Zenith El Primero: Der Schnellschwinger damals und heute

Wie das Uhrwerk zur Berühmtheit wurde

Das automatische Chronographenkaliber El Primero von Zenith ist berühmt und gilt als eines der genauesten und besten Uhrwerke der Welt. Über Jahrzehnte nutzte sogar Rolex das Werk für den Cosmograph Daytona. Die Entwicklung eines bestimmten Uhrenmodells zum Klassiker scheint üblich. Seltener hingegen wird aus einem Uhrwerk eine Berühmtheit, die nach fast 50 Jahren schließlich eine Legende ist.

Zenith: El-Primero Chronograph 1970er
In den 1970er-Jahren erschien der El Primero Chronograph im eckigen Gehäuse

Geschichte

Zum Ende der 1960er-Jahre kämpften Seiko in Japan und zwei Zusammenschlüsse verschiedener Uhrenhersteller in der Schweiz darum, das erste automatischen Chronographenwerk vorzustellen. Neben Breitling, die gemeinsam mit Heuer-Leonidas, Hamilton/Büren und Dubois Dépraz ein Mikrorotorkaliber entwickelten, waren dies auch Zenith und Movado, die am El Primero arbeiteten. Das Werk war schließlich das erste der drei automatischen Chronographenkaliber, das der Öffentlichkeit präsentiert wurde – die Gruppe um Breitling konnte die ersten Pläne für sich verbuchen, während Seiko die ersten Exemplare auslieferte.

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Zenith: El Primero aus den 1990ern
Zenith El Primero aus den 1990ern: Das Stahlmodell mit stählerner Tachymeterskala kostet gebraucht ab 1.500 Euro

Doch zurück zur Faszination des El Primero: Der technologische Siegeszug des Uhrwerks war kaum aufzuhalten. Es bot einen Durchmesser von 13,5 Linien und maß nur 6,5 Millimeter in der Höhe.

Was das erste El Primero auszeichnete

Erstmals wurde eine Trockenschmierung auf der Basis von Molybdänsulfat verwendet, was den Gang sehr präzise machte. Die Gangreserve betrug mehr als 48 Stunden, was etwas mehr war, als andere Uhrwerke früher leisteten. Auch die Unruh hatte es eiliger als damals üblich: Das Herz des El Primero schlägt mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde (fünf Hertz) und erlaubt daher eine Chronographenmessung der Zehntelsekunde. Bei den Werken der damaligen Zeit war eine Frequenz von maximal 21.600 Halbschwingungen pro Stunde üblich, die Unruh des Kaliber 11 Chronomatic des Breitling-Teams oszillierte mit 19.800 A/h.

Zenith: El Primero mit Kalenderfunktion und Mondphasenanzeige
Das El Primero-Werk gibt es auch mit Kalenderfunktion und Mondphasenanzeige

Die Schwungmasse zum Aufzug des Uhrwerkes war zentral montiert und verfügte über ein Außensegment aus Wolframkarbid. Damit war das spezifische Gewicht hoch, und jede kleine Bewegung der Uhr wurde in Energie für die Zugfeder umgesetzt. Der Chronograph maß bis zu zwölf Stunden am Stück und verfügte sogar über eine Anzeige des Datums mit Schnelleinstellung und augenblicklichem Wechsel um Mitternacht. Das Datum wurde auf vier Uhr in einem Fenster angezeigt. Ein Schaltrad steuerte die Funktion des Chronographen, während fast alle späteren Werke anderer Hersteller auf eine preiswerter zu fertigende Kulissenschaltung zurückgriffen.

Movado: El Primero
Das El Primero nutzten einige Jahre andere Marken wie Movado und TAG Heuer

Von Anfang an gingen zwei Versionen des El Primero in Produktion: das Kaliber 3019 PHC als Chronograph mit Datumsanzeige sowie das 3019PHF mit Anzeige des Vollkalenders und einer Mondphase. Ein Schnellschwinger wie das El Primero ist weniger empfindlich gegen äußere Einflüsse wie die Schwerkraft oder Erschütterungen und bietet daher eine höhere Genauigkeit. Dennoch ist das El Primero ein Uhrwerk mit hohem Wartungsbedarf und sollte mit einem Intervall von fünf Jahren – je nach Tragezeit – einem Service unterzogen werden. Bis heute gibt es 23 Versionen des legendären El Primero – ein Rekord in der Haute Horlogerie.

Das El Primero kam nicht nur in Uhren von Zenith zum Einsatz

Neben zahlreichen Kollektionen im Programm von Zenith hatte das El Primero einen der berühmtesten Auftritte über mehr als ein Jahrzehnt “undercover”. 1989 begann Rolex, eine modifizierte Version in die Daytona Cosmograph einzubauen. Damit wurde die Daytona zu einer automatischen Uhr – und behielt das Uhrwerk von Zenith bis zum Jahr 2000 bei. Bei diesem Einsatz wurde das Werk technisch verändert: Neben einer reduzierten Schwingfrequenz von nur noch 28.800 Ampere pro Stunde wurde die Hemmungsgruppe auf Rolex-Standard mit Microstella-Regulierschrauben umgebaut. Auch andere Marken verwendeten das El Primero über die Jahre – darunter Ebel, Dunhill, DuBois et fils, TAG Heuer und Daniel Roth.

Zenith: El Primero Rainbow
Der El Primero Rainbow mit buntem Minutenzähler ist bei Sammlern sehr beliebt

Bei Zenith markierte das Uhrwerk mit der hektischen Hemmung über die Jahre die Spitze der technologischen Machbarkeit. Zum Einsatz kam das Werk dabei in eleganten wie auch in sportlichen Modellen, die bei Fans bis heute beliebt sind. Zwischen Instrument und edler Uhr erschien die El Primero Rainbow.

Speziell – und beliebt bei Sammlern: Zenith El Primero Rainbow

Das Modell markierte einen der Dauerbrenner im Programm von Zenith. Eine besonders farbenfrohe Version gilt bei Sammlern als beliebt und verfügt über ein besonderes Extra: Die Referenz 02.0480.405 bietet eine Flyback-Funktion, mit der eine Nullsetzung und der sofortige Beginn einer neuen Stoppmessung möglich ist. Sie kostet im Gebrauchtmarkt circa 3.000 Euro. Der Einstieg in die Rainbow-Kollektion beginnt bei 2.000 Euro. Durch die große Modellvielfalt, die sich über die Jahre entwickelt hat, sind die Einstiegspreise für gebrauchte Zenith El Primero-Uhren erschwinglich: Ab 1.500 Euro kosten Modelle, meist aus den 1990er- und 2000er-Jahren. Allerdings sollte stets ein höherer Betrag für eine fachkundige Revision eingeplant werden, denn meist sind die Uhrwerke nicht mehr präzise und bedürfen einer kundigen Hand.

Zenith: El Primero Defy Classic Chrono Aero
Der Defy Classic Chrono Aero von 2006 taucht selten auf dem Gebrauchtmarkt auf

Zu den seltenen Vertretern gehört die Zenith Defy, die in den Zenith-Kollektionen der 1990er-Jahre im Einstiegslevel angesiedelt war. Die sportliche Uhr mit Edelstahl- oder Lederband von damals baut heute eine Brücke in das Jahr 2017.

Zenith und das El Primero heute

Auf der Baselworld in diesem Jahr stellte Zenith eine Uhr vor, die nicht nur Zehntelsekunden stoppen kann, sondern sogar Hundertstelsekunden. Was üblicherweise einer digitalen Quarzuhr vorbehalten ist, schafft in der Defy El Primero 21 das neue Kaliber El Primero 9004. Das aufwändige Werk ist zweiteilig aufgebaut und setzt ein Zeichen für das 21. Jahrhundert. Einem entscheidenden Detail bleibt Zenith treu: Der hohen Unruhfrequenz, die mit 36.000 Halbschwingungen pro Stunde dem Original von 1969 entspricht. Zu erkennen ist das Uhrwerk stets an dem sehr flüssig gleitenden Sekundenzeiger, der hohen Präzision und dem hektischen Tickgeräusch. Bei dem neuen Kaliber verfügt die Stoppfunktion über ein eigenes Uhrwerk mit separater Hemmung, die mit 360.000 Halbschwingungen pro Stunde schwingt. Das Chronographen-Werk oszilliert so mit 50 Hertz und macht den Stoppvorgang auf die Hundertstelsekunde genau möglich.

Zenith: El Primero 9004
Zenith El Primero 9004: Stoppfunktion und Zeitanzeige verfügen über je ein eigenes Hemmungssystem

Das hat einen Preis – neben den baren Kosten ab 9.700 Euro für die Titanversion oder ab 10.600 Euro für die der skelettierte Variante – : Die Gangreserve für den Chronographen reicht nur für 50 Minuten. Beide Werke können über die Krone aufgezogen werden – im Uhrzeigersinn gedreht, wird die Zugfeder des Stoppwerkes gespannt, gegen den Uhrzeigersinn die des Gehwerkes.

Parallelen zwischen dem El Primero 21 und dem Ur-Werk

Im Zentrum des Zifferblatts rotiert der Zeiger für die Hundertstelsekunde, während ein Hilfszifferblatt bei sechs Uhr die gestoppten Sekunden ausweist. Aufgrund der begrenzten Gangreserve des Stoppwerkes gibt es keinen Stundenzähler, wie ihn das ursprüngliche El Primero von 1969 besitzt, sondern nur einen 30-Minuten-Zähler bei drei Uhr. Dennoch lassen sich optische Parallelen zum Layout des Ursprungwerkes nicht verhehlen, denn ganz wie damals dreht die laufende Sekunde ihre Runden bei neun Uhr. Der Durchmesser der Gehäuse beträgt 44 Millimeter. Auch nach fast 50 Jahren beweist Zenith erneut: Kein anderer Uhrenhersteller beherrscht die mechanische Hochfrequenzuhr in diesem Maße. Seit 1969 setzt das El Primero Maßstäbe, und die Version für das 21. Jahrhundert führt dies nur logisch fort. So wird aus einem Uhrwerk eine Legende, die jeden Uhrenkenner begeistert. Keiner tickt schneller, was ein El Primero zu einem “Must Have” in einer Uhrensammlung macht.

Zenith: El Primero 21
Der Defy El Primero 21 stoppt auf die Hundertstelsekunde genau. 10.900 Euro

Die 5 wichtigsten Punkte in der Geschichte von Zenith

1865
Georges Favre-Jacot gründete in Le Locle die “Fabrique des Billodes”.

1911
Die Manufaktur wird “Fabrique des Montres Zenith” umbenannt. Der Stern als Firmenlogo soll die uhrmacherischen Leistungen der Marke symbolisieren.

1969
Zenith präsentiert das automatische Chronographenwerk El Primero.

1984
Der Leiter der Chronographenabteilung rettete in der Quarzkrise Produktionswerkzeuge vor der Vernichtung. So kann Zenith nach neun Jahren Pause wieder mechanische Uhren bauen.

2000
Zenith wird Teil des Luxusgüterkonzerns LVMH, zu dem auch Bulgari, Hublot und TAG Heuer gehören.

Neue Kooperationen

Neuere Zusammenarbeiten betreffen die kubanische Zigarrenmarke Cohiba, die Rockband Rolling Stones und den britischen Autohersteller Range Rover. Bei dem limitierten Sondermodell El Primero Chronomaster 1969 „Tribute to The Rolling Stones“ ziert die berühmteste Zunge der Welt das Zifferblatt – dezent integriert in den Stundenzähler bei der Sechs. Eine weitere Besonderheit stellt die im Zifferblattausschnitt sichtbare Hemmung mit Anker und Ankerrad aus Silizium dar. Hier treffen Design und Funktion aufeinander: Die blauen Siliziumteile sind nicht nur ein Blickfang, sondern sorgen auch für ein reibungsarmes Zusammenspiel der Hemmungskomponenten.

Zenith El Primero Chronomaster 1969 „Tribute to The Rolling Stones"
Zenith El Primero Chronomaster 1969 „Tribute to The Rolling Stones”

Zusammen mit der Luxus-SUV-Marke Range Rover stellte Zenith schon zwei El-Primero-Modelle vor. Das neueste benannte die Manufaktur nach dem Range Rover Velar. Das Gehäuse besteht wie die Range-Rover-Karosserie aus Aluminium und wird von Zenith noch mit einer mattschwarzen, kratzfesten Keramikschicht ummantelt. Auf der Schwungmasse des El-Primero-Werkes findet sich der Range-Rover-Schriftzug. Getragen wird die Uhr an einem Kautschukband mit einer Auflage aus Kalbsleder. Wie beim Interieur des Velar nimmt die Perforierung des Bandes das Design der Nationalflagge Großbritanniens, des Union Jack, auf.

Zenith Chronomaster El Primero Range Rover Velar
Zenith Chronomaster El Primero Range Rover Velar

Skelettuhren

Die neueste El-Primero-Modelle kommen häufig mit skelettiertem Werk und ohne Zifferblatt aus. Auch die Trendfarbe Blau sieht man öfter. Bei der Zenith Defy El Primero 21 beispielsweise ist die Grundplatine und der Ring für den 30-Minuten-Zähler in Blau.

Zenit: Defy El Primero 21 Blue am Kautschukband
Zenit: Defy El Primero 21 Blue am Kautschukband

Das Kaliber heißt in dieser Form El Primero 9004. Bei zwölf Uhr befindet sich eine Anzeige der Gangreserve. Mit 44 Millimeter großem, satiniertem Titangehäuse und passend zu den blauen Uhrwerkakzenten blauen Bändern aus Kautschuk kostet die neueste El Primero 11.100 Euro.

Wenn Sie mehr über die Geschichte von Zenith erfahren möchten, können Sie sich hier den Artikel “Die Meilensteine von Zenith” kostenlos herunterladen.

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