Rolex: So viel kostet ein Komplettservice
Von 640 bis 8.490 Euro
Wer eine mechanische Uhr über viele Jahre trägt, kommt irgendwann um das Thema Wartung nicht herum. Bei Rolex war die Antwort auf die Frage nach den Kosten lange vergleichsweise unbefriedigend: Entscheidend seien Modell, Alter und Zustand, vor Beginn der Arbeiten werde ein Kostenvoranschlag erstellt. Das gilt weiterhin – inzwischen nennt Rolex auf seiner deutschen Website aber konkrete Grundpreise für den Komplettservice.
Und die fallen sehr unterschiedlich aus. Bei einer modernen Datejust oder Oyster Perpetual beginnt die Wartung derzeit bei 640 Euro, eine aktuelle Submariner oder GMT-Master II kostet 740 Euro, eine Daytona 900 Euro. Bei älteren Referenzen steigen die Preise deutlich und kann bei bestimmten historischen Modellen sogar die 8.000-Euro-Grenze überschreiten (s. u.).
Rolex
Was versteht Rolex unter einem Komplettservice?
Bei einem Komplettservice wird das Werk vollständig aus dem Gehäuse genommen und anschließend komplett zerlegt. Alle Einzelteile werden geprüft und im Ultraschallbad gereinigt. Komponenten, die nicht mehr den Rolex-Vorgaben entsprechen, werden ersetzt. Danach wird das Werk wieder zusammengesetzt, geschmiert und reguliert. Anschließend widmet sich der Uhrmacher oder die Uhrmacherin dem Gehäuse. Dichtungen werden erneuert, das Gehäuse wieder zusammengesetzt und auf Wasserdichtheit geprüft. Nach dem Einschalen folgt eine erneute Regulierung der Ganggenauigkeit. Rolex führt außerdem einen mindestens 24 Stunden dauernden Funktionstest durch und prüft die komplette Uhr abschließend unter anderem auf Gang, Funktion und Wasserdichtheit.
Nach dem Komplettservice gilt eine internationale Servicegarantie von zwei Jahren auf Teile und Arbeitsleistung. Rolex nennt für eine vollständige Wartung eine Mindestdauer von etwa vier bis sechs Wochen, abhängig vom Zustand der Uhr.
Eine wichtige Frage, die sich viele Uhrenbesitzerinnen und -besitzer stellen: Wie oft sollte ich meine Uhr zum Service bringen? Heute gibt es kaum noch Hersteller, die Serviceintervalle von weniger als 5 Jahren empfehlen – was angesichts der Preise auch sehr ambitioniert wäre. Rolex empfiehlt einen Komplettservice bei heutigen Uhren ungefähr alle 10 Jahre. Das mag man als Hinweis darauf verstehen, wie viel Vertrauen Rolex seinen Uhren entgegenbringt. Allerdings sollte man die Jahresangabe nicht als starre Vorgabe verstehen: Je nach Modell, Nutzung und Einsatzbedingungen könnte auch eine frühere Wartung erforderlich sein. Was aber kostet nun so ein Service?
Der 2. Schritt besteht im Entfernen der Kronenwelle. Jetzt kann das Werk aus dem Gehäuse genommen werden.
RolexDas kostet der Rolex-Komplettservice 2026
Rolex unterscheidet bei seiner aktuellen Preisstruktur deutlich zwischen modernen, klassischen und Vintage-Modellen.
Moderne Modelle: Für Datejust, Day-Date, Oyster Perpetual, Explorer und Air-King beginnt der Komplettservice bei 640 Euro.
Moderne Professional-Modelle: Bei Submariner, GMT-Master II, Explorer II, Sea-Dweller und Yacht-Master werden 740 Euro fällig.
Moderne komplizierte Modelle: Für Daytona, Sky-Dweller, Yacht-Master II und Deepsea Challenge nennt Rolex einen Preis von 900 Euro.
Klassische Modelle: Bei älteren Modellen von Datejust, Day-Date, Explorer und vergleichbaren Uhren, die noch 5-stellige Referenznummern haben, steigt der Komplettservice auf 960 Euro.
Klassische Professional-Modelle: Für Submariner, GMT-Master, Explorer II und vergleichbare Sportmodelle mit 5-stelligen Referenznummern berechnet Rolex 1.170 Euro.
Klassische Daytona: Für 5-stellige Daytona-Referenzen liegt der Preis bei 1.380 Euro.
Vintage-Modelle: Bei vielen 4-stelligen Referenzen von Datejust, Submariner, GMT-Master und anderen Baureihen beginnt der Komplettservice bei 1.590 Euro.
Ausgewählte Vintage-Referenzen: Für Modelle wie die Datejust 6305, Oyster Perpetual 6098 oder Oysterquartz 5100 nennt Rolex einen geschätzten Servicepreis von 3.710 Euro.
Besonders seltene Vintage-Modelle: Bei frühen Submariner-Referenzen, der GMT-Master 6542 oder frühen Cosmograph-Modellen steigt der geschätzte Preis auf 5.310 Euro.
Historische Chronographen und Moonphase-Modelle: Für besonders aufwendige und seltene Referenzen wie 6062, 8171 sowie frühe Chronographen nennt Rolex einen geschätzten Komplettservicepreis von 8.490 Euro.
Bestimmte dieser Vintage-Modelle werden ausschließlich in der Rolex Restaurierungswerkstatt in Genf bearbeitet.
Die Staffelung zeigt: Nicht allein die Komplikation entscheidet über den Preis. Das Alter beziehungsweise die Generation der Referenz spielt inzwischen eine zentrale Rolle. Rolex selbst erläutert nicht im Detail, wie sich diese Unterschiede kalkulatorisch zusammensetzen. Man kann aber davon ausgehen, dass bei älteren Kalibern und Referenzen die Verfügbarkeit von Komponenten, der höhere Prüf- und Arbeitsaufwand sowie die notwendige Spezialisierung eine größere Rolle spielen.
Nach dem Abnehmen des Zifferblatts (Bild) kann das Uhrwerk in seine Einzelteile zerlegt werden.
RolexWas ist im Preis enthalten – und was kostet zusätzlich?
Bei modernen und klassischen Uhren umfasst der genannte Preis die Wartung des Uhrwerks und die Prüfung der Wasserdichtheit. Ebenfalls eingeschlossen sind bestimmte typische Service- und Verschleißteile wie Schrauben, Federn, Räder, Schmiermittel, Acrylgläser, Dichtungen und Tuben beziehungsweise Röhrchen. Nicht automatisch enthalten sind dagegen zusätzliche Reparaturen an Gehäuse und Armband sowie Ersatzteile außerhalb des genannten Serviceumfangs.
Ein wichtiger Punkt ist das Polieren und Satinieren von Gehäuse und Metallarmband. Die optische Aufarbeitung ist inzwischen ausdrücklich optional und kostet bei modernen und klassischen Modellen 160 Euro zusätzlich. Bei Vintage-Uhren werden dafür 320 Euro berechnet. Das dürfte gerade für Sammler interessant sein. Wer die Gebrauchsspuren einer älteren Rolex erhalten möchte oder ein bereits mehrfach aufgearbeitetes Gehäuse nicht erneut polieren lassen will, kann darauf verzichten. Die Anpassung der Armbandlänge führt Rolex dagegen kostenlos durch; eventuell benötigte zusätzliche Teile werden berechnet.
Die Werkkomponenten werden auf das Ultraschallbad vorbereitet.
RolexWas kostete ein Rolex-Service früher?
2023 begann der Preis für die Revision einer Datejust bei 750 Euro. Enthalten war darin aber neben der Revision des Uhrwerkes mit Austausch von Verschleißteilen und dem Ersetzen von Dichtungen sowie ggf. von Federstegen und des Kronentubus (mit einem entsprechenden Aufpreis bei Edelmetallteilen) auch das Aufarbeiten von Gehäuse und Metallarmband. Dem steht ein heutiger Komplettpreis von 800 Euro gegenüber. Auch damals waren die Preise gestaffelt: So schlugen etwa bei einer GMT-Master II 800 Euro und bei einer Daytona 950 Euro zu Buche – jeweils inklusive dem Aufarbeiten von Gehäuse und Metallarmband, was heute also 900 bzw. 1.060 Euro kostet. Daraus ergibt sich in drei Jahren ein moderater Preisanstieg, den man aber vermeiden kann, wenn man auf die Aufarbeitung von Gehäuse und Band verzichtet.
Rolex
Rolex oder Omega: Wie teuer ist der Service im Vergleich?
Ein interessanter Vergleich ergibt sich mit Omega. Die Bieler Marke kalkuliert anders: Dort richtet sich der Servicepreis vor allem danach, ob eine Uhr mechanisch oder mit Quarzwerk arbeitet, ob sie einen Chronographen besitzt und ob Edelmetall verwendet wird. Die im September 2026 veröffentlichten europäischen Omega-Tarife liegen bei 800 Euro für einen mechanischen Nicht-Chronographen aus Nicht-Edelmetall und bei 1.000 Euro für einen mechanischen Chronographen aus Nicht-Edelmetall. Bei Edelmetall steigen die Preise auf 900 beziehungsweise 1.200 Euro. Die Reinigung und das Polieren von Gehäuse und Armband sind bei Omega inbegriffen. Auch hier sehen wir gegenüber 2023 einen leichten Preisanstieg: Der Service für Nicht-Chronographen betrug 2023 noch 750 Euro (850 für Edelmetall), für Chronographen 950 Euro (Edelmetall 1.150 Euro).
Damit liegen Rolex und Omega bei aktuellen Stahluhren erstaunlich eng beieinander, sobald man bei Rolex die optionale Aufarbeitung hinzurechnet: Eine moderne Datejust kommt dann auf 800 Euro, eine moderne Submariner auf 900 Euro und eine Daytona auf 1.060 Euro. Eine vergleichbare mechanische Omega ohne Chronograph liegt bei 800 Euro, der mechanische Chronograph bei 1.000 Euro. Einen deutlicheren Unterschied gibt es beim Wartungsintervall: Omega nennt als allgemeine Orientierung fünf bis acht Jahre, Rolex ungefähr zehn Jahre. Omega empfiehlt außerdem, die Wasserdichtheit jährlich überprüfen zu lassen.
Die Präzision der Uhr wird über mindestens 24 Stunden auf einem Uhrenbeweger getestet.
RolexGibt es auch einen „kleinen Service“?
Eine öffentlich bepreiste Zwischenstufe im Sinne eines standardisierten „kleinen Service“ führt Rolex auf der aktuellen Preisübersicht nicht auf. Der Komplettservice ist die zentrale Wartungsleistung. Daneben sind jedoch einzelne Arbeiten möglich bzw. separat ausgewiesen: Reparaturen an Gehäuse oder Armband, die optionale Aufarbeitung der Oberflächen und die Anpassung der Armbandlänge. Welche Reparatur tatsächlich notwendig ist, entscheidet sich nach der Diagnose.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Wartung und Reparatur: Geht eine Uhr lediglich deutlich vor oder nach, ist nicht automatisch eine komplette Revision vonnöten. Gleiches gilt beispielsweise für einen beschädigten Bestandteil des Armbands. Ob eine Teilmaßnahme genügt, lässt sich aber erst nach Begutachtung beurteilen. Rolex veröffentlicht dafür keine allgemeingültige Preisliste.
Ein eigenes Thema ist die Restaurierung. In seiner Restaurierungswerkstatt in Genf kann Rolex Uhrwerke, Gehäuse und Bänder umfassend restaurieren. Dafür gibt es keinen Pauschalpreis; nach der Analyse wird ein individueller Kostenvoranschlag erstellt. Entscheidet sich der Besitzer danach gegen die Restaurierung, verlangt Rolex allerdings eine Analysegebühr von 2.120 Euro.
Auch bei den besonders aufwendigen Vintage-Komplettservices können Kosten entstehen, wenn der Auftrag nach der Untersuchung nicht erteilt wird: Hier beträgt die Analysegebühr 270 Euro.
Rolex testet die Wasserdichtheit in selbstentwickelten Druckkammern.
RolexSo läuft ein Rolex-Komplettservice ab
Am Anfang des Prozesses steht die Abgabe der Uhr bei einem offiziellen Rolex-Fachhändler oder -Servicezentrum. Dort werden zunächst die Wünsche des Besitzers aufgenommen. Danach begutachtet ein(e) entsprechend ausgebildete(r) Uhrmacher(in) die Uhr und erstellt einen Kostenvoranschlag. Erst nach dessen Freigabe beginnen die eigentlichen Arbeiten.
Armband, Gehäuse und Werk werden voneinander getrennt. Das Uhrwerk wird vollständig zerlegt, jedes Teil kontrolliert und gereinigt. Nicht mehr spezifikationsgerechte Komponenten werden ersetzt. Nach der Montage folgen Schmierung und eine erste Regulierung.
Das Gehäuse wird ebenfalls zerlegt und gereinigt. Falls der Kunde die optionale Aufarbeitung beauftragt hat, werden die Oberflächen entsprechend ihrem ursprünglichen Finish poliert beziehungsweise satiniert. Danach setzt der Uhrmacher das Gehäuse mit neuen Dichtungen zusammen und prüft seine Wasserdichtheit.
Nach dem Einschalen wird die Ganggenauigkeit erneut überprüft und feinreguliert. Es folgt der mindestens 24-stündige Langzeittest. Anschließend wird die komplette Uhr einer Druckprüfung unterzogen, das Armband wieder montiert und die Uhr abschließend kontrolliert.
Nach dem Zuschrauben des Bodens und der finalen Funktionskontrolle wird das Band wieder angebracht. Danach erfolgt eine optische Abschlusskontrolle.
RolexLohnt sich der offizielle Rolex-Service?
Für moderne Modelle ist die Entscheidung vergleichsweise unkompliziert. Der aktuelle Grundpreis von 640 bis 900 Euro liegt im Bereich dessen, was auch andere große Schweizer Luxusuhrenhersteller wie Omega (s. o.) für eine komplette Revision verlangen. Dazu kommen der Zugriff auf Originalteile, die Prüfung nach Rolex-Vorgaben und die 2-jährige internationale Servicegarantie.
Bei Vintage-Uhren wird die Entscheidung komplexer. Neben den erheblich höheren Kosten spielt hier die Originalität eine größere Rolle. Der Austausch historischer Zifferblätter, Zeiger oder anderer Teile kann den Sammlerwert einer Uhr beeinflussen. Entsprechend wichtig ist es, vor der Freigabe des Kostenvoranschlags genau zu klären, welche Arbeiten und Teile vorgesehen sind. Gerade bei einer seltenen alten Submariner, GMT-Master oder Daytona sollte der Besitzer deshalb nicht allein fragen, was technisch möglich ist, sondern auch, was an der konkreten Uhr erhalten bleiben soll.
Die neuen Preisangaben von Rolex schaffen dabei zumindest eine deutlich bessere Orientierung als früher. Für Besitzer einer aktuellen Datejust, Submariner oder Daytona lässt sich die Größenordnung inzwischen ziemlich genau abschätzen. Bei einer Vintage-Rolex beginnt die eigentliche Frage dagegen häufig erst mit dem Kostenvoranschlag.
Nach dem Service erhält man seine Uhr mit einer neuen Zwei-Jahres-Garantie zurück.
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