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Lesedauer 5 Min.

Hands-on: Wempe Chronometerwerke Automatik

Die Wempe Chronometerwerke Automatik liegt gut am Arm.
Die Wempe Chronometerwerke Automatik liegt gut am Arm.
© PR
Spontan entfleuchte meinem Kollegen das Wort "schön", als er mein Päckchen aus Hamburg versehentlich geöffnet hatte und die Wempe Chronometerwerke Automatik in Händen hielt. Mit einem leichten Bedauern im Blick reichte er sie mir weiter. Ich nahm sie nach diesen Vorschusslorbeeren mit einem gewissen Besitzerstolz entgegen und muss mich seiner Einschätzung anschließen. Die erste Uhr mit Automatikwerk der Chronometerwerke Glashütte will vor allem eines sein: schön. Und das gelingt ihr dank peinlicher Genauigkeit. Das erinnert ein klein wenig an eine Frau vor dem Spiegel, die sich die Augenbrauen zum perfekten Radius zupft.
Die langen Blattzeiger schwingen sich exakt bis zu den applizierten Indexen, welche alle fünf Minuten die umlaufende Eisenbahnminuterie unterbrechen. Dabei verjüngen sich die Indexe nach innen hin und ihre seitlichen Abschrägungen sorgen dafür, dass sich aus jedem Blickwinkel ein Reflex in ihnen bricht. Die Indexe enden genau dort, wo der harmonisch in der Länge mit dem Stundenzeiger harmonierende Minutenzeiger das silberfarbene Zifferblatt überstreicht. Er endet schon schier selbstverständlich genau am Datumsfenster bei drei Uhr. Dieses verfügt über ein silberfarben facettiertes Rähmchen. Aber damit nicht genug. Auch das Datum selbst befindet sich auf einer silberfarbene Scheibe, welche perfekt zum Zifferblatt passt. Und auch die Ziffern sind in einer Serifenschrift gestaltet, welche mit den in Versalien ausgeführten Schriftzügen auf dem Zifferblatt harmoniert. Während sich die Bezeichnung Chronometerwerke über dem Wempe-Logo und der Herkunftsbezeichnung Glashütte in Sachsen unterhalb der Zwölf wölbt, gliedern die Beschriftungen Chronometer und Automatik das Zifferblatt symmetrisch. Hinzu kommt das "Made in Germany", welches sich rund um den Index bei sechs Uhr in die Minuterie einschmiegt. Alle diese Anstrengungen sorgen dafür, dass das Ablesen der Uhrzeit wie des Datums bei der Chronometerwerke Automatik in jeder Situation problemlos gelingt – solange es Tag ist oder eine künstliche Beleuchtung zum Einsatz kommt. Im Dunkeln schläft die Schönheit und belästigt mich nicht mit Zeitinformationen.
Wempe Chronometerwerke Automatik Zifferblatt
Das Zifferblatt ist auffallend schön gestaltet, verweigert nachts aber die Zeitinformation. © PR
Äußerliche Schönheit, das sind wir schon der humanistischen Schulbildung schuldig, soll uns nicht von der Frage nach den inneren Werten abhalten. Dieser Ansatz führt uns direkt zur Unterscheidung zwischen den beiden Uhrenlinien, welche der Hamburger Juwelier mit Niederlassungen in Europa und den USA seit nunmehr zehn Jahren in Glashütte fertigt. Da ist zum einen die Linie Zeitmeister, in welcher vor allem Eta-Werke, aber auch Quarzuhren für Damen zum Einsatz kommen. Hier wird überwiegend in Edelstahl oder mit Vergoldungen bei den Gehäusen gearbeitet. Und zum anderen die Wempe Chronometerwerke, zu der auch unser Modell gehört. Hier gibt es ebenfalls Edelstahlmodelle, aber auch Varianten in 18-Karat-Gelbgoldgehäusen – wie auch für meine Testuhr. Hier kommen aber vor allem ausschließlich eigene Werke zum Einsatz. Während man sich das tonneauförmige Werk noch in Kooperation von Nomos fertigen ließ, bezieht man für die runden Handaufzug- und Automatikkaliber konstruktive Unterstützung aus dem Schweizer Jura.
Wempe Sternwarte auf dem Ochsenkopf in Glashütte
Die Uhrmacher in Glashütte bezogen ab 1910 die exakte Tageszeit aus der Sternwarte auf dem Ochsenkopf oberhalb des erzgebirgischen Städtchens. Heute werden hier die Uhren der Wempe Chronometerwerke gefertigt und amtlich geprüft.° © Norman Konrad - www.normankonrad.de
Für die vorgeschriebene Wertschöpfung von 50 Prozent vor Ort – um die Herkunftsbezeichnung Glashütte verwenden zu dürfen – sorgen neben dem Zusammenbau und der Regale auch die Chronometerprüfung in der Sternwarte im eigenen Haus. Diese wird von Mitarbeitern des thüringischen Landesamtes für Verbraucherschutz durchgeführt und amtlich bestätigt, was die Unabhängigkeit und die Offenheit der Prüfstelle für andere Mitbewerber garantiert.

Die Prüfung als Chronometer ist hart, aber amtlich

Die Prüfergebnisse führen in der Praxis außerhalb geregelter Temperaturbedingungen und kontinuierlicher Bewegung auf dem Zeitmesser naturgemäß zu anderen Werten, mein Chronometerwerke-Modell befriedigt die Ansprüche mit maximal sechs Sekunden Vorgang je Tag allemal. Denn lieber zu früh zu einem Date kommen, als zu spät. Und langsamer werden mechanische Uhren meiner Erfahrung nach mit den Jahren von alleine. Das erste Automatikwerk CW4, welches zum zehnjährigen Firmenjubiläum 2016 vorgestellt wurde, baut eine Gangreserve von immerhin 92 Stunden auf, welche in nur einem Federhaus für den Fall gespeichert wird, dass ich die Uhr einmal nicht trage. So muss ich die Chronometerwerke Automatik nicht neu stellen, sollte ich sie ein verlängertes Wochenende zu Hause lassen, weil ich mir für Outdoor-Aktivitäten eine robustere Uhr als Begleiter wähle, welche die Wasserdichtheit der Wempe-Uhr von drei Bar noch übertrifft. Und auch das schwarze Alligatorlederband möchte ich für angemessene Anlässe schonen. Es trägt sich mit der kleinen Dornschließe mit Wempe-Schriftzug hervorragend und schmiegt sich förmlich um den Arm. Die tief herabgezogenen Bandanstöße des 41 Millimeter im Durchmesser großen Edelstahlgehäuses sorgen für einen perfekten Sitz.
Wempe Chronometerwerke Automatikwerk CW4
Das Manufakturwerk CW4 mit der auffällig hervorstehenden Schwungmasse baut eine Gangreserve für 92 Stunden auf, für den Fall, dass sie einmal nicht getragen werden sollte. © PR
Durch den sechsfach verschraubten Saphirglasboden erblicke ich das CW4 – ein Automatikwerk, das gemäß Glashütter Tradition mit einer Dreiviertelplatine mit samt Glashütter Bandschliff versehen ist, die von drei gebläuten Schrauben gehalten wird. Die vergoldeten Schriftzüge weisen stolz auf die chronometergenaue Reglage in fünf Lagen wie auf die verbauten 35 Rubine hin. Vier weitere gebläute Schrauben zieren die beiden Kloben und fixieren auf diesen die Unruhbrücke, unter welcher die Unruh mit 28.800 Halbschwingungen oszilliert. Die Rückseite gibt sich nicht minder klassisch als das Zifferblatt. Ungewöhnlich nur der dezentrale Aufzugsrotor mit seinem Bandschliff, der über der Platine wie aufgesetzt wirkt. Immerhin, die ungewöhnliche Konstruktion ist sofort als Manufakturwerk erkenntlich und mit einer Höhe von 11,7 Millimetern baut die Chronometerwerke Automatik auch mit dieser Konstruktion nicht zu hoch. Mein Fazit: Die Glashütter Armbanduhr begleitet ihren Träger unauffällig am Handgelenk, gefällt dem Betrachter mit ihrer formschönen Gestalt und besitzt die inneren Werte, die ihre verführerische Gesamterscheinung zu einem Versprechen machen, das gehalten wird. tw
Wempe Chronometerwerke Automatik Profil
Das 41 Millimeter große Stahlgehäuse besitzt tief herabgezogene Bandanstöße, die dem Chronometer zu sehr guten Trageeigenschaften verhelfen. © PR
Noch mehr Details über die Wempe Chronometerwerke Automatik erfahren Sie im ausführlichen Test im aktuellen UHREN-MAGAZIN 03.2017, das Sie hier als digitale Ausgabe herunterladen können. Der Test beinhaltet emotionale Fotografenbilder, Gangtests auf der Zeitwaage und am Arm und umfassende technische Daten zu Uhr und Werk. Weitere Themen des UHREN-MAGAZINS 03.2017:
  • Königin der Lüfte: Die Rolex Air King im Test
  • Swatch versus Seiko: Können mechanische Uhren unter 300 Euro überzeugen?
  • Omega Master Chronometer und METAS-Zeritifizierung: Wir haben uns das vor Ort angeschaut!
  • Warenkunde: Die Vielfalt der Oyster-Bänder von Rolex
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