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Wie entsteht die Krone einer Uhr?

Tank Louis Cartier, großes Modell, mechanisches Manufaktur-Uhrwerk mit Handaufzug. Gehäuse aus 950er Platin, perlierte Krone mit einem Rubincabochon
Tank Louis Cartier, großes Modell, mechanisches Manufaktur-Uhrwerk mit Handaufzug. Gehäuse aus 950er Platin, perlierte Krone mit einem Rubincabochon
© Cartier
Sie krönt die Uhr – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ohne die Krone einer Uhr geht nichts. Zudem hat das kleine Teil mehr Innenleben, als man denkt.
Audemars-Piguet-Krone.jpg
Signatur: Der Platz auf der Krone dient vielen Marken als prominente Werbeposition. Hier die Buchstaben »AP« von Audemars Piguet © Audemars Piguet
So viel Raffinesse sieht man diesen Winzlingen gar nicht an: Meist zwischen zweieinhalb und bis zu zehn Millimeter im Durchmesser groß, ist die Uhrenkrone ein raffiniertes technisches System. Sie ist die vom Träger bewegte Schnittstelle zwischen Außenwelt und Uhrwerk, die direkte Verbindung in das Herz der Uhr.

Die Schwächen der Uhrenkrone

Damit kann sie aber auch zur Schwachstelle werden: Zum Beispiel in Bezug auf die Wasserdichtheit oder auf den Druck, der bei Schraubkronen auf die aus dem Werk führende Welle ausgeübt wird. Dieser darf nicht zu stark sein, weil er die Mechanik stören könnte, aber auch nicht zu schwach, damit das Werk optimal nach außen abgeschirmt ist. Das Innenleben der Krone, das je nach Kompliziertheit aus mehreren verschiedenen Teilen besteht, ist deshalb nicht weniger sorgsam zu fertigen, als ihr Äußeres. Ihrer Herstellung widmen sich ausgewiesene Spezialisten, die auch für die Produktion von Drückern zuständig sind.

Wer stellt die Krone einer Uhr her?

Preisgünstige und einfache Kronen und Drücker kommen heute meist aus Asien, vor allem China und Taiwan, wo sie relativ günstig produziert werden können. Technisch höherwertige Kronen – mit geprägtem Logo, in besonderen Formen, in edlen Metallen, mit Einsätzen aus Lack oder Edelsteinen – werden oft in der Schweiz sowie in Italien, Frankreich und Deutschland gefertigt. Einer der weltweit führenden Hersteller ist die im französischen Jura ansässige Firma Cheval Frères S.A. in École-Valentin, einem Vorort von Besançon. Auch in Deutschland gibt es einige spezialisierte Hersteller, zum Beispiel in Pforzheim.
Vogler-Uhrkronen-Druecker.jpg
Große Vielfalt: Uhrkronen und Drücker von Vogler aus Pforzheim in verschiedenen Materialien und mit Verzierungen wie Logo oder Cabochon. © Vogler

Welche Arten von Kronen gibt es für eine Uhr?

Das Programm erstreckt sich dabei von der einfachen Uhrkrone ohne Füllung, Wasser- oder Staubschutz bis hin zur Doppel-O-Ring-Krone und Schraubkronen, die bis 200 Meter Tiefe wasserdicht sind. Auch das Design umfasst verschiedene Stile – von Kegel- und Zwiebelkronen bis zum Cabochonschliff. Mehr dazu erfahren Sie hier.
Cartier-Tank-Krone.jpg
Die Tank Louis Cartier mit einem Gehäuse aus 950er Platin hat eine perlierte Krone mit einem Rubincabochon. © Cartier

Wie wird eine Uhrkrone hergestellt?

Die Herstellung beginnt mit Metallstangen, welche in verschiedenen Stärken und Profilen zugekauft oder auf CNC-Maschinen gedreht werden. Das Material wird in das Magazin einer Maschine – eine CNC-Maschine oder ein konventioneller Drehautomat – eingelegt und bearbeitet. Das Drehen des Rohteils kann bei einfachen Modellen in Stahl nur 30 bis 40 Sekunden, bei diffizilen Formen allerdings mehrere Minuten dauern. Am aufwändigsten ist in dieser Phase die Programmierung und Einrichtung des Werkzeugs, das zum Teil speziell gefertigt wird. Diese erste Einstellung ist ein großer Kostenfaktor bei der Produktion; sind die Maschinen einmal entsprechend programmiert und die benötigten Formen oder Prägewerkzeuge angefertigt, entfallen diese Kosten bei der Fertigung einer zweiten Auflage.

Präzise Kronen für präzise Armbanduhren

Wichtig ist von Anfang an Präzision: Schon bei der Einrichtung müssen Maße genau stimmen, auch während der Produktion werden sie immer wieder von Hand kontrolliert, da die Dimensionen auf den Hundertstelmillimeter passen müssen. Dies gewährleisten moderne Maschinen, die über verschiedene Aufsätze und Werkzeuge verfügen und in einem Arbeitsgang in verschiedene Richtungen drehen, bohren, fräsen, Gewinde schneiden und eine seitliche Zahnung oder Profilierung anbringen. Beim Ausdrehen der Uhrenkrone bleibt ein Hals stehen. Das Ausdrehen erfolgt in mehreren Schritten, bei denen die Innenseite eine Profilierung beziehungsweise Absätze erhält, die später einer O-Ring-Dichtung aus Gummi sowie einem Deckplättchen Halt geben. Dieses sogenannte Füllen der Uhrenkrone erfolgt bei Stückzahlen unter 3.000 von Hand: Der winzige O-Ring wird eingelegt, ein Deckplättchen auf die Krone aufgelegt und mit einem Bördel fest verschlossen. Diese sehr diffizile Arbeit wird überwiegend von Feinmechanikerinnen ausgeführt. Noch komplizierter ist ihre Arbeit bei verschraubbaren Kronen, die aus fünf bis sechs, bisweilen sogar zehn winzigen Teilen bestehen: dem Kopf, dem Tubus, der O-Ring-Dichtung, der Feder und der Gewindeachse, die durch die Feder bewegt wird. Das passende Gegenstück der Krone, der Tubus – ein Röhrchen, durch das die Aufzugswelle führt und über das die Uhrenkrone greift –, ist ebenfalls mit Gewinde und O-Ring-Dichtung versehen. Dieser Tubus – in das Uhrengehäuse eingeschraubt oder eingepresst und geklebt – wird zusammen mit der Krone gefertigt.
Dichtungsringe-Doppel-O-Ringkrone-1.bmp
© Archiv
Krone-Tubus-Aufzugswelle.bmp
© Archiv
Zurück zur Reihenfolge bei der Kronenfertigung: Nach dem anfänglichen Ausdrehen der Krone werden die Rohlinge gründlich gereinigt. Wünscht der Kunde ein Logo, wird dieses geprägt; zum Teil auch gelasert. Für den Prägevorgang wird der Kronenkern auf einen Metallpin gesteckt, um mit einer Presse mit Logowerkzeug unter hohem Druck ein erhabenes Motiv aufzubringen. Zum Schluss wird die Uhrenkrone galvanisch veredelt oder poliert. Letzteres erfolgt maschinell oder bei hochwertigen Modellen von Hand. Nach einer abschließenden Reinigung sind die Kronenköpfe fertig und bereit für das bereits beschriebene Füllen.In der Regel umfasst die Fertigung von Kronen für Armbanduhren inklusive verschiedener Reinigungen zehn bis zwanzig Arbeitsschritte. Bei sehr aufwändigen Goldkronen – zum Beispiel einer Schraubkrone mit integriertem Drücker – können es auch weitaus mehr werden. Apropos Drücker: Auch deren Fertigung obliegt dem Uhrkronenhersteller und ähnelt im Wesentlichen der Herstellung der Kronen. Mit denselben Anforderungen: Präzision ist höchstes Gebot.Lesen Sie auch: )Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.
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