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Lesedauer 12 Min.

Liebhaber, Investment-Banker oder zukünftiger Ironman: Was ihre Uhr über Sie verrät

Von der Speedmaster bis zur Apple Watch – eine augenzwinkernde Typologie moderner Uhrenträger
Rolex Submariner am Handgelenk, Taucheruhr mit Automatikwerk
© Symbolbild mithilfe von KI generiert | WatchTime

Luxusuhren verraten erstaunlich viel über ihre Träger. Manche Uhren stehen für stille Zurückhaltung, andere für Begeisterung, Optimierungsdrang oder die feste Überzeugung, dass 44 Millimeter Gehäusedurchmesser ein vernünftiger Ausgangspunkt seien. Natürlich bleibt all das ein Spiel mit Klischees. Kaum jeder Speedmaster-Besitzer träumt von der eigenen Mondmission, nicht jeder Paneristi will zu den Navy-Seals und längst nicht jeder Tank-Träger spricht Französisch. Und dennoch scheinen sich rund um bestimmte Modelle erstaunlich wiedererkennbare Charaktere zu formen.

Rolex – Submariner, Taucheruhr mit drehbarer Lünette und Automatikuhr

Rolex – Submariner

© Rolex

#Rolex – Submariner: Regen-Phobie trotz 300 Metern Wasserdichtheit 

Es gibt Uhren, die kauft man. Und es gibt die Rolex Submariner, auf die wartet man. Wer irgendwann eine bekommt, hat meist schon gelernt, dass Geduld im Luxussegment keine Tugend, sondern Grundvoraussetzung ist. Die Submariner ist für viele die erste große Luxusuhr. Robust, ikonisch und vermutlich die bekannteste Toolwatch der Welt. Genau deshalb beschreiben ihre Besitzer sie gerne als kompromisslosen Begleiter für jedes Abenteuer. Zumindest theoretisch. Praktisch besteht die größte Herausforderung der meisten Subs darin, vorm Laptop auf dem Schreibtisch genug Rotorbewegungen zu generieren, um die Herstellerangabe für Gangreserve zu erreichen. Ihre 300 Meter Wasserdichtheit werden von ihren Besitzern dabei zuverlässig verteidigt, auch wenn Chlorwasser – geschweige denn Salzwasser – meist nur aus sicherer Entfernung betrachtet wird. Gleichzeitig ist die Submariner eine Uhr für Menschen, die Beständigkeit schätzen. Wer sie trägt, vertraut auf robuste Technik, hohen Wiedererkennungswert und die beruhigende Gewissheit, eine Entscheidung getroffen zu haben, die kaum infrage gestellt wird. Diese Ironie macht die Uhr nicht weniger sympathisch – eher im Gegenteil. Denn hinter einer Submariner stehen erstaunlich oft Menschen, die sich ihre erste Luxusuhr hart erarbeitet und meist auch „erwartet“ haben, stolz auf sie sind und sie deshalb behandeln wie andere ihren Oldtimer: mit Vorsicht, Begeisterung und manchmal leicht übertriebener Fürsorge. Genau darin liegt letztlich auch ein Teil echter Liebhaberei.

Omega – Speedmaster, Chronograph aus Edelstahl mit Handaufzugswerk

Omega – Speedmaster

© Omega

#Omega – Speedmaster: Aufziehen statt Meditation

Wer eine Omega Speedmaster Professional trägt, möchte meist recht früh eines klarstellen: „Es ist keine Rolex.“ Und genau das ist wichtig. Nicht aus Ablehnung, eher aus Haltung, ähnlich wie bei James Bond, der auf Nachfrage seiner Begleiterin im Film Casino Royale ebenfalls bewusst betont, dass seine Uhr nicht von der Marke mit der Krone stammt. Die Speedmaster erzeugt Faszination nicht über Wartelisten, sondern über Geschichte. Mondlandung. NASA. Apollo. Themen, die von stolzen Besitzern häufig auch ohne ausdrückliche Nachfrage mit bemerkenswerter Begeisterung erläutert werden. Viele entscheiden sich bewusst zwischen Hesalit- und Saphirglas-Version, wobei Letztere oft jene bevorzugen, die Freude daran haben, die Mechanik durch den Glasboden zu betrachten. Ein weiteres Erkennungsmerkmal: der Handaufzug. Für Speedmaster-Träger ist das zunächst kein Nachteil, sondern Ritual. Fast poetisch sogar. Der Tag beginnt nicht mit Push-Nachrichten, sondern mit einigen Drehungen an der Krone. Mechanik, Entschleunigung, Verbindung zum Zeitmesser. Nach einigen Monaten entwickelt sich daraus gelegentlich ein zweites Gefühl. Ein eher stilles. Irgendwo zwischen: „Ich liebe dieses Ritual“ und „Schon wieder vergessen aufzuziehen.“ Die Speedmaster gehört dabei allerdings sicherlich zu jenen Uhren, die in Sammlungen beinahe selbstverständlich auftauchen. Menschen mit völlig unterschiedlichen Geschmäckern einigen sich erstaunlich häufig darauf, dass man irgendwann eine besitzen sollte. Nicht unbedingt als Lieblingsuhr, aber als Referenzpunkt. Im Alltag funktioniert sie mühelos: sportlich genug für Jeans, zurückhaltend genug fürs Hemd. Im Urlaub beginnt jedoch häufig ein kleiner innerer Konflikt. Denn während andere ihre Taucheruhren bedenkenlos am Strand tragen, bleibt die Speedmaster aufgrund ihrer geringen Wasserdichtheit nicht selten im Hotelsafe zurück. Gut, dass flüssiges Wasser auf dem Mond eher selten vorkommt.

Cartier – Tank, Dresswatch aus Gold mit Lederband

Cartier – Tank

© Cartier 

#Cartier – Tank: Wen interessiert die Uhrzeit?

Träger einer kleinen Cartier Tank in Gold besitzen meist eine sehr klare Haltung: Die Uhr darf gesehen werden, allerdings bitte so, als wäre sie vollkommen nebensächlich. Die Tank ist nicht laut. Genau darin liegt ihr Reiz. Getragen wird sie fast immer mit bemerkenswerter Lässigkeit. Das Lederband sitzt selten streng am Handgelenk. Im Gegenteil: Die Tank bewegt sich oft freier als ein Pinselstrich von Andy Warhol, der selbst bekennender Liebhaber des Modells war. Der Uhrenkopf wandert leicht nach links, nach rechts. Ob im Inneren ein Quarzwerk arbeitet oder ein mechanisches Kaliber, spielt keine Rolle. Denn die eigentliche Funktion der Tank ist selten reine Präzision, oft nicht einmal die Zeitanzeige. Es geht um Lebensgefühl. Die Uhrzeit wird im Zweifel ohnehin am Smartphone abgelesen. Überhaupt scheint die Tank Menschen anzuziehen, die demonstrativ vermitteln, sich nicht sonderlich für materielle Dinge zu interessieren, und gleichzeitig bemerkenswert gute Entscheidungen bei genau diesen Dingen treffen. Zurückhaltendes Kaschmir, eine leicht überdimensionierte Sonnenbrille, unaufgeregte Eleganz und am Handgelenk eine Uhr, deren Design seit über hundert Jahren nahezu unangetastet geblieben ist. Geschont wird die Tank dabei nicht. Nicht, weil ihre Träger sorglos wären, sondern weil sie Teil des Alltags sein soll. Café, Büro, Abendessen, Wochenendtrip – sie funktioniert nahezu überall. Fast so, als wolle ihr Besitzer beweisen, dass Luxus erst dann glaubwürdig wird, wenn er selbstverständlich wirkt. Vielleicht beschreibt genau das den typischen Tank-Träger am treffendsten: einen leichten Exzentriker mit ausgeprägtem Sinn für Stil und Proportionen.

Breitling – Navitimer, mechanischer Chronograph mit Lederband

Breitling – Navitimer

© Breitling

#Breitling – Navitimer: Hobbypiloten mit Oldtimer-Faible

Wer eine Breitling Navitimer trägt, idealerweise aus den 1970er- oder 1980er-Jahren, besitzt häufig eine erstaunlich klare Haltung: Neuere Modelle mögen technisch überlegen sein, sind aber nicht zwingend das, wonach gesucht wird. Denn viele klassische Navitimer-Liebhaber bevorzugen Referenzen mit Patina, leicht vergilbter Leuchtmasse und einem Lederband, das aussieht, als hätte es bereits mehrere Interkontinentalflüge und Motorradtouren überstanden. Die Uhr kommt oft im Gesamtpaket. Irgendwo zwischen Bomberjacke, Rennhandschuhen aus Leder und einem Geländewagen, dessen Restaurierung seit Jahren „beinahe abgeschlossen“ ist. Navitimer-Träger wirken nicht selten, als hätten sie früher selbst Kampfflugzeuge geflogen, Rallyes bestritten oder zumindest jemanden gekannt, der genau das getan hat. Die Uhr übernimmt einen Teil der Erzählung selbst. Besonders faszinierend bleiben Rechenschieberlünette und Chronographenfunktion. Technisch beeindruckend, historisch relevant, im Alltag jedoch häufig ähnlich genutzt wie ein Feuerlöscher: selten. Und obwohl die Navitimer ursprünglich als Instrument für Piloten entwickelt wurde, erlebt die durchschnittliche Vintage-Referenz heute vermutlich deutlich mehr Caféterrassen als Cockpits. Das schmälert ihre Wirkung jedoch keineswegs. Im Gegenteil. Denn die Navitimer ist womöglich eine der wenigen Uhren, bei denen ein leicht überhöhtes Selbstbild fast zum Lieferumfang gehört: etwas Abenteuer, viel Geschichte, ein gutes Maß Mechanik und die feste Überzeugung, dass Charakter wichtiger ist als Perfektion.

Audemars Piguet – Royal Oak, Stahlsportuhr mit integriertem Band und Automatikwerk

Audemars Piguet – Royal Oak

© Audemars Piguet 

#Audemars Piguet – Royal Oak: Stahlsportuhr mit Sportverbot

Spontan wurde die Entscheidung sicherlich nicht getroffen, eine Royal Oak von Audemars Piguet zu tragen. Spontanität ist in jenem Segment ohnehin die falsche Einstellung. Häufig steht dahinter ein längerer Prozess: Beziehungspflege, Boutique-Besuche, Geduld und eine gewisse Portion Hoffnung. Manche würden es als Bewerbungsverfahren bezeichnen. Ist die Zusage irgendwann da, beginnt ein neues Kapitel. Die Uhr wird abgeholt und anschließend nicht selten behandelt wie ein empfindliches Museumsobjekt mit integriertem Band. Bemerkenswert für einen Zeitmesser, der ursprünglich als luxuriöse Stahlsportuhr konzipiert wurde. Getragen wird sie gerne zum Nadelstreifenanzug, allerdings nicht ausschließlich im Büro. Schließlich soll sich die Investition auch am Wochenende amortisieren. Die Ernüchterung folgt jedoch gelegentlich schneller als erwartet: Außerhalb bestimmter Branchen erkennen erstaunlich wenige Menschen den Unterschied zwischen Royal Oak und „schöner Uhr“. Wirkliche Begeisterung entsteht oft erst unter Kollegen im Consulting, Private Equity oder irgendwo zwischen Strategiedeck und Flughafenlounge. Ein sensibles Thema bleibt die Code 11.59. Nachdem man gelernt hat, dass sie uhrmacherisch unterschätzt werde und eigentlich den Kern moderner Audemars-Piguet-DNA repräsentiere, diente sie für viele lange vor allem als Türöffner in Richtung der „eigentlich gewünschten“ Kollektion. Getragen wird sie dennoch – etwa dann, wenn wieder eine Revision der Royal Oak ansteht. Überhaupt scheint Vorsicht ein prägender Charakterzug vieler Royal-Oak-Besitzer zu sein. Türrahmen, Schreibtischkanten und Reißverschlüsse werden mit einer Aufmerksamkeit wahrgenommen, die sonst nur Menschen kurz vor dem Einparken entwickeln. Cabriofahrten bergen zusätzliche Risiken: Das Band reflektiert Licht in einem Ausmaß, das den Gegenverkehr irritieren könnte. Interessant ist auch die Haltung gegenüber vergleichbaren Modellen anderer Hersteller. Die Nautilus? Von treuen Royal-Oak-Fans überraschend schnell als „etwas zu klassisch“ oder „Uhr für ältere Herren“ eingeordnet. Gleichzeitig existiert nicht selten eine diskrete Wartelisten-Hoffnung auf die Aquanaut. Rein aus Interesse natürlich. Und dann wäre da noch die neue Swatch-Kollaboration. Die sogenannte Royal-Pop. Kaum ein Thema erzeugt mehr inneren Konflikt. Zwischen kulturhistorischer Einordnung und leiser Sorge, am Montagmorgen im Büro darauf angesprochen zu werden.

Patek Philippe – Nautilus, Stahlsportuhr mit integriertem Band, Automatikwerk und blauem Zifferblatt

Patek Philippe – Nautilus

© Patek Philippe 

#Patek Philippe – Nautilus: Die große Komplikation wird nur an Wochenenden getragen

Wer heute eine Patek Philippe Nautilus trägt, besitzt sie häufig schon so lange, dass sie damals schlicht eine Patek war. Der klassische Nautilus-Träger spricht nicht über Wartelisten. Eher darüber, dass die Marke „früher anders“ gewesen sei. Gemeint ist eine Zeit, in der die meisten Referenzen unter Liste gehandelt wurden und man eine Nautilus nicht automatisch mit Rappern, Fußballern oder Investmentdiskussionen verband. Auch das Erstgeborene musste, anders als heute, damals noch nicht für besagte Referenz eingetauscht werden. Uhren interessieren den Patek-Liebhaber wirklich. Das Patek-Museum wurde bereits, selbstverständlich auf Einladung des Konzessionärs, besucht. Mehr als einmal vermutlich. Alte Referenzen faszinieren ihn, Verzierungstechniken ebenso, und bei historischen Kalibern wird die Stimme lebendiger. Die Nautilus selbst? Für ihn eher Alltag. Nicht im demonstrativen Sinn, sondern tatsächlich. Sie begleitet Termine, Reisen und Abendessen ungefähr so selbstverständlich, wie andere Menschen ihre Apple Watch. Am Wochenende verschiebt sich das Bild. Dann kommt bei Oldtimerausfahrten oder längeren Mittagessen auch einmal etwas Komplizierteres ans Handgelenk. Ewiger Kalender. Chronograph. Vielleicht etwas mit Minutenrepetition. Nichts, was dem Stil heutiger Popkultur entsprechen würde. Auffällig bleibt die beinahe demonstrative Gelassenheit gegenüber Gebrauchsspuren. Die Uhr wird getragen. Wirklich getragen. Keine Mikrofasertücher im Handschuhfach, keine übertriebene Vorsicht vor Türrahmen. Das wirkt weniger nach Nachlässigkeit als nach einem Selbstverständnis von Menschen, die Luxus nie als Ausnahmezustand betrachtet haben. Ein sensibles Thema bleibt allerdings die gestiegene Bekanntheit der Manufaktur. Dass heute plötzlich beinahe jeder weiß, was eine Patek ist, wird nicht selten mit leiser Skepsis betrachtet. Zu sichtbar. Zu laut. Zu viel Aufmerksamkeit. Die eigentliche Freude scheint häufig dort zu liegen, wo etwas nur von wenigen erkannt wird.

Apple – Watch, Smartwatch

Apple – Watch

© Apple 

#Apple – Watch: erst Schlafwert, dann Gefühlswelt

Interesse für Uhren ist bei Apple-Watch-Trägern tendenziell eher selten vorhanden. Eher für Optimierung. Die Apple Watch ist kein Accessoire, sondern eine Art mobiles Kontrollzentrum für das eigene Leben, inklusive Schlaf, Herzfrequenz, Schritte, Sauerstoffsättigung und gelegentlich schlechtem Gewissen. Der Tag beginnt nicht mit Kaffee, sondern mit einer Auswertung der Nacht. Hat die Uhr schlechten Schlaf registriert, wird der kommende Tag schon vor sieben Uhr innerlich abgeschrieben. Recovery niedrig, Tiefschlaf ausbaufähig. Die Stimmung passt sich den Daten an. Ein besonders sensibles Thema sind die berühmten Bewegungskreise. Außenstehenden fällt es schwer zu verstehen, welche emotionale Bedeutung ein ungeschlossener Ring entwickeln kann. Für Apple-Watch-Träger hingegen gilt: Solange keine 10.000 Schritte erreicht sind, ist der Tag nicht beendet. Im Zweifel entstehen gegen 23:47 Uhr spontane Spaziergänge durch die Wohnung oder auffällig viele Wege zwischen Bett, Küche und Badezimmer. Überhaupt scheint Bewegung weniger Aktivität als Mission zu sein. Joggen ohne Tracking? Krafttraining ohne Puls? Fahrradfahren ohne Upload? Für viele kaum vorstellbar. Nicht dokumentierte Leistung bewegt sich gefährlich nah an nicht existierender Leistung. Mechanische Uhren betrachtet der typische Apple-Watch-Nutzer oft mit milder Skepsis. Faszinierend vielleicht, historisch interessant, aber irgendwo zwischen Schallplatte und Füllfederhalter eingeordnet. Schön, nur eben unpraktisch. Die Gegenfrage, ob eine Uhr wirklich den Stresspegel beim E-Mail-Lesen messen müsse, wird selten gestellt. Ironischerweise wird die eigentliche Uhrzeit kaum genutzt. Auf das Display geschaut wird meist erst, wenn etwas vibriert. Nachricht. Termin. Erinnerung. Noch 380 Schritte bis zum Tagesziel. Und dann wäre da die Batterie. Jeden Abend laden, ständig prüfen – nervig. Wechseln? Natürlich nicht. Zu tief sitzt man längst im Ökosystem. Die Apple Watch verlässt man so leicht wie einen Mobilfunkvertrag mit Familienrabatt. Eine Bekehrung hin zu mechanischen Lösungen erscheint deshalb meist aussichtslos.

Tag Heuer – Monaco, eckige Uhr mit Automatikwerk

TAG Heuer – Monaco

© TAG Heuer 

#TAG Heuer – Monaco: Motorsport war früher besser und Uhren müssen eckig sein

In den seltensten Fällen interessieren sich Träger einer TAG Heuer Monaco ausschließlich für Uhren. Irgendwo in der Persönlichkeit existiert fast immer eine Schnittstelle zu Rennsport, alten Grand-Prix-Rennen, historischen Fotos aus der Boxengasse oder zumindest zu der festen Überzeugung, dass die Formel 1 vor 20 Jahren mehr Charakter hatte. Die Monaco wird nicht gewählt, weil sie universell gefällt. Genau genommen passiert eher das Gegenteil. Die Uhr polarisiert und ihre Träger scheint das auffallend wenig zu stören. Rund? Zu langweilig. Die Monaco bevorzugt Ecken, Kanten und ein Gehäuse, das bis heute aussieht, als hätte jemand in den späten 1960ern beschlossen, Konventionen seien überschätzt. Natürlich fällt früher oder später der Name Steve McQueen. Die Vorstellung, eine Uhr zu tragen, die mit Rennsport, Filmgeschichte und dieser spezifischen Form von lässiger Männlichkeit verbunden wird, gehört irgendwo zum Gesamtpaket. Interessant ist: Technische Details stehen oft überraschend wenig im Vordergrund. Das Kaliber? Relevant. Aber nicht entscheidend. Ob Schaltrad oder Kulissensteuerung wird seltener diskutiert als die Frage, ob auf dem Zifferblatt nur „Heuer“ steht. Denn für viele beginnt dort die eigentliche Magie. Alte Logos, historische Verbindung, etwas weniger Perfektion, etwas mehr Seele. Monaco-Träger wirken häufig wie Menschen, die bewusste Entscheidungen treffen. Beim Auto. Bei Kleidung. Bei Uhren. Nicht immer die objektiv vernünftigste Wahl, aber eine mit Haltung. Die Uhr passt entsprechend selten zum klassischen Businessanzug, eher zum Rennoverall.

Panerai – Luminor, Taucheruhr aus Edelstahl mit Lederband

Panerai – Luminor

© Panerai 

#Panerai – Luminor: 44 Millimeter sind erst der Anfang

Menschen, deren Handgelenk eine Panerai ziert, lehnen Trends nicht aktiv ab, sie interessieren sie schlichtweg nicht besonders. Zumindest sagen sie das. Während die Uhrenwelt über 36 oder 38 Millimeter diskutiert, sitzt an deren Handgelenken weiterhin etwas, das aus der Entfernung die Präsenz einer Kirchturmuhr besitzt. Kleine Uhren? Sicher stilvoll. Aber eben nichts für den Panerai-Connaisseur. Die Uhr soll spürbar sein. Sichtbar auch. Nicht aus Statusgründen, eher aus Überzeugung. Wer eine Luminor trägt, mag Dinge mit Charakter. Große Autos, kräftiger Espresso, gutes Essen, lange Abende und Diskussionen, die selten pünktlich enden. Italien spielt dabei erstaunlich oft eine Rolle. Selbst wenn man nicht dort lebt, existiert zumindest eine gewisse Sehnsucht nach der Idee Italiens: Gelassenheit, Lebensart, Sonne, Pasta ohne schlechtes Gewissen. Dolce Vita, auch an einem verregneten Tag zuhause. Auffällig ist außerdem die Markentreue. Paneristi bleiben selten bei einer Uhr. Irgendwann kommen weitere Referenzen dazu. Unterschiedliche Zifferblätter, Gehäusematerialien, vielleicht historische Modelle. Wer einmal beginnt, scheint Gefallen an dieser sehr eigenen Welt zu finden. Mainstream wird dabei eher skeptisch betrachtet. Rolex? Schön. Aber etwas erwartbar. Interessanterweise erleben viele Luminor-Modelle trotz ihrer Geschichte als militärisch inspirierte Taucheruhren erstaunlich wenig Wasser. Die hohe Wasserdichtheit wird geschätzt, genutzt allerdings seltener, alleine schon aus Rücksicht auf das Lederband. Technische Details stehen häufig hinter einem anderen Faktor zurück: Wirkung. Nicht oberflächlich gemeint, eher emotional. Die Uhr soll etwas auslösen. Robust wirken. Präsenz haben. Mechanisch sein. Mehr braucht es oft nicht. Besonders charmant wird es beim Thema Härte. Panerai-Träger besitzen gelegentlich eine leichte Sympathie für Abenteuer, Marineeinheiten oder Geschichten zu historischen Kampfschwimmern. Die Vorstellung, eine Uhr mit militärischer Vergangenheit zu tragen, gehört ein wenig zur Faszination. Manche spielen gedanklich mit dem Bild des kompromisslosen Einsatzes. Bis irgendwann das Thema der berühmten Erlebnisreisen aufkommt, bei denen bestimmte Käufer die Welt der Spezialkräfte näher kennenlernen können. Dort endet die romantische Vorstellung vom Navy-Seal-Lifestyle abrupt – meist zugunsten der Erkenntnis, dass robuste Uhren deutlich angenehmer sind als robuste Trainingsprogramme.

Ob sie nun eines oder mehrere dieser Klischees erfüllen oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Uhren müssen für ihre Träger nur eines leisten: gefallen. Denn die Freude an Zeitmessern ist am Ende das Einzige, was wirklich zählt.

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