Nach 52 Jahren Quarz: Casio bringt die erste Automatik der Hauptlinie
Casio wird mechanisch: Die CMK-100 ist die erste Automatikuhr der Kernmarke
Mit der CMK-100 bringt Casio die Mechanik erstmals in seine Hauptkollektion. Der Einstieg ist vorsichtig, aber durchdacht. Als Casio 1974 die Casiotron vorstellte, eine der ersten digitalen Armbanduhren mit automatischem Kalender, legte das Unternehmen fest, wofür es in den folgenden fünf Jahrzehnten stehen würde: Quarz, LCD, Funktion. Mechanische Uhren spielten in dieser Rechnung keine Rolle. Das änderte sich erst im letzten Jahr mit der Edifice EFK-100, die als erste Casio-Uhr ein Automatikwerk erhielt – allerdings unter dem Dach der sportlichen Untermarke.
Nun hat Casio nochmals nachgelegt: Die CMK-100 ist die erste mechanische Uhr, die unter dem Namen der Kernmarke selbst erscheint, also weder als Edifice noch als G-Shock. Casio begründet den Schritt mit der wachsenden Nachfrage nach mechanischen Uhren. Gemeint ist vor allem das Segment unter 500 Euro, in dem Seiko, Citizen und Orient seit Jahren mit hauseigenen Kalibern präsent sind und in dem Mikromarken mit Zukaufwerken um Kenner werben. Dass Casio hier nicht mit Stahl, sondern mit einem Volltitangehäuse antritt, ist die neue Ergänzung.
Casio CMK-100 Serie
CasioTitan als Argument
Gehäuse, Lünette und Band der CMK-100 bestehen aus Titan, die Oberfläche ist mit einer Titancarbid-Beschichtung gehärtet. Wie hoch der Härtegewinn ausfällt, gibt Casio nicht an. Das Ergebnis lässt sich dagegen beziffern: 98 Gramm wiegt die Uhr am Titangliederband, mit Textil- oder Lederband sind es nur 55 Gramm.
Mit 38 Millimetern Durchmesser und 44,7 Millimetern von Bandanstoß zu Bandanstoß fällt das Gehäuse kompakt aus. Die Bauhöhe beträgt 11,4 Millimeter. Die Form ist ein abgerundetes Kissengehäuse mit flacher, matt bearbeiteter Lünette und kurzen Hörnern, die nahtlos ins Band übergehen. Die Form liefert dem neuen Modell den nächsten Spitznamen aus dem Universum ikonischer Modelle: Als Explorer Casio schließt sie die Lücke zur CasiOak. Die Uhr ist erkennbar als Toolwatch gestaltet. Krone und Gehäuseboden sind verschraubt, das Deckglas ist aus Saphir, die Wasserdichtigkeit liegt bei 10 bar. Hinzu kommt der Hinweis auf eine magnetfeldresistente Bauweise – nach welcher Norm und bis zu welcher Feldstärke, bleibt offen. Das Titanband schließt mit einer dreifach gefalteten Faltschließe mit Drückern.
Casio CMK-100 am Handgelenk
CasioField-Watch statt Casio-Codes
Optisch verlässt Casio seine bekannte Formensprache. Das schwarze Zifferblatt mit feiner, matter Struktur folgt dem Muster der Field-Watch: arabische Ziffern bei 12, 6 und 9, Strichindizes für die übrigen Stunden, ein Datumsfenster bei drei Uhr. Die Indizes sind erhaben aufgesetzt und mit mehrschichtiger Leuchtmasse belegt, welche grün leuchtet. Die matte Oberfläche soll Reflexionen reduzieren. Der Schriftzug „Automatic“ unter der Zeigerachse ist der einzige Hinweis auf das neue Innenleben. Die Variante am Lederband erhält Indizes und Zeiger in einem gealterten Beigeton, ein Zugeständnis an die Vintage-Ästhetik, die Casio auch mit seiner Timeless Collection bedient. Die Typografie der Ziffern erinnert an Militäruhren.
Das Werk: japanisch, aber nicht von Casio
Casio spricht von einem „in Japan gefertigten Automatikwerk“, nennt aber weder Hersteller noch Kaliberbezeichnung. Ein Manufakturwerk ist es nicht; Casio fertigt keine mechanischen Uhrwerke. Die technischen Daten lassen dennoch Rückschlüsse zu: 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hertz), 21 Steine, rund 42 Stunden Gangreserve, Datum, Sekundenstopp, Handaufzug und eine Werkstoleranz von –20 bis +40 Sekunden pro Tag. Diese Kombination entspricht exakt dem Datenblatt der 82er-Familie von Miyota beziehungsweise dem Citizen-Kaliber 8210, das etwa in der Tsuyosa arbeitet. Der Sekundenstopp spricht eher für eine neuere Ausführung als für das klassische Miyota 8215, das keinen Stopp besitzt. Das Werk arbeitet auch in der letzten Variante der mechanische Edifice-Automatikuhr, für die Edifice EFK-100 griff Casio noch mit auf eine Basis von Seiko (NH35) zurück. Casio arbeitet also mit beiden großen japanischen Werkelieferanten. Die Toleranz von –20 bis +40 Sekunden ist die Schwachstelle des Pakets. Sie ist branchenüblich für Großserienwerke dieser Klasse, liegt aber weit entfernt von dem, was Orient Star (–5 bis +15 Sekunden) oder gar COSC-zertifizierte Werke bieten. Ob die CMK-100 diesen Spielraum in der Praxis ausreizt, lässt sich erst auf der Zeitwaage klären. Erfahrungen mit der Citizen Tsuyosa zeigen, dass die Serienstreuung deutlich enger ausfallen kann als die Herstellerangabe. Einen Glasboden gibt es nicht: Der verschraubte Boden ist geschlossen, was angesichts eines unverzierten Industriewerks konsequent ist.
Casio CMK-100 Serie
CasioVarianten und Preise
Für den deutschen Markt nennt Casio drei Referenzen mit schwarzem Zifferblatt. Sie sind ab dem 12. November 2026 im ausgewählten Fachhandel erhältlich. International sind weitere Zifferblattfarben angekündigt. Die Referenzen CMK-100TC-1AER mit Textilarmband kostet 299 Euro, die Version CMK-100TL-1AER am Lederband liegt bei 319 Euro und die Variante CMK-100TD-1AER am Titangliederband ist für 399 Euro erhältlich.
Im Segment um 300 Euro trifft die CMK-100 auf Uhren wie die Citizen Tsuyosa Shore, die mit vergleichbarem Werk, Saphirglas und 100 Metern Wasserdichtigkeit antritt, dafür aber ein Stahlgehäuse trägt. Casio setzt sich über das Material ab: Titan, verschraubte Krone und eine gehärtete Oberfläche sind in dieser Preisklasse selten in einem Paket zu finden. Dass die Version am Titanband nur 80 Euro mehr kostet als die Lederversion, unterstreicht den Anspruch. Was fehlt, ist ein eigenes Werk, ein Sichtboden und eine engere Regulierung. Für Sammler, die Casio für technische Eigenständigkeit schätzen, ist es ein erster Schritt. Die CMK-100 ist kein Experiment, sondern ein kalkulierter Markteintritt. Casio kombiniert ein bewährtes japanisches Automatikwerk mit einem Gehäusekonzept, das in der Preisklasse kaum Konkurrenz hat. Die Gestaltung bleibt im Field-Watch-Kanon und damit ohne Risiko. Spannend wird, ob Casio die Plattform nutzt, um eine eigene mechanische Formensprache zu entwickeln – oder ob die Automatik eine Nebenlinie bleibt.