Casios Mechanik-Experiment geht in Runde zwei: Kann die Edifice EFK-110 überzeugen?
Casio Edifice EFK-110: Die zweite Generation der mechanischen Edifice – kleiner, flacher, besser bestückt
Die EFK-110 korrigiert die offensichtlichsten Schwächen des EFK-100-Debüts: Mit dem Miyota 8215 kommt ein neues japanisches Automatikaliber mit längerer Gangreserve, und der Gehäusedurchmesser fällt mit 38 mm auf ein breitentauglicheres Maß. Ein Upgrade mit klarem Profil.
Als Casio 2025 mit der EFK-100 seine erste mechanische Uhr unter dem Edifice-Label vorstellte, war das eine strategische Aussage: ein Markenname, der jahrzehntelang für Quarz und Digitalelektronik stand, betritt das Terrain von Seiko, Citizen und Orient. Der Schritt war mutig, für viele lang herbeigesehnt und das Ergebnis solide – aber nicht frei von Kritik. Das verbaute Werk, basierend auf dem TMI NH35A bot rund 40 Stunden Gangreserve. Die Uhr war funktional, aber der Gehäusedurchmesser von 39 mm sowie bei der Carbonversion von 40 mm saß mit der Bauhöhe von 12,5mm für ein sportlich-elegantes Modell an der Oberkante. Die EFK-110 reagiert darauf. Casio justiert nach – nicht revolutionär, aber zielgenau.
Casio Edifice, Referenz EFK-110-1AER
CasioKaliber: Miyota 8215
Das Herzstück der EFK-110 ist das Miyota 8215, ein Automatikaliber aus dem Hause Miyota (Citizen-Gruppe), das in dieser Preisklasse zu den meistverbauten und bestdokumentierten Kalibern weltweit gehört. Es arbeitet mit 21 Rubinen, einer Vibration 21.600 Schwingungen pro Stunde und einer Gangreserve von über 42 Stunden – zwei Stunden mehr als beim Vorgänger. Dazu kommt eine Hacking-Funktion des Sekundenzeigers. Das Miyota 8215 in der Standardkonfiguration verfügt üblicherweise nicht über Hacking – Casio verbaut hier offenbar eine modifizierte Variante oder eine angepasste Konfiguration. Das ist ein echter Mehrwert gegenüber vielen Mitbewerbern im gleichen Preissegment und hebt die EFK-110 von reinen Basiskalibern wie dem Miyota 8200 ab.
Unidirektionaler statt bidirektionaler Rotor.
Das 8215 nutzt einen Einwegaufzug (unidirektional), was bedeutet, dass nur eine Rotationsdrehrichtung die Hauptfeder spannt. Der bidirektionale Rotor des EFK-100 nutzt beide Rotationsdrehrichtungen zur Energieübertragung und ist damit theoretisch effizienter bei geringer Handgelenksbewegung. Der Miyota-Ansatz ist mechanisch einfacher und in der Fertigung kostengünstiger – ein vertretbarer Kompromiss auf diesem Preisniveau, aber kein Fortschritt. Der Glasschraubboden gewährt Einblick ins Werk. Die Werkoptik des 8215 ist funktional, ohne Ansprüche auf dekorative Finissage. Das entspricht dem Marktsegment.
Sichtboden mit Blick auf das Kaliber Miyota 8215
CasioGehäuse und Dimensionen
38 mm Durchmesser, 11,8 mm Höhe, 141 Gramm mit Stahlband. Gegenüber dem Modell EFK-100 ist die EFK-110 spürbar kompakter und deutlich flacher. Am Handgelenk sitzt sie entsprechend besser – weniger klobig. Für ein sportlich-elegantes Segment, in dem viele Träger auch ein Hemdärmel-taugliches Maß suchen, ist das ein echter Zugewinn. Das massive Edelstahlgehäuse kombiniert satinierte und polierte Flächen, ein Finish, das in dieser Preisklasse Standard ist und handwerklich ordentlich ausgeführt wurde. Die Krone liegt gut in der Hand, der Drehwiderstand beim Stellen ist angemessen. Die Wasserdichtigkeit bis 10 bar (100 Meter) ist für den Alltagseinsatz ausreichend, für Sport im und am Wasser ebenfalls.
Zifferblatt und Ablesung
Drei Farbvarianten kommen in ähnlicher Optik wie das Vorgängermodell: Weiß (EFK-110D-7AER), Blau (EFK-110D-2AER) und Schwarz (EFK-110D-1AER). Das Blatt ist in Carbon-Optik gehalten – ein Oberflächenmuster, das je nach Lichteinfall stärker oder schwächer hervortritt, strukturell aber nicht aus echtem Carbon besteht. Dazu kommen drei Zeiger und stabförmige Indizes mit Lumineszenz-Beschichtung. Die Lesbarkeit ist gut. Dafür sorgt das Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung – hier bietet Casio mehr, als man für 279 Euro erwarten würde. Das Datumsfenster sitzt fortan bei 3 Uhr statt 6 Uhr – eine konstruktive Änderung, die dem Werk geschuldet ist und die Zifferblattgestaltung merklich beeinflusst. Das Datumsfenster ist wie bei der EFK100 weiß hinterlegt, dies muss man bei der Farbwahl von Blau oder Schwarz berücksichtigen.