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Vintage Panerai: Die Köneke-Radiomir Referenz 3646 / Typ D

Das Gesicht der Köneke-Radiomir mit ihrem unbeschrifteten Sandwich-Zifferblatt. (Foto: Jörg Wischmann)
© ©wischmann.de
Sehr wenige von den ohnehin nur in geringen Stückzahlen produzierten Kampfschwimmer-Uhren von Panerai sind bis heute erhalten geblieben. Einige dieser historischen Militäruhren sind erst nach Jahrzehnten wieder aufgetaucht und geben nach fast 70 Jahren Auskunft über ihren einstigen Verwendungszweck. Nur von einem kleinen Teil der Vintage-Panerai-Uhren kann die Geschichtes vom Zeitpunkt ihrer Verwendung bis heute vollständig dokumentiert werden. Historisch belegbare Tatsachen über die Umstände und Begebenheiten aus der Zeit des 2. Weltkrieges im Zusammenspiel mit Zeitzeugenberichten der wenigen heute noch lebenden Veteranen, dokumentieren diese seltenen Uhren in beeindruckender Weise. Heute stellen wir eine weitere Panerai-Uhr mit Geschichte vor:Die Köneke-Radiomir (Referenz 3646 / Typ D)Die Köneke-Radiomir mit der Gehäusenummer 260554 gehört wie auch die bereits hier vorgestellte Pape-Radiomir (Gehäusenummer 260530) sowie die Kiefer-Radiomir (Gehäusenummer 260560) zu den 60 heute bekannten Kampfschwimmer-Uhren des Typs D, dessen Nummernkreis sich von 260408 bis 260838 erstreckt. Ein markantes äußerliches Merkmal dieser Uhr ist das unbeschriftete, „anonyme“ Zifferblatt ohne den sonst üblichen Panerai-Schriftzug „Radiomir Panerai“.
Bei den Kampfschwimmer-Uhren der Referenz 3646 verwendete Panerai das Werk des Typs 1. Zu den Erkennungsmerkmalen des Kalibers zählt neben den 17 Rubinen auch die nicht vorhandene Incabloc-Stoßsicherung. Diese wurde erst bei später gebauten Militäruhren von Panerai mit den Werken des Typs 3 oder 4 (mit 15 oder 17 Rubinen) eingesetzt. Ein Unruhkloben mit der französisch-englisch ausgeführten Skala A-R und F-S ist ein weiteres Erkennungsmerkmal des Werk-Typs 1, welches auch die Panerai-Uhr von Siegfried Köneke besitzt.
(Foto: Jörg Wischmann) © wischmann.de
Der Gehäuseboden der Vintage-Panerai-Uhren, die von den Angehörigen der „Einsatzgruppe Keller“ im 2. Weltkrieg getragen wurden, ist mit den Initialen des jeweiligen Kampf­schwimmers sowie der Jahreszahl 1945 graviert. Die auffälligen, mit einem umgebauten Rasierapparat angefertigten Gravuren wurden im Mai 1945 während der Kriegs­gefangen­schaft im Lager von Rantum auf der Insel Sylt von einem Uhrmacher angefertigt, der zum Begleitpersonal der „Einsatzgruppe Keller“ gehörte. Er gravierte auch die Uhren von Kampfschwimmern, die anderen Einsatzgruppen zugeteilt und ebenfalls auf der Insel Sylt interniert waren (siehe Artikel „Die Lehmann-Radiomir“). Alle Gravuren weisen seine typische Handschrift auf.
(Foto: Jörg Wischmann) © wischmann.de
Die Geschichte einer Vintage-Panerai-Uhr mit zwei VorbesitzernDie hier vorgestellte Kampfschwimmer-Uhr (Buch „History2“ / Kapitel V) wurde im 2. Weltkrieg von Siegfried Köneke getragen. Er nahm an verschiedenen Einsätzen an der Ostfront teil, um die Nachschubbrücken der in Richtung Berlin vorrückenden Sowjettruppen zu zerstören, die in den Monaten Februar bis April 1945 entlang der Oder errichtet wurden. Ende April 1945 war Köneke mit einer Gruppe von Kampfschwimmern der „Einsatzgruppe Keller“ in Stettin, um im bereits vom Feind besetzten Hafengebiet eine Brücke zu zerstören. Die Mission scheiterte jedoch, da sich der ans Ziel herangeführte Torpedo nicht wie geplant fluten ließ und durch die Strömung der Oder verloren ging. Bei dieser Aktion wurden die Kampf­schwimmer vom Feind entdeckt und mussten getrennt voneinander die Flucht ergreifen. Nach zwei Tagen kehrte Köneke wieder zu seinen Kameraden zurück und geriet unmittelbar vor Ende des 2. Weltkrieges auf der Insel Sylt in Kriegsgefangenschaft. Ab August 1945 waren Köneke und einige seiner Kameraden als Bergungstaucher im Hamburger Hafen gefragte Spezialisten, um das Hafengebiet von einer Vielzahl an Trümmern, Blindgängern und auch Schiffswracks zu befreien. Während der Köneke's Tätigkeit als Bergungstaucher lernte er den Ex-Kampfschwimmer Jochen Burnus kennen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen Köneke und Burnus, die fortan gemeinsam als Bergungstaucher arbeiteten. Im März 1949 verunglückte Siegfried Köneke im Hamburger Hafen tödlich. Die Eltern des Verunglückten überreichten die hier vorgestellte Kampfschwimmer-Uhr als Andenken dem Freund und Taucherkollegen Jochen Burnus.
(Foto: Jochen Burnus) © PR
(Foto: Jochen Burnus) © PR
Burnus, der ab März 1945 selbst an Kampfschwimmer-Einsätzen gegen die vorrückenden Allierten beteligt war, geriet während einer gescheiterten Mission gegen eine Ponton-Brücke der 9. US-Armee über die Elbe in Kriegsgefangenschaft. Bei der Gefangennahme wurde ihm seine Militäruhr abgenommen, später wurde sie ihm dann wieder ausgehändigt. Diese Panerai-Uhr von Siegfried Köneke war für Burnus zweifelsfrei ein Andenken mit hoher emotionaler Bedeutung. Nach mehr als 50 Jahren, im Mai 2001, entschloss sich Burnus, die Uhr zu ver­steigern. 2003 wurde die Kampfschwimmer-Uhr in der von Ehlers & Wiegmann aufgebauten Datenbank historischer Panerai-Uhren erfasst. Fünf Jahre später, im Jahr 2008, wurde sie vollständig restauriert. Mit präzisem Gang und einer Gangreserve von mehr als 30 Stunden ist die Köneke-Radiomir nach rund 70 Jahren immer noch voll funk­tionsfähig.Weitere Informationen über die Köneke-Radiomir und deren Vorbesitzer sind im Buch „History2“ (Kapitel V) von Ralf Ehlers und Volker Wiegmann ausführlich beschrieben. Hardcover, 26 x 26 cm, 480 Seiten Inhalt, mehr als 290 Fotos und technische Illustrationen, trilingual (Deutsch, Italienisch, Englisch) Preis 189,- EUR. www.vintagepanerai.comText: Volker Wiegmann
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