Neue deutsche Welle: 5 junge Uhrenmarken

Kaufberatung – Uhren von schlicht bis auffällig

Nicht nur in der Schweiz, die für ihre Uhrenindustrie bekannt ist, sondern auch in Deutschland entstehen viele neue Uhrenmarken. Hier finden Sie fünf ausgewählte Hersteller, die maximal 20 Jahre alt sind. Auf der neuen deutschen Welle surfen Uhren mit ganz unterschiedlicher Gestaltung, Ausstattung und Werktechnik.

Junge deutsche Uhrenmarke #1: Die Geradlinigen – Ten Eleven Nine

Leif Henrik Osthoff baut seit 2019 in Berlin – Ten Eleven Nine ist die Postleitzahl seiner Firmenadresse – gestalterisch reduzierte Uhren, die aber alles bieten, was man braucht: gut lesbare Leuchtanzeigen, eine Wasserdichtheit bis 200 Meter und ein angenehm tragbares 38-Millimeter-Edelstahlgehäuse. Das Basismodell ist die abgebildete Minimal. Davon ausgehend gibt es Erweiterungen mit Datum, orangefarbenem Sekundenzeiger oder großflächigeren Leuchtindexen. Die Minimal kostet mit Sellita SW 200 in Top-Qualität und markentypischem Edelstahlband 2.380 Euro.

Ten Eleven Nine: Minimal
Ten Eleven Nine: Minimal

Junge deutsche Uhrenmarke #2: Die Gestalter – Sternglas

Die junge Hamburger Uhrenmarke Sternglas wurde im Jahr 2016 von Dustin Fontaine auf den Markt gebracht. Durch eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter holte er sich Unterstützung aus dem Netz und baute schnell eine treue und begeisterte Community auf, deren Feedback auch über fünf Jahre später noch die Zeitmesser mit einfließt. Die Quarz- und Mechanikmodelle sind im schlicht-funktionalen Bauhaus-Stil gehalten. Sternglas-Uhren liegen im Einstiegsbereich und überzeugen mit klarem Design und solider Verarbeitung.

Sternglas: Naos Automatik Goldene Unruh 2020
Sternglas: Naos Automatik

Dies unterstreicht die Naos Automatik, die mit dem iF Design Award 2020 ausgezeichnet wurde. Die 38 Millimeter große Dreizeigeruhr kommt mit einem klar gestalteten Zifferblatt mit unterschiedlich langen Indexen, hinzu gesellen sich durchgehend zweistellige Ziffern für die geraden Stunden. Im Innern kommt das Miyota-Kaliber 821A mit Automatikaufzug zum Einsatz, das durch einen Saphirglasboden sichtbar ist. Für gerade einmal 369 Euro ist die Uhr auch noch mit einem praktischen Schnellwechselsystem für das Armband ausgestattet: Mithilfe von Schiebern in den Bandstegen kann das Kalbslederband jederzeit getauscht werden.

Junge deutsche Uhrenmarke #3: Die Philosophen – Sherpa Watches

Die 2021 vom Ingenieur Martin Klocke gegründete Marke Sherpa Watches aus Meerbusch bei Düsseldorf lässt das Design alter Enicar-Taucheruhren aus den 1960er Jahren wieder aufleben. Diese Zeitmesser der Serie „Sherpa“ verfügten über sogenannte Kompressorgehäuse, die mit zunehmender Tauchtiefe immer stärker abdichteten. Die Technik stammte vom Schweizer Gehäusehersteller Ervin Piquerez S. A. (EPSA), der sie patentiert hatte und auch an andere Hersteller lieferte. Da unter dem Namen Enicar auch heute noch Uhren gebaut werden – die allerdings ganz anders aussehen –, meldete Klocke „Sherpa“ als Markennamen an.

Ultradive heißt das Premierenmodell der neuen Uhrenmarke Sherpa
Sherpa Watches: Ultradive

Die ersten beiden Modelle heißen OPS und Ultradive. Sie gleichen ihren historischen Vorbildern in allen wichtigen Details. Eyecatcher ist der auffällige Schutz für die beiden Kronen (die obere dient zum Bewegen der innen liegenden Drehlünette). Auch der EPSA-Stop genannte Bajonettverschluss des Gehäusebodens, die Kompressor-Konstruktion der Kronen mit Namen „Monoflex“ und die schwarzen Kautschukbänder im Tropic-Design folgen den Originalen. Typisch sind außerdem bei der OPS das schwarz DLC-beschichtete Stahlgehäuse, der orange Sekundenzeiger und die vielen rechteckigen Indexe. Die Ultradive erkennt man an der naturbelassenen Stahlschale sowie dem „Double Lollipop“-Sekundenzeiger mit zwei runden Leuchtfeldern.

Sherpa Geschäftsführer: Martin Klocke
Sherpa-Geschäftsführer: Martin Klocke

Was man von außen nicht sieht: Ankerrad und Sekundenrad des Uhrwerks sind mikroskopisch klein mit einem tibetisch-buddhistischen Mantra lasergraviert – in tibetischen Schriftzeichen. Somit wird aus dem Automatikkaliber Sellita SW 200 ein „Mantramatic MM01“. Klocke, der selbst ­tibetischer Buddhist ist, möchte so „Liebe, Weisheit und Mitgefühl vom Handgelenk in die Welt verbreiten“. Beide Modelle sind 40 Millimeter groß und bis 200 Meter wasserdicht. Die Preise liegen bei 5.800 Euro für die OPS und 5.900 Euro für die abgebildete Ultradive.

Junge deutsche Uhrenmarke #4: Die Techniker – Lehmann

Die Fertigungstiefe der 2011 gegründeten Uhrenmarke Lehmann aus Hardt bei Schramberg ist immens: Im Grunde entsteht jedes Werkteil entweder auf einer Maschine des Mutterunternehmens Lehmann Präzision oder auf Anlagen, die diese für die Schweizer Uhren- und Zulieferindustrie gebaut hat. Außerdem fertigt Lehmann die Gehäuse, Zeiger, Indexe und die komplexe Sicherheitsfaltschließe im eigenen Haus.

Lehmann: Intemporal Dual Time
Lehmann: Intemporal Dual Time (Bild: Jürgen Jeibmann Photographik)

Zur hochwertig ausgestatteten Kollektion gehört die 42 Millimeter große Intemporal Dual Time – eine Zeitzonenuhr mit deutschem Chronometerzertifikat und hoher Gangdauer von 60 Stunden. Das automatische Manufakturkaliber LS0006 mit Automatikaufzug und Chronometerzertifikat bietet selbst gefertigte Werkbrücken mit einzigartigen Oberflächenverzierungen sowie einen transparenten Saphirglasrotor, der mit seinem außen liegenden Metallelement niemals den Blick auf die besondere Mechanik verstellt.

In der Intemporal Dual Time tickt das Manufakturkaliber LS0006 mit Saphirglasrotor und speziellen Oberflächenveredelungen
In der Intemporal Dual Time tickt das Manufakturkaliber LS0006 mit Saphirglasrotor und speziellen Oberflächenveredelungen

Durch ein patentiertes Kronensystem stört das versenkte Bedienelement nicht am Handgelenk, lässt sich aber dennoch leicht mit dem Fingernagel ziehen. Nicht nur das Deck-, sondern auch das Bodenglas ist beidseitig entspiegelt. Die abgebildete Modellvariante in Edelstahl ist für 10.500 Euro erhältlich.

Junge deutsche Uhrenmarke #5: Die Geschichtsbewussten – Tourby Watches

Die Taschenuhr seines Großvaters weckte in Erdal Yildiz die Leidenschaft für mechanische Zeitmesser. Im Jahr 2007 verwirklichte sich der Uhrenliebhaber seinen Traum und gründete die Marke Tourby Watches. Heute entstehen im westfälischen Hagen klassische Uhrenmodelle, die im eigenen Onlineshop zu attraktiven Preisen angeboten werden. Die Kollektion beinhaltet neben Flieger- und Taucheruhren auch historisch anmutende Modelle. Diese sind unter anderem von alten Taschenuhren oder türkischen Zeitmessern mit alt-osmanischen Zahlen inspiriert. Zudem fertigt Yildiz individuelle Uhren nach den Wünschen seiner Kunden, wobei die USA den größten Markt ausmachen. Sämtliche Komponenten wurden von Beginn an von Zulieferern aus der Schweiz und Deutschland nach Vorstellungen des Inhabers hergestellt.

In den Werkstätten in Hagen und Bochum arbeitet Yildiz zusammen mit zwei Uhrmachern, einem Graveur, einem Feinmechaniker und einem Goldschmied an der Finissierung und Montage seiner Uhren. Auch sämtliche Servicearbeiten werden dort ausgeführt. Im Inneren der Zeitmesser ticken neben Eta- und Sellita-Werken auch alte amerikanische Taschenuhrwerke oder modifizierte Versionen des bekannten Eta-Taschenuhrenkalibers Unitas 6498.

Tourby Watches: Art Déco Salmon Dial
Tourby Watches: Art Déco Salmon Dial

2021 präsentierte die Marke die betont klassisch gestaltete Art Déco Salmon Dial mit lachsfarbenem Zifferblatt und randgewölbtem Saphirglas. Über dem aus massivem Sterlingsilber gefertigten Zifferblatt drehen sich flammgebläute Stahlzeiger. Das Edelstahlstahlgehäuse gibt es, wie bei allen Tourby-Uhren, wahlweise mit 40, 43 und 45 Millimetern Durchmesser. Außerdem bietet Tourby das Modell mit verschiedenen Uhrwerken an: Das Premium-Werk basiert auf dem Unitas 6498-1 und wird mit Dreiviertelplatine, gepressten Chatons, Schwanenhals-Feinregulierung und skelettierten Aufzugsrädern verfeinert (2.300 Euro). Das Top-Grade-Kaliber basiert auf dem Unitas 6498-2 und erhält mit weiteren Skelettierungen, Perlage, Sonnenschliff und gebläuter Schwanenhals-Feinregulierung noch aufwendigere Dekorationen (2.950 Euro). Die höchste Stufe bildet das Top-Werk mit zusätzlichen Handgravuren für 4.450 Euro. Wer statt des Krokobandes ein Pferdelederband wählt, spart in jeder Version 75 Euro.

Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im März 2011.

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Produkt: UHREN-MAGAZIN 5/2020
UHREN-MAGAZIN 5/2020
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wieso fällt mir bei der UTS-Uhr der Name Panerai ein… 🙁
    Sehr ideenreich…

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  2. Erinnert tatsächlich an Panerai!! Nur um Welten schöner meiner Meinung nach.

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  3. Was soll das? Neue Deutsche Welle? Da nimmt man die Schweizer und das Japanische werk weg und die welle ist vorbei. Finde das nicht richtig was da abgeht, habe schon 2 mail geschrieben wegen dieser Sache wurde aber ignoriert. Da werden Firmen hochgelobt und brauchen das «Made in Germany» an der Uhr, aber das wichtigste an der Uhr kommt aus dem Ausland. Schade, das sollte verboten werden, richtigerweise sollte es heissen «Zusammengebaut in Deutschland.»

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  4. Bei der Cornehl Regulator fiel mir sofort der Regulateur von Chronoswiss ein. Gerd Rüdiger Lang´s Uhr wurde hier mit Ausnahme der Lünette doch fast perfekt kopiert.

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  5. Der ganze Artikel ist mit dieser Überschrift: Neue deutsche Welle.. einfach lachhaft.
    Und zum Cornehl Regulator fällt mir ein, wie gut, daß ich das Original von Chronoswiss habe!

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  6. UTS?

    Habe ich da etwas übersehen?

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  7. Für mich fehlt hier die Nennung von Botta Design Uhren… wenn man schon von den top deutschen Uhrenherstellern spricht sollte Klaus Botta mit seinen Einzeigeruhren definitiv auch erwähnt werden. Ich weiß zwar nicht, wie lange seine Uhren schon auf dem Markt sind, aber als Besitzer von zwei Botta Uhren kann ich nur sagen, dass hier sowohl der Preis als auch die Leistung stimmt! Die Uhren werden ausschließlich in DE und in der Schweiz hergestellt, anders als viele andere ;D

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  8. Habt Ihr die Tourby ungünstig fotografiert oder weiß die Marke nicht, wie Lachs aussieht? DAS ist auf meinem Display hellbraun, kein Lachs…

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  9. Diese Preise erinnern mich an britische Uhren…

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  10. Hier fehlen noch einige Firmen. Selbst Steinhart fehlt hier. Oder Meisterstein aus Leipzig.

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  11. Guten Tag,
    es gibt sicher noch weitere Marken die gut in diese Liste passen würden. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Auswahl der Redaktion.
    Beste Grüße,
    Ihr Watchtime.net-Team

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  12. Schöner Artikel, sind auch schöne Teile dabei, vor allem die Lehmann ist ansprechend! Ich würde noch Findeisen aus Franken erwähnen, dort tickt in der neuen Diver ein echtes deutsches Werk.

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