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Lesedauer 5 Min.

Meisterwerk: A. Lange & Söhne Richard Lange Minutenrepetition erklärt

A. Lange & Söhne: Richard Lange Minutenrepetition
© ERIK SCHIMSCHAR
Mit einer auf 50 Exemplare limitierten Minutenrepetition in der Richard Lange-Familie verwirklicht A. Lange & Söhne eine der technisch komplexesten Komplikationen. Dieses Bravourstück der Haute Horlogerie, das die Zeit auf Wunsch minutengenau hörbar macht, hat Tradition bei der Glashütter Manufaktur, die bis in die Ära der Taschenuhren Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht.
Eine besondere Komplikation offenbart ihre Geheimnisse und Raffinesse selten auf den ersten Blick, denn selbst dem geübten Auge erschließt sich die Komplexität der zugrundeliegenden mechanischen Abläufe nicht sofort. Das trifft besonders auf die Minutenrepetition zu, deren äußere Erscheinung auf reines Understatement setzt. Die neue Richard Lange Minutenrepetition der Marke A. Lange & Söhne könnte hierfür wie ein Beispiel aus dem Lehrbuch stehen, denn sie hat sich – im Gegensatz zur Grande Complication und Zeitwerk Minutenrepetition – ausschließlich der namensgebenden Komplikation verschrieben.Während die erst genannte im Jahr 2013 die akustische Komplikation mit weiteren anspruchsvollen Funktionen wie Rattrapante-Chronograph und ewigem Kalender kombinierte, vereinte die Zeitwerk Minutenrepetition die digitale Anzeige mit dem dezimalen Klangschema. Das neueste Mitglied der Richard Lange-Familie hat sich jedoch ausschließlich dem Schlagwerkmechanismus verschrieben und versteht sich als eine zeitgemäße Interpretation dieses anspruchsvollen Themas. In diesem Sinne folgt die auf 50 Exemplare limitierte Platinuhr dem klassischen Klangschema.
Geschwindigkeitsrausch: Der mit zwei hochglanzpolierten Goldgewichten ausbalancierte Fliehkraftregler rotiert bei laufendem Schlagwerk mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2.000 Umdrehungen pro Minute und garantiert so eine gleichmäßige Ablaufgeschwindigkeit des Schlagwerks. © A. Lange & Söhne

720 einzelne Sequenzen in zwölf Stunden

Nach Betätigung des in die linke Gehäuseflanke integrierten Schiebers schlägt der Schlagwerkmechanismus die Stunden, Viertelstunden und Minuten. Dabei absolviert er ein mechanisches Programm, das mit zwei unterschiedlich gestimmten Tonfedern 720 verschiedene Sequenzen wiedergeben kann, für jede Minute im Zwölfstundenzyklus eine. Die Stunden erklingen in einem tieferen Ton, die Viertelstunden mit einem doppelten und die seit der letzten Viertelstunde verstrichenen Minuten in einem helleren Ton. Während die Tonabfolge wie Musik in den Ohren erklingt, kann man die minutiöse Choreografie des aus 191 Teilen bestehenden Mechanismus’, dem ein ausgeklügeltes System von Rechen, Staffeln, Hebeln und Rädern zugrunde liegt, und die hochwertig finissierten Komponenten auch mit den Augen erfassen. Der Blick durch den Saphirglasboden zeigt, wie die mit aufwändiger Schwarzpolitur versehenen Tonhämmer die jeweilige Sequenz auf den beiden um das Uhrwerk herumgeführten Tonfedern ausführen.
Glanzleistungen: Die Tonhämmer sind mit einer aufwändigen Schwarzpolitur versehen und – wie die von Hand gebogenen Tonfedern – fein poliert. © PR
Alle Brücken des Schlagwerkmechanismus’ sind durch ein Sonnenschliff-Finish optisch zusammengefasst. Unter ihnen ist die Brücke über dem Fliehkraftregler zusätzlich skelettiert. Durch die großzügigen Aussparungen kann man den mit zwei hochglanzpolierten Goldgewichten ausbalancierten Fliehkraftregler erspähen, der bei laufendem Schlagwerk mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2000 Umdrehungen pro Minute rotiert und so eine gleichmäßige Ablaufgeschwindigkeit garantiert.Drei weitere technische Besonderheiten zeichnen das Schlagwerk aus. Dazu zählt eine Ruheaufhebung. Sie unterbindet die sonst übliche Pause zwischen Stunden- und Minutenschlag, welche eintritt, wenn in den ersten 14 Minuten nach der vollen Stunde kein Doppelschlag für die Viertelstunde ausgelöst wird.
Glanzleistungen: Die Tonhämmer sind mit einer aufwändigen Schwarzpolitur versehen und – wie die von Hand gebogenen Tonfedern – fein poliert. © PR
Um eventuelle Beschädigungen des Schlagwerks zu vermeiden, wurde es darüber hinaus mit einem Sicherheitsmechanismus ausgestattet, sodass sich die Minutenrepetition bei herausgezogener Krone nicht in Gang setzen lässt. In umgekehrter Richtung lässt sich auch die Krone nicht ziehen, sofern das Schlagwerk aktiv ist. Die patentierte Hammersperre bewirkt schließlich, dass die Hämmer nach dem Anschlagen der Tonfeder jeweils für den Bruchteil einer Sekunde in ihrer Ausgangsposition verharren. Dadurch können die zurückspringenden Hämmer nicht nachschwingen und dabei erneut die Tonfedern anschlagen.

Der Ton macht die Musik

Die Kunst des kristallklaren und auf die Minute genauen Klangs liegt nicht nur in der perfekten Abfolge aller Teile, sondern umfasst einen langwierigen Feinstimmungsprozess, der dem eines Musikinstruments gleicht. Für einen hellen, klaren und nachhallenden Klang sorgen die von Hand gestimmten Tonfedern, die perfekt mit der Klangcharakteristik des Gehäusematerials Platin harmonieren. Bei den Hämmern kommt es neben Material, Form, Größe, Gewicht und Härte vor allem auf den Anschlag an. Alle Komponenten werden durch einen Lange-Meisteruhrmacher sorgfältig aufeinander abgestimmt. Dazu müssen sie mehrfach demontiert, nachbearbeitet, erneut montiert und anschließend getestet werden.
Geschichtsträchtig: Das weiße Emaille-Zifferblatt hat einen Kern aus massivem Gold und wird im eigenen Haus gefertigt. Es ist dreiteilig und präsentiert die vornehme Taschenuhren- Optik, die zu Lebzeiten Richard Langes üblich war. © A. Lange & Söhne
Auch wenn das Zifferblatt mit Eisenbahnminuterie, schwarzen römischen Ziffern und gebläuten Zeigern auf den ersten Blick schlicht anmutet, so entsteht es doch ebenfalls in einem aufwändigen Prozess in der Manufaktur. Aus weißer Emaille gefertigt, besitzt es einen Kern aus massivem Gold und ist dreiteilig konzipiert. Der äußere Ring und Innenteil des Hauptzifferblatts sowie das Hilfszifferblatt der kleinen Sekunde werden einzeln von Hand gefertigt, bevor alle drei Teile miteinander verbunden werden. Diese Architektur verleiht dem Zifferblatt einen raffinierten Tiefeneffekt, der die zeitlose Anmutung noch hervorhebt.

Ein neues Manufakturkaliber

Dahinter schlägt das neue Handaufzugkaliber L122.1 mit 70 Stunden Gangautonomie in einer Frequenz von 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Es ist bereits das 69. Manufakturuhrwerk von A. Lange & Söhne und weist neben der exquisiten handwerklichen Vollendung einige der technischen Merkmale auf, für die die Manufaktur berühmt ist. Dazu zählen die mit Glashütter Bandschliff dekorierte Dreiviertelplatine aus naturbelassenem Neusilber, in die das mit Sonnenschliff dekorierte Aufzugsräderwerk sichtbar integriert ist, und der im freien Schnitt gravierte Unruhkloben mit der darauf montierten Schwanenhalsfeder. Mit ihrer seitlichen Stellschraube lässt sich das in der Uhrmacherei als »Abfall« bezeichnete Zusammenspiel von Anker, Hemmungsrad und Uhruh fein regulieren. Trotz seiner Komplexität findet das Handaufzugkaliber L122.1 in einem nur 9,7 Millimeter hohen Gehäuse aus 950er-Platin mit einem Durchmesser von 39 Millimetern Platz. Die Richard Lange Minutenrepetition kostet 409.000 Euro. sz
Höchstleistung: 415 in bester Lange-Qualität vollendete Teile schmiegen sich im Kaliber L122.1 aneinander. Auf der mit einem Glashütter Bandschliff dekorierten Dreiviertelplatine aus naturbelassenem Neusilber sind sechs Lagersteine in polierten Goldchatons gefasst. Ein weiteres optisches und technisches Highlight ist der im freien Schnitt gravierte Unruhkloben mit der darauf montierten Schwanenhalsfeder. © A. Lange & Söhne
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