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Lesedauer 3 Min.

Lieblingsuhr: Dr. Peter Plaßmeyer

Dr. Peter Plaßmeyer, Direktor des Mathematisch-Physikalischen Salons Dresden (Foto: Jürgen Lösel)
(Foto: Jürgen Lösel)
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Juergen Loesel
Herr Dr. Plaßmeyer, welche Uhr ist Ihre Lieblingsuhr und weshalb hat sie diese Bedeutung für Sie? Peter Plaßmeyer: Das eine relativ schwierige Frage, denn das verändert sich und hängt auch davon ab, mit welcher Uhr man sich im Moment beschäftigt. Aber ich komme immer wieder auf die Taschenuhren von Johann Heinrich Seyffert zurück. In der Ausstellung des Mathematisch-Physikalischen Salons ist eine Taschenuhr von ihm, die schon mit ihrem Regulatorenzifferblatt hohe Präzision zeigt. Das ist ein gutes Beispiel für Seyfferts wunderschöne Uhren, sie sind einfach stimmig, da findet man interessante Werke und interessante Zifferblätter, und alles ist selbstgemacht.
Erzählen Sie doch mehr über Seyffert. Nun, er war Autodidakt und nichtsdestotrotz der innovativste Uhrmacher seiner Zeit in Dresden – er wollte für sich selbst den besten Taschenchronometer entwickeln und studierte deshalb die englischen Uhrmacher, die damals die besten Uhren bauten, und suchte eigene Lösungen. Liegt für Sie in der intellektuellen Leistung die Faszination der Uhren? Nicht nur, mich fasziniert vielmehr die scheinbare Unendlichkeit und Gleichmäßigkeit der Bewegung. Wenn ich eine Taschenuhr umdrehe und ihr Werk durch den Glasboden beobachte, dann kann ich sie ganz auf mich wirken lassen. Dabei ist die handwerkliche Perfektion mindestens so wichtig wie die intellektuelle Leistung. Wenn ich mich – ganz losgelöst von den Fragen, die mich als Wissenschaftler vielleicht beschäftigen – auf eine Uhr einlasse, dann geht die Kraft ihrer Bewegung in mich über. Dieses Erlebnis kann man mit dem Betrachten eines Aquariums vergleichen oder mit einer Meditation. Für den Mechanik-Puristen klingt das wahrscheinlich sehr subjektiv bis weltfremd. Dass muss es aber nicht. Diese Faszination geht ja auf eine Grunderfindung der Physik zurück, nämlich die lineare Dimension Zeit in eine Kreisbewegung zu übertragen. Ohne dieses Spiel der Zahnräder, ohne die Balance von Kraftquelle und Hemmung wäre die mechanische Zeitmessung nicht denkbar. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die noch nach einer 56. Variation der Ankerhemmung streben. Für mich liegt die Faszination der Mechanik ganz am Beginn ihrer Geschichte, in dieser einen Leistung: dem Zügeln der Kraft. Das schließt eine Begeisterung für Innovationen nicht aus, aber eine Uhr hat weitaus mehr Facetten. Die Ausstellung der Zeugnisse von naturwissenschaftlicher Forschung im Mathematisch-Physikalischen Salon wurde letztes Jahr neu gestaltet und wiedereröffnet – zeigt sie sozusagen die 56. Ankerhemmung oder auch eher Grundsätzliches? Die neue Ausstellung ist schon so konzipiert, dass auch Laien viel erfahren und verstehen können. Unsere Besucher sind vor allem Touristen, die Dresden besuchen, und sie möchten natürlich auch den Zwinger von innen sehen. Im Mathematisch-Physikalischen Salon bekommen sie die Geschichte des Zwingers erzählt. Wir bieten zum Beispiel aber auch für Kinder ab dem Vorschulalter Führungen, Werkstatt- und Experimentierkurse an. Die Fragen stellte Gwendolyn Benda. Die "Lieblingsuhr" ist eine Artikelserie des UHREN-MAGAZINS über Persönlichkeiten mit besonderem Bezug zur mechanischen Uhr. Worin liegt die Faszination der Mechanik? Wie kommt man überhaupt dazu, sich mit mechanischen Uhren auseinanderzusetzen? Welche ist die Lieblingsuhr dieser Person? Um diese – und manchmal auch völlig andere – Themen drehen sich die Gespräche.
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