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Lesedauer 5 Min.

Zwischen Cushion-Case und Kompromiss – was die Casio Edifice EFK-200 ändert

Die dritte Generation der Casio-Mechanik: die Edifice EFK-200 im Hands-on.
Casio Edifice EFK-200XPB-1A

Casio Edifice EFK-200XPB-1A

© WatchTime

Fünf Referenzen, ein Kaliber, drei Preisstufen: Mit der Edifice EFK-200 schickt Casio seine mechanische Uhrenlinie in die dritte Runde. Die Eckdaten: Modulnummer 5766, Miyota 8215 als vermuteter Kaliber-Kern, das Gehäuse zwischen 38,0 und 38,8 Millimetern, die Preise von 299 bis 449 Euro. Was zunächst nach einer erweiterten Modellpflege aussieht, ist bei näherem Hinsehen eine Uhr, die zwei widersprüchliche Eindrücke gleichzeitig erzeugt – ein kantigerer Umriss und eine weichere Haptik. Beides stimmt, nur nicht an derselben Stelle.

Casio Edifice EFK-200, drei Edelstahluhren

Casio Edifice EFK-200, drei Edelstahluhren

© WatchTime

Von der NH35A zur Miyota-Fortsetzung 

Um die EFK-200 einzuordnen, muss man die beiden Vorgänger kennen. Die EFK-100 war 2025 Casios erster Ausflug in mechanische Werke unter dem Edifice-Banner – ein Novum für eine Marke, die Jahrzehnte lang mit Quarz und Digitaltechnik identifiziert wurde. Verbaut war dort das Kaliber 5755, basierend auf dem TMI NH35A, mit rund 40 Stunden Gangreserve, bei Gehäusegrößen von 39 mm (Stahl) und 40 mm (Carbon) und einer für das Segment eher üppigen Bauhöhe von 12,5 mm. 

Die Nachfolgerin EFK-110 reagierte im März 2026 gezielt auf diese Kritikpunkte: kleineres Gehäuse (38 mm), geringere Höhe (11,8 mm), und mit dem Miyota 8215 ein neues Kaliber mit 42 Stunden Gangreserve und Stoppfunktion des Sekundenzeigers. Der Rotor wechselte dabei von bidirektional auf unidirektional – ein Kompromiss zugunsten günstigerer Fertigung.

Casio Edifice EFK-200XPB-1A, Gehäuseboden Einblick auf das Miyota Kaliber

Casio Edifice EFK-200XPB-1A, Gehäuseboden Einblick auf das Miyota Kaliber

© WatchTime

Die Edifice EFK-200 setzt diese Linie fort, ohne sie neu zu erfinden. Laut Herstellerangaben bleibt die Gangreserve bei rund 42 Stunden, was auf eine Fortführung des Miyota-Kalibers hindeutet. Dafür spricht auch die interne Modulnummer 5766, die erneut am Gehäuseboden eingraviert ist. Die Datenblätter sprechen von einer Ganggenauigkeit von −35 bis +45 Sekunden pro Tag. Das ist ein spürbar weiteres Toleranzfenster als die −20 bis +40 Sekunden, die für das Miyota 8215 in der EFK-110 dokumentiert wurden. Ob Casio hier schlicht konservativer spezifiziert oder eine leicht abweichende Werksvariante verbaut, lässt sich nicht ganz erschließen. Die Frequenz beträgt 21.600 Halbschwingungen pro Stunde.

Casio Edifice Automatikuhr EFK-200D-4A, Edelstahluhr

Casio Edifice Automatikuhr EFK-200D-4A

© WatchTime
Casio Edifice Automatikuhr EFK-200D-4A, Kalibereinsicht Modul 5766 Miyota 8215

Casio Edifice Automatikuhr EFK-200D-4A, Kalibereinsicht Modul 5766 Miyota 8215

© WatchTime

Fünf Referenzen, drei Preisstufen 

Die Serie fächert sich stärker auf als ihre Vorgänger. Die Einstiegsreferenzen EFK-200D-2AER (Blau) und EFK-200D-4AER (Rot) kommen in massivem Edelstahl mit strukturiertem Zifferblatt, Listenpreis 299 Euro – zehn Prozent über dem Einstiegspreis der EFK-110. Auf gleichem Preisniveau steht die EFK-200CD-1AER, die sich einzig durch das Karbon-Zifferblatt von den anderen Edelstahl-Referenzen unterscheidet: geschmiedetes Karbon mit unregelmäßigem, marmoriertem Musterbild.

Casio Edifice EFK-200D-2A am Handgelenk

Casio Edifice EFK-200D-2A am Handgelenk

© WatchTime

Neu in der Reihe ist die EFK-200DG-5AER mit IP-beschichtetem Gehäuse und Armband in Gold-Optik, 369 Euro – eine Preisstufe, die es bei EFK-100 und EFK-110 in dieser Form nicht gab. An der Spitze steht die EFK-200XPB-1AER mit Karbongehäuse, IP-beschichteter Lünette, Karbon-Zifferblatt und Kautschukarmband statt Metallband, 449 Euro. Das ist exakt der Preis, den schon die Carbon-Referenz der EFK-100 trug – anders als beim Stahleinstieg blieb die Karbonversion preislich stabil.

Casio Edifice EFK-200DG-5A in Gold-Optik, Uhr liegend

Casio Edifice EFK-200DG-5A in Gold-Optik

© WatchTime

Die Gehäusemaße unterscheiden sich zwischen den Materialgruppen leicht: Die Stahlmodelle messen 43,6 × 38,0 × 11,9 mm bei 153 Gramm, die Carbonreferenz kommt auf 43,8 × 38,8 × 11,9 mm bei 81 Gramm.

Casio Edifice EFK-200DG-5A in Gold-Optik, Profilansicht Uhr

Casio Edifice EFK-200DG-5A in Gold-Optik

© WatchTime

Design: kantigerer Umriss, weichere Kanten 

Im direkten Vergleich zur EFK-110 wirkt die Lünette der EFK-200 breiter und kantiger, mit einer Silhouette, die sich in Richtung Kissenform (Cushion-Case) bewegt und damit etwas aufgeblasen wirkt. Das Zifferblatt wurde parallel entschlackt: Die kleinen Teilstriche zwischen den Sekundenindizes auf dem Rehaut sind entfernt, ebenso der gerillte äußere Zifferblattring der Vorgängerin. Die Zeiger sind nicht mehr skelettiert, die Indizes fallen kantiger aus. Das Datumsfenster bleibt, wie schon bei der EFK-110, bei 3 Uhr positioniert.

Casio Edifice EFK-200XPB-1A in Carbon-Optik am Handgelenk

Casio Edifice EFK-200XPB-1A in Carbon-Optik am Handgelenk

© WatchTime

Am Handgelenk relativiert sich der optisch kantigere Eindruck der Lünette: Die Kantenverarbeitung selbst – Übergänge zwischen satinierten und polierten Flächen, Abschliff an den Bandanstößen – wirkt runder und weniger scharf als bei der EFK-100. Beide Beobachtungen widersprechen sich nicht, sie betreffen unterschiedliche Ebenen: Silhouette versus Oberflächenbearbeitung. Wer die EFK-100 kennt, wird die Formsprache der EFK-200 dennoch als Bruch empfinden – der ursprüngliche, zurückhaltendere Auftritt der ersten Generation ist einer sportlicheren, präsenteren Optik gewichen. Das ist eine gestalterische Entscheidung, die sich nicht jedem Betrachter gleich gut erschließt.

Casio Edifice EFK-200CD-1A

Casio Edifice EFK-200CD-1A

© Casio

Herstellungsqualität und Tragekomfort 

Die Faltschließe rastet ohne Spiel ordentlich ein und lässt sich einfach öffnen. Die Kanten an Gehäuse und Armbandgliedern sind für das Preissegment sauber verarbeitet, ohne scharfe Übergänge am Handgelenk. Ein verschraubter Gehäuseboden mit Sichtfenster ist bei allen fünf Referenzen Standard, ebenso Saphirglas und eine Wasserdichtigkeit von 10 bar. Bei der Carbonreferenz sorgt das Kautschukarmband in Kombination mit dem geringeren Gewicht von 81 Gramm für ein deutlich anderes Trageerlebnis als bei den 153 Gramm schweren Stahlmodellen – hier entscheidet die Materialwahl stärker über die Alltagstauglichkeit als das Design selbst. Das Armband verjüngt sich dazu stärker als die Stahlbänder.

 

Casio Edifice EFK-200DG-5A

Erstmalig in Gold-Optik: Die Casio Edifice EFK-200DG-5A

© Casio

Mit der EFK-200 verschiebt Casio die mechanische Edifice-Linie preislich leicht nach oben – der Einstieg liegt nun bei 299 statt 279 Euro. Das bewegt die Serie näher an das Preisgefüge von Seiko Presage und Orient Classic, wo bei rund 300 bis 450 Euro ebenfalls Stahl- und Sondermaterialversionen nebeneinander stehen. Technisch bietet die EFK-200 keinen Fortschritt gegenüber der EFK-110 – die Kerndaten zu Werk und Gangreserve bleiben, soweit dokumentiert, unverändert. Der Unterschied liegt im Gehäusedesign und in der Erweiterung der Linie. Für Käufer, die bereits eine EFK-110 besitzen, ist die EFK-200 kein zwingendes Upgrade. Für Einsteiger, die zwischen den drei Generationen wählen, adressiert die EFK-200 mit der neuen Formsprache und der Gold-IP-Variante eine breitere Zielgruppe.

Casio Edifice EFK-200XPB-1A, Carbonuhr

Casio Edifice EFK-200XPB-1A

© Casio

Technische Daten

 

ReferenzGehäuseZifferblattArmbandMaße (L × B × H)GewichtPreis
EFK-200CD-1AEREdelstahlKarbon, marmoriertEdelstahl43,6 × 38,0 × 11,9 mm153 g299 €
EFK-200D-2AEREdelstahlBlauEdelstahl43,6 × 38,0 × 11,9 mm153 g299 €
EFK-200D-4AEREdelstahlRotEdelstahl43,6 × 38,0 × 11,9 mm153 g299 €
EFK-200DG-5AEREdelstahl, IP-beschichtetBraun/GradientEdelstahl, IP-beschichtet43,6 × 38,0 × 11,9 mm153 g369 €
EFK-200XPB-1AERKarbon, Lünette IP-beschichtetKarbon, marmoriertKautschuk43,8 × 38,8 × 11,9 mm81 g449 €

 

Casio Casio Edifice Uhren bis 1.000 Euro Edelstahl Uhren

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