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Was ist ein Monocoque-Gehäuse?

Monocoque-Gehäuse von oben
Eine Schale: Beim Monocoque-Gehäuse sind Hauptteil und Boden aus einem Stück gefertigt. Oben sitzt nur noch das Glas, gegebenenfalls gefasst von einer Lünette.
© PR
Der Begriff Monocoque stammt aus dem Fahrzeugbereich. Und wie könnte es anders sein, auch hier treffen wir wieder auf die enge Verbindung zwischen Automobil- und Uhrenbau. Monocoque ist vom Griechischen "mónos" – für allein oder einzeln – und vom Französischen "coque" – für die Schale einer Nuss oder einer anderen Frucht – abgeleitet.
Im Fahrzeugbau versteht man darunter einen einteiligen, teils hohlen Körper als Gestell des Fahrzeuges – im Gegensatz zu Konstruktionen aus Stäben oder Rohren. Durch das Monocoque ist mehr Stabilität bei weniger Masse möglich. Es ist jedoch aufwändiger zu fertigen. Das trifft auch für ein Monocoque-Armbanduhrengehäuse zu. Zumeist besteht ein Uhrengehäuse aus mehreren Teilen – dem Boden, einem Gehäusehaupt- oder Mittelteil mit den Bandanstößen, einer Lünette und einem Glas. Die oft verwendete Bezeichnung Einschalen-Gehäuse für ein Uhren-Monocoque ist zudem nicht ganz korrekt, denn es gibt auch bei diesem Gehäuse mit Lünette und Glas mehrere Teile. Eine Einheit bilden jedoch Boden und Mittelteil, die aus einem einzigen Stück gefertigt sind. Das Werk muss daher von oben, also von der Glasseite her eingesetzt werden. Das Glas selbst wird mit einer Dichtung versehen und mit einem Stahlring verspannt, um eine gewünschte Wasserdichtigkeit zu erreichen. Auf der Rückseite des Gehäuses bedarf es aber keiner Dichtung mehr. Monocoque-Gehäuse kommen daher vor allem bei Taucher- und Sportuhren zum Einsatz, bei denen großer Wert auf Wasserdichtigkeit und Robustheit gelegt wird.
Monocoque-Gehäuse seitlich © PR
Signifikante Beispiele der Gegenwart sind die Monocoque-Gehäuse verschiedener professioneller Seiko Prospex-Taucheruhren. Aus einem Stück Edelstahl oder Titan gefertigt, sind diese Konstruktionen – zusammen mit verschraubbaren Kronen – gasdicht und kommen bei 30 Bar Druckfestigkeit sogar ohne Heliumventil aus. Mido führte mit der Ocean Star bereits 1959 das Monocoque-Gehäuse ein. Damals galt es als revolutionär, weil es die gängigen Probleme der Wasserdichtheit bei Gehäuseböden eliminieren konnte. Omega stellte 1970 die Ploprof vor, eine Seamaster Professional 600, wasserdicht bis 600 Meter, wenn auch mit klobigem Monocoque-Gehäuse aus einem massiven Stahlblock.Eine Design-Ikone ist die 1972 erschienene Royal Oak von Audemars Piguet. Ihr Monocoque-Gehäuse besitzt eine spezielle Formdichtung und die Lünette ist von oben mit acht speziellen Schrauben geschlossen. Der Entwurf von Gérald Genta ist legendär.
Audemars Piguet: die erste Royal Oak von 1972 mit Monocoque-Gehäuse © Audemars Piguet
Weitere sogenannte Einschalen-Gehäuse kennt man auch von Ebel, Bell & Ross oder der legendären Mido Commander, wobei mit dem Einzug moderner Materialien und Fertigungsmethoden oder auch aus Kosten- oder Servicegründen Monocoques immer wieder gern verschwinden. Eines ist nämlich allen gemein: Will man an das Werk gelangen, muss zunächst die Krone von der zweiteiligen Aufzugswelle gezogen, mit einem speziellen Werkzeug das Glas abgehoben, Zeiger und Zifferblatt entfernt werden – eine heikle Sache, die gewiss den einen oder anderen Hersteller bewegt, sich gegen ein Monocoque-Gehäuse zu entscheiden. MaRi
Audemars Piguet Mido Seiko Audemars Piguet Royal Oak Wissen Ebel Omega Uhrengehäuse Archiv

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