Süßes oder Saures: 8 schaurige Totenkopf-Uhren

Uhren mit Gruselfaktor, passend zu Halloween!

Finster und wild, risikofreudig und gefährlich: Die neuen Uhren schrecken vor nichts zurück. Der Stoff aus dem Hollywood-Mythen gemacht sind, ist jetzt auch der Stoff aus dem Uhren gemacht werden. Egal, ob Werwölfe, Reptilien, Batman oder schaurige Totenschädel: Was sich aktuell auf den wenigen Zentimetern eines Zifferblatts, auf Lünetten und Armbändern abspielt, lässt uns in mythische Welten entschweben.

Es sind jedoch keine sonnigen und glitzernden Welten in die uns die Uhren versetzen, sondern eher dunkle Abgründe. Wilde Vorzeittiere und Fabelwesen nehmen in martialischen Designs Form an. Totenschädel erinnern daran, dass unser irdisches Dasein endlich ist. Pünktlich zu Halloween können Sie damit in die Unterwelt eintauchen. Doch aufgepasst: Es gibt kein Zurück.

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Schaurige Totenkopf-Uhr #1: Artya Son of a Gun “Raging Skull”

Artya: Son of a Gun "Raging Skull"
Artya: Son of a Gun “Raging Skull”

Blut, ein Totenkopf und Kugeln aus Silber – wenn an finsteren Abenden der Wind heult und es im Haus unheimlich knackt, zweifelt niemand mehr daran, was für eine rote Flüssigkeit Yvan Arpa unter dem Zifferblatt der Artya Son of a Gun “Raging Skull” eingeschlossen hat.
Edelstahl, 47 Millimeter | Automatikwerk | 180 Exemplare | 20.900 Schweizer Franken

Schaurige Totenkopf-Uhr #2: Hublot Big Bang Broderie Sugar Skull

Hublot: Big Bang Broderie Sugar Skull
Hublot: Big Bang Broderie Sugar Skull

Schaurig-schön: Die Big Bang Broderie Sugar Skull von Hublot kombiniert Edelsteine und farbig gestickte Totenköpfe mit einem Karbonzifferblatt.
Keramik, 41 Millimeter | Sellita SW 300, Automatik | 200 Exemplare | 15.500 Euro

Schaurige Totenkopf-Uhr #3: Strom In Memoriam HR Giger

Strom: In Memoriam HR Giger
Strom: In Memoriam HR Giger

Noch mehr Schädel und Knochen bietet die Uhr, die Strom In Memorian HR Giger. Sie ist dem 2014 verstorbenen Schweizer Künstler Hansruedi (“HR”) Giger gewidmet, der sie gestaltet hat.
Silber | Automatikwerk | 99 Exemplare | 16.999 Schweizer Franken

Schaurige Totenkopf-Uhr #4: Chopard L.U.C Perpetual T Spirit of  La Santa Muerte

Chopard: L.U.C Perpetual T Spirit of La Santa Muerte
Aufwendig in Handarbeit verziert: die Chopard L.U.C Perpetual T Spirit of La Santa Muerte

Der Tod steht ihr gut: Chopard widmet seine L.U.C Perpetual T Spirit of  La Santa Muerte dem mexikanischen Día de los Muertos. Bei diesem Feiertag wird der Verstorbenen mit buntem Zuckerzeug in Totenkopfform gedacht. Zifferblatt und Gehäuse sind dabei mit charakteristischen Motiven graviert.
Roseßgold, 43 Millimter | Manufakturkaliber L.U.C 02.15-L, Handaufzug | Preis auf Anfrage

Schaurige Totenkopf-Uhr #5: Moritz Grossmann Atum Pure Skull

Moritz Grossmann: Atum Pure Skull
Moritz Grossmann: Atum Pure Skull

Grusel aus Glashütte: Moritz Grossmann lanciert 2017 eine Totenkopf-Variante seiner Atum.
Edelstahl, 41 Millimeter | Manufakturkaliber 201.1, Handaufzug | 10 Exemplare | 15.300 Euro

Schaurige Totenkopf-Uhr #6: Fiona Kruger Petit Skull

Fiona Kruger: Petit Skull
Fiona Kruger: Petit Skull

Die schottische Designerin Fiona Kruger steht für Uhren, denen das Schädelmotiv ihre Form gibt. Die Petit Skull ist von Hand bemalt; durch die Augen und die Nase werden die Teile des skelettierten Automatikwerks sichtbar.
Edelstahl, 48 x 34,5 Millimeter | Automatikwerk | 18 Exemplare | 22.500 Schweizer Franken (ohne Steuern)

Schaurige Totenkopf-Uhr #7: Bell & Ross BR01 Laughing Skull

Bell & Ross: BR01 Laughing Skull
Bell & Ross: BR01 Laughing Skull

Bei so viel Gruselfaktor kann einem beinahe das Lächeln vergehen, aber nicht der BR01 Laughing Skull von Bell & Ross. Bei ihr bewegt sich nämlich der Kiefer des Schädels während des Aufziehens des Uhrwerks, so dass es scheint, als würde der Totenkopf lachen.
Edelstahl, 46×46 Millimeter | Kaliber BR-CAL.206, Handaufzug| 8.900 Euro

Schaurige Totenkopf-Uhr #8: HYT Skull 48.8

HYT: Skull 48.8 in Rot
HYT: Skull 48.8 in Grün
HYT: Skull 48.8 in Blau

Totenkopfkunst in Trendfarben: Bei der Skull 48.8 von HYT zeigt eine Flüssigkeit die Zeit an. Das rechte Auge des Schädels färbt sich von Schwarz zu Grau, wenn die Gangreserve abnimmt, im linken dreht sich eine Sekundenscheibe.
Titan, 48,8 Millimeter | Manufakturkaliber, Handaufzug | je 50 Exemplare | 65.000 Euro

Es war einmal

Der Totenkopf hat schon seit Jahrhunderten Konjunktur. Als Vanitas-Motiv zierte der Totenkopf die Werke der alten Meister, er war das Erkennungsmerkmal von Piratenflaggen und führt seit vielen Jahren ein internationales Rockerleben auf den Jeanswesten der Biker. Das Totenkopfmotiv ist ein Warnsignal: „Vergiss nicht, dass du sterben musst!“, so das Memento mori, das er auf alten Gemälden symbolisiert – als Warnung, sein Herz nicht an die vergänglichen irdischen Güter zu hängen. Auf Piratenflaggen und Biker-Westen warnt er eher vor der Gefährlichkeit derjenigen, die ihn zur Schau tragen. Dass der Totenschädel das offizielle Piktogramm ist, mit dem giftige Substanzen gekennzeichnet werden, passt ins Bild.

Vanitas-Stilleben // Quelle: Wikiart
Vanitas-Stilleben aus dem 17. Jahrhundert von Cornelis Norbertus Gijsbrechts

Totenkopfuhren waren schon einmal in Mode: Im 17. Jahrhundert hatte der Schädel nicht nur als Vanitas-Motiv in der Barockmalerei Hochkonjunktur, sondern man ließ auch die Zeit gern in Gehäusen verfließen, die an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnerten. Die Totenkopfuhr des 17. Jahrhunderts wurde an einer Kette getragen. Wenn man den Kiefer nach unten klappte, trat das Zifferblatt zutage. Eine dieser historischen Uhren gelangte zu besonderer Berühmtheit und ist noch heute als die Mary, Queen of Scots Watch bekannt. Legenden besagen entweder, dass die schottische Königin das Stück selbst trug, oder dass sie es ihrer Zofe schenkte. Die Forschung hingegen hat etwas anderes herausgefunden: Mary, Queen of Scots – im Deutschen meist Mary Stuart genannt – besaß gar keine Skull Watch; die Uhr, die ihren Namen trägt, entstand erst weit über hundert Jahre nach ihrem Ableben. Dieses Ableben allerdings vollzog sich auf nicht ganz alltägliche Weise: Mary wurde im Auftrag ihrer Halbschwester Elizabeth I. geköpft. Vielleicht daher die nachträgliche Verbindung zwischen ihrer Person und der Totenkopfuhr?

Designelement mit Symbolwirkung

Für „Achtung, Hände weg“ steht das Totenkopf-Design bei Uhren definitiv nicht. Und dass es als Designfeature von Zeitmessern wirklich vor dem Verrinnen der Zeit warnen will, mag man nicht so richtig glauben, wenn man sich den hedonistischen Glamour der aktuellen Skull-Uhren vor Augen hält. Anders sah das im 17. Jahrhundert aus, als die barocke Geisteshaltung zu einer Vorliebe für Anhängeruhren in Schädelform führte.
Allerdings ist der Totenkopf schon eine ganze Weile als Fashion-Ikone unterwegs, war ein Lieblingsmotiv des großen Modemachers Alexander McQueen, ist ein unentbehrliches Element des Gothic-Stils, ziert Mainstream- Accessoires für Mädchen, die ein bisschen wild wirken wollen, und findet sich in Einzelfällen sogar auf Kinderkleidern.
Und auch, wenn er sich jetzt mit nie gekannter Macht als Superstar eines trendigen, coolen Uhrendesigns etabliert hat, war ihm die Welt von Schmuck und Uhren zuvor keineswegs fremd. Das finsterste Kapitel in der Designgeschichte des Totenschädels wurde in der Nazizeit geschrieben, als der Totenkopfring ein Ehrenzeichen für SS-Angehörige war. Erstaunlicherweise hat diese Tatsache seine Integrität nicht für alle Zeiten beschädigt. Vermutlich ist die Symbolwirkung der Schädelknochen zu stark und zu universell, um durch diesen Missbrauch zum Tabu zu werden.

Schließlich existiert der Totenkopf in einiger Entfernung von unserem Kulturkreis sogar als Festmotiv. Bei der mexikanischen Día de los Muertos wird der Verstorbenen mit buntem Zuckerzeug in Totenkopfform gedacht. Für die Spiritualität der Mexikaner ist dieser Feiertag sehr wichtig, er wurde sogar zum immateriellen UNESCO-Welterbe ernannt. Einige der aktuellen Totenkopf-Uhren beziehen sich denn auch explizit auf dieses Fest, was auch in weit von Mexiko entfernten Weltregionen nicht befremdlich wirkt, sondern eher exotisch-attraktiv. Denn dank einer durch das Internet globalisierten Bildwelt ist die Día de los Muertos mit ihrer bunten, fröhlich-morbiden Ästhetik zu internationaler Berühmtheit gelangt. Dabei sollte man nicht die literaturhistorischen Schädelmomente vor unserer Haustür vergessen: Hamlet in der Friedhofszene, Goethe des Nachts Aug‘ in hohlem Auge mit Schillers vermeintlichem Schädel, der ihn zu einem Gedicht inspirierte: Es muss nicht unbedingt Mexiko sein; auch in Helsingör und Weimar ist der Totenkopf Kulturerbe. 

Döttling: Tresor "Fusion" mit Totenkopf vor dem Schloss
Wer an den Schatz will, muss bei dem Döttling-Tresor „Fusion“ mit Uhrenbewegern erstmal am glitzernden Totenkopf vorbei

Der Trend zum Schädel: Die Totenkopf-Uhr

Möglicherweise ist das Uhrendesign augenblicklich in genau der Phase, in der es ein Symbol wie den Totenschädel brauchen kann. Konventionelle Pracht haben wir alle zur Genüge gesehen. Sie reißt immer noch zu Bewunderung und Kauflust hin, aber wenn mit der Pracht ein bisschen Schock verbunden ist, weckt das natürlich mehr Aufmerksamkeit. Eine Zeitlang wurden kleinere Schockmomente durch die unkonventionelle Verbindung von sehr kostbaren mit sehr wertlosen Materialien erzielt. Aber das Thema ist durch, diesbezüglich sind wir mittlerweile abgebrüht. Da sorgt es vielleicht für mehr Adrenalin, wenn man sein Geld für ein Juwel mit einem schaurigen Motiv hinlegt. Und zwar nicht irgendeinem Motiv, sondern mit einem Symbol, das alles hat: spirituelle Tiefe und kulturelle Tragweite, Unterwelt-Charme, eine aufregende Gefährlichkeit, die irgendwie sexy ist, und dazu Fashion-Appeal. Einer, der den Totenkopf ähnlich verwendet hat wie die Uhrendesigner, ist Damien Hirst. Der englische Künstler, der früher für Cool Britannia stand und heute Inbegriff des Artworld-Millionärs ist, hat 2007 einen Platinschädel unter dem Titel „For the Love of God“ ganz mit Diamanten besetzt und damit das ultimative künstlerische Talking Piece geschaffen: ein Stück, das zwar nach Subversion riecht, dies aber auf eine höchst glamouröse, mainstreamtaugliche Weise.

Döttling: Totenkopf-Schloss des Tresors "Fusion"
Döttling: Totenkopf-Schloss des Tresors “Fusion”

Die Totenkopf-Uhr behält ihre Symbolik über den Trend hinaus

Der Mainstream, den Damien Hirsts Skull fesselt, ist natürlich reines Betrachterpublikum. Die Totenkopfuhren sprechen schon allein deshalb keinen Mainstream an, weil der potentielle Käuferkreis aus finanziellen Gründen beschränkt ist. Und unter denen, die es sich leisten können, wollen viele sich dann doch lieber nicht vom Totenschädel die Zeit anzeigen lassen. Sprich: Die sehr kreativ gestalteten Totenkopfuhren der Stunde wenden sich an eine spezielle Gruppe von Personen, die Sinn für ihre Symbolik haben, Spaß an modisch-morbiden Appeal und ein gewisses Kapital. Diese Kombination von Voraussetzungen scheint in der Luft zu liegen. Und wenn der Trend vorbei ist, behält der Schädel als altes Menschheitssymbol seine Gültigkeit.

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Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Oktober 2015.

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