Alexander Shorokhoff x Benzinger: Wenn zwei Uhrmacherwelten zusammentreffen
Alexander Shorokhoff und Jochen Benzinger haben ein gemeinsames Projekt: die Grand Guilloche One, eine Uhr, die die Designsprache des Uhrenherstellers mit der Handwerkskunst des Graveurmeisters aus Pforzheim verbindet. Aktuell befindet sich die Kooperation in der Fertigungsphase. Aus diesem Anlass bieten die beiden Partner nun erste Eindrücke zu Fertigung und Aussehen des Zifferblatts.
Das Zifferblatt der Grand Guilloche One ist quadratischer Form. Seinen Rahmen bildet eine schmale erhabene Linie mit polierter Oberfläche, die Ecken sind weich gerundet. Den größten, silberfarbenen Teil des Zifferblatts gestaltet ein Moiré-Muster dicht gesetzter, konzentrischer Wellenlinien. Es erinnert an eine gefüllte Blüte, etwa die einer Rose – doch dazu gleich mehr.
Zwischen Vier und Sechs befindet sich ein gelbes Dreieck mit horizontal verlaufenden Wellenlinien, die blaue Partie zwischen Neun und Zwölf durchziehen Schlangenlinien in vertikaler Richtung. Zwei Aussparungen für Zeigerwellen und die prominente 60 auf Höhe der Zwölf erlauben den Schluss, dass die Grand Guilloche One eine Dreizeigeruhr mit kleiner Sekunde werden könnte.
Rosette und Rose Engine: So entsteht das Muster des Zifferblatts
Das Moiré-Muster des Hauptzifferblatts erinnert an eine Roseblüte und entsteht an einer vollständig mechanisch arbeitenden Guillochiermaschine, die passenderweise auch als Rose Engine bezeichnet wird. Diese Rundzugmaschine der Firma Augenstein aus Pforzheim wurde um das Jahr 1900 eingesetzt und schneidet durch oszillierende Bewegungen dicht beieinanderliegende Linien in die Oberfläche des Zifferblatts. Dadurch entsteht sowohl das blütenartige Muster als auch eine Schimmereffekt, der sich je nach Lichteinfall wandelt.
Vorlage für das Muster ist die sogenannte Rosette, eine Musterwelle mit über 24 Wellenbergen und -tälern. Deren Bewegungen werden von einem Stift abgetastet und mechanisch auf das Werkstück übertragen. Nach jedem Durchgang werden der Durchmesser des Musters um eine Stufe verkleinert, die Position der Rosette um einen Schritt verschoben. Dieser Versatz führt später zu der schwingenden, schimmernden Anmutung des Gesamtbilds.
Straight: Wie die vertikalen und horizontalen Linien guillochiert werden
Die vertikalen und horizontalen Linien der beiden farbigen Zifferblattsegmente entstehen an einer Geradezugmaschine. Sie wird auch als Straight Line Engine bezeichnet und stammt von der Firma Gudel in Biel, aus der Zeit um 1925. Das komplett mechanisch funktionierende Prinzip ist ähnlich wie das der Rundzugmaschine: Anstatt der Rosette werden hier Musterpatronen abgetastet und mittels einer Welle auf das Werkstück übertragen. Sie bringt gerade oder wellenförmige Linien hervor.
Video: Jürgen Benzinger graviert ein Zifferblatt der Grand Guilloche One
Das nachfolgende Video gibt einen Einblick zur Arbeit an den beiden Guillochiermaschinen. Jürgen Benzinger zeigt die Gestaltung des später gelben Dreiecks durch Wellenlinien an der Geradezugmaschine und die Gestaltung des Hauptzifferblatts an der Rundzugmaschine.
Handwerkskunst Guillochieren
Das Guillochieren entwickelte sich aus dem sogenannten "königlichen Handwerk" des Kunstdrechselns, das einst sogar zur höfischen Ausbildung gehörte. Das überlieferte Verfahren machte einst keinen geringeren als Abraham-Louis Breguet berühmt (1786). Der Vorgang ist heutzutage derselbe wie vor fast 250 Jahren: Mit der Geradzugmaschine lassen sich geradlinige Verzierungen aufbringen, mit der Rundzugmaschine erzeugt der Guillocheur wellenförmige Ornamente. Dank der großen Anzahl an Musterrollen und Wellen kann er den Linien eine neue Form, einen anderen Abstand oder Überschneidungswinkel verleihen. Das Ergebnis sind schier unendliche Möglichkeiten, hier einige aus der Veredelung von Zeitmessern bekannte Motive:
- Clous de Paris, auch Hufnagelmuster genannt
- von der Mitte ausgehende Sonnenstrahlen, Flammen und Wellen
- Korn- und Schachbrettmuster
Bei beiden Typen der Guillochiermaschine hängt die Präzision des Ergebnisses von den vier Faktoren ab, die jeweils von Hand gesteuert werden:
- Drehgeschwindigkeit
- Druck des Schnittes
- Tiefe des Schnittes
- Versatz des Musters
Im Anschluss an das Guillochieren wird das Werkstück gereinigt, nun folgt die Farbgebung.
Krönender Abschluss: So erhält das Zifferblatt seine Farbe
Das Hauptzifferblatt der Grand Guilloche One erhält seine silberfarbene Oberfläche durch den elektrochemischen Prozess des Rhodinierens: Hierbei wird in einem elektrolytischen Bad eine hauchdünne Metallschicht auf die Oberfläche abgeschieden, diese legt sich auch in die Vertiefungen des guillochierten Musters. Das Blau und Gelb der Zifferblattsegmente entsteht durch den Auftrag von Transparentlack.
Am Ende der aufwendigen Bearbeitung jedes einzelnen Zifferblatts steht eine Uhrenserie von streng limitiertem Umfang.
Nur 30 Exemplare: Die Grand Guilloche One wird rar
Gerade einmal 30 Exemplare der Grand Guilloche One planen Alexander Shorokhoff und Jochen Benzinger zu bauen. Laut den beiden Projektpartnern ist mehr als die Hälfte der Auflage bereits für Kunden reserviert.
- Rosette und Rose Engine: So entsteht das Muster des Zifferblatts
- Straight: Wie die vertikalen und horizontalen Linien guillochiert werden
- Video: Jürgen Benzinger graviert ein Zifferblatt der Grand Guilloche One
- Handwerkskunst Guillochieren
- Krönender Abschluss: So erhält das Zifferblatt seine Farbe
- Nur 30 Exemplare: Die Grand Guilloche One wird rar