Zeit in Worten: Qlocktwo von Biegert & Funk

"Es ist halb acht" – die quadratische Buchstabenuhr Qlocktwo nutzt Text statt Zeigern

Keine Ziffern, keine Zeiger: Die quadratischen Qlocktwo-Wand-, Tisch- und Armbanduhren von Biegert & Funk geben die Zeit als Text an und begeistern damit eine immer größere Zahl von Design- und Uhrenfreunden. Hinter dem außergewöhnlichen Uhrenkonzept stecken zwei schwäbische Designer: Marco Biegert und Andreas Funk begannen ihre gemeinsame Karriere als tüftelnde Schüler im beschaulichen Schwäbisch Gmünd. Heute wird die von ihnen gemeinsam entwickelte Qlocktwo im Design Store des New Yorker Museum of Modern Art verkauft.

Qlocktwo: W39 Fine Steel
Qlocktwo: W39 Fine Steel

Als Biegert und Funk sich einen Prototypen ihrer Qlocktwo ins Büro hängten, dachten sie, es handle sich hierbei um eine ihrer üblichen gemeinsamen Tüfteleien. Schon als Schüler hatten sie ständig zusammen an neuen Dingen herumgebastelt. An technischen Innovationen wie Drohnen und Beamern, an Software-Programmen, aber auch an künstlerischen Projekten.

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„Wir hatten eines gemeinsam: Wir hatten Ideen und wir wollten sie realisieren“, sagt Biegert. Inzwischen hatten Biegert und Funk Schule und Studium hinter sich gebracht und betrieben zusammen eine Werbeagentur in ihrer Heimatstadt Schwäbisch-Gmünd. In ihrer Freizeit tüftelten sie immer noch. Eine der Fragen, die sie sich stellten, hieß: „Warum gibt es eigentlich keine Uhr, die die Zeit so anzeigt, wie man sie mit Worten formuliert?“ Irgendwann begannen sie, an einer konkreten Antwort auf diese Frage zu arbeiten: Das war der Beginn der Qlocktwo.

Marco Biegert und Andreas Funk
Marco Biegert und Andreas Funk

Die Sache zog sich hin. „Wir mussten ja alles selbst entwickeln“, sagt Andreas Funk rückblickend. Das Design, die Technik mit ihrem Uhrwerk und der zugrundeliegenden Programmierung, die Buchstabenkonstellationen auf dem Zifferblatt – alles musste von null konzipiert werden. Außerdem hatte man da ja noch die Werbeagentur. An deren Wänden dann irgendwann tatsächlich die erste Uhr hing, die die Zeit durch Buchstaben anzeigte. Die Kunden der Werbeagentur blieben vor dieser Uhr stehen. Manch einer wollte sie kaufen. Funk und Biegert begannen, eine Miniaturserie von zehn verbesserten Prototypen zu bauen. Mit denen gingen sie 2009 auf die Stuttgarter Designmesse Blickfang. Biegert kam am ersten Messetag ein bisschen zu spät und sah beunruhigt, dass sich um seinen und Funks Messestand eine Menschentraube gebildet hatte: ein Unfall, ein technischer Defekt, gar ein Brand? Nein: eher der Anfang einer unerwarteten Erfolgsgeschichte. „Auf dem Heimweg“, sagt Funk, „haben wir zum ersten Mal darüber nachgedacht, ob wir vielleicht irgendwann Uhrenhersteller werden könnten.“

Biegert & Funk: Die größte Qlocktwo heißt Gamundia und hängt am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd
Biegert & Funk: Die größte Qlocktwo heißt Gamundia und hängt am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd

Biegert und Funk optimierten ihre Qlocktwo und gingen in die Serienproduktion. Die Uhr mit ihrer so ganz anderen Interpretation des Themas Zeitanzeige fand schnell und kontinuierlich neue Freunde. Kaum jemand, der die Qlocktwo zum ersten Mal sieht, hält nicht plötzlich inne. Gibt’s das? Eine Uhr, die mir in leuchtenden Buchstaben sagt: „Es ist halb zwei“? Und die das Gleiche in Englisch, Französisch, sogar Schwäbisch kann?

Qlocktwo: Wrist W Copper
Qlocktwo: Wrist W Copper

Der Überraschungseffekt dieses mit Buchstaben angefüllten Zeitquadrats ist frappierend – und offenbar trifft das Objekt einen Nerv. Marco Biegert und Andreas Funk haben kein amüsantes Designgadget erfunden, sondern eine Uhr, die auf stimulierende Weise unsere elementaren Wahrnehmungsgewohnheiten herausfordert. Und die freundlich ist. Man kann sie zwar auf das knappere „Fünf vor sieben“ einstellen, aber in der Regel informiert sie uns in einem vollständigen Satz über die Zeit: „Es ist fünf vor sieben“ – ganz so, wie es ein höflicher Gesprächspartner tun würde. Ihr Wortlaut ändert sich alle fünf Minuten; die dazwischen verstreichende Minutenzahl zeigt sie durch Leuchtpunkte in ihren vier Ecken an. Für Biegert und Funk hat diese Art der Zeitanzeige auch einen funktionalen Vorteil: Schließlich müsse man hier kein Bild in Sprache übersetzen.

Qlocktwo: Living Large Gold
Qlocktwo: Living Large Gold

Die Qlocktwo existiert in vier Varianten. Die bekannteste dürfte die Wanduhr Qlocktwo Classic sein, die 45 mal 45 Zentimeter misst. Ihre große Schwester ist die Qlocktwo Large mit ihren 90 mal 90 Zentimetern. Die Qlocktwo Touch, 13,5 mal 13,5 Zentimeter groß, ist Tischuhr und Wecker in einem. Der Weckton kann durch Berührung ab-, das Licht angestellt werden. Schließlich wäre da die Armbanduhr Qlocktwo W, die die Zeit auf 35 mal 35 beziehungsweise 39 mal 39 Millimetern anzeigt. Das Grundprinzip ist immer dasselbe: Der Korpus der Qlocktwo verfügt über 110 Leuchtfelder, die mit den 110 Schriftzeichen ihres Frontcovers korrespondieren. Bei allen Modellen außer bei der Armbanduhr wird das Frontcover durch Magnete gehalten und lässt sich nach Belieben austauschen: Eine einzige Qlocktwo kann unterschiedliche Farben annehmen und eine stattliche Anzahl von Sprachen sprechen. Dass Biegert und Funk neben Deutsch solche Sprachen wie Englisch und Französisch anbieten, verwundert nicht. Doch das Spektrum ist viel größer und reicht bei den Sprachen mit lateinischen Buchstaben bis zu Norwegisch und Rumänisch. Außerdem gibt es Griechisch, Russisch, Japanisch, zwei Chinesisch-Varianten, Arabisch und Hebräisch. Nicht zu vergessen: zwei regionale Varianten des Deutschen. Die Schwäbisch sprechende Uhr ist eine Hommage an die Heimat ihrer Erfinder, die schweizerdeutsche ein Gruß an das Uhrenland. Jede dieser Sprachen ist separat programmiert und kann entweder an der Uhr selbst oder über eine App eingestellt werden – und zwar ganz einfach, wie Funk betont.

Die Macher von Qlocktwo: Marco Biegert und Andreas Funk
Die Macher von Qlocktwo: Marco Biegert und Andreas Funk

Die Armbanduhr Qlocktwo W spricht nur jeweils eine Sprache; zur Auswahl stehen Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Italienisch, Arabisch und Russisch. Die LEDs hinter ihrem Zifferblatt zeigen die Zeit auf Knopfdruck an. Die Leuchtpunkte für die Minutenanzeige befinden sich auf der 35 mal 35 Millimeter große Qlocktwo W unterhalb des Buchstabenquadrats, während sie bei der größeren Variante Qlocktwo W 39 ebenso wie bei den Wanduhren in den vier Ecken aufscheinen. Designliebhaber mögen einerseits die überraschende Funktionalität der Qlocktwo, andererseits ihre klare quadratische Form mit den monochromen Oberflächen und der schnörkellosen Typografie. „Wir sind Fans von klarem Design, wir lieben die Reduktion und fragen bei jedem Element: Ist das wirklich nötig?“, erklärt Marco Biegert. Mit dem Erfolg, dass die Qlocktwo einerseits als Uhr, andererseits als stylischer Einrichtungsgegenstand wahrgenommen wird. Mit ihrer Marke bewegen Biegert und Funk sich denn auch in der Mitte zwischen der Uhrenwelt und der Welt des Interiordesigns: Ziemlich genau 50 Prozent ihrer Uhren werden von Juwelieren vertrieben, 50 Prozent von Einrichtungsgeschäften. Das war nicht immer so: Bis Biegert und Funk 2012 zum ersten Mal bei der Baselworld waren, wurde die Qlocktwo vor allem als Designobjekt wahrgenommen, dank dem Messebesuch fing auch die Uhrenbranche Feuer. Wobei Biegert und Funk der Meinung sind, dass sich diese Produktwelten mehr und mehr durchdringen werden, wie man am Trend zu Concept Stores sehe.

Qlocktwo-Uhren gibt es in über 20 Sprachen
Qlocktwo-Uhren gibt es in über 20 Sprachen

Die Qlocktwo wurde international erfolgreich. Es kamen Auszeichnungen – „wir haben jedes Jahr einen internationalen Designpreis gewonnen“ –, es kam die Aufnahme der Qlocktwo in den Design Store des Museum of Modern Art in New York: eine Art Ritterschlag in der Designwelt. „Wir können es manchmal kaum glauben“, sagt Biegert. Im Gespräch mit den beiden Qlocktwo-Erfindern hat man keineswegs den Eindruck, sie wären im Begriff, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Trotz der Kontinente übergreifenden Faszination für ihr Produkt bleiben sie mit beiden Beinen fest in ihrer Heimat verankert. Es gibt kein Outsourcing in Billiglohnländer, sondern man arbeitet mit Zulieferern aus der Region – und mit der eigenen Belegschaft von rund 40 Personen. „Die Qualität ist für uns das Wichtigste“, erläutert Biegert. Die bislang spektakulärste Buchstabenuhr übrigens hängt ebenfalls in der Heimat von Biegert und Funk: Am Bahnhof der Stadt Schwäbisch Gmünd, in der ihre Manufaktur steht, prangt eine über zwei Tonnen schwere Qlocktwo, die etwas mehr als fünf mal fünf Meter misst. mbe

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Uhren von Biegert & Funk in der Datenbank von Watchtime.net

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guten Tag!

    Wo kann ich eine Armbanduhr kaufen und was kostet sie? Gibt es diese nur in Stahl?

    Danke und freundliche Grüße

    Kurt Zalka

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  2. …. sorry, bin in Wien daheim

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  3. Wäre es eine zukunftsorientierte Bereicherung, wenn es diese Uhren mit einem zentralen quadratischen Großdatum gäbe, und eine mit Angabe des Datums, des Wochentags und des Jahres als Ewigen Kalender, das auch in Gold?

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  4. Guten Tag Herr Zalka,
    auf der firmeneigenen Webseite https://qlocktwo.com/de/ sind zahlreiche Varianten der Armbanduhr zu finden. Hier sehen finden Sie auch die Liste der Fachhändler und einen Online-Shop. Am besten Sie fragen bei QlockTwo direkt, ob die Uhr in der von Ihnen gewünschten Variante erhältlich ist: https://qlocktwo.com/de/kontakt/ Viele Grüße

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  5. Guten Tag,
    gibt es die Clocktwo Classic Wanduhr (45×45) auch Batteriebetrieben?
    MfG Renata Carissimi-Siegenthaler

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  6. Guten Tag,
    auf der firmeneigenen Webseite https://qlocktwo.com/de/ sind zahlreiche Varianten der Wanduhr zu finden. Hier sehen finden Sie auch die Liste der Fachhändler und einen Online-Shop. Am besten Sie fragen bei Qlocktwo direkt, ob die Uhr in der von Ihnen gewünschten Variante erhältlich ist: https://qlocktwo.com/de/kontakt/ Viele Grüße

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