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Die kleinen Komplikationen: Mondphase

Mondphase der H. Moser & Cie. Endeavour Perpetual Moon ConceptMondphase der H. Moser & Cie. Endeavour Perpetual Moon Concept
© H. Moser & Cie.
Der folgende Artikel erklärt, wie die Mondphasenanzeige funktioniert und was der Mechanismus kann. Dazu zeigen wir aktuelle Modelle von A. Lange & Söhne, Meistersinger, IWC, Patek Philippe und weiteren spannenden Marken. Sie möchten wissen, wann der nächste Vollmond ist und wie Sie die Mondphasenanzeige Ihrer Uhr richtig einstellen? Kein Problem, auch diese Fragen werden geklärt.Inhalt:
Bei der Rolex Cellini Moonphase besteht die Mondapplikation aus Meteoritgestein. Ein kleiner Pfeil gibt Auskunft über den Stand des Mondes. © Rolex

Wie bestimmt der Mond unsere Zeit?

Der Mond übt als erdnächster Himmelskörper eine ganz besondere Anziehungskraft auf uns aus. Schon in alten Kulturen spielte er eine religiöse und mythologische Rolle. Inspirierte Dichter bescherten Liebenspaaren romantische Nächte und beförderten den Mondglauben sowie Aberglauben wie: "Haare schneiden lassen bei abnehmendem Mond, Bäume pflanzen bei zunehmendem Mond." Der Mond ist ein natürlicher Satellit der Erde. Nach der Sonne ist er mit Abstand das hellste Objekt am Himmel. Vermutlich war es aus diesem Grunde für den Menschen naheliegend, diesen Planeten erforschen zu wollen. In vielen alten Kulturen nahm der Mond eine religiöse oder mythologische Rolle ein. Wir wissen allerdings nicht nur von Ebbe und Flut, dass der Mond das Leben auf der Erde tatsächlich beeinflusst. Wissenschaftliche Studien ergeben, dass der Mond unser Leben auf der Erde derart beeinflusst, dass eine Leben ohne ihn nicht möglich wäre. Seine Anziehungskraft bremst die Erdrotation. Gäbe es sie nicht, würde sich der Globus dreimal schneller um seine eigene Achse drehen. Der Tag wäre nur acht Stunden lang, und es gäbe Windbewegungen von 300 bis 500 Kilometern pro Stunde. Mehr noch: Ohne unseren blassen Nachbarn gäbe es große Temperatur- und Klimaschwankungen. Wieso? Die Schwerkraft des Mondes hält die Erde stabil. Ohne sie würde die Erdachse alle paar Millionen Jahre um bis zu 85 Grad kippen.Die Menschen nutzten schon früh den regelmäßigen Zyklus des Mondes für die Bestimmung von Zeitspannen und als Basis erster Kalender. Etwa 4000 Jahre v. Chr. bis 700 Jahre n. Chr. zählte man die Zeit von einem Vollmond bis zum nächsten als einen Monat. Diese Zeit, die der Mond für einen Umlauf um die Erde, bezogen auf seine Stellung zur Sonne, benötigt, heißt Lunation (vom Lateinischen: Luna = Mond). Man spricht von einem synodischen Monat, nachdem der Mond wieder die gleiche Stellung zu Sonne und Erde erreicht. Wir nehmen diesen Monat als Periode der Mondphasen wahr. Sie entstehen durch die unterschiedlichen Stellungen des Mondes zur Erde und zur Sonne und den daraus resultierenden Beleuchtungswinkeln unseres Erdtrabanten durch die Sonne – und unterscheiden zwischen Neumond, zunehmendem Mond, Vollmond und abnehmendem Mond. Eine Lunation dauert etwa 29,531 Tage (29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden). Bei Neumond liegt die erdabgewandte Seite des Mondes im Sonnenlicht, bei Vollmond ist es hingegen die sichtbare Hälfte, die immer dieselbe ist.
Bei der Slimline Moonphase Manufacture von Frederique Constant sind Datum und Mondphase getrennt. Möglich macht dies das Manufakturkaliber FC-705 mit Automatikaufzug. © Frederique Constant

Seit wann gibt es die ersten Mondphasenuhren?

Bereits im frühen 16. Jahrhundert gaben die ersten Wanduhren den Stand des Mondes wieder. Mit der Quarzkrise in den 1970er-Jahren verlor die mechanische Uhr an Bedeutung und damit auch diese astronomische Komplikation. Erst im Jahr 1983 brachte Blancpain mit dem Kaliber 6395 die Mondphasenanzeige in die Welt der mechanischen Uhren zurück.
Blancpain: Kaliber 6395 von 1983 © Blancpain
Blancpain: Mondphasenuhr von 1983 © Blancpain
Die Uhr war ein solcher Erfolg, dass auch viele andere Hersteller die Mondphasenanzeige in ihr Programm aufnahmen. Heute finden sich Mondphasenanzeigen in Uhren beinahe jeder Preiskategorie, allerdings mit unterschiedlicher Präzision. Ein vergleichsweise simpler Mechanismus ermöglicht die Darstellung. So können auch Basiskaliber um diese Anzeige ergänzt werden.

Wie funktioniert eine Mondphasenuhr?

Die Mondphase dauert astronomisch betrachtet genau 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden. Die klassische Mondphasenkonstruktion wird auf 29,5 Tage abgerundet. Ein halber Tag lässt sich jedoch nur schwer in ein mechanisches Räderwerk übersetzen. Deshalb benutzt man bei der einfachen Art der Mondphasenanzeige ein Räderwerk mit 59 Zähnen für zweimal 29,5 Tage. Auf der Mondscheibe befinden sich zwei gegenüberliegende Monde, von denen immer nur einer auf dem Zifferblatt zu sehen ist. Das Räderwerk bewegt die Scheibe automatisch einmal pro Tag um einen Zahn weiter, um die Mondphase korrekt darzustellen. Die Schaltung erfolgt zumeist um Mitternacht. Diese Art der Mondphasenanzeige geht jährlich rund 8 Stunden oder in drei Jahren einen ganzen Tag falsch. Dann muss man sie korrigieren. Dank mitgeliefertem Korrekturmechanismus lässt sich die Anzeige mit einem kleinen Knopfdruck korrigieren.Meistersinger stellt mit der Stratoscope eine Einzeigeruhr mit hochpräziser Mondphasenanzeige. Die fotorealisitische Mond auf dem Zifferblatt leuchtet zudem im Dunkeln. Im Video erklären wir die Mondphasenuhr im Detail:

Was ist eine präzise Mondphasenanzeige?

Natürlich geht es auch präziser: Spannend wird es, wenn Uhrmacher und Ingenieure besonders präzise Mondphasen entwickeln. Bei komplizierteren Mechanismen muss die Mondphasenanzeige erst nach über hundert oder mehreren hundert Jahren um einen Tag korrigiert werden. Hier spricht man von einer präzisen Mondphasenanzeige.
IWC: Portugieser Ewiger Kalender in Platin © IWC
Bei der IWC Portugieser Ewiger Kalender weicht die Anzeige erst in 577,5 Jahren nur um einen Tag vom tatsächlichen Mondumlauf ab. Mit der doppelten Mondphase für die Nord- und Südhalbkugel zeigt die Uhr den Planeten exakt so an, wie er am Himmel erscheint. Möglich macht dies das automatische Manufakturkaliber 52615.Die Richard Lange Ewiger Kalender “Terraluna” von A. Lange & Söhne besitzt eine sogenannte orbitale Mondphasenanzeige auf der Gehäuserückseite.  Dabei zeigt das astronomische Miniaturschauspiel nicht nur die einzelnen Mondphasen, sondern über drei rotierende Scheiben auch die Konstellation des Mondes zur Erde und zur Sonne. Die Positionen des Mondes und die Entstehung der Mondphasen sind somit exakt nachvollziehbar. Im Zentrum der Anzeige befindet sich die Erde, die sich täglich einmal gegen den Uhrzeigersinn um ihre eigene Achse dreht. Die Unruh fungiert als Sonne, auf dieser Seite ist es also Tag. Die Mondphasenanzeige muss erst in 1.058 Jahren um einen Tag korrigiert werden.
A. Lange & Söhne: Ewiger Kalender Terraluna © A. Lange & Söhne
A. Lange & Söhne: Ewiger Kalender Terraluna, Rückseite © A. Lange & Söhne
Von links nach rechts: Neumond, zunehmender Mond, Vollmond, abnehmender Mond. © A. Lange & Söhne
Den Rekord hält jedoch Andreas Strehler: Seine aus vier Komponenten bestehende Mondphasenanzeige hat eine Fehlerquote von einem Tag in zwei Millionen Jahren. Dazu kombiniert er bei der Sauterelle à heure mondiale noch eine Weltzeitfunktion. Ob eine solche Präzision notwendig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eine uhrmacherische Höchstleistung ist es in jedem Fall. Häufig stehen präzise Mondphasen im Zusammenhang mit Komplikationen wie einem Ewigen Kalender und werden von Uhrenmanufakturen angeboten.
Paul Gerber: EPR 52 Micro-Mondphase, integriert im Armband © Paul Gerber
Uhrmacher und AHCI-Mitglied Paul Gerber hat eine Mondphasenanzeige mit Quarzantrieb entwickelt. Die von ihm entwickelte Micro-Mondphase EPR 52 wird in das Armband der Uhr integriert und verbindet damit die mechanische Mondphasenanzeige und den elektromagnetischen Antrieb. Denn ohne Anschluss an die "Mutteruhr" braucht die Mondphasendarstellung eine eigene Zeitquelle beziehungsweise einen eigenen Antrieb. Die Micro-Mondphase hat eine Gangdauer von ungefähr drei Jahren, was in etwa der Lebensdauer eines normal beanspruchten Lederarmbandes entspricht. So kann der Austausch von Band und Batterie in einem Abwasch erfolgen. Die fällige Korrektur der auf etwa zweieinhalb Jahre genau gehenden Mondphasenanzeige wird dabei vom Uhrmacher gleich mit erledigt. 

Mondphasenuhr mit Anzeige der südlichen und nördlichen Hemisphäre

Zwei Scheiben mit Zeitanzeige und Datum kreisen um die Monde: Hermès Arceau l'heure de la lune, hier mit Zifferblatt aus Aventurin. © Hermès
Uhren, die gleichzeitig die Mondphasen der südlichen und der nördlichen Hemisphäre anzeigen sind höchst selten. Eine dieser Mondphasenuhren ist die 2019 vorgestellte Hermès Arceau l’heure de la lune. Das Modell besitzt nicht wie üblich ein Hilfszifferblatt für die astronomische Anzeige, stattdessen kreisen auf dem Zifferblatt zwei Mondscheiben für die beiden Hemisphären. Über ihnen liegen eine Scheibe für die Uhrzeit- beziehungsweise eine für die Datumsanzeige. Durch die langsame Bewegung der oberen über den unteren Scheiben verändern sich die Ausschnitte, die man von den beiden Monden sieht: mal ist er Sichel, mal Halbmond, mal freiliegender Vollmond. Das bewegliche Gestell schwebt in 59 Tagen einmal über das Zifferblatt. Möglich macht die Funktion das Manufakturkaliber H1837 mit Handaufzug. Die Arceau l’heure de la lune war auf 100 Exemplare limitiert.

Aktuelle Mondphasenuhren

Doch auch wer nach einer Uhr mit klassischer Mondphasenanzeige sucht, hat eine große Auswahl. Neben der traditionellen Anzeige in einem halbmondförmigen Fenster bleiben gestalterisch kaum Wünsche offen, wie die hier gezeigten Modelle verdeutlichen.
Longines Flagship Heritage mit Mondphasenfunktion © Longines
Union Glashütte: Belisar Chronograph Mondphase © PR
Blancpain Kollektion Ladybird Colors Mondphase © Blancpain
Jaeger-LeCoultre ergänzt die Mondphasenanzeige der Master Control Calendar um ein Wochentags- und ein Datumsfenster. © Jaeger-LeCoultre
HYT kombiniert seine Flüssigkeitsanzeige bei der Moon Runner erstmals mit einem Kalender, zu dem auch eine Mondphasenanzeige gehört. Der Mond dreht sich dabei im Zentrum der Uhr. © HYT
Patek Philippe: Damen-Mondphase © Patek Philippe
Bei der Arnold & Son Luna Magna Ultimate II dreht sich ein 12 Millimeter großer Mond bei sechs Uhr. Die Graugoldkugel ist mit 161 Diamanten und 161 Paraiba-Turmalinen besetzt. © PR
Die Ulysse Nardin Blast Moonstruck besitzt u.a. eine präzise Mondphasenanzeige, Gezeitenanzeige, Weltzeit, zweite Zeitzone und zeigt die Positionen der Sonne und des Monds um die Erde © Ulysse Nardin
Über dem nach unten gerückten Hilfszifferblatt mit Stunde, Minute und integrierte kleiner Sekunde erhebt sich die Mondphasenanzeige bei der Breguet Classique 7337. © Breguet
Auch zum ewigen Kalender der IWC Portofino Perpetual Calendar gehört eine Mondphasenanzeige. © IWC
Die Pasha de Cartier Phase de lune stellt die Mondphasenanzeige in Form eines Kreises vor einem nachtblauen, sternbesetzten Himmelszelt dar. © Cartier
Die Reverso Tribute Duoface Calendar von Jaeger-LeCoultre vereint eine kombinierte Datums- und Mondphasenanzeige auf der Vorder- und eine Nacht/Tag-Anzeige auf der Rückseite. © Jaeger-LeCoultre
Mühle-Glashütte: Teutonia IV BlueMoon © PR
Bei der Star Legacy Full Calendar von Montblanc dient der Mondphasenanzeige bei sechs Uhr ein Guilloche-Muster als Hintergrund. © Montblanc

Wie stellt man die Mondphasenanzeige einer Uhr ein?

Die Mondphasenanzeige der Uhr wird entweder über einen eigenen Drücker oder über die Krone eingestellt. So unterscheidet sich auch das jeweilige Vorgehen zum Einstellen der Mondphasenanzeige. Die Verfahren können auch bei den einzelnen Uhrenherstellern variieren.Einstellen der Mondphasenanzeige mit separatem Drücker:
  1. Betätigen Sie den Drücker so oft bis der Vollmond in der Anzeige erscheint.
  2. Finden Sie anschließend heraus, an welchem Tag der letzte Vollmond war.
  3. Zählen Sie die vergangenen Tage seit dem letzten Vollmond und betätigen Sie der Anzahl entsprechend den Drücker. Nun ist die Mondphasenanzeige richtig eingestellt.
Beispiel: Sie wollen am 9. August 2023 die Mondphase Ihrer Uhr richtig einstellen. Der letzte Vollmond war am 1. August 2023, er liegt folglich 8 Tage zurück. Das heißt, Sie müssen den Drücker 8 Mal betätigen bis die Mondphasenanzeige der Uhr mit der aktuellen Phase des Mondes übereinstimmt.Einstellen der Mondphasenanzeige über die Krone:
  1. Ziehen Sie die Krone auf die erste Position heraus. Bei den meisten Uhren ist die halb herausgezogene Krone für das Einstellen von Datum und/oder Mondphase zuständig. Diese Einstellung kann jedoch von Hersteller zu Hersteller variieren.
  2. Drehen Sie die Krone solange im Uhrzeigersinn bis das Datum mit dem des letzten Vollmonds übereinstimmt.
  3. Stellen Sie jetzt wieder das aktuelle Datum ein. Die Mondphasenanzeige ist nun richtig eingestellt.

Aktueller Vollmondkalender 2023:

Dienstag, 1. August 2023Donnerstag, 31. August 2023Freitag, 29. September 2023Samstag, 28. Oktober 2023Montag, 27. November 2023Mittwoch, 27. Dezember 2023Freitag, 25. Januar 2024Samstag, 24. Febraur 2024Montag, 25. März 2024Mittwoch, 24. April 2024Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Weitere Themen unserer Reihe "Uhren-Komplikationen" finden Sie hier:

    • Uhren mit Datumsanzeige
    • Uhren mit Wochentagsanzeige
    • Uhren mit Gangreserveanzeige
    • Uhren mit zweiter Zeitzone
    • Uhren mit Drehlünette
    • Chronograph
    • Chronograph mit Flyback-Funktion
    • Chronograph Foudroyante
    • Chronograph Rattrapante

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