Die kleinen Komplikationen: Gangreserve

Mechanische Uhren zeigen auf verschiedenste Weise die verbleibende Gangreserve an

 Redaktion
von Redaktion
am 25. August 2017

Wie beinahe jedes technische Gerät braucht auch eine mechanische Uhr Energie, um zu funktionieren. Diese erhält sie von der im Federhaus befindlichen Zugfeder, die über die Aufzugskrone – bei Automatikwerken auch über den Rotor – gespannt wird. Die Zeit, die eine Uhr vom Vollaufzug der Zugfeder bis zu deren völliger Entspannung läuft, ohne dass ihr erneut Energie zugeführt wird, bezeichnet man als Gangdauer oder Gangautonomie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Gangreserve und Gangdauer synonym verwendet.

Die erste Uhr mit Gangreserveanzeige war die Powermatic von Jaeger-LeCoultre.
Die erste Uhr mit Gangreserveanzeige war die Powermatic von Jaeger-LeCoultre.

Es empfiehlt sich nicht, die Gangreserve einer Uhr vollständig ablaufen zu lassen, bevor neue Energie zugeführt wird. Denn grundsätzlich gilt: je gespannter die Feder, desto gleichmäßiger der Gang. Entsprechend nützlich ist eine Gangreserveanzeige, die dem Träger mitteilt, wann die Uhr wieder aufgezogen werden muss. Ursprünglich wurden Gangreserveanzeigen vor allem in Präzisionszeitmesser wie Marinechronometer oder Eisenbahner-Taschenuhren eingebaut. Nachdem die Marke Breguet bereits 1933 einen entsprechenden Armbanduhren-Prototypen vorgestellt hatte, machte Jaeger-LeCoultre die Gangreserveanzeige im Jahr 1948 einem breiten Publikum zugänglich: Die weltweit erste Serienarmbanduhr, die die Federspannung anzeigte, hieß Powermatic. Die Uhrenhersteller führten die Gangreserveanzeige ein, da die Kunden Ende der 1940er-Jahre dem Selbstaufzug, also einer Uhr mit Automatikwerk, misstrauten. Sie befürchteten, dass ihre Uhr trotzdem irgendwann stehen blieb. Der Ausweg bestand darin, den Spannungszustand der Zugfeder permanent auf dem Zifferblatt anzuzeigen. Die durch einen Zifferblattausschnitt sichtbare Gangreservescheibe bedruckte Jaeger-LeCoultre mit Stundenzahlen und informierte so besonders exakt über die verbleibende Kraft. Seitdem wird die Gangreserveanzeige oftmals auch in Uhren mit Automatikwerk eingebaut, obwohl sie dort im Grunde verzichtbar ist.

Meist indiziert ein zusätzlicher Zeiger die Gangreserve

Ansonsten übernimmt meist ein Zeiger die Indikation der Gangreserve, der über ein Getriebe mit dem Aufzugsmechanismus in Verbindung steht. Beim Aufziehen wandert der Zeiger an das eine Ende der Skala; wenn die Zugfeder an Kraft verliert, bewegt er sich – deutlich langsamer – auf das andere Ende zu. Bei historischen Präzisionsuhren waren die Skalenenden meist mit „Auf ” und „Ab” beschriftet, weshalb viele Marken diese Bezeichnungen auch heute noch bei klassisch gestalteten Modellen benutzen.

A. Lange & Söhne: Lange 1 in Rotgold
Der Klassiker Lange 1 von A. Lange & Söhne zeigt über den Hinweis “Auf/Ab” ebenfalls klassisch die verbleibende Gangreserve an.

Besonders interessant wird die Funktion der Gangreserveanzeige bei Handaufzugs- und Automatikuhren mit großer Laufdauer: So muss ein Zeitmesser mit Acht-Tage-Werk dank der Anzeige nicht durch zu häufiges Aufziehen strapaziert werden.

IWC: Portofino Handaufzug Monopusher, Rotgoldgehäuse
Das Manufakturkaliber 59360 der Portofino Handaufzug Monopusher von IWC benötigt erst nach acht Tagen wieder neue Energie.

Auch Uhrenfans, die Zusatzfunktionen mit rotierenden Zeigern langweilig finden, haben Wahlmöglichkeiten: So läuft bei vielen Manufakturuhren von Panerai die Anzeige der verbleibenden Gangreserve dank eines Zahnrechens linear auf einer waagerechten Skala entlang. Außerdem gibt es Modelle mit Gangreserveanzeige auf der Werkrückseite.

Die Gangautonomie der Panerai Radiomir 8 Days stammt aus dem Kaliber P.2002 mit drei Federhäusern.
Die Gangautonomie der Panerai Radiomir 8 Days stammt aus dem Kaliber P.2002 mit drei Federhäusern und wird auf einer waagerechten Skala bei sechs Uhr angezeigt.

Die Gangreserveanzeige – eine Funktion für alle Preisklassen

Eine Gangreserveanzeige ist nicht allein Uhren mit Manufakturwerken vorbehalten. Die Funktion findet sich bereits bei Zeitmessern ab circa 400 Euro. Hier werden Standardwerke von Eta und Sellita eingesetzt. Doch selten genießt die Gangreserveanzeige die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Trägers. Die schlichteste Variante ist die Kombination mit einer kleinen Sekunde.

Erschwingliche deutsche Uhr mit Gangreserveanzeige: Junkers Bauhaus
Das Modell Bauhaus von Junkers gehört zu den erschwinglichen Uhren mit Gangreserveanzeige.

Hier sehen Sie eine Auswahl aktueller Uhren mit Gangreserveanzeige:

Die Gangreserveanzeige ist beim Senator Chronograph Panoramadatum von Glashütte Original in das Hilfszifferblatt der kleinen Sekunde bei neun Uhr integriert.
Hublot verwendet bei der Big Bang Meca-10 Magic Gold eine spezielle Form der Gangreserveanzeige. Sie wird mittels einer Zahnstangenübertragung realisiert, bei sechs Uhr kann der Träger auf einem Zahnrad die verbleibende Gangreserve in Tagen in einem roten Rahmen ablesen.
Maurice Lacroix zeigt die Gangreserve bei der Masterpiece Moon Retrograde über einen Zeiger bei zwei Uhr.
Im Innern der Circularis Gangreserve von Meistersinger tickt ein Handaufzugskaliber mit fünf Tagen Gangautonomie. Wie viel von ihr noch übrig ist, zeigt die Gangreserveanzeige bei der Neun.
Bei der Moritz Grossmann Atum Gangreserve setzt die balkenförmige weiß-rote Gangreserveanzeige auf dem puristischen Zifferblatt einen Akzent.
Das Handaufzugskaliber der Artelier Calibre 113 von Oris verfügt über eine Gangreserve von zehn Tagen. Die zugehörige Anzeige sitzt auf dem Zifferblatt bei drei Uhr.
Eine retrograde Gangreserveanzeige zwischen zwölf und kurz nach vier Uhr ziert das Zifferblatt der Seiko Presage Cocktail Time.
Die Marine Torpilleur von Ulysse Nardin verfügt über eine Gangreserve von 60 Stunden. Damit der Träger stets weiß, wie lange die Uhr noch tickt, liest er die verbleibende Gangreserve bei zwölf Uhr ab.
Das Chronographen-Werk der Zenith Defy El Primero 21 ermöglicht das Stoppen auf die Hundertstelsekunde genau. Die Gangreserve des Stoppers reicht für 50 Minuten. Darüber, wann neue Energie zugeführt werden muss, gibt eine Gangreserveanzeige bei der Zwölf Auskunft.

Als interessante Komplikation mit geschichtlichem Hintergrund – und nicht zuletzt als Gestaltungselement – schätzen viele Uhrenträger die Gangreserveanzeige. Wer einen Überblick zum Thema “Uhren mit Gangreserveanzeige” sucht, sollte sich unsere kostenlose Marktübersicht zu Thema herunterladen: shop.watchtime.net

Fortlaufend aktualisierter Artikel, erstmals online gestellt im Februar 2011.

Weitere Themen unserer Reihe “Uhren-Komplikationen” finden Sie hier:

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