Dior Grand Bal Muguet: Plissee auf dem Rotor
Seit 15 Jahren führt Dior mit der Grand Bal vor, wie sich Couture in ein mechanisches Uhrwerk übersetzen lässt. Jetzt kommen vier neue Referenzen hinzu, verteilt auf zwei Linien: die Grand Bal Muguet in Rosa und Grau, limitiert auf je 58 Exemplare, und die Grand Bal Muguet Fleuri in Weiß und Rosa, limitiert auf je 38 Exemplare. Beide Auflagen spielen auf die Acht an, die Glückszahl von Christian Dior. Das Grundprinzip bleibt unverändert, und es ist nach wie vor das Interessanteste an der Grand Bal. Dior dreht das Uhrwerk um. Die Schwungmasse, die bei einem Automatikwerk normalerweise auf der Rückseite unsichtbar ihre Arbeit verrichtet, sitzt hier auf der Zifferblattseite und nimmt die untere Hälfte des Blatts ein. Jede Bewegung des Handgelenks versetzt sie in Schwingung, so wie sich ein Ballkleid beim Tanzen bewegt. Der Rotor ist damit nicht länger reines Funktionsbauteil, sondern der eigentliche Dekorträger der Uhr. Genau dort setzen die vier Neuheiten an.
Dior Grand Bal Muguet in Rosa
DiorGrand Bal Muguet: Plissee aus Perlmutt
Die Grand Bal Muguet bezieht sich auf die Couture-Linie Muguet von 1954 und zugleich auf das Maiglöckchen, Diors Glücksblume. Übersetzt wird das in einen Rotor aus Weißgold, der mit plissiertem, also in Falten skulptiertem Perlmutt belegt und mit 32 Diamanten (0,08 Karat) besetzt ist. Die strahlenförmig angeordneten Falten greifen das Motiv eines gefalteten Rocks direkt auf. Das funktioniert gerade deshalb, weil sich der Rotor bewegt: Ein statisches Plissee wäre bloß Ornament, ein drehendes erinnert tatsächlich an Stoff in Bewegung. Darüber liegt ein sonnenschliffveredeltes Zifferblatt aus Messing in Rosa oder Grau, besetzt mit 21 Diamanten (0,04 Karat) als Indizes. Ein Perlmuttring rahmt die Stahllünette, die bei diesen Modellen ohne Steinbesatz auskommt. Hinzu kommt ein einzelner Diamant (0,005 Karat) in einem Stern auf der Krone. Insgesamt summiert sich der Besatz auf 54 Diamanten mit 0,12 Karat in der Farbe F bis G und der Reinheit VVS. Der Boden trägt ein farbiges Saphirglas, passend zur jeweiligen Zifferblattfarbe, und die Gravur „Limited Edition of 58 pcs“. Auffällig ist die Zurückhaltung. Im Vergleich zur parallel vorgestellten Muguet Fleuri mit ihrer vollständig ausgefassten Lünette setzt die Muguet auf Material und Struktur statt auf Karat. Das Perlmutt trägt die Gestaltung, die Steine akzentuieren nur.
Dior Grand Bal Muguet Fleuri in Rosa
DiorGrand Bal Muguet Fleuri: Stickerei in Stein
Die Muguet Fleuri geht einen Schritt weiter. Hier ist das Perlmutt des Rotors durchbrochen gearbeitet und mit Edelsteinen eingelegt, ein florales Motiv, das Dior auf die Stickereien an den Kleidern des Couturiers zurückführt. Die weiße Version kombiniert 38 Diamanten (0,15 Karat), 18 blaue Saphire (0,06 Karat), elf Smaragde (0,05 Karat) und fünf Amethyste im Tropfenschliff (0,06 Karat). Die rosafarbene Variante setzt auf 50 Diamanten (0,17 Karat), 17 rosa Saphire (0,12 Karat) und fünf Tsavorite im Tropfenschliff (0,08 Karat). Die Schwungmasse besteht hier aus Gelbgold mit weißgoldfarbener Oberfläche. Anders als bei der Muguet ist bei der Fleuri die Lünette mit 71 Diamanten im Rundschliff (0,71 Karat) ausgefasst. Darunter sitzt bei der weißen Ausführung ein Ring aus weißem Perlmutt, bei der rosafarbenen ein Ring in Roségold. Das Zifferblatt besteht aus Perlmutt in Weiß beziehungsweise Rosa, die Krone ist mit „CD“ graviert. In Summe kommt die weiße Fleuri auf 109 Diamanten (0,86 Karat), die rosafarbene auf 121 Diamanten (0,88 Karat), jeweils F bis G und VVS. Durch den Boden blickt man auf ein grünes beziehungsweise rosafarbenes, transluzentes Saphirglas. Die Farbwahl ist dabei mehr als Dekoration. Die Kombination aus Grün, Violett und Blau auf weißem Grund verweist auf das Maiglöckchen mit seinen Blättern, die rosafarbene Version bleibt bei einer reinen Pastellpalette. Rosa und Grau nennt das Haus ausdrücklich als Lieblingsfarben des Gründers.
Dior Grand Bal Muguet Fleuri in Weiß
DiorKaliber Dior Inversé 11½: Technik im Dienst der Form
Alle vier Modelle teilen sich Gehäuse und Werk. Das Edelstahlgehäuse misst 36 Millimeter, das Saphirglas ist beidseitig entspiegelt, die facettierten Stunden- und Minutenzeiger sind silberfarben. Getragen wird die Uhr an einem Alligatorlederband in der jeweiligen Farbe mit Dornschließe aus Stahl. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 30 Metern, was die Grand Bal klar als Schmuckuhr ausweist. Im Inneren arbeitet das Automatikkaliber Dior Inversé 11½, benannt nach seinem Durchmesser von 11½ Linien, umgerechnet knapp 26 Millimeter. Dior hat es exklusiv für die eigene Uhrenlinie entwickeln lassen, gemeinsam mit dem Schweizer Werkehersteller Soprod und über einen Zeitraum von 18 Monaten. Der Name beschreibt das Konstruktionsprinzip: Die Schwungmasse liegt nicht verborgen hinter dem Gehäuseboden, sondern sichtbar auf der Zifferblattseite. Es zeigt ausschließlich Stunden und Minuten, auf Sekunde und Datum verzichtet Dior konsequent. Das ist folgerichtig, denn jede zusätzliche Anzeige würde mit dem Rotor um die Fläche konkurrieren. Die Gangreserve beträgt 42 Stunden, ein Wert, der für heutige Verhältnisse eher bescheiden ausfällt.
Bemerkenswert ist die Materialentscheidung. Dior kombiniert ein Stahlgehäuse mit einer Schwungmasse aus Gold und konzentriert den Edelstein- und Perlmuttaufwand dort, wo er wirkt: auf dem beweglichen Teil. Die Goldgewichte von 3,17 Gramm bei der Muguet sowie 3,65 und 4,9 Gramm bei der weißen und der rosafarbenen Fleuri (Letztere mit zusätzlichem Roségoldring an der Lünette) zeigen, wie gezielt das Edelmetall eingesetzt wird.
Mit Muguet und Muguet Fleuri schärft Dior das Konzept der Grand Bal. Der zifferblattseitige Rotor bleibt das Alleinstellungsmerkmal, und die beiden Linien zeigen zwei sinnvolle Wege, ihn zu inszenieren: einmal über die Struktur des plissierten Perlmutts, einmal über durchbrochene Steinarbeit. Die Muguet überzeugt dabei durch ihre Reduktion, die Fleuri durch die aufwendigere Ausführung. Mit 58 beziehungsweise 38 Exemplaren pro Variante bleiben beide klein aufgelegt. Preise starten bei 19.900 Euro, die Fleuri-Modelle mit Edelsteinen liegen bei 38.000 Euro.