Neue Hermès Cape-Cod-Generation: Härter im Material, sportlicher im Auftritt
Mit der Cape Cod bringt Hermès eine seiner ältesten Uhrenlinien in eine neue Materialwelt: Ab sofort gibt es das 1991 von Henri d'Origny entworfene Modell auch in einer Titanversion mit dem hauseigenen Manufakturkaliber H1912. Die Neuheit markiert damit gleich zwei Kurswechsel zugleich – einen im Design und einen im Antrieb.
Vom Reitersattel zum Ankerglied
Anders als viele andere Hermès-Uhren nimmt die Cape Cod keinen Bezug auf die equestrische Welt, mit der das Haus traditionell verbunden ist. Ihre Formensprache – ein Quadrat im Rechteck – geht auf ein Glied der Ankerkette zurück, der „Chaîne d'Ancre", die auch als Schmuckmotiv bei Hermès Verwendung findet. Bekannt wurde die Cape Cod zusätzlich durch ihr doppelt gewickeltes Lederarmband, das Martin Margiela 1998 während seiner Zeit als Hermès-Designer entwarf und das bis heute als Erkennungsmerkmal der Linie gilt. Die neue Titanversion bricht mit genau diesem Element: Anstelle des Wickelarmbands treten Kautschukbänder in Schwarz, Blau, Orange oder Gelb, die sich per Schnellwechselsystem tauschen lassen. Das nimmt der Cape Cod einen Teil ihrer traditionellen Identität, verschafft ihr aber zugleich mehr Wandelbarkeit – ein Kompromiss, der zur sportlicheren Ausrichtung dieser Ausführung passt.
Das Zifferblatt der Hermès Cape Cod hat eine fein gekörnte Oberfläche.
Hermès41 Millimeter Titan, zweifach veredelt
Das Gehäuse misst 41 Millimeter und ist in zwei unterschiedlichen Oberflächen verarbeitet: satiniert auf der Oberseite, kugelgestrahlt an den Flanken. Diese Kombination verschiebt den Charakter der Cape Cod merklich weg vom gewohnten Hochglanz früherer Ausführungen hin zu einer technischeren Anmutung. Das schwarze Zifferblatt verstärkt diesen Eindruck: Die Mitte ist sandgestrahlt und schluckt das Licht, während der satinierte, gebürstete Außenring für Kontrast sorgt und dem Blatt räumliche Tiefe verleiht. Einziger Farbakzent ist der orangefarbene Sekundenzeiger, der vor dem monochromen Hintergrund bewusst hervorsticht. Die applizierten arabischen Ziffern und die Stabzeiger sind rhodiniert und mit Superluminova versehen, was die Ablesbarkeit bei Tag wie bei Nacht sicherstellt. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 10 bar.
Hermès Cape Cod mit Titangehäuse
HermèsH1912: zweite Generation mit freischwingender Unruh
Technisch interessant ist das, was darunter arbeitet. Das Kaliber H1912 ist ein mechanisches Automatikwerk mit 23,9 Millimeter Durchmesser und 3,9 Millimeter Bauhöhe, das mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hertz) läuft und eine Gangreserve von 45 Stunden bietet. Gefertigt wird es von Vaucher Manufacture Fleurier, an der Hermès seit 2006 eine Beteiligung von 25 Prozent hält – eine Investition, die dem Haus zeitlich einen Vorsprung vor anderen sogenannten „Modemarken" verschaffte: Louis Vuitton übernahm La Fabrique du Temps erst 2011, Chanel stieg erst 2019 bei Kenissi ein. Über Vaucher bezieht Hermès damit Werke, die technisch in derselben Liga spielen wie jene, die Audemars Piguet oder Richard Mille beziehen. Beim H1912 handelt es sich um die zweite Werksgeneration innerhalb der Cape-Cod-Linie. Der wesentliche Unterschied: Statt eines Triovis-Regulierorgans kommt nun eine freischwingende Unruh zum Einsatz – ein Detail, das primär die Ganggenauigkeit über die Zeit stabilisiert, da der Wegfall des Rückers Störeinflüsse beim Regulieren reduziert. Sichtbar wird das Kaliber durch einen Titan-Saphir-Boden; die Brücken tragen das für Hermès-Werke typische, wiederkehrende H-Motiv. (Hermès Cape Cod Mini: Zurück zu den Wurzeln – aber mit neuer Größe)
Hermès Cape Cod mit Band in Schwarz
HermèsPositionierung im Wettbewerbsfeld
Mit circa 6.150 Euro positioniert sich die Cape Cod Titanium unterhalb vergleichbarer Modelle wie der Cartier Santos de Cartier LM in Titan oder der Bulgari Octo Finissimo 37 mm. Diese Konkurrenten bieten zwar mit ihren Gliederbändern mehr Vielseitigkeit im Alltag, doch punktet die Cape Cod mit einem Manufakturwerk, das preislich und technisch mithalten kann. Die Cape Cod Titanium ist eine Neuinterpretation eines über drei Jahrzehnte gewachsenen Designs – näher am „Offshore"-Gedanken einer robusteren Zweitversion als an einer Ablösung der bestehenden Linie. Dass Hermès dabei auf das eigene Manufakturkaliber statt auf ein zugekauftes Basiswerk setzt, unterstreicht, wie weit sich das Haus seit dem Einstieg bei Vaucher als ernstzunehmender Uhrenhersteller etabliert hat.