Neue deutsche Welle: 5 junge Uhrenmarken

Kaufberatung – Uhren von schlicht bis auffällig

Nicht nur in der Schweiz, die für ihre Uhrenindustrie bekannt ist, sondern auch in Deutschland entstehen viele neue Uhrenmarken. Hier finden Sie fünf ausgewählte Hersteller, die jünger als 20 Jahre sind. Auf der neuen deutschen Welle surfen Uhren mit ganz unterschiedlicher Gestaltung, Ausstattung und Werktechnik.

Junge deutsche Uhrenmarke #1: Der Robuste – Cronus

Cronus: Prototyp 2
Cronus: Prototyp 2

Die von Juri Schob neu gegründete deutsche Uhrenmarke Cronus orientierte sich beim Design des Modells Prototyp 2 an einer russischen Einsatztaucheruhr aus den 1960er Jahren. Wegen ­ihres zum Patent angemeldeten Kronenmechanismus ist die robuste Sportuhr nicht nur für den Alltag, sondern auch für Einsätze im und auf dem Wasser geeignet: Ein kleiner Schieber am verschraubten Kronenschutz drückt die Aufzugskrone gegen das Gehäuse und schützt das Eta-Automatikkaliber 2824 bis 30 Bar vor eindringender Nässe.

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Erst wenn man den Schieber – gegen einen deutlichen Widerstand – bewegt, lässt sich die Krone bedienen. Das 45 Millimeter große, ­betont kantige Edelstahlgehäuse der Prototyp 2 ist perlgestrahlt und lässt somit keine störenden ­Reflexe zu. Es ist an einem in Deutschland handgefertigten Lederband befestigt. Das robuste Erstlingswerk von Cronus kostet 2.400 Euro.

Junge deutsche Uhrenmarke #2: Der Traditionelle – Bruno Söhnle

Im Jahr 2000, zu seinem 60. Geburtstag, schenkte sich der schwäbische Unternehmer Bruno Söhnle seine gleichnamige Uhrenmarke, und zwar am geschichtsträchtigen Uhrenstandort Glashütte in Sachsen. 2012 ließ er seine Produktionsstätte, das ehemalige Assmann-Haus, renovieren. Im Frühjahr 2017 erweiterte Bruno Söhnle die Modellreihe Stuttgart. Die Besonderheit: In den vier Versionen der Stuttgart Handaufzug kommen erstmalig die sognannten Atelierkaliber zum Einsatz. Jedes Mitglied der Familie Söhnle steht für die Weiterentwicklung des Unternehmens ein und bürgt als Pate für das jeweilige Uhrwerk. Der Name der Modellreihe Stuttgart ist auch ein Bekenntnis zum Qualitätslabel „Made in Germany“, wobei die Richtlinien für das Signet „Glashütte/SA“ wesentlich anspruchsvoller sind. Die Stuttgart Handaufzug wird angetrieben vom Kaliber 283, einem nach Glashütter Art verzierten Taschenuhrkaliber Unitas 6498 vom Schweizer Werkelieferanten Eta. Das Handaufzugswerk tickt in einem 42 Millimeter großen Edelstahlgehäuse mit Mineralglasboden, das wahlweise ein graues, schwarzes, beige- oder silberfarbenes Zifferblatt rahmt. Die schlichte, elegante Armbanduhr kostet mit Kalbslederband 2.290 Euro; das ebenfalls erhältliche fünfreihige Metallgliederband verlangt nach 100 Euro mehr.

Bruno Söhnle Stuttgart Handaufzug
Bruno Söhnle: Stuttgart Handaufzug

Die neueste Automatikuhr von Bruno Söhnle ist die Hamburg Automatik Gangreserve, die ab Herbst 2018 erhältlich sein wird. Sie Zusatzanzeige besteht aus einer zweifarbigen Scheibe, die sich hinter einem Fensterausschnitt im Zifferblatt dreht. Durch den Sichtboden, den jede Mechanikuhr und sogar die meisten Quarzuhren der Glashütter Marke aufweisen, sieht man das verzierte Automatikkaliber BS509G auf Basis des Sellita SW 200. Die 43 Millimeter große Edelstahluhr kostet 2.450 Euro. Sie ist mit weißem oder schwarzem Zifferblättern erhältlich.

Bruno Söhnle: Hamburg Automatik Gangreserve
Bruno Söhnle: Hamburg Automatik Gangreserve

Junge deutsche Uhrenmarken #3: Der Handwerkskünstler – Cornehl

Die noch junge deutsche Marke Cornehl stellt in Stuttgart elegante Edelstahluhren mit aufwendig feinbearbeiteten Taschenuhrwerken her. Das Handaufszugskaliber Unitas 6498 wird in einem kräftigen Gelbton vergoldet und durch eine von Hand gravierte Dreiviertelplatine, verschraubte Goldchatons sowie eine handbearbeitete Schwanenhals-Feinregulierung stark aufgewertet. Außerdem ergänzt Markengründer Steffen Cornehl einen Sekundenstopp, damit sich seine Zeitmesser sekundengenau einstellen lassen.

Cornehl Uhren: Regulator
Cornehl: Regulator

Es gibt zunächst zwei Modelle: die Classic mit großformatigem Sekundenhilfszifferblatt und einen Regulator mit getrennten Stunden, Minuten und Sekunden. Für beide Uhren stehen zwei verschiedene Gehäusemittelteile, drei Lünetten und zwei Kronen zur Wahl. Die eleganten Zifferblätter sind entweder silberfarben oder mattschwarz. Abgebildet ist der Regulator mit klassischem Gehäusemittelteil, gestufter Lünette und Zwiebelkrone zum Preis von 4.500 Euro.

Cornehl Uhren veredelt das Handaufzugswerk Unitas 6498 und baut es zum Regulator um
Cornehl veredelt das Handaufzugswerk Unitas 6498 und baut es zum Regulator um

Junge deutsche Uhrenmarke #4: Der Techniker – UTS

1999 hat der Ingenieur für Maschinenbau und Fertigungstechnik Nicolaus Spinner seine eigene Sportuhrenmarke UTS (Uhren-Technik Spinner) gegründet. In den Gehäusen gibt es keine Standardbauteile: Alle Komponenten sind selbst berechnet und werden in Deutschland aus dem Vollen gefräst. Aufgrund der handwerklichen statt industriellen Fertigung und umfangreicher Belastungstests kann UTS in Holzkirchen südlich von München nur wenige Hundert Uhren pro Jahr fertigen.

UTS: Adventure Automatic
UTS: Adventure Automatic

Beim Basismodell von UTS, der Adventure Automatic, denkt man wie bei allen Zeitmessern der Marke fast zwangsläufig: Ein starkes Stück! Mit 46 Millimetern Durchmesser und 15,5 Millimetern Höhe ist sie ein echter Brocken – männlich-markant, nicht raffiniert designt, aber dennoch mit so manchem spannenden (Gehäuse-)Detail ausgestattet. Als Erstes fällt der optionale Kronenschutz auf, der zum Preis von 100 Euro optional erhältlich ist. Wie alle anderen Gehäusebauteile ist der Kronenschutz aus massivem Stahl gefräst und mit Inbusschrauben befestigt – eine Spezialität von Nicolaus Spinner, der als Ingenieur am liebsten die technisch hochwertigsten Lösungen wählt. Die gleichen Schrauben halten die Bandanstöße und die Lünette, leider aber nicht die ansonsten sehr schön gemachte Dornschließe. Alles an der Adventure Automatic vom Gehäuse über das große Eta-Valgranges-Kaliber A07.111 bis hin zum breiten Kautschukband ist solide und robust; Letzteres fällt allerdings etwas zu dünn aus, um ein ausreichendes Gegengewicht zu dem bulligen Uhrengehäuse zu bilden. Eng getragen, liegt die Uhr jedoch recht angenehm am Arm und stört weder im Alltag noch am Berg. Nur wenn man den Ärmel über die Uhr ziehen oder in die Hosentasche greifen will, wird es eng. Kurz gesagt: Die Adventure Automatic eignet sich nicht für den Opern- oder Galaabend – aber für fast alles andere. Besonders für sportliche Herausforderungen, mit denen Stöße, Schweißbildung und der Kontakt mit Staub oder Wasser einhergehen. Der Preis inklusive Kronenschutz beträgt 3.600 Euro.

Junge deutsche Uhrenmarke #5: Der Geschichtsbewusste – Tourby Watches:

Die Taschenuhr seines Großvaters weckte in Erdal Yildiz die Leidenschaft für mechanische Zeitmesser. Im Jahr 2007 verwirklichte sich der Uhrenliebhaber seinen Traum und gründete die Marke Tourby Watches. Heute entstehen im westfälischen Hagen klassische Uhrenmodelle, die im eigenen Onlineshop zu attraktiven Preisen angeboten werden. Die Kollektion beinhaltet neben Flieger- und Taucheruhren auch historisch anmutende Modelle. Diese sind unter anderem von alten Taschenuhren oder türkischen Uhren mit alt-osmanischen Zahlen inspiriert. Zudem fertigt Yildiz individuelle Zeitmesser nach den Wünschen seiner Kunden, wobei die USA den größten Markt ausmachen. Sämtliche Komponenten wurden von Beginn an von Zulieferern aus der Schweiz und Deutschland nach Vorstellungen des Inhabers hergestellt. In den Werkstätten in Hagen und Bochum arbeitet Yildiz zusammen mit zwei Uhrmachern, einem Graveur, einem Feinmechaniker und einem Goldschmied an der Finissierung und Montage seiner Uhren. Auch sämtliche Servicearbeiten werden dort durchgeführt.

Tourby Watches: Diver Lawless 42
Tourby Watches: Diver Lawless 42 (1250 Euro)

Im Inneren der Zeitmesser ticken neben Eta- und Sellita-Werken auch alte amerikanische Taschenuhrwerke. Seit 2013 verbaut Tourby Watches in den meisten Uhren eine modifizierte Version des bekannten Eta-Taschenuhrenkalibers Unitas 6498. In Zusammenarbeit mit einem kleinen Schweizer Uhrenatelier wird aus dem Unitas-Werk das Kaliber 74.3. In der Werkstatt werden einige Komponenten produziert und das Werk zusammengebaut. Das neue Kaliber besitzt eine guillochierte Glashütter Dreiviertelplatine, Glashütter Sonnenschliff auf den Aufzugsrädern, Goldchatons, Schwanenhals-Feinregulierung und Perlage auf Grundplatine und Ankerradbrücke. Einige der Veredelungen und Dekorationen nimmt Tourby Watches selbst vor.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im März 2011.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wieso fällt mir bei der UTS-Uhr der Name Panerai ein… 🙁
    Sehr ideenreich…

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  2. Erinnert tatsächlich an Panerai!! Nur um Welten schöner meiner Meinung nach.

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  3. Was soll das? Neue Deutsche Welle? Da nimmt man die Schweizer und das Japanische werk weg und die welle ist vorbei. Finde das nicht richtig was da abgeht, habe schon 2 mail geschrieben wegen dieser Sache wurde aber ignoriert. Da werden Firmen hochgelobt und brauchen das «Made in Germany» an der Uhr, aber das wichtigste an der Uhr kommt aus dem Ausland. Schade, das sollte verboten werden, richtigerweise sollte es heissen «Zusammengebaut in Deutschland.»

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