Rolex Sea-Dweller: Was Sie über den Klassiker wissen sollten

Die Geschichte der Sea-Dweller und das neue Modell zum 50. Jubiläum

 Redaktion
von Redaktion
am 17. Oktober 2017

Einige der Gerüchte haben sich auf der Baselworld 2017 im März bestätigt. Rolex lüftet den Schleier über seinen Neuheiten traditionell am Mittwochmittag, einen Tag vor Messestart. Und dieses Jahr war der Star ganz klar die neue Sea-Dweller. Sie wurde 1967 zum ersten Mal vorgestellt, und es war klar, dass Rolex zum 50. Geburtstag etwas Neues bringen würde. Doch dass ein komplett neues Modell das bestehende, erst 2014 vorgestellte ersetzen würde, haben die wenigsten vermutet.

Rolex: Oyster Perpetual Sea-Dweller
Rolex: Oyster Perpetual Sea-Dweller

Was ist neu an der Rolex Sea-Dweller von 2017?

Die neue Sea-Dweller besitzt ein um drei Millimeter auf 43 Millimeter vergrößertes Gehäuse. Damit liegt sie nun zwischen der 40 Millimeter großen Submariner und der 44 Millimeter großen Deepsea, die allerdings deutlich höher baut. Wie bei der ersten Sea-Dweller von 1967 ist der Modellname nun rot gedruckt. Und als dritte optische Veränderung kommt die Rolex-typische Zykloplupe für das Datum zum ersten Mal bei diesem Modell zum Einsatz.

Wristhot der Rolex Oyster Perpetual Sea-Dweller
Wristhot der Rolex Oyster Perpetual Sea-Dweller

Damit ähnelt sie nun der Submariner (und allen anderen Sportmodellen von Rolex) deutlich mehr. Die aus der Sea-Dweller hervorgegangene Deepsea ist somit das letzte verbliebene Oyster-Modell ohne Datumslupe. Hat Rolex mit der neuen Sea-Dweller alles richtig gemacht und wie beurteilt ein Uhrenkenner die Änderungen am Modell? Hier geht es zum Kommentar zur neuen Rolex Sea-Dweller von Rolex-Experte Jens Koch.

Rolex: Oyster Perpetual Sea-Dweller
Die neue Sea-Dweller leuchtet im Dunkeln dank der großzügigen Menge Chromalight- Leuchtmasse

Neues Manufakturkaliber 3235 für die Sea-Dweller

Als erstes Sportmodell bekommt die Sea-Dweller nun das neue Kaliber 3235, das das 3135 ersetzt. Die neue Kalibergeneration hat Rolex 2015 zuerst bei den Edelmetallmodellen Day-Date 40 und Datejust Pearlmaster 39 eingeführt und 2016 auf die Datejust 41 in Bicolor ausgeweitet. Erst dieses Jahr setzt Rolex das Werk in der Datejust 41 in Stahl und der neuen Sea-Dweller ein, und damit in Modellen ohne Goldanteil im Gehäuse. Beim Kaliber 3235 handelt es sich um ein verbessertes Werk auf Basis des ohnehin schon als besonders präzise, robust und langlebig bekannten Vorgängers 3135. Über 90 Prozent der Komponenten hat Rolex geändert. Insgesamt erhielt Rolex bei diesem Kaliber 14 Patente für Konstruktionen oder Herstellungsverfahren.

Was ist besser am neuen Uhrwerk?

Was hat der Träger davon? Die Stoßfestigkeit und Zuverlässigkeit wurden erhöht. Der Aufzug arbeitet effizienter und baut schneller Gangreserve auf, was unter anderem an dem nun kugelgelagerten Rotor liegt. Vor allem erhöhte sich die maximale Gangreserve von üblichen 48 Stunden auf lange 70 Stunden. Erreicht hat Rolex das durch eine dünnere Federhauswand, die den Einbau einer längeren Feder ermöglicht, sowie durch die innovative Chronergy-Hemmung, die den Wirkungsgrad der Schweizer Ankerhemmung um 15 Prozent erhöht. Das wird durch eine geänderte Geometrie und die skelettierte Form, die das Gewicht verringert, möglich. Die im LIGA-Verfahren aus einer Nickel- Phosphor-Legierung gefertigte Hemmung reagiert zudem nicht auf Magnetfelder. Auch die neue Unruhwelle verbessert den Magnetfeldschutz. Die blaue Parachrom-Spiralfeder aus einer Niob-Zirkonium- Legierung kennt man ebenso schon von anderen Modellen wie die Paraflex-Stoßsicherung. Doch wie schlägt sich die neue Rolex Sea-Dweller im Alltag? Wir haben die Taucheruhr getestet – den Test können Sie hier für nur 0,99 Euro herunterladen!

Werk der Rolex Oyster Perpetual Sea-Dweller
Zum ersten Mal kommt das neue Manufakturkaliber 3235 in einem Sportmodell zum Einsatz

Die Rolex Sea-Dweller ist als Chronometer zertifiziert

2015 hat Rolex für alle Modelle strengere Vorgaben beim Einregulieren eingeführt. Zusätzlich zum Chronometerzertifikat der unabhängigen Schweizer Prüfstelle COSC, die das Werk testet, regulieren die Rolex-Uhrmacher das Werk im eingeschalten Zustand auf noch genauere Werte ein: Zwischen –2 und +2 Sekunden darf die Gangabweichung pro Tag höchstens betragen. Dabei kommt ein System zum Einsatz, das reale Tragegewohnheiten simuliert, sodass der spätere Träger diese Werte in den meisten Fällen auch am Arm erreichen sollte. Auch die Fünfjahresgarantie zeigt, dass Rolex von der Qualität überzeugt ist.

Rolex: Oyster Perpetual Sea-Dweller
Trotz des größeren Durchmessers ist die Sea-Dweller nicht höher geworden als ihr Vorgänger

Preis der Rolex Sea-Dweller

Die neue Rolex Sea-Dweller kostet mit 10.350 Euro fast 900 Euro mehr als die 2014 vorgestellte Sea-Dweller 4000. Damit ist die Jubiläums-Sea-Dweller schon ziemlich dicht an der Deepsea, die 11.000 Euro kostet. Von der Submariner Date mit 7.750 Euro und der Submariner ohne Datum mit 6.800 Euro hat sie sich noch weiter entfernt. Geblieben sind das Heliumventil, das Sea-Dweller und Deepsea verbindet, und die Druckfestigkeit, bei der die Sea-Dweller mit 1.220 Metern (4.000 Fuß) zwischen Submariner (300 Meter) und Deepsea (3.900 Meter) liegt.

Rolex: Oyster Perpetual Sea-Dweller
Gehäuse und Armband bestehen aus der besonders salzwasserbeständigen Stahllegierung 904L

Entstehung und Geschichte der Rolex Sea-Dweller

Historisch ist die Sea-Dweller aus der 1953 vorgestellten Submariner hervorgegangen. Zusammen mit dem französischen Tauchunternehmen Comex hat Rolex in den 1960er-Jahren das Heliumventil entwickelt, um beim Dekomprimieren in Druckkammern unter Helium-Sauerstoff-Gemischen ein Herausspringen des Glases zu verhindern. Denn das Atemgas gelangt unter Druck durch die Dichtungen in die Uhr und kann später nicht mehr entweichen. All das traf bereits auf die Submariner zu. Sie wurde 1953 vorgestellt und gibt bis heute den optischen Standard einer Taucheruhr vor: Schwarzes Zifferblatt mit nachleuchtenden Zeigern und Indexen, Edelstahlgehäuse und eine drehbare Lünette mit Leuchtmarkierung. Das bereits in seiner Grundform wasserdichte Oyster-Gehäuse war zunächst nur für einen Taucheinsatz von bis zu 100 Metern ausgelegt (Referenzen 6200 und 6204). Später wurde eine Wasserdichtheit von 180 Metern und kurz darauf bis zu 200 Metern gewährleistet.

1967 kam die erste Sea-Dweller mit der Referenz 1665 auf den Markt

Anfangs gab es für Comex speziell umgerüstete Submariners mit Heliumventil. Diese Taucheruhren wurden als Referenz 5514 an Comex geliefert und sind heute ebenso selten wie unerreichbar teuer. 1967 setzte Rolex dann gemeinsam mit der Comex S.A. noch ein paar Meter drauf – die erste Sea-Dweller vertrug 610 Meter Tauchtiefe (das entspricht 2.000 Fuß), ohne die Fassung zu verlieren. Dazu wurde das Gehäuse überarbeitet und vor allem mit einem dickeren Kunststoffglas sowie einer höheren Lünette versehen. Das Vintage-Modell Rolex Sea-Dweller Referenz 1665 zählt heute zu den gesuchten Juwelen aus dem reichen Angebot von Rolex und erzielt regelmäßig Rekordpreise auf Auktionen.

Rolex: Sea-Dweller 1665
1967 kam die erste Sea-Dweller Referenz 1665 auf den Markt.

Auf dem Zifferblatt ist diese Vintage-Rolex mit den roten Schriftzügen „Sea-Dweller“ und „Submariner 2000“ versehen, wobei die Zahl für die maximale Tauchtiefe in Fuß steht. Die zwei roten Schriftzüge haben der Sea-Dweller den Beinamen “Double Red” eingebracht. Wie die kurz vorher vergrößerte Submariner maß die Sea-Dweller damals 40 Millimeter. Die 1966 bei der Submariner eingeführte Datumslupe bekam die Sea-Dweller nicht.

Das Zifferblatt einer gebrauchten Rolex Sea-Dweller bestimmt ihren Wert

Es gibt jedoch auch Zifferblattvarianten, die unterschiedliche Schriftgrößen und -typen aufweisen, und Leuchtmasse, die direkt auf das Zifferblatt appliziert wurde, ebenso wie die bis heute genutzten Weißgoldfassungen, die mit dem Leuchtstoff gefüllt werden. Selten ist eine solche gebrauchte Rolex Sea-Dweller unter 25.000 Euro zu haben. Besondere Rekorde erzielen die Uhren, die auf dem Zifferblatt den Aufdruck des Comex-Logos und auf dem Stahlboden ebenso den Comex-Schriftzug sowie eine in Übergröße gravierte Seriennummer tragen. Kaufsummen bis 100.000 Euro oder auch darüber sind keine Seltenheit. Allerdings gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen: Nicht jede Rolex Sea-Dweller Comex ist auch wirklich echt. Es gibt sehr gute Fälschungen der so markierten Zifferblätter, ebenso wie nachträglich gravierte Böden.

Besonders begehrt ist die Rolex Sea-Dweller mit Comex-Schriftzug

Sofern eine gebrauchte Rolex Sea-Dweller authentisch und in gutem Zustand ist, kann nahezu jeder Preis aufgerufen werden. Die höchsten Preise erzielen vollständig erhaltene Vintage-Modelle, die nie während eines Services im Genfer Rolex-Mutterhaus mit einem neuen Zifferblatt oder Zeigersatz versehen wurden. Im harten Taucheinsatz haben allerdings nur wenige Comex-Dienstuhren in gutem oder sehr gutem Zustand überlebt. Mitte der 1970er Jahre verschwand der Beiname Submariner 2000, die Sea-Dweller wurde endgültig zu einem eigenständigen Modell. Ein seltenes Zwischenmodell, das heute kaum zu finden ist, ist die Sea-Dweller Submariner 500 M, bei der der Schriftzug “Sea-Dweller” in Rot gedruckt ist. Mit 500 Metern maximaler Tauchtiefe wurden nur wenige Exemplare gebaut, die als weiteres Merkmal kein Heliumventil besaßen.

Rolex: Sea-Dweller Submariner 500 M
Die Sea-Dweller Submariner 500 M wurde nur wenige Male gebaut.

Die Rolex Sea-Dweller “Triple Six” mit der Referenz 16660

1978 führte Rolex parallel zur 1665 die neue Referenz 16660 ein. Die bei Sammlern “Triple Six” genannte Uhr ist die erste Rolex mit einem Saphirglas und dem neuen Oyster-Armband mit massiven statt blechernen Anschlüssen an das Gehäuse. Zudem verdoppelte Rolex die Druckfestigkeit auf 4.000 Fuß, also 1.220 Meter. Die ersten Rolex Sea-Dweller Triple Six erhielten noch ein Zifferblatt mit applizierter Leuchtmasse aus Tritium und hatten eine matte Oberfläche. Heute ist eine solche Vintage-Uhr besonders gesucht, denn vielfach wurden die originalen Zifferblätter während eines Services bei Rolex gegen die späteren glänzenden mit Weißgold-Indexen ausgetauscht.

Rolex: Sea-Dweller 16660
Die Sea-Dweller 16660 ist heute ein begehrtes Sammlerstück.

Natürlich war diese Referenz auch im Einsatz, als Comex-Taucher 1988 bei einem Einsatz an einer Pipeline im Mittelmeer einen Rekord im Tieftauchen aufstellten: 534 Meter betrug die Tiefe, in der die mutigen Männer Arbeiten vornahmen.

1992 kommt die Rolex Sea-Dweller 4000 Referenz 16600

Seit 1992 erhalten die Comex-Taucher die 1988 vorgestellte Sea-Dweller 4000 mit der Referenz 16600. Ein weiterer Rekord half, die Uhr bekannter zu machen: Der Comex-Taucher Theo Mavrostomos ging 1992 auf eine Tiefe von 701 Metern – ohne dabei nass zu werden. Der Versuch wurde unter wissenschaftlicher Begleitung in einer Hochdruckkammer in Marseille vorgenommen, um ein neues Beatmungsgemisch aus Sauerstoff, Helium und Wasserstoff zu testen. Das bisher verwendete Sauerstoff-Helium-Gemisch hatte bei einem Test in den USA zu Komplikationen wie Zittern und Gedächtnisstörungen geführt.

Rolex: Sea-Dweller 16600
Die Sea-Dweller 16600 ging ab 1992 an Comex-Taucher.

Mit der Referenznummer 16600 war die Sea-Dweller lange die kräftige Schwester der Submariner 16610 und verfügte neben dem dickeren Saphirglas über eine höhere Lünette und einen Boden mit mehr Wölbung. Die enorme Druckfestigkeit des Gehäuses bis in eine Tiefe von 1.220 Metern machte sie etwas kopflastiger als die Submariner. Als eines der raren Serienmodelle aus dem Genfer Haus durfte sich die Sea-Dweller mit Heliumventil mit einer Bodengravur schmücken: “Rolex Oyster Original Gas Escape Valve”. Tatsächlich ist diese automatische Vorrichtung für Rolex geschützt.

Die Rolex Sea-Dweller Deepsea

Über 20 Jahre lang änderte sich nichts Wesentliches für die Rolex Sea-Dweller, 2008 war daher ein Schicksalsjahr. Die Sea-Dweller Referenz 16600 wurde außer Dienst gestellt und durch einen Superlativ ersetzt: Die Sea-Dweller Deepsea mit der Referenz 116660 mit 44 Millimetern Durchmesser und einer Druckfestigkeit bis 3.900 Meter löste die kleine Schwester ab.

Rolex: Sea-Dweller Deepsea 116660
Die Sea-Dweller Deepsea Referenz 116660 trägt ein schwarz-blaues Zifferblatt, 11.250 Euro

Neben dem Modell mit schwarzem Zifferblatt ist die Deepsea heute auch mit einem schwarz-blauen Verlauf auf dem Zifferblatt zu haben. Das Gehäuse wurde noch weiter verstärkt und mit einem speziellen Boden versehen. Ein verschraubter Stahlring presst einen eingelegten Titandeckel auf den Korpus. Bei großem Wasserdruck kann der Deckel nachgeben und nutzt so das Wasser als Hilfsmittel, um noch besser abzudichten. Das gewölbte Saphirglas ist 5,5 Millimeter dick und erinnert in seiner Form – wie der Name der Uhr – an das Experiment aus dem 1960, bei dem Jacques Piccard eine Submariner Deep Sea Special an die Außenwand seines Tauchbootes Trieste montierte und in den Marianengraben im Pazifischen Ozean auf eine Tiefe von 10.916 Metern hinabtauchen ließ. 2012 fand das Experiment eine Fortsetzung mit der Rolex Sea-Dweller Deepsea Challenge. Ausgelegt auf eine Tauchtiefe von 12.000 Metern war die Uhr 28,5 Millimeter hoch, das Glas alleine wölbte sich über eine Höhe von 14,3 Millimetern. Befestigt an einem Tauchboot erreichte die Sea-Dweller mit dem Filmregisseur James Cameron eine Tiefe von 10.898 Metern.

Im Jahr 1960 ließ James Piccard die Submariner Deep Sea Special 10.916 Meter tief tauchen.
2012 begleitete die Sea-Dweller Deepsea Challenge den Regisseur James Cameron in 10.898 Metern Tiefe.
Rolex: Sea-Dweller Deepsea Challenge

Erst 2014 legte Rolex die Sea-Dweller 4000 in 40 Millimetern mit 1.220 Metern Wasserdichtigkeit und neuer Keramiktauchzeitskala auf der Lünette wieder auf. Nun wird dieses Modell, das sich nicht besonders gut verkauft haben soll, nach nur drei Jahren durch die größere Sea-Dweller ersetzt.

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