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Lesedauer 4 Min.

Hands-on: Circula - Protrail Automatik

Circula: Protrail Automatik
© PR
Field Watches liegen aktuell voll im Trend. Kein Wunder, schließlich begeistern ihre Nehmerqualitäten nicht nur Militärfans. Heutige Field Watches stehen in der Tradition militärischer Armbanduhren, die Bodentruppen ab dem Ersten Weltkrieg „im Feld“ trugen. Diese mussten die Zeit auch unter widrigen Bedingungen exakt und eindeutig anzeigen. Deshalb standen und stehen Robustheit, Verlässlichkeit und gute Ablesbarkeit bei dieser Uhrengattung im Mittelpunkt.
Diese drei Aspekte hat auch Circula bei der Entwicklung seines neuen Modells ProTrail Automatik beachtet. Für eine hohe Widerstandsfähigkeit sorgen vor allem zwei technische Finessen: Einerseits besitzt das 40 Millimeter große, selbstverständlich überwiegend matte Edelstahlgehäuse einen Weicheisenkern, der vor Magnetfeldern mit Stärken bis 80000 Ampere pro Meter schützt. Andererseits wird die Stahlschale kolsterisiert, also durch Eindiffundieren von Kohlenstoff von rund 200 auf 1200 Grad Vickers auf der Härteskala verfestigt. Diese effektive Methode, die Kratzfestigkeit einer Uhr zu vervielfachen, ist von Sinn Spezialuhren bekannt und wird dort Tegiment-Verfahren genannt.Den zweiten Vorzug einer Field Watch, die Verlässlichkeit, erzielt Circula durch Verwendung des bewährten Großserienkalibers Sellita SW 200 in der Qualitätsstufe „Spécial“, die vom Werkhersteller etwas aufwendiger vorreguliert wird als die Basisqualität „Standard“. Die Pforzheimer Uhrenschmiede gibt für die ProTrail eine Genauigkeit von –5 bis +7 Sekunden an, was der Test auf der Redaktionszeitwaage von Witschi mit einer durchschnittlichen täglichen Abweichung von 2,8 Sekunden bestätigte.
Mit 40 Millimetern Durchmesser liegt die ProTrail angenehm am Arm © Circula
Das dritte wichtige Merkmal, die gute Ablesbarkeit, erreicht die Uhrenmarke durch ein reduziertes Zifferblatt mit klarer Typografie und gut erkenn- und unterscheidbaren Zeigern. Auch der Verzicht auf ein Datum und die kleine 24-Stunden-Skala stehen ganz im Einklang mit der Militäruhrentradition. Letztere war ursprünglich dafür gedacht, Soldaten im angloamerikanischen Sprachraum das Umrechnen von beispielsweise 2 p.m. auf 14 Uhr – militärisch „fourteen hundred“ – zu erleichtern.

Es werde Licht!

Normalerweise sind Field Watches mit Leuchtzahlen ausgestattet, um ein Ablesen auch bei Nacht oder im dunklen Schützengraben zu erleichtern. Circula geht bei der ProTrail noch einen Schritt weiter und beschichtet den gesamten äußeren Zifferblattring mit Leuchtmasse. Auf diese Weise treten die schwarzen Zahlen im Dunkeln gut erkennbar hervor. Wenn man die Leuchtmasse unter einer Lichtquelle auflädt, strahlen Zifferblatt (grünlich) und Zeiger (bläulich) im ersten Augenblick sehr hell. Die maximale Leuchtkraft hält nur kurz an, aber was bleibt, genügt, um die Zeit die ganze Nacht hindurch eindeutig anzuzeigen. Ein zusätzliches Schmankerl ist das nachleuchtende Unruh-Emblem auf der Stirnseite der Aufzugskrone.Auch auf der Rückseite bietet die ProTrail das gewisse Etwas, denn der Vollgewindeboden ist vollflächig mit Geländelinien und Landschaftsmarken aus militärischen Karten bedeckt. Das sieht gut aus und macht allemal mehr Spaß als die militärischen Kennzahlen und Produktcodes, die in die Böden historischer Field Watches eingraviert waren.
Leuchtstark: Neben den Zeiern strahlen nachts auch der äußere Zifferblattring und das Unruhsymbol auf der Krone © Circula
Überhaupt ist das Gehäuse raffinierter, facettenreicher und auch wasserdichter als die schlichten Uhrenschalen vergangener Epochen. Seltsamerweise war die Wasserdichtheit historisch betrachtet kein wichtiges Merkmal, obwohl Bodentruppen regelmäßig in Regen, Schlamm oder bei hoher Luftfeuchtigkeit operieren. Die ProTrail bietet aber eine Wasserdichtheit bis 150 Meter und somit in allen Lebenslagen außer beim professionellen Tauchen ausreichenden Schutz vor Nässe.
Stimmig: Passend zur Field Watch, ist der Gehäuseboden mit Geländelinien aus militärischen Karten graviert © Circula
Beim Armband geht es genauso robust und optisch gefällig weiter: Das sandfarbene Textilband ist reißfest und legt sich dennoch recht geschmeidig um den Arm, wobei ein Unterfutter aus Leder den Komfort noch erhöht. Ein einfaches, aber effektives Schnellwechselsystem mit je einem Schieber an den beiden Federstegen ermöglicht einen werkzeuglosen Tausch – egal ob ein Circula-Armband oder ein fremdes 20-Millimeter-Band zum Einsatz kommen soll. Wie das Gehäuse ist auch die Schließe gehärtet, allerdings nicht durch Kolsterisieren, sondern durch eine Beschichtung.

Alles perfekt?

Gibt es an der ProTrail also gar nichts auszusetzen? Fast nichts. Beim Test fielen nur zwei Kleinigkeiten auf: Erstens ist die Krone dunkler als die restliche Uhrenschale und liegt aufgrund der schrägen Gehäuseflanke im verschraubten Zustand optisch nicht ganz an der Uhr an. Und zweitens erwies sich der Dorn der ansonsten gut gemachten Schließe als scharfkantig und stark in Richtung Handgelenk geschwungen, sodass er sich bei engem Tragen der Uhr zeitweise unangenehm bemerkbar machte.
Solide: Das hochwertige Textilband endet in einer gehärteten Edelstahlschließe mit gefrästem Dorn © Circula
Ansonsten sollte Sport- und Militäruhrenliebhaber nichts davon abhalten, die Circula-Website zu besuchen und die ProTrail zu bestellen. Der Direktvertrieb hilft der Marke dabei, trotz der aufwendigen Konstruktionsmerkmale ihrer Uhren im Einstiegspreisbereich um 1000 Euro zu bleiben. So sind denn auch 899 Euro für die ProTrail keineswegs zu viel Geld. Für diesen Betrag erhält man ein individuelles Design gepaart mit hohem Nutzwert und technisch anspruchsvoller Ausstattung. Was man als Einziges nicht bekommt, ist Eleganz. Aber die wäre im Felde doch nun wirklich fehl am Platz. Der Preis der Uhr liegt bei 899 Euro. akDieser Artikel erschien zuerst in der Chronos 02.2023. Die aktuelle Ausgabe finden Sie hier:)
Inhalt
Uhren bis 1.000 Euro limitierte Uhren-Editionen Uhren-Tests Edelstahl Uhren Luxusuhren Circula Archiv

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