klar, dass sie genau in diesem Bereich etwas für Fortis machen sollte.
WatchTime: Wie vermeiden Sie, sich gegenseitig in die Arbeit hineinzureden?
Jupp Philipp: Das gilt nicht nur für uns beide, sondern für das gesamte Team. Wenn jemand für eine Aufgabe verantwortlich ist, dann macht er sie auch. Natürlich werden Meinungen abgefragt und Themen gemeinsam besprochen. Aber danach mischt sich nicht ständig jemand ein. Das ist wahrscheinlich eines der Hauptprobleme vieler Partnerschaften anderer Unternehmen.
Petra Philipp: Hinzu kommt eine völlig ehrliche Kommunikation. Wenn einem etwas nicht gefällt, bleibt man nicht still oder ist beleidigt. Es wird darüber gesprochen und eine Lösung gefunden.
Jupp Philipp: Und wir sitzen auch nicht gemeinsam im Büro. Petra arbeitet im Homeoffice, ich sitze im Unternehmen. Zwischen uns liegen ungefähr 200 Kilometer. Das funktioniert ganz gut.
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FortisVom Unternehmer im Hintergrund zum Gesicht der Marke
WatchTime: Sie stehen heute bei Veranstaltungen und Messen sehr präsent für Fortis. War Ihnen diese Rolle von Anfang an vertraut?
Jupp Philipp: Überhaupt nicht. Ich war vorher immer lieber im Hintergrund. Es war nie mein Ziel, selbst als Gesicht der Marke ganz vorne zu stehen. Ich habe mich auch nie als jemand gesehen, der ständig auf die Bühne möchte. Bei Fortis wurde aber relativ schnell klar, dass es ohne die Person im Vordergrund nicht funktioniert. Natürlich muss man transparent machen, wer hinter einer Marke steht. Dass ich aber ständig unterwegs sein, mich zeigen und mit Menschen sprechen würde, hatte ich anders eingeschätzt. Heute macht mir das große Freude. Es ist wichtig, die Menschen wollen es, und inzwischen bin ich gerne in dieser Rolle. Das war wahrscheinlich eine der größten Überraschungen des gesamten Projekts.
WatchTime: Fortis wirkt heute deutlich kompromissloser als noch vor einigen Jahren. Haben Sie mit der Neuausrichtung bewusst bestimmte Kunden aufgegeben?
Jupp Philipp: Man gibt nicht bewusst jemanden auf. Kunde ist Kunde. Aber natürlich kann man aus dem früheren Fankreis nicht mehr jeden einzelnen Wunsch erfüllen. Wir sind eine kleine Firma und kein Supermarkt. Früher wurde bei Fortis teilweise versucht, alles anzubieten, was sich irgendwie verkaufen ließ. Für uns war von Anfang an klar, dass es das nicht mehr geben würde. Ich möchte Uhren machen, die ich selbst trage, die zu mir und zu uns passen. Ansonsten habe ich keine Lust darauf. Natürlich gibt es Fans, die nicht jede Entscheidung verstehen und ihren Unmut äußern. Damit muss man umgehen. Aber eine kleine Marke muss sich klar positionieren und diesen Weg konsequent gehen.
WatchTime: Wie sieht der Fortis-Kunde aus, auf den Sie sich heute konzentrieren?
Jupp Philipp: Grundsätzlich ist es ein aktiver Mensch. Wir bauen robuste Toolwatches – ein Werkzeug am Arm. Früher waren diese Uhren vor allem für professionelle Einsätze gedacht. Heute versuchen wir, diesen Gedanken im Luxussegment zu etablieren. Da gibt es beispielsweise den Sammler, der zu Hause sehr teure Uhren besitzt, am Wochenende aber Mountainbike fährt, klettern, schwimmen oder Motorrad fahren geht. Er möchte dabei trotzdem eine hochwertige Uhr tragen, aber vielleicht nicht unbedingt ein Modell für 20.000 Euro. Dann gibt es den anderen Kunden, der lange gearbeitet und Geld beiseitegelegt hat und sich nun seine erste richtig gute Uhr leisten möchte. Er trägt sie Tag und Nacht, vielleicht als Handwerker, Malermeister oder Unternehmer. Intern nennen wir den einen den Weekend-Warrior und den anderen den Weekday-Warrior. Beide sind für uns wichtig. Ich kenne beide Seiten selbst. Meine erste gute Uhr war eine Fortis, die ich Tag und Nacht getragen habe. Dreißig Jahre später besitzt man vielleicht eine größere Sammlung, lässt die besonders kostbaren Stücke gelegentlich im Safe und greift für ein Rockkonzert oder ein aktives Wochenende wieder zur robusten Fortis.
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Fortis„Ich habe in meinem Leben noch keine Marktstudie gelesen“
WatchTime: Viele Marken entwickeln ihre Modelle auf Grundlage umfangreicher Marktanalysen. Welche Rolle spielen solche Studien bei Fortis?
Jupp Philipp: Ich habe in meinem Leben noch keine Marktstudie gelesen.
Petra Philipp: Wir sind keine Menschen, die Trends folgen. Wir haben eine Vision und eine eigene Idee, und die ziehen wir durch. Man kann es ohnehin nicht allen recht machen. Dann ist es besser, das eigene Ding zu machen und dahinterstehen zu können, statt etwas umzusetzen, weil andere es vorgeschrieben haben.
Jupp Philipp: Am Ende müssen wir unsere Uhren mit echter Leidenschaft erklären können. Es bringt nichts, ein Modell zu entwickeln, das gerade im Trend liegt, mich selbst aber überhaupt nicht interessiert. Wir möchten zeitlose Uhren bauen. Der Kunde soll in 20 oder 30 Jahren noch darauf schauen und sagen: „Gut, dass ich sie damals gekauft habe.“ Wenn man jetzt einfach eine rosa Uhr macht, nur weil das gerade gefragt ist, interessiert sich vielleicht schon bald niemand mehr dafür.
WatchTime: Woher wissen Sie dann, ob eine Uhr funktioniert?
Jupp Philipp: Ich gehe auf Veranstaltungen und spreche mit den Menschen. Wenn jemand eine unserer Uhren sieht und seine Augen strahlen, weiß ich, dass wir richtigliegen. Wenn sie nicht strahlen, liegen wir wahrscheinlich falsch. Dafür brauche ich keine Marktstudie.
Petra Philipp: Der direkte Kontakt ist für uns unglaublich wichtig. Auf großen Messen, aber auch bei kleinen Veranstaltungen mit zehn oder 15 Menschen, können wir wirklich miteinander sprechen: Was interessiert euch? Was ist euch an einer Uhr wichtig? Was braucht ihr im Alltag? Diese Informationen nehmen wir mit in die Entwicklung.
WatchTime: Gibt es eine Fortis, die Sie persönlich besonders schätzen, die wirtschaftlich aber nicht ganz Ihren Erwartungen entsprochen hat?
Jupp Philipp: Eigentlich ist meine Lieblingsuhr diejenige, die sich innerhalb der Kollektion am schwächsten verkauft. Den Namen möchte ich aber lieber nicht nennen. Das liegt unter anderem daran, dass der Trend derzeit zu kleineren Uhren geht. Ich habe ein großes Handgelenk und mag nach wie vor entsprechend große, proportional passende Uhren. Ich finde es nicht schön, wenn jemand mit einem kräftigen Arm eine viel zu kleine Uhr trägt. Umgekehrt ist eine zu große Uhr natürlich ebenso wenig passend. Besagtes Modell ist von Haus aus sehr groß und passt deshalb vielleicht nur an 20 oder 30 Prozent der Handgelenke. Es ist trotzdem kein Ladenhüter. Wir haben eigentlich überhaupt keine Modelle, die sich gar nicht verkaufen. Manche entwickeln sich lediglich anders als erwartet.
Petra Philipp: Manchmal glaubt man während der Gestaltung, ein Modell werde der absolute Erfolg. Dann braucht es aber zwei oder drei Jahre, bis die Menschen es wahrnehmen und verstehen. Danach kann es sich dennoch sehr gut entwickeln.
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FortisWas bei einer Toolwatch häufig unterschätzt wird
WatchTime: Was ist für Sie eine besonders unterschätzte technische oder funktionale Eigenschaft einer mechanischen Uhr?
Petra Philipp: Für mich ist es die verstellbare Schließe am Metallband. Das ist ein absolutes Muss. Ich verstehe nicht, warum nicht jede Uhr eine solche Lösung besitzt. Gerade im Sommer verstelle ich das Band teilweise mehrmals täglich, weil sich der Umfang des Handgelenks verändert.
Jupp Philipp: Ein weiteres unterschätztes Thema ist Titan. Viele Kunden wissen gar nicht, wie gut dieses Material ist. Für mich ist Titan Edelstahl in vielerlei Hinsicht überlegen, trotzdem möchten viele Käufer weiterhin Edelstahl. Wenn es allein nach mir ginge, würden wir deutlich mehr Titan verwenden.
WatchTime: Was fehlt vielen Uhren, die dennoch als besonders robust beworben werden?
Jupp Philipp: Testen. Testen. Testen. Wenn man wirklich robuste Uhren bauen möchte, muss man hinter den eigenen Aussagen stehen und sie überprüfen. Eine unserer ersten Investitionen war deshalb ein großes Testlabor. Viele Marken stellen Behauptungen auf, obwohl sie diese in der eigenen Infrastruktur gar nicht vollständig testen können. Teilweise erkennt man schon an der Konstruktion, dass bestimmte Aussagen kaum plausibel sind. Trotzdem werden sie kommuniziert, weil der Kunde sie hören möchte.
Petra Philipp: Auch die Wasserdichtigkeit ist ein Beispiel. Es gibt selbst hochwertige Toolwatches, die nur bis 100 Meter wasserdicht sind. Für mich ist das zu wenig. Bei einer konsequent robusten Uhr erwarte ich mehr.
Jupp Philipp: Was viele Unternehmen außerdem unterschätzen, ist die heutige Transparenz. Früher konnte eine Marke ihre Werbung und ihre Behauptungen über wenige Kanäle verbreiten. Heute kommunizieren Sammler über soziale Medien und das Internet weltweit miteinander. Alles kommt irgendwann ans Licht. Wenn eine Behauptung nicht stimmt, wird das früher oder später bekannt. Das unterschätzen viele große Marken. Deshalb sollte man ehrlich sein.
Automatikwerk
FortisWeltraum als Übersetzung in den Alltag
WatchTime: Wenn morgen eine Marsmission starten würde: Welche Fortis gehörte ans Handgelenk?
Jupp Philipp: Natürlich die Novonaut. The one and only.
WatchTime: Fortis wird sehr stark mit der Raumfahrt verbunden. Wird dieser Aspekt manchmal missverstanden?
Jupp Philipp: Ja. Momentan beschäftigen sich viele Marken mit dem Weltraum, weil Mond- und Raumfahrtmissionen wieder ein Trendthema sind. Bei unseren weltraumgeprüften und weltraumtauglichen Uhren geht es aber nicht darum, dass der Kunde selbst ins All fliegt. Unser Ziel ist es, besonders robuste und zugleich schöne Uhren für härteste Aufgaben zu bauen. Und es gibt kaum eine härtere Umgebung als den Weltraum. Die Raumfahrt ist deshalb eine Übersetzung in den Alltag. Wenn eine Uhr die Vibrationen und Beschleunigungen eines Raketenstarts übersteht, hält sie auch Mountainbiken aus.
Petra Philipp: Oder Schlagzeugspielen.
Jupp Philipp: Oder Golf. Wenn eine Uhr extreme Temperaturschwankungen bewältigt, dann kann sie auch am Strand in der Sonne liegen, sich stark erwärmen und anschließend mit dem Träger ins kalte Wasser gehen. Es geht also nicht um die Frage: Was soll ich mit einer Weltraumuhr? Sondern um den Gedanken: Wenn sie diese Bedingungen aushält, hält sie auch deinen Alltag aus.
Petra Philipp: Wir testen nach genau diesen Standards. Deshalb schicken wir Gehäuse und Werke in die Stratosphäre oder mit Raketen nach oben. Wir haben Uhrwerke mit Kameras und Sensoren versehen und in Echtzeit untersucht, welchen Einfluss diese Bedingungen besitzen. Vorher und nachher wurde gemessen.
Jupp Philipp: Wenn wir dabei erkennen, dass etwas nicht stimmt, arbeiten wir daran und verbessern es. Genau darin liegt der Unterschied. Unser eigentliches Motto lautet: die schönsten Uhren für die härtesten Aufgaben.
WatchTime: Welche Uhren tragen Sie privat am häufigsten?
Petra Philipp: Das ist bei uns gar nicht so einfach, weil wir die gesamte Kollektion zu Hause haben – ungefähr 70 Modelle. Jeden Morgen entscheiden wir neu, wer welche Uhr trägt. Manchmal bittet einer den anderen, schnell das Band zu wechseln. Wir tragen tatsächlich alle Modelle, weil wir wissen möchten, wie sie sich am Handgelenk anfühlen. Aktuell trage ich besonders gerne die Flieger F-39 und danach wahrscheinlich den Stratoliner.
Jupp Philipp: Ich trage grundsätzlich alle. Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich meist zu drei Modellen greife: zum Triple GMT Titanium, meinem Daily Rocker, zum Stratoliner, den ich für eine unserer stärksten Uhren halte, und zum Vagabond, der für mich die perfekte Reiseuhr ist.
Stratoliner
FortisFortis in zehn Jahren
WatchTime: Woran würden Sie in zehn Jahren erkennen, dass Sie mit Fortis vieles richtig gemacht haben?
Petra Philipp: Uns ist wichtig, bis dahin gesund zu wachsen und trotzdem wir selbst geblieben zu sein. Fortis soll weiterhin ein kleines, familiäres Unternehmen sein, von dem man gut leben kann. In einer Idealvorstellung wäre vielleicht bereits einer unserer beiden Söhne im Unternehmen tätig. Der eine ist 19, der andere 17. Sie sind dafür noch nicht bereit, und wir möchten keinerlei Druck ausüben, aber natürlich wäre das schön.
Jupp Philipp: Die Idealvorstellung ist ein gesundes Familienunternehmen, das auf eigenen Beinen steht. In zehn Jahren bin ich 60. Dann wäre es schön, langsam mit einer Übergabe an die nächste Generation oder in neue Hände zu beginnen. Ich werde mich wahrscheinlich nie vollständig verabschieden. Aber eine Übergabe ist ohnehin ein Prozess, der fünf oder zehn Jahre dauern kann und Schritt für Schritt erfolgen muss.
Petra Philipp: Wir haben nicht den Wunsch, ein Weltunternehmen oder einen riesigen Konzern aufzubauen. Idealerweise stehen wir noch immer in unserem heutigen Gebäude, vielleicht modernisiert und renoviert.
Jupp Philipp: Dann möchten wir sagen können: Das Unternehmen funktioniert, die Menschen sind zufrieden, wir können weiterhin mit Leidenschaft arbeiten und müssen uns nicht an jedem Trend oder an kurzfristigen Verkaufszahlen orientieren. Das wäre die Idealvorstellung.
Ein Familientreffen in Düsseldorf
WatchTime: Steht dieses Jahr noch ein Highlight an?
Petra Philipp: Wir freuen uns grundsätzlich immer, Menschen persönlich kennenzulernen. Deshalb sollen uns die Leser auf Messen und Veranstaltungen besuchen. Die WatchTime Düsseldorf ist für uns inzwischen beinahe ein Familientreffen.
Jupp Philipp: Die WatchTime Düsseldorf ist das Event des Jahres. Für uns ist sie inzwischen fast ein Betriebsausflug. Manche Mitarbeiter sind regelrecht beleidigt, wenn sie nicht mitkommen dürfen.
In diesem Sinne freuen sich nicht nur Jupp und Petra, sondern auch das gesamte WatchTime-Team darauf, Sie in Düsseldorf persönlich begrüßen zu dürfen. Alle Informationen zur WatchTime Düsseldorf finden Sie hier: WatchTime Düsseldorf
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