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Union Glashütte: Wie ein Grundsatz aus dem 19. Jahrhundert die Marke bis heute prägt

Schweizer Basiswerke, die in Glashütte aufwendig veredelt werden: Was schon die Union-Uhren des 19. Jahrhunderts auszeichnete, gehört auch heute zum Markenversprechen. Das Spektrum reicht von sportlich-eleganten Dreizeigeruhren bis zu Chronographen und anderen raffinierten Komplikationen.
Union Glashütte: Setzen des Rotors

Union Glashütte stellt seine eigenen Rotoren her.

© Union Glashütte

Es klingt verlockend: „Alles, was eine Uhr schön und präzise macht, aber nichts, was sie nur unnötig teuer macht“ – das war das Credo von Union-Gründer Johannes Dürrstein im späten 19. Jahrhundert. Und es bildet bis heute den Leitsatz der Uhrenmarke Union Glashütte. Union ist spezialisiert auf ausschließlich mechanische Uhren, die in der Uhrenstadt Glashütte in Sachsen nach traditionsreichen Fertigungsmethoden produziert werden und gleichzeitig modernsten Anforderungen standhalten.

Gründer von Union Glashütte: Johannes Dürrstein (1845–1901)

Gründer von Union Glashütte: Johannes Dürrstein (1845–1901)

© Union Glashütte

Manufakturähnliche Atmosphäre

Union Glashütte ist keine klassische Manufaktur, die alle wichtigen Werkteile wie Platinen und Brücken selbst herstellt. Und trotzdem herrscht in der Fertigungsstätte im Frühlingsweg 5 in Glashütte eine manufakturähnliche Atmosphäre. Union, eine Marke der Swatch Group, bezieht den Großteil der Werkkomponenten aus der Schweiz, vom Schwesterunternehmen Eta. Gleichzeitig spielt der Standort Glashütte eine bedeutende Rolle: Hier werden alle Teile nach intensiver Eingangskontrolle bearbeitet, veredelt und zu fertigen Uhrwerken zusammengebaut. Den Rotor für den Automatikaufzug produziert Union selbst. Auch das Einschalen der Werke, das Anbringen der Bänder sowie sämtliche Endkontrollen finden in Glashütte statt.

Uhrmacherin bei Union Glashütte

Uhrmacherin bei Union Glashütte: Jede Uhr ist mit einem in-house gefertigten Rotor bestückt.

© Union Glashütte

1893 von Johannes Dürrstein gegründet

Gegründet wurde die „Glashütter Uhrenfabrik Union“ 1893 nicht von einem Uhrmacher, sondern vom Dresdner Uhrengroßhändler Johannes Dürrstein. Seine Mission war es, Präzisionsuhren für weitere Kundenkreise erschwinglich zu machen. Früh erkannte er das Potenzial neuer Produktionsmethoden, die er auf seinen Reisen in Nordamerika kennengelernt hatte. Sein Konzept zielte auf ein hohes Maß an Mechanisierung und Automatisierung, was zu austauschbaren Teilen führte – im Unterschied zur traditionellen handwerklichen Fertigung. Nachdem er zunächst Uhren in der Schweiz hatte produzieren lassen, begann er 1893 mit der Uhrenfertigung für Union in Glashütte. Die technische Leitung übernahm sein langjähriger Mitarbeiter und Uhrmacher Julius Bergter.

Das historische Firmengebäude von Union in Glashütte

Das historische Firmengebäude von Union in Glashütte

© Union Glashütte

Höhepunkt: die Universaluhr von 1900

Union stellte aber nicht nur hochwertige preiswerte Alltagsuhren her, sondern glänzte auch mit Komplikationsuhren. Den Höhepunkt bildete die 1900 präsentierte Universaluhr mit 18 Komplikationen. Mit Funktionen wie, unter anderem, Minutenrepetition, Sonnerie, ewigem Kalender mit Mondphase, Doppelchronograph und Wecker, war sie eine der komplexesten Uhren weltweit und demonstrierte das technische Können der Glashütter Manufaktur.

Union Glashütte: Universaluhr aus dem Jahr 1900

Union Glashütte: Die 1900 zusammen mit Louis-Elysée Piguet realisierte Universaluhr

© Audemars Piguet/Union Glashütte

Neupositionierung 2008

In den 1990er Jahren wurde Union zunächst als Zweitmarke von Glashütte Original wiederbelebt. Doch schon bald war klar, dass diese Marke mehr Potenzial hatte. 2008 wurde Union schließlich als eigenständige Marke innerhalb der Swatch Group neu positioniert. Unter der Führung von zunächst Adrian Bosshard (heute CEO von Rado) und inzwischen Franz Linder (der auch CEO von Mido ist) fokussiert sich die Marke auf hochwertige mechanische Uhrmacherei zu erschwinglichen Preisen.

Franz Linder, CEO von Union Glashütte

Franz Linder, CEO von Union Glashütte

© Union Glashütte

Die einzelnen Modelllinien

Das Gros der Modelle, die Union Glashütte heute anbietet, liegt zwischen knapp 2.000 und knapp 4.000 Euro, darüber hinaus gibt es einzelne Goldmodelle sowie Damenuhren mit Diamanten. Das teuerste Modell ist derzeit die auf 131 Stück limitierte 1893 Johannes Dürrstein Edition Mondphase für 13.900 Euro.

Die Linie Belisar, benannt nach einem oströmischen Heerführer des 6. Jahrhunderts, zeichnet sich durch aufgeschraubte Gehäuseflanken aus, die im Servicefall komplett getauscht werden können, um der Uhr wieder ein kratzerfreies Aussehen zu verleihen. Bei Bicolormodellen gibt diese Konstruktion den Union-Designern die Möglichkeit, neben der Lünette auch die Flanke einer Stahluhr in Gold auszuführen.

Die Noramis-Serie orientiert sich an der zeitlosen Eleganz der sechziger und siebziger Jahre. Hier finden sich Retro-Elemente wie die Pilzdrücker der Chronographen, Dégradé-Zifferblätter oder Milanaisebänder. Alle Uhren sind klar gestaltet und auf gute Ablesbarkeit getrimmt.

Während die Linie Averin mit ihrem ausdrucksstarken quadratischen Gehäuse anders als andere Union-Modelle eher polarisiert, findet man unter Viro klassische, schlicht gestaltete Dreizeigeruhren, die preislich gesehen den Einstieg in die Marke Union Glashütte darstellen. Demgegenüber huldigen die Uhren unter dem Namen 1893, der sich vom Gründungsjahr Union Glashüttes ableitet, den historischen Wurzeln der Marke. Hier findet man verschiedene Komplikationen wie Gangreserveanzeige, Chronograph oder Vollkalender mit Mondphase.

Als explizite Damenuhr führt Union die Seris im Programm. Sie ist keine verkleinerte Herrenuhr, sondern spricht ihre potenziellen Käuferinnen mit leicht verspielten, aber klar strukturierten Zifferblättern an, die oft aus Perlmutt gefertigt sind. Auch eine große Vielfalt an Farben und Bändern macht die Seris aus.

Union Glashütte: Belisar Chronograph Mondphase Wristshot

Mit Vollkalender: Belisar Chronograph Mondphase 

© Union Glashütte

Jedes Werk mit eigenem Rotor

Union verfügt über eine stattliche Anzahl von Kalibern, die die Marke in ihre Uhren einsetzt. Allen gemein ist der im eigenen Haus gefertigte Rotor. Union hat für alle Versionen einen hochwertigen Standard geschaffen: Er drückt sich aus in einem klassischen Glashütter Streifenschliff, dem skelettierten Markenschriftzug und thermisch gebläuten Schrauben. Einige Kaliber sind mit einer Siliziumspirale ausgestattet, man erkennt sie an dem Zusatz „S“ im Namen wie im Falle des Automatikkalibers UNG-07.S1 im Unterschied zum bloßen UNG-07. Die mit „UNG“ (für Union Glashütte) gekennzeichneten Werke zeichnen sich außerdem durch eine erhöhte Gangreserve von 60 bis 65 Stunden aus.

Union Glashütte: Viro Datum mit verschiedenfarbigen Zifferblättern

Union Glashütte: Viro Datum mit verschiedenfarbigen Zifferblättern

© Union Glashütte

Oldtimerrallyes

Ein Thema, das bei Union seit vielen Jahren eine wichtige Rolle spielt, sind die Partnerschaften mit verschiedenen Oldtimerrallyes. Dazu entstehen auch immer wieder spannende Sondermodelle, die die Designsprache von Union erweitern und oft Gestaltungselemente bestimmter historischer Automobile aufnehmen. Zur Sachsen Classic, an der Union seit 2011 teilnimmt, brachten die Glashütter zuletzt im Sommer 2025 einen limitierten Noramis-Chronographen heraus. Im Design von Gehäuse, Band und Zifferblatt nimmt er Anleihen an dem 1952 gebauten „Großen Werkmeister“ von Georg Werkmeister (Konstruktion) und Georg Hufnagel (Karosserie). Mit dem historischen Fahrzeug startete Union auch bei der Sachsen Classic. Einige Wochen zuvor hatte Union bereits den Belisar Chronograph Silvretta Classic 2025 sowie eine limitierte Noramis zur ADAC Deutschland Klassik herausgebracht.

Union Glashütte: Noramis Chronograph Limitierte Edition Sachsen Classic

Sondermodell: Noramis Chronograph Limitierte Edition Sachsen Classic

© Union Glashütte
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