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Angelus: Rückkehr einer Spezialuhr zur Watches and Wonders 2026

Wie die Tinkler 1958 eines der seltensten und charaktervollsten Kapitel der Angelus-Geschichte aufgreift
Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus 

Mit der Tinkler 1958 greift Angelus eines der seltensten und charaktervollsten Kapitel seiner eigenen Geschichte wieder auf. Die neue Repetitionsuhr ist keine einfache Neuinterpretation eines historischen Themas, sondern eine ausgesprochen nahe, stilistisch präzise und technisch ambitionierte Hommage an ein Modell, das 1958 zu den bemerkenswertesten Armbanduhren seiner Zeit zählte. Damals verband die Manufaktur eine Viertelstundenrepetition mit automatischem Aufzug und wasserdichter Konstruktion. Nun kehrt die Tinkler in zwei limitierten Editionen zurück: in 18-karätigem Gelbgold, limitiert auf 15 Exemplare, und in Edelstahl mit einer Auflage von 25 Stück.

 

Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus 

Tradition des Schlagwerks

Dass Angelus heute eine Repetitionsuhr neu auflegt, ist historisch nur konsequent. Bereits der Name der 1891 gegründeten Manufaktur verweist auf das Läuten von Glocken und damit auf eine Form der Zeitverkündung, die lange vor der Verbreitung persönlicher Zeitmesser den Rhythmus des Alltags bestimmte. Schon wenige Jahre nach der Gründung, am 15. April 1896, meldeten die Brüder Albert und Gustav Stolz ein Patent für einen lautlosen Regulator für das Läutwerk von Repetitionsuhren an. Repetitionsmechanismen gehören damit zu den frühesten und identitätsstiftenden Kompetenzen der Marke. Bemerkenswert ist, dass Angelus diese Technik auch funktional dachte. So entwickelte die Manufaktur derartige Modelle mit Blindenschrift für im Ersten Weltkrieg erblindete Soldaten. Diese Uhren machten die Zeit nicht nur hörbar, sondern auch tastbar. Nach einer Phase intensiver Forschung an anderen Komplikationen, darunter die berühmte Chronodate von 1942, wandte sich Angelus in den 1950er-Jahren erneut den Schlagwerken zu. 1958 wurde ein Patent für eine Armbanduhr mit Schlagwerk angemeldet, kurz darauf erschien die Tinkler. Sie gehörte zu den Pioniermodellen jener seltenen Gattung wasserdichter Armbanduhren mit automatischem Aufzug und Viertelstundenrepetition.

 

Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus

Neuauflage mit stilistischer Disziplin

Die neue Tinkler 1958 übernimmt die Grundidee des historischen Modells mit erfreulicher Konsequenz. Ihr 38 Millimeter messendes Gehäuse orientiert sich an den ausgewogenen Proportionen der 1950er-Jahre und wirkt entsprechend elegant, schlank und kultiviert. Angelus verzichtet auf jede unnötige Modernisierung des Designs und setzt stattdessen auf jene Mischung aus Klarheit, Noblesse und technischer Ernsthaftigkeit, die auch das Original auszeichnete. Besonders prägnant ist die klassische Anordnung der Bedienelemente. Bei drei Uhr sitzt die Krone, auf der gegenüberliegenden Seite bei neun Uhr der Drücker, mit dem die Viertelstundenrepetition ausgelöst wird. Diese Lösung ist nicht nur historisch korrekt, sondern verleiht der Uhr auch ihren unverwechselbaren Charakter. Der verschraubte Gehäuseboden trägt das geprägte „A“-Monogramm der Maison und bleibt damit bewusst geschlossen. Erhältlich ist die Tinkler 1958 in zwei Gehäusevarianten. Die edlere Ausführung in Gelbgold wirkt besonders warm und klassisch. Die Edelstahlversion erscheint etwas nüchterner und instrumenteller, ohne an Reiz zu verlieren, da der Werkstoff sehr gut zu ihrer Herkunft als funktionale Spezialuhr passt.

 

Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus 

Ganz im Geist der Fünfzigerjahre

Besonders gelungen ist das Zifferblatt der Tinkler 1958. Es ist leicht gewölbt, weiß gehalten und mit einem Sonnenschliff versehen, wodurch es je nach Lichteinfall lebendig wirkt. Die Gestaltung folgt auch hier der ästhetischen DNA des Originals. Auffällig ist die modernistische Typografie der Zwölf, die dem Blatt sofort eine markante Vintage-Signatur verleiht. Die Indizes bei drei, sechs und neun Uhr, also an den entscheidenden Positionen für die Viertelstundenrepetition, sind neu gestaltet und erscheinen in Form stilisierter Ausrufezeichen. Sämtliche komplexe Zifferblattelemente sind mit einer goldfarbenen Finissierung versehen, was dem Blatt zusätzliche Tiefe verleiht und insbesondere in Kombination mit der Goldversion eine sehr harmonische Wirkung erzeugt. Zugleich bleibt die Ablesbarkeit ausgezeichnet. Angelus beweist hier ein gutes Gespür dafür, wie historische Anmutung, klare Struktur und feine dekorative Akzente zusammenfinden können, ohne dass das Uhrengesicht überladen wirkt. Auch bei den Armbändern bleibt die Marke konsequent. Die Neuvorstellung wird durch ein Band aus Alligator-Flankenleder komplettiert. Die Gelbgoldversion wird dabei mit einem tiefen Tintenblau kombiniert, die Stahlversion mit einem warmen Sattelbraun. 

 

Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus 

Hörbare Mechanik

Im Zentrum der Uhr steht selbstverständlich ihre Repetitionsfunktion. Die Tinkler 1958 schlägt auf Abruf die Stunden und Viertelstunden. Ausgelöst wird das Schlagwerk über den Drücker bei neun Uhr. Vergangene Stunden werden über klare Einzelschläge auf der ersten Tonfeder wiedergegeben. Für jede vergangene Viertelstunde folgt anschließend eine Tonsequenz aus zwei kurzen Tönen, maximal also drei Sequenzen für drei Viertelstunden. Gerade diese Viertelstundenrepetition macht den Reiz der Tinkler aus. Sie ist weniger komplex als eine Minutenrepetition, aber historisch betrachtet oft alltagstauglicher und direkter. Sie gehört zu jenen Komplikationen, die heute selten geworden sind, obwohl sie eine sehr eigene Form von mechanischem Charme besitzen. 

 

Angelus – Tinkler 1958, historisch inspirierte Spezialuhr mit Automatikwerk und hellem Zifferblatt

Angelus – Tinkler 1958

© Angelus 

Klassische Architektur mit modernen Leistungswerten

Im Innern arbeitet das neue Automatikkaliber A600. Es misst 28 Millimeter im Durchmesser, 7,35 Millimeter in der Höhe, arbeitet mit einer Frequenz von vier Hertz und bietet eine Gangreserve von 70 Stunden. Bemerkenswert ist das Finissierungsniveau. Die Platine ist gewendelt, die Brücken tragen eine Palladium-Beschichtung, Genfer Streifen und polierte Winkel. Hinzu kommen kreisgeschliffene Räder, gebläute und anglier­te Schrauben mit hochglanzpolierten Köpfen sowie eine Schwungmasse aus Wolfram mit Sonnenschliff. Während sich der Preis der Gelbgoldversion auf umgerechnet rund 61.000 Euro beläuft, kostet die Edelstahlversion etwa 41.000 Euro. 

Fazit

Besonders interessant ist die Einordnung der Tinkler 1958 in die Philosophie von Angelus. Die Marke versteht sich traditionell als Hersteller von „Spezialuhren“, also von Zeitmessern mit klar umrissener Funktion oder Nutzungsidee. Dazu gehörten in der Vergangenheit Chronographen für den Motorsport, medizinische Anwendungen oder Fernmessung. Die neue Tinkler fügt sich nahtlos in diese Linie ein. Sie führt ein seltenes Kapitel der eigenen Geschichte mit überzeugender Konsequenz in die Gegenwart. Ihr Reiz liegt in der ungewöhnlichen Mischung aus historischer Authentizität, akustischer Komplikation und stilistischer Disziplin. Das 38-Millimeter-Gehäuse, das sorgfältig ausgearbeitete Zifferblatt und das fein dekorierte Kaliber ergeben zusammen ein Modell, das sich klar von den oft lauteren, demonstrativeren Komplikationsuhren des heutigen Marktes absetzt.

 

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