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Lesedauer 3 Min.

Lieblingsuhr: Andreas Fritsch

Andreas Fritsch, Uhrmachermeister und Kandidat der AHCI
Andreas Fritsch, Uhrmachermeister und Kandidat der AHCI
© PR
Andreas Fritsch hat sich auf die Reparatur und Restaurierung spezialisiert, davor war er bei Chronoswiss für Chronographen und Sondermodelle zuständig. Seit Herbst 2014 ist er Kandidat der AHCI. Gefragt nach seiner Lieblingsuhr, gibt Andreas Fritsch eine vielschichtige Antwort: "Meine Lieblingsuhr ist natürlich zuerst einmal die von mir gebaute Tischuhr. Die Cercle Tournant "Le Cercle", die bei uns in der Werkstatt entsteht. In der Uhr steckt sehr viel von mir. Aus meinem Besitz habe ich zwei Lieblingsuhren: Einmal eine Armbanduhr von Le Roy, ganz klassisch in Gold, mit Handaufzugskaliber Peseux 260 und drei Zeigern - eine schlichte Uhr mit einem wunderbaren Werk. Und dann eine Schreibtischuhr mit Glaszylinder, digitaler Anzeige und einem einfachen, waagrecht angeordneten Uhrwerk im Sockel. Nicht besonders wertvoll, aber speziell."
Doch nicht allein die Mechanik, ist es, die Andreas Fritsch fesselt: "Es gibt auch eine schöne Geschichte, wie ich die Uhr bekommen habe. Ungefähr im vierten Jahr meiner Selbstständigkeit rief mich eine ältere Dame mich an. Sie erzählte, sie hätte von mir gehört und sei im Besitz einer Uhr, die sie mir schenken wolle, da sie selbst keine Erben hat. Diese Uhr ist ein Erbstück ihrer Familie aus Schlesien, ihre Eltern haben sie bei der Flucht nach Deutschland mitgebracht. Man muss sich das mal vorstellen! Diese Uhr hat der Familie sicher auch Heimat bedeutet. Es macht mich sehr stolz, dass ich so viel Vertauen von dieser Dame bekommen habe - ich werde diese Uhr in Ehren halten und freue mich jedes Mal, wenn ich sie sehe. Als Kind wollte ich eigentlich Goldschmied werden, aber als ich zehn oder zwölf Jahre alt war, hat mein Vater, ein Chirurg der Veterinärmedizin, auf dem Wohnzimmertisch die alte Kuckucksuhr meiner Oma repariert. Und seit dem war mein Wunschberuf: Uhrmacher.

"Bei meiner Tätigkeit gibt es keine Schublade mit Ersatzteilen. Das mag ich."

Viele haben mir abgeraten - in den 80ern wurden Uhrmacher nicht besonders gut bezahlt - aber es war einfach mein Ding. Nach meiner Lehre habe ich von der Ausbildung zum Techniker bei der Restaurierung antiker Uhren in La Chaux-de-Fonds gehört und bin dort für zwei Jahre an das Technicum beziehungsweise Museum gegangen, wo ich die nötigen Dinge gelernt und studiert habe. Heute habe ich das Glück, eine sehr abwechslungsreich Tätigkeit zu haben, die fern von Routine ist. Denn Uhren, die mehr als 30 Jahre, sogar 200 Jahre und noch älter sind, müssen eben anders repariert werden. Da gibt es keine Schublade mit Ersatzteilen, in die man greifen kann. Das mag ich."

Protokoll: Gwendolyn Benda

Die "Lieblingsuhr" ist eine Artikelserie des UHREN-MAGAZINS über Persönlichkeiten mit besonderem Bezug zur mechanischen Uhr. Worin liegt die Faszination der Mechanik? Wie kommt man überhaupt dazu, sich mit mechanischen Uhren auseinanderzusetzen? Welche ist die Lieblingsuhr dieser Person? Um diese – und manchmal auch völlig andere – Themen drehen sich die Gespräche.

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