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Glycine: Airman 17

Verschafft Überblick über drei Zeitzonen: die Airman 17 von Glycine
© PR
Picasso malt die berühmten "Demoiselles d'Avignon" mit der linken Hand, Jimi Hendrix entlockt seiner Gitarre mit der linken bis dato unbekannte Töne und Boxlegende Muhammad Ali alias Cassius Marcellus Clay schlägt seine Gegner im sprichwörtlichen Sinne mit links – circa 15 Prozent der Menschen sind Linkshänder. Lange gelten sie als Sonderlinge, zwar im kreativen Bereich als außerordentlich begabt, im alltäglichen Leben aber als tollpatschig belächelt. Früher versuchte man Kinder, die mit der linken Hand schreiben, auf die rechte zu drillen, und in Japan dürfen sich Männer von linkshändigen Ehefrauen scheiden lassen. Bis heute spiegelt sich die negative Assoziation mit der linken Seite in der Sprache wider: Wer zwei linke Hände hat, gilt als ungeschickt, und wer mit dem linken Fuß aufsteht, ist schlecht gelaunt. Rechtschaffene Menschen tragen ihr Herz hingegen auf dem rechten Fleck, rücken die Dinge ins rechte Licht und sie gehen – oder fahren – auf dem rechten Weg. Die einzigen, die hier aus der Reihe tanzen, sind die Briten und der Commonwealth, die nach wie vor unbeirrt an ihrem Linksverkehr festhalten.
Jaeger-LeCoultres Master Compressor Extreme World Chronograph in der klassischen Version und mit der Krone links.
Spaß beiseite – heutzutage haben Linkshänder kaum noch Nachteile, hat die Industrie sie doch längst als Zielgruppe entdeckt: Vom Korkenzieher bis zum Dosenöffner, vom Füllfederhalter bis zur Schere und vom Minenspitzer bis zur Computer-Tastatur gibt es mittlerweile kaum einen Gebrauchsgegenstand, der nicht speziell auf die Bedürfnisse von Linkshändern zugeschneidert wäre. Alles für den Linkshänder
Die Uhrenindustrie macht in diesem Fall keine Ausnahme. Menschen mit der Präferenz auf der linken Hand bietet sie maßgeschneiderte Zeitmesser mit linksseitig angebrachter Krone – und je nach Modellart Drückern – für ein bequemes Tragegefühl an der rechten Hand. Denn die klassische Uhr ist ebenso wie Gegenstände anderer Lebensbereiche für die Tragegewohnheiten von Rechtshändern konzipiert. Da sie alle motorischen Aufgaben mit der rechten Hand ausführen, liegt die Uhr am linken Handgelenk. Die Herausforderung für Linkshänder hierbei: Am rechten Arm liegt die Krone auf der falschen, mit links nicht gut zugänglichen Seite. Zudem nutzen sich die Uhren am linken Arm, der bei Linkshändern ja stärker im Einsatz ist, schneller ab. Genau aus diesem Grund tragen Rechtshänder ihre Uhr am anderen Handgelenk. Uhren mit linkshändigem Bedienkomfort haben ihre Krone an der linken Gehäuseseite, sodass sie bequem mit dem Zeigefinger und Daumen der linken Hand gedreht werden kann. Auch manche Rechtshänder haben in Sachen Uhren eine Vorliebe für die Krone links, zum Beispiel Piloten. Herkömmliche Uhrenmodelle können die Bewegungsfreiheit der linken Hand während des Fliegens einschränken. Für sie bietet eine Uhrkrone an der linken Gehäuseseite mehr Komfort und lässt sich zum Bedienen außerdem leichter erreichen.
Wie der Name vermuten lässt, kommt der Krone eine immens hohe Bedeutung zu. Dieses raffinierte technische System ist die Schaltzentrale der Uhr, die die Zeiger stellt und das Uhrwerk aufzieht. Das kleine Rädchen sitzt an exponierter Stelle am Gehäuserand und stellt die einzige Verbindung in das Innere der Uhr dar. Dadurch kann es allerdings auch zur Schwachstelle werden, wenn Feuchtigkeit, Staub oder Druck in das Gehäuse eindringen, die der Mechanik schaden. Ihre Majestät, die Krone
Deswegen legen die Hersteller Wert auf eine präzise Fertigung der winzigen Bauteile, die lediglich zwischen drei und zehn Millimeter groß sind. Die Dimensionen müssen bis auf den hundertstel Millimeter genau passen. Das Innenleben der Kronen ist nämlich komplexer, als man es den Lütten von außen ansieht. Je nach Machart bestehen sie aus bis zu zehn winzigen Teilen: unter anderem dem Kopf, der Dichtung, der Feder und der Gewindeachse, die durch die Feder bewegt wird. Das passende Gegenstück der Krone, der Tubus – ein Röhrchen, durch das die Aufzugswelle führt und über das die Krone greift –, ist ebenfalls mit einem Gewinde und einer Dichtung versehen. Dieser Tubus, der in das Uhrgehäuse eingepresst oder geklebt wird, wird meist zusammen mit der Krone gefertigt. Der gesamte Produktionsprozess umfasst zehn Arbeitsschritte und wird heute auf modernen CNC-Maschinen ausgeführt, hierzulande zum Beispiel von der Firma Vogler aus Pforzheim, die sich auf die Herstellung von Uhrkronen, Tuben und Drückern spezialisiert hat. Technisch gesehen sind Uhren mit der Krone auf der linken Seite keine große Herausforderung. Im Prinzip wird einfach das Werk um 180 Grad gedreht. Bei Zwei- oder Dreizeiger-Uhren geht das am leichtesten, denn die Gestaltung des Zifferblattes bleibt gleich. "Schwieriger wird es, wenn ein Datum im Spiel ist", erzählt Uhrmachermeister Rainer Nienaber. Hier gelte es, angepasste Zifferblätter zu nutzen, damit das Datum immer noch auf der richtigen Position angezeigt wird, oder das Datumsfenster zwischen drei und vier Uhr zu setzen. Nienaber bietet drei Uhren mit Krone links an, ein Zweizeigermodell, eine GMT und einen Regulator, bei dem die kleine Sekunde auf zwölf Uhr rutscht und die Stunde folglich bei der Sechs liegt.
Auch bei Chronographen erscheinen die Anzeigen meist spiegelverkehrt: Zeigt das Eta/Valjoux 7750 gewöhnlich den Stundenzähler bei der Sechs und den Minutenzähler bei der Zwölf an, tauschen die Totalisatoren bei gedrehtem Werk die Plätze. Die kleine Sekunde wechselt von der Neun auf drei Uhr.
Charakteristisch ist die Gestaltung jener Chronographen des Hauses TAG Heuer, die das Calibre 11 antreibt. Dieses weltweit erste automatische Chronographen-Kaliber entwickelt Heuer in den 1960er-Jahren gemeinsam mit Hamilton-Büren, Dubois-Dépraz und Breitling. Fortan sorgt das Werk bei den Modellen Autavia, Carrera und Monaco für die Anordnung der Krone links und der Drücker auf der rechten Gehäuseseite.
Auch am Zifferblatt der Master Compressor Extreme Chronograph Left-Handed von Jaeger-LeCoultre lässt sich schön ablesen, wie die Lage in ihrem Inneren ist. Diese Titan-Sonderedition wird vom selben Automatikwerk angetrieben wie das reguläre Modell, vom Kaliber 752. Durch die gedrehte Lage in der Sonderausführung zeigt das Werk die Chronominuten spiegelverkehrt bei der Neun und die Chronographenstunden bei der Drei an. Seine Gangreserveanzeige wandert zur Zwölf. Doch egal ob Chronograph, Einsteiger-, Taucher- oder klassische Uhr - Modelle mit Krone links bieten etwas für jeden Geschmack.
Text: Sabine Zwettler

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