Taucherdrehring: Alles über das wichtigste Merkmal der Taucheruhr

Die Drehlünette für die Tauchzeit realisieren die Marken ganz unterschiedlich

Jens Koch
von Jens Koch
am 1. Juni 2018

Heute gilt die einseitig drehbare Lünette mit Tauchzeitskala und Leuchtpunkt bei null Minuten als Standard für Taucheruhren. Vor dem Abtauchen stellt man den Leuchtpunkt des Tauchdrehrings auf den Minutenzeiger und kann während des Tauchgangs ablesen, wie lange man bereits unter Wasser ist. Die Lünette lässt sich aus ­Sicherheitsgründen nur gegen den Uhrzeigersinn drehen, ­damit sich bei einem unbeabsichtigten Verstellen die angezeigte Tauchzeit nur verlängern kann, man also im Fall der Fälle früher und niemals verspätet zum Auftauchen ermahnt wird.

Rolex Submariner: verschiedenfarbige Keramiklünettenskalen
Rolex Submariner: verschiedenfarbige Keramiklünettenskalen

Heutzutage führen alle Taucher einen Tauchcomputer mit, der die Länge und Tiefe benötigter Dekompressionsstopps errechnet und anzeigt. Eine Taucheruhr eignet sich als Reserve: Anhand eines Tiefenmessers, einer Tauchzeittabelle, die man mitführen kann, und der Uhr lassen sich die Dekokomprssionsstopps errechnen.

Die Geschichte der Tauchdrehlünette

Gerätetauchen stellt einen relativ jungen Sport dar. Als sich in den 1950er Jahren sowohl der zivile als auch der professionelle Tauchbereich stärker entwickelte, zogen auch die Uhren nach. 1953 stellte Rolex die Submariner mit drehbarer Lünette und Minuteneinteilung vor. Der Ring ließ sich in beide Richtungen bewegen.

Rolex: Submariner Referenz 1204 (1953)
Bei der ersten Rolex Submariner von 1953 ließ sich die Lünette noch in beide Richtungen drehen

Blancpain ging bei seiner im gleichen Jahr lancierten Taucheruhr Fifty Fathoms noch einen Schritt weiter und setzte eine einseitig drehbare Lünette, ebenfalls mit Minutenskala, ein und ließ diese patentieren.

Ursprungsmodell: Das erste Modell der Fifty Fathoms von 1953 mit einem Durchmesser von 42 Millimetern. Das schwarze Zifferblatt, die schwarze Lünette und die robuste Wasserdichtheit machen sie zur Kultuhr
Die Blancpain Fifty Fathoms war 1953 die erste Taucheruhr mit einseitig drehbarer Tauchlünette

Aus dem Bestreben, die Sicherheit weiter zu erhöhen, entstanden einige Speziallösungen: So verfügen sowohl die historische als auch die aktuelle Omega Seamaster Ploprof über einen orangefarbenen Drücker, der unten gehalten werden muss, um die Lünette drehen zu können.

Taucheruhr 2015: Omega Seamaster Ploprof 1200M
Omega Seamaster Ploprof mit Sicherungsdrücker für die Tauchlünette (11.400 Euro)

So realisieren Oris, Sinn, IWC & Co. aktuell den Tauchdrehring

Der Ring der Oris Prodiver lässt sich erst drehen, nachdem der äußere Teil der Lünette nach oben gezogen wurde; zum Verriegeln nach der Einstellung drückt man diesen Teil wieder herunter.

Oris: Prodiver GMT
Ziehen um zu drehen: Oris Prodiver GMT mit besonders gesichertem Tauchdrehring (3.100 Euro)

Sinn hat ein etwas anderes System: Bei der U 1000 und den Modellen T1 und T2 muss man die Lünette an zwei gegenüber liegenden Punkten herunterdrücken, bevor man sie drehen kann. Außerdem nennt Sinn seinen Drehring unverlierbar. Er ist nicht wie üblich nur aufgesteckt, sondern durch seitliche Schrauben gesichert, sodass er bei einem Stoß nicht abspringen kann.

Gehärteter und hartstoffbeschichteter U-Boot-Stahl: Sinn U1000 S (4.300 Euro)

Neben der klassischen Drehlünette gab es früh auch schon die innen liegende Skala, die durch eine zweite Krone gedreht werden konnte. Heute verwendet beispielsweise die Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver dieses System.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver in Khaki, Referenz: 15710ST.OO.A052CA.01
Innen liegende Tauchzeitskala: Audemars Piguet Royal Oak Offshore Diver (20.100 Euro)

IWC hat eine eigenständige Lösung gefunden: Bei den Aquatimer-Modellen bewegt eine äußere Drehlünette die innere Tauchskala.

IWC: Aquatimer Automatic
IWC Aquatimer Automatic mit über Drehlünette gesteuerter Innentauchzeitskala (5.350 Euro)

Eine interessante zusätzliche Funktion bietet Doxa: Die meisten Taucheruhren der Marke besitzen zusätzlich zur Minutenskala auf der Lünette eine Tiefentabelle in Fuß, auf der sich ablesen lässt, wie tief man bei der aktuellen Zeit noch tauchen darf, ohne einen Dekompressionsstopp einlegen zu müssen.

Doxa: Sub 300 Heritage
Die Doxa Sub 300 Heritage zeigt an, wie tief man ohne Dekokompressionsstopp tauchen kann (2.490 Euro)

Aus diesen Materialien besteht die Tauchlünette

Heute fertigen viele Marken ihre Tauchskala aus kratzfester Keramik. Die früher üblichen Aluminiumskalen waren dagegen recht empfindlich und gingen zudem häufiger verloren. Blancpain schützt die Skala der Fifty Fathoms dagegen mit einem gewölbten Saphirglas. Noch besser ist es ­natürlich, wenn nicht nur die Skala, sondern gleich die ganze Lünette Kratzern standhält. Schließlich liegt der Drehring meist so exponiert, dass er 90 Prozent der Schläge einstecken muss.

Blancpain: Fifty Fathoms Automatique Grande Date
Saphirglasgeschütze Tauchskala: Blancpain Fifty Fathoms Grande Date (16.230 Euro)

Omega sorgt bei einigen ­Taucheruhren mit Keramikgehäuse und -lünette für Robustheit. Sinn bietet ­gehärteten U-Boot-Stahl, teilweise mit Hartstoffbeschichtung. Vor allem aus Designgründen besteht die Lünette manchmal auch aus Gold, Bronze oder, wie bei einer Variante der neuen Omega Seamaster Diver 300m, aus einer Kombination von Tantal und Rotgold.

Omega: Limitierte Seamaster Professional Diver 300M in Tantal
Bei der limitierten Omega Seamaster Diver 300m besteht die Lünette aus ­Tantal und Rotgold (11.900 Euro)

Haptisch besonders angenehm lassen sich die Rolex-Tauchlünetten bedienen. Sie klingen in etwa wie ein Tresorschloss und rasten sehr sauber und satt. Das liegt auch an ihrem Aufbau: Im Gehäuse befinden sich drei gefederte Kugeln und ein gefederter Stift, auf dem die Lünette mit ihren inneren 120 Sägezähnen läuft und rastet.

Die Rolex Submariner Date, Referenz 116610, ist eine sichere Anlage
Benchmark in Sachen Drehring: Rolex Submariner Date mit satt rastender Keramiklünette (7.750 Euro)

Es überrascht schon, wie viel Entwicklungsarbeit Techniker in der Vergangenheit in die Drehlünette investiert haben. Und ­sicher können wir für die Zukunft noch mehr ­innovative und hochfunktionale Tauchzeitringe erwarten. jk

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Sinn Spezialuhren: U1 S E

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