Tourbillon-Neuheiten 2026: Drei außergewöhnliche Modelle von Yema, Favre Leuba und Minerva
Das Tourbillon gehört nach wie vor zu den anspruchsvollsten und faszinierendsten Komplikationen der mechanischen Uhrmacherei. Ursprünglich entwickelt, um lagebedingte Gangabweichungen von Taschenuhren auszugleichen, ist der rotierende Mechanismus längst zu einem Ausdruck technischer Kompetenz und uhrmacherischer Kreativität geworden. Dabei zeigt sich immer deutlicher, wie unterschiedlich die Hersteller das klassische Prinzip interpretieren. Drei aktuelle Neuheiten verdeutlichen diese Vielfalt. Während Yema die Komplikation mit einer Sternzeitanzeige kombiniert und damit an die französische Chronometriegeschichte erinnert, rückt Favre Leuba die handwerkliche Gestaltung des Zifferblatts in den Mittelpunkt. Minerva, das sich mittlerweile von seiner Mutter Montblanc emanzipiert hat und wieder als eigenständige Marke auftritt, widmet sich wiederum der Weiterentwicklung seines patentierten ExoTourbillons und verbindet dessen besondere Konstruktion mit aufwendiger Skelettierung und traditioneller Kunstfertigkeit.
Yema Spacegraf Heure Sidérale: Tourbillon mit Sternzeit
Yema: Fliegendes Tourbillon mit Sternzeit
YemaMit der Spacegraf Heure Sidérale Tourbillon Volant präsentiert die französische Marke Yema eine ihrer technisch anspruchsvollsten Uhren des Jahres 2026. Das auf 150 Exemplare limitierte Modell gehört zur exklusiven Millésime-Reihe und verbindet ein fliegendes Tourbillon mit einer astronomischen Anzeige, die an die Geschichte der Zeitmessung im französischen Besançon erinnert. Dort wurde 1878 ein Observatorium gegründet, das unter anderem der präzisen Zeitbestimmung durch astronomische Beobachtungen diente. An diesem historischen Zusammenhang orientiert sich die Spacegraf, deren Zifferblatt zwei unterschiedliche Zeitrhythmen sichtbar macht.
Bei 12 Uhr befindet sich eine rotierende Himmelsscheibe, die der sogenannten Sternzeit folgt. Anders als der gewöhnliche Sonnentag mit 24 Stunden dauert ein Sterntag rund 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden. Diese Differenz entsteht durch die Bewegung der Erde um die Sonne. Während die Scheibe eine vollständige Rotation im Rhythmus der Sternzeit absolviert, bewegt sich das fliegende Tourbillon bei sechs Uhr erheblich schneller und eröffnet den Blick auf das mechanische Innenleben.
Yema: Rückseite der Spacegraf Heure Sidérale Tourbillon Volant
YemaDie astronomische Gestaltung wird durch eine ungewöhnliche Leuchtanzeige ergänzt: Stundenmarkierungen und Zeiger bestehen aus dreidimensional geformten Elementen aus Superluminova Grade X1 BGW9. Auch die Himmelsscheibe leuchtet im Dunkeln und macht das Zifferblatt bei schwachem Licht besonders eindrucksvoll. Das 42 mm große und 12,15 mm hohe Gehäuse besteht aus Titan Grade 5. Vertikal satinierte Flächen und eine kreisförmig geschliffene Lünette unterstreichen den modernen Charakter. Unter dem gewölbten Saphirglas liegt ein schwarzes, fein sandgestrahltes Zifferblatt mit PVD-Beschichtung.
Für den Antrieb sorgt das bei Yema in Morteau gefertigte Manufakturkaliber CMM.32 mit Handaufzug und 105 Stunden Gangreserve. Laut Yema ist es auf eine Stoßfestigkeit gegenüber Beschleunigungen von bis zu 5.000 g in sämtlichen Richtungen ausgelegt. Mit einem Preis von 14.500 Euro positioniert Yema diese aufwendige Kombination aus Tourbillon und astronomischer Anzeige in einem für ein Tourbillon zugänglichen Segment.
Favre Leuba Chief Tourbillon Guilloché: Sportliche Handwerkskunst
Favre Leuba: Chief Tourbillon Guilloché mit blauem Kautschukband
Favre LeubaNachdem Favre Leuba 2025 mit der Chief Tourbillon den Einstieg in die Haute Horlogerie vollzogen hatte, folgt nun eine zweite, auf 25 Exemplare limitierte Ausführung. Technisch bleibt die Chief Tourbillon Guilloché dem ursprünglichen Modell treu, setzt gestalterisch jedoch einen neuen Schwerpunkt - mit einem auf einer historischen Guillochiermaschine von Hand bearbeiteten Zifferblatt. Die blaue Oberfläche trägt ein Gerstenkornmuster, dessen feine Linien vom Zentrum ausstrahlen. Die Guillochierung entsteht auf einer Maschine aus dem späten 19. Jahrhundert und erfordert für jedes Zifferblatt fünf bis sechs Stunden konzentrierter Handarbeit. Je nach Lichteinfall verändert die regelmäßige Struktur ihre optische Wirkung. Applizierte und rhodinierte Stundenmarker und die zentralen Zeiger sind mit Superluminova C1 X1 ausgestattet. Der kleine Sekundenzeiger aus gebläutem Stahl sitzt direkt über dem Tourbillon bei sechs Uhr, das sich entsprechend einmal pro Minute um die eigene Achse dreht.
Favre Leuba: Chief Tourbillon Guilloché mit Metallband
Favre LeubaFür das Handaufzugskaliber FL T01 arbeitet Favre Leuba mit dem Schweizer Uhrwerkspezialisten Jean-François Mojon und dessen Unternehmen Chronode zusammen. Grundlage ist das auf 3 Hertz getaktete Kaliber Chronode C502 mit 60 Stunden Gangreserve, das für die Marke umfassend überarbeitet wurde. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient die obere Tourbillonbrücke: Ihre gegenüberliegenden Partien sollen an eine Sanduhr erinnern und damit das Markenemblem von Favre Leuba aufgreifen. Auch die Finissage des Werks zeigt den hohen Anspruch: Die Brücke ist horizontal gebürstet und besitzt einen perlierten Außenrand. Auf der Rückseite ergänzen Genfer Streifen, gebläute Schrauben sowie ein dekoriertes Sperrrad die Gestaltung.
Untergebracht ist die Mechanik im charakteristischen kissenförmigen Chief-Gehäuse aus Edelstahl. Es misst 41 mm im Durchmesser und 11,45 mm in der Höhe. Die Uhr ist bis 100 Meter wasserdicht und wird an einem integrierten Metallband getragen. Ein zusätzliches Kautschukarmband gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Wer sich das Tourbillon dauerhaft ans Handgelenk legen möchte, ist mit 30.000 Euro dabei.
Minerva ExoTourbillon Skeleton LE 18: Mechanik und antike Kunst
Minerva: Exo Tourbillon Skeleton LE 18
MinervaAuch wenn Minerva auf eine bis 1858 zurückreichende Geschichte zurückblickt, gehört das 2010 erstmals vorgestellte ExoTourbillon bereits zu den mechanischen Klassikern der Manufaktur aus dem schweizerischen Juraort Villeret. Der Name "ExoTourbillon" verweist auf die herausgehobene Position der Unruh: Anders als bei einem konventionellen Tourbillon befindet sie sich außerhalb beziehungsweise oberhalb des rotierenden Käfigs (altgriechisch exo = außerhalb). Das sorgt nicht nur für eine einzigartige Optik, die Konstruktion ermöglicht es außerdem, den Tourbillonkäfig kleiner zu konstruieren und gleichzeitig eine vergleichsweise große Unruh mit hoher Trägheit einzusetzen. Minerva verwendet eine Schraubenunruh mit 14,5 mm Durchmesser und 18 Reguliergewichten.
Auf der Rückseite des Exo Tourbillons sieht man u. a. das große Federhaus, das sich hinter dem Minerva-Kopf verbirgt.
MinervaBei der neuen ExoTourbillon Skeleton Limited Edition 18 verbindet Minerva diese patentierte Komplikation mit einer aufwendig skelettierten Werkgestaltung. Das Handaufzugskaliber M18.69 mit 50 Stunden Gangreserve zeichnet sich durch eine außergewöhnlich aufwendige Veredelung aus. Über 400 Innenkanten werden von Hand abgeschrägt und poliert. Die weitgehende Skelettierung reduziert Platinen und Brücken auf filigrane Strukturen und gibt den Blick auf das Zusammenspiel der mechanischen Komponenten frei. Einen gestalterischen Kontrapunkt setzt bei 12 Uhr eine Kamee aus blauem und weißem Achat. Sie zeigt das Profil der Göttin Minerva und erinnert an antike römische Schmuckarbeiten. Für ihre Herstellung werden moderne Laserverfahren mit Handgravur und Miniaturmalerei kombiniert. Der tiefblaue Farbton setzt sich im Alligatorlederband fort.
Das 44,8 mm große Gehäuse besteht aus 750er Roségold und trägt erstmals bei einer Minerva ExoTourbillon eine charakteristische geriffelte Lünette, die seit 1927 zu den gestalterischen Merkmalen der Manufaktur zählt. Die Edition ist auf nur 18 Exemplare limitiert. Eine bei 4 Uhr angebrachte Plakette mit der römischen Zahl XVIII verweist auf diese Stückzahl. Den Preis der Uhr erfahren nur ernsthaft Interessierte auf Anfrage.