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Lesedauer 7 Min.

Hands-on: Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen – eine Taucheruhr für Bergsteiger

Mit ihrem Zifferblatt in Gletscheroptik sorgt die Linie Iced Sea seit ihrer Einführung 2022 für Furore. Inzwischen hat Montblanc sie mit der Zero-Oxygen-Technologie und einem Gehäuse aus künstlich gealtertem Edelstahl.
Montblanc: Iced Sea Automatic 0 Oxygen Wristshot

Montblanc: Iced Sea Automatic 0 Oxygen

© WatchTime

Seit Laurent Lecamp 2021 zu Montblanc kam, hat sich das Uhrensortiment der Marke nach einem klaren Gesichtspunkt hin entwickelt. Sieht man einmal von den in kleinen Stückzahlen gefertigten Komplikationsuhren und High-End-Modellen unter dem Minerva-Label ab, dreht sich in der aktuellen Montblanc-Philosophie alles um das Thema, das sich direkt aus dem Markennamen ergibt: das Bergsteigen. Dabei geht es nicht nur um Bergsteigen im engeren Sinn. Die ganze Lebens- und Erfahrungswelt, die mit den Alpen, deren Natur und dem Sich-darin-Bewegen zu tun hat, dient als Inspirationsquelle. Inspiration für Innovationen, die immer darauf ausgerichtet sind, dem Träger oder der Trägerin etwas Besonderes zu bieten: eine einzigartige Optik, eine nützliche Technik und dazu allgemeine Robustheit, immer verbunden mit einem hohen ästhetischen Niveau.

Montblanc: Iced Sea Automatic 0 Oxygen

Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen 

© Montblanc

Zifferblatt mit Gletscheranmutung

Bei der Linie Iced Sea, die Montblanc 2022 einführte, findet man diese Besonderheit auf dem Zifferblatt. Montblancs Ziel war es, die Blätter mit einer Oberfläche zu versehen, die an die kristallinen Strukturen von Gletschern denken lässt. Lecamp nahm sich das Mer de Glace zum Vorbild: Dieses Eismeer (auf Englisch „Iced Sea“), der größte Gletscher der Mont-Blanc-Gruppe, entlockte schon Goethe bei seinem Besuch 1779 die Bemerkung von einem „Schauspiel aus Eis“. Lecamp schaffte es, in einem langen Austausch mit seinem Zifferblattlieferanten eine alte Bearbeitungsart zu reaktivieren, die längst als zu aufwendig aufgegeben worden war. Die Rede ist von einer „gratté boisé“ genannten Holzschlifftechnik, bei der die zwischen 0,3 und 0,4 Millimeter dünnen Zifferblätter nach verschiedenen Vorarbeiten mit feinen Schleifbürsten bearbeitet werden. Insgesamt sind 30 Arbeitsgänge nötig, um einem Blatt die vielen kreuz und quer verlaufenden, unterschiedlich starken Linien zu verpassen und es anschließend mit mehreren Klarlackschichten zu veredeln. Und tatsächlich: Das Zifferblatt macht einen Großteil der Optik jeder Iced Sea aus. Das gilt auch für unsere Testuhr: die Iced Sea Automatic Date 0 Oxygen mit einem Gehäuse aus sogenanntem „distressed steel“ – zu letzterem später mehr. Es gibt Zifferblätter aus Meteoritengestein, die auf den ersten Blick eine ähnliche Anmutung haben. Aber bei der Iced Sea ist die Struktur weniger regelmäßig. Stark bearbeitete Stellen wechseln sich ab mit Stellen, an denen die eigentlich glatte Zifferblattoberfläche durchkommt. Alles in allem evoziert das Muster durchaus die Vorstellung einer eisigen Umgebung, erst recht in der hier vorliegenden silbergrauen Ausführung. Gleichzeitig beeindruckt das Blatt durch seinen Sfumato-Effekt, der das graue Blatt nach außen hin immer dunkler werden lässt, bis es fast in Schwarze übergeht. Damit nähert es sich farbig an das zweite Merkmal an, das diese Uhr zu einem solchen Hingucker macht: der Lünette.

Boden mit Eisberg und Taucher: Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen

Boden mit Eisberg und Taucher: Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen 

© Montblanc

1/4 rau, 3/4 glatt: die speziell behandelte Lünette

Der Zahlenring der Lünette ist aus schwarzer Keramik gefertigt, aber mit einer Besonderheit: Die Oberfläche ist nicht durchgängig hochglanzpoliert. Die erste Viertelstunde, für Taucher besonders wichtig und bei manchen Taucheruhren durch eine Minuteneinteilung oder eine andere Farbe abgehoben, hat Montblanc einer besonderen Laserbearbeitung unterzogen. Dadurch wird Material weggenommen, was die arabische Zehn und die Indexe leicht herausstehen lässt. Zudem ist die Oberfläche rau und bildet so einen sicht- wie spürbaren Widerpart zum restlichen Dreiviertelkreis. Es sind diese durchdachten Details, mit denen die Uhr einen für sich einnimmt. Und dieser setzt sich an weiteren Stellen fort. Zum Beispiel auf der Krone: Dort ist das Markenlogo, der berühmte Montblanc-Stern, erhaben herausgearbeitet, was mit den eben beschrieben Anzeigen auf dem ersten Lünettenviertel korrespondiert. Und um den insgesamt dunklen Charakter der Uhr zu unterstreichen, ist Montblanc sogar über seinen Schatten gesprungen und hat den eigentlich weißen Stern in Schwarz ausgeführt.

Zurück zum Zifferblatt: Eine feine Schienenminuterie, das historische Montblanc-Logo und das Logo der Iced-Sea-Linie bei sechs Uhr bringen leichte Vintage-Elemente ins Spiel, ohne der Uhr aber einen expliziten Retrocharakter zu verleihen. Einen starken Kontrast zu all dem Grau und Schwarz bilden Zeiger, Indexe und Zahlen: Sie sind allesamt mit strahlend weißem Superluminova versehen und von einem feinen rhodinierten Rahmen umschlossen. Geht man in die Dunkelheit, leuchten die weißen Elemente hellblau. Das passt nicht nur zur Gletscherthematik, sondern ist auch die letzte Farbe, die man unter Wasser bei steigender Tiefe noch sehen kann und damit gut geeignet für eine Taucheruhr.

Zifferblatt in Gletscheroptik: Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen

Zifferblatt in Gletscheroptik: Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen 

© Montblanc

"Distressed Steel": Künstliche Alterung

Das vierte Detail neben Zifferblatt, Lünette und Krone, das diese Uhr besonders macht und auch von den anderen Iced-Sea-Modellen abhebt, ist die Gehäusebearbeitung. Die Edelstahlschale mit 41 Millimetern Durchmesser und einer Bauhöhe von 12,9 Millimetern ist nicht einfach schwarz PVD-beschichtet, sondern wurde zusätzlich einer künstlichen Alterung unterzogen. Montblanc selbst spricht von „distressed steel“. Damit dieser Abnutzungseffekt entsteht, müssen sich die Gehäuse nach einem händischen Waschvorgang viereinhalb Stunden lang an Steinen reiben. Und Montblanc wäre nicht Montblanc, wenn nicht auch die dafür verwendeten Steine einen Bezug zur Marke hätten: Es handelt sich um Quarztite aus dem Mont-Blanc-Massiv. Im Vergleich zu Zifferblatt und Lünette fällt die Beschaffenheit des Gehäuses nicht so stark ins Auge, sie ist bewusst dezent ausgeführt. Trotzdem merkt man schnell, dass es sich um ein Gehäuse handelt, das man nicht jeden Tag sieht. Wer genau hinschaut, erkennt die waagerechten Schliffspuren an den Flanken und die hellen Linien an den Hörnern: Sie erzeugen einen Used-Look, den man kaum wahrnimmt, der aber eben doch spürbar ist und zum Gesamteindruck beiträgt.

Angesichts dieser liebevollen Details nimmt es nicht wunder, dass auch das schwarze Kautschukband mit einem kleinen Kniff kommt: Es zeichnet sich durch eine aufgeraute Oberfläche aus. Die „Rugged“-Struktur verträgt sich gut mit der Gestaltung von Gehäuse und Zifferblatt sowie mit der rauen Haptik des ersten Lünettenviertels. Das Band auf die richtige Handgelenksweite einzustellen, ist kein Problem. Insgesamt stehen neun verschiedene Positionen bereit. Beim Öffnen der Schließe hilft ein Doppeldrücker. Nur das Schnellwechselsystem verdient etwas Kritik. Die Idee ist, dass man den stahlfarbenen Schieber Richtung Gehäuse schiebt, das versenkt die Federstege und man kann das Band abnehmen. Das Ganze ist aber etwas schwergängig und das Wiederbefestigen funktioniert zwar mit etwas Übung, es gibt jedoch längst Systeme, die komfortabler und schneller sind.

Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen

Gehäuse aus "Distressed Steel": Montblanc Iced Sea Automatic 0 Oxygen 

© Montblanc

Zero Oxygen inside

Dafür lohnt sich der Blick auf den Boden. Dort gibt es wie bei allen Iced-Sea-Modellen eine sehr ansprechende Lasergravur eines Eisbergs. Der Taucher an seinem Fuß symbolisiert, dass die bis 300 Meter wasserdichte Taucheruhr nach ISO 6425 zertifiziert ist. Was sich hinter diesem Boden abspielt, kann man nicht sehen, ist aber höchst bemerkenswert: Das Uhreninnere ist von jeglichem Sauerstoff befreit. Mit einer Spezialapparatur ersetzt Montblanc die normale Luft durch eine Stickstoffatmosphäre. Die Idee stammt einmal mehr vom Bergsteigen: Sie entstand bei Gesprächen mit Reinhold Messner, Freund der Marke und erster Mensch, der alle Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff bestieg. Man könnte das für einen Marketinggag halten. Tatsächlich hilft die Abwesenheit von Sauerstoff dabei, die Korrosion von Werkteilen aus Stahl zu verhindern. Ursprünglich führte Montblanc diese „0 Oxygen“-Technologie bei einem anderen Modell ein. Sie wurde im Frühjahr 2025 aber auf die gesamte Iced-Sea-Linie ausgeweitet. Wer ein ältere Uhr dieser Linie ohne diese Technologie besitzt, kann sie gegen eine Zahlung von 175 Euro entsprechend nachrüsten lassen. Dafür muss man die Uhr nicht einmal in die Montblanc-Zentrale nach Le Locle schicken, es gibt über den Globus verteilt lokale Montblanc Service Centers, die diese Aufgabe ausführen.

Das Werk selbst ist bewährter Standard: Hinter der Montblanc-Bezeichnung MB 24.17 verbirgt sich das Sellita-Automatikkaliber SW 200. Bei unserer Testuhr war es deutlich vorreguliert: Alle auf der Witschi-Zeitwaage gemessenen sechs Werte lagen im Plus, und zwar zwischen +4 und +18 Sekunden, gemessen auf 24 Stunden. Der durchschnittliche Vorgang von zehn Sekunden auf der Zeitwaage bestätigte sich am Handgelenk. Das Datum springt augenblicklich, in unserem Fall um zweieinhalb Minuten nach Mitternacht – ein akzeptabler Wert.

Unterm Strich erhält man für den Preis von 4.900 Euro eine leistungsstarke Taucheruhr mit hohem emotionalem Appeal. Eine Uhr, die man gern trägt und die man immer mal wieder vom Handgelenk nimmt, um sich an ihren vielen feinen Details zu erfreuen.

Technische Daten

Montblanc Iced Sea Automatic Date 0 Oxygen

Hersteller Montblanc Montre SA, chemin des Tourelles 10, 2400 Le Locle, Schweiz

Funktionen Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum, Sekundenstopp

Gehäuse Edelstahl, „distressed“, ohne Sauerstoff im Inneren. Einseitig drehbare Lünette mit 60er-Rastung, schwarzes Keramik-Inlay mit gelasertem erstem Viertel. Verschraubte Krone. Leicht gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas. 6-fach verschraubter Boden mit 3D-Gravur von Eisberg und Taucher. Wasserdicht bis ca. 300 m

Zifferblatt graues Sfumato-Zifferblatt mit Gletschermuster, rhodinierte Stunden- und Minutenzeiger, Indexe und Ziffern mit weißer Superluminova-Leuchtmasse, rutheniumbeschichteter Sekundenzeiger

Maße Durchmesser 41 mm, Höhe 12,9 mm, Horn zu Horn 51 mm, Bandanstoßbreite 20 mm, Gewicht 124 g

Werk MB 24.17 (Basis Sellita SW 200), Automatik mit Zentralrotor und ca. 38 h Gangreserve, Frequenz 4 HZ = 28.800 A/h

Armband und Schließe schwarzes Kautschukband mit aufgerauter Oberfläche und Schnellwechselsystem. Schwarz beschichtete Edelstahl-Faltschließe mit Drückern und Feinverstellung

Gangprüfung 

Größte Lagendifferenz (Delta): 14 Sekunden

Mittlerer Gang: +10 Sek./24 h

Am Handgelenk: +10 Sek./24 h

Preis 4.900 Euro

Automatikuhren Montblanc Edelstahl Uhren Uhren bis 5.000 Euro Schweizer Uhren wasserdichte Uhren

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