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Zeit neu gedacht: Wenn Zeiger nicht mehr genügen

Diese außergewöhnlichen Luxusuhren brechen mit jahrhundertealten Konventionen und machen das Ablesen der Zeit selbst zum Erlebnis
Urwerk, ausgefallene Uhrenkreation mit ungewöhnlicher Anzeige
© Urwerk

Seit Jahrhunderten folgen mechanische Uhren demselben Prinzip: Stunden-, Minuten- und manchmal Sekundenzeiger drehen ihre Kreise über ein Zifferblatt. Doch einige Manufakturen stellen genau diese Grundidee infrage. Statt klassischer Anzeigen entstehen spektakuläre Konzepte, bei denen Flüssigkeiten fließen, Scheiben rotieren, Satelliten wandern oder scheinbar schwebende Elemente die Zeit sichtbar machen. Als Ergebnis präsentieren sich Referenzen, die nicht nur durch ihre Technik faszinieren, sondern Zeit völlig neu inszenieren. Die folgenden Modelle zeigen, wie kreativ und visionär moderne Haute Horlogerie sein kann.

Urwerk - UR-100V LS Ceramic "LightSpeed", ausgefallene Uhr aus Keramik

Urwerk UR-100V LS Ceramic "LightSpeed" 

© Urwerk 

Urwerk bringt das Licht aufs Handgelenk

Mit der UR-100V LS Ceramic "LightSpeed" erweitert Urwerk seine ikonische Satellitenstunden-Kollektion um eine außergewöhnliche Interpretation des Themas Zeit. Statt lediglich Stunden und Minuten anzuzeigen, macht die umgerechnet rund 72.400 Euro teure Neuheit ein physikalisches Phänomen sichtbar: jene Zeit, die Sonnenlicht benötigt, um die Planeten unseres Sonnensystems zu erreichen. Sobald der Satellitenstundenzeiger seine klassische Minutenbahn verlässt, verwandelt er sich in einen kosmischen Marker. Auf einer dreidimensional gestalteten Skala verfolgt er den Weg eines Photons von der Sonne bis zu den acht Planeten. Zum Merkur sind es lediglich 3,2 Minuten, bis zum Neptun dagegen 4,1 Stunden. Damit verbindet Urwerk wissenschaftliche Präzision mit seiner unverwechselbaren Art, Zeit darzustellen. Auch das Gehäuse setzt auf Innovation. Erstmals verwendet die Genfer Manufaktur einen selbst entwickelten Keramik-Verbundwerkstoff mit Glasfaser- und Carbonanteilen. Dieser soll die Kratzfestigkeit klassischer Keramik mit einer deutlich höheren Schlagfestigkeit kombinieren. Das 43 Millimeter breite Gehäuse wird durch einen DLC-beschichteten Titanboden ergänzt und rahmt das tiefschwarze Zifferblatt. Angetrieben wird die UR-100V LS Ceramic vom automatischen Manufakturkaliber UR 12.02 mit Satellitenstunden, 48 Stunden Gangreserve und dem markentypischen Windfänger-System, das die Aufzugseffizienz reguliert.

MB&F HM11 Art Deco, ausgefallene Uhrenkreation

MB&F HM11 Art Deco

© MB&F 

MB&F interpretiert die HM11 im Art-déco-Stil neu

Während die 2023 vorgestellte HM11 „Architect“ von der organischen Architektur der 1960er- und 1970er-Jahre inspiriert war, greift die neue Variante die geometrische Formensprache des Art déco der 1930er-Jahre auf. Entstanden ist eine Uhr, die Architektur und Haute Horlogerie einmal mehr auf spektakuläre Weise miteinander verschmelzen lässt. Das 42 Millimeter große Gehäuse aus Titan Grade 5 bleibt der außergewöhnlichen Grundkonstruktion treu: Vier funktionale „Räume“ gruppieren sich um ein zentrales fliegendes Tourbillon unter einer doppelt gewölbten Saphirglaskuppel. Aufgezogen wird die Uhr nicht über die Krone, sondern durch das Drehen des gesamten Gehäuses – zehn vollständige Umdrehungen liefern die maximale Gangreserve von vier Tagen. Neu ist vor allem die Gestaltung. Sonnenstrahlmotive, vertikal gegliederte Brücken, gestufte Gehäusedetails und eine von historischen Art-déco-Schriften inspirierte Typografie verleihen der HM11 eine deutlich grafischere und architektonischere Anmutung. Skelettierte Weißgoldzeiger mit transparenter roter Emaille setzen zusätzliche Akzente und erinnern an farbiges Glas historischer Bauwerke. Im Inneren arbeitet weiterhin das hauseigene Kaliber mit fliegendem Tourbillon, Kegelradgetriebe, 96 Stunden Gangreserve und integrierter Temperaturanzeige. Trotz ihrer komplexen Konstruktion bleibt die HM11 dank ihres Titangehäuses überraschend leicht und komfortabel tragbar. Die HM11 Art Deco erscheint in zwei jeweils auf zehn Exemplare limitierten Editionen: mit blauem Zifferblatt und gelbgoldfarbenen Brücken oder mit grünem Zifferblatt und roségoldfarbenen Brücken. 

 

Girard-Perregaux Casquette 2.0

Girard-Perregaux Casquette 2.0

© Girard-Perregaux 

Girard-Perregaux bringt die Casquette 2.0 in Titan und Gold

Mit der Casquette 2.0 Titanium & Gold präsentiert Girard-Perregaux eine neue Variante seiner wohl ungewöhnlichsten Uhr. Das ursprünglich in den 1970er-Jahren vorgestellte Modell genießt unter Sammlern längst Kultstatus und wurde 2022 als Casquette 2.0 neu aufgelegt. Die aktuelle Variante kombiniert erstmals Titan mit Details aus 18-karätigem Gelbgold und richtet sich als Hommage an die treue Fangemeinde der Manufaktur. Die auf 820 Exemplare limitierte Edition war zunächst exklusiv registrierten Besitzern einer Girard-Perregaux-Uhr vorbehalten. Optisch bleibt die Casquette ihrem futuristischen Charakter treu. Das 42,4 mal 33,6 Millimeter große Titangehäuse wird durch ein GP-Logo sowie Drücker aus 18-karätigem Gelbgold akzentuiert. Hinter dem Saphirglas verbirgt sich ein digitales Display, das die Uhrzeit auf Knopfdruck anzeigt und so den Energieverbrauch reduziert. Für präzise Zeitanzeige sorgt das Quarzkaliber GP3980-1474, das neben Stunden, Minuten, Sekunden, Wochentag und Datum zahlreiche Zusatzfunktionen bietet. Dazu zählen ein Chronograph, eine zweite Zeitzone, Monat- und Jahresanzeige sowie ein sogenanntes „geheimes Datum“. Dabei kann der Träger ein persönliches Datum – etwa einen Hochzeitstag – speichern, das zu einer frei wählbaren Uhrzeit automatisch eingeblendet wird.

 

 

De Bethune DB Kind of Two Jumping GMT, ausgefallene Uhr mit wendbarem Gehäuse

De Bethune DB Kind of Two Jumping GMT

© De Bethune 

De Bethune präsentiert mit einer Uhr zwei Welten

Gleich zwei gestalterische Welten und zwei Zeitzonen vereint De Betune mit der DB Kind of Two Jumping GMT. Die beidseitig tragbare Uhr kombiniert ein modernes, offen gestaltetes Zifferblatt mit einer klassisch gestalteten Rückseite und unterstreicht damit einmal mehr den kreativen Ansatz der unabhängigen Manufaktur. Produziert wird sie ausschließlich in der begrenzten Stückzahl, die die Kapazitäten der Werkstatt zulassen. Das 43 Millimeter große Gehäuse aus poliertem Titan Grade 5 verfügt über ein ausgeklügeltes Schwenksystem mit beweglichen Bandanstößen, das ein einfaches Wenden der Uhr am Handgelenk ermöglicht. Je nach gewählter Seite erscheint entweder die moderne Heimatzeitanzeige oder die klassisch gestaltete GMT-Anzeige für eine zweite Zeitzone. Trotz der aufwendigen Konstruktion drehen sich die Zeiger auf beiden Seiten stets im Uhrzeigersinn, ermöglicht durch ein komplexes Räderwerk im Inneren. Die Vorderseite stellt das Uhrwerk in den Mittelpunkt. Rund um die bei sechs Uhr positionierte Unruh gruppieren sich Minutenring, springende Sekunden und GMT-Anzeige. Mehrlagige Titanbrücken, unterschiedliche Finissierungen sowie gebläute Stahlzeiger verleihen der Architektur zusätzliche Tiefe. Die Rückseite präsentiert sich deutlich klassischer: Ein gewölbtes anthrazitfarbenes Guilloché-Zifferblatt mit handpolierten Zeigern aus 5N-Gold sorgt für eine elegante, zurückhaltende Optik. Trotz ihrer technischen Raffinesse bleibt die Bedienung unkompliziert. Über die Krone wird zunächst die Heimatzeit eingestellt, anschließend lässt sich die zweite Zeitzone separat justieren. 

HYT S1 Color Editions, bunte Uhr mit fließender Zeitanzeige

HYT S1 Color Editions

© HYT 

HYT bringt Farbe in den Alltag

Die hydromechanische Sportuhrenlinie von HYT freut sich über Zuwachs und wurde um ausdrucksstarke Farbvarianten erweitert. Während die S1 Beadblasted Titanium Blue dauerhaft ins reguläre Sortiment aufgenommen wird, erscheinen die S1 Titanium Orange und die S1 Titanium DLC Red als zeitlich limitierte „Millésime Editions“. Sie werden ausschließlich von April 2026 bis April 2027 produziert. Allen drei Modellen gemeinsam ist das handaufgezogene Manufakturkaliber 501-CM mit 352 Komponenten, einer Gangreserve von 72 Stunden und der für HYT typischen fluiden Stundenanzeige. Dabei markieren zwei nicht mischbare Flüssigkeiten in einer feinen Glaskapillare retrograd die Stunden – ein patentiertes System, das seit Jahren das Markenzeichen der Manufaktur ist. Das ergonomisch gestaltete Titangehäuse misst 45,3 mal 46,3 Millimeter, ist bis 50 Meter wasserdicht und verfügt über ein Schnellwechselsystem für die Kautschukbänder. Farblich unterscheiden sich die Neuheiten deutlich: Die permanente Blue-Version kombiniert perlgestrahltes Titan mit einer blauen Flüssigkeitsanzeige, während die DLC Red mit schwarzem DLC-beschichtetem Titan, roten Akzenten und roter Flüssigkeit auf maximale Kontraste setzt. Die Titanium Orange verbindet naturfarbenes Titan mit orangefarbenen Details und einer schwarzen Flüssigkeit. Die Preise starten bei umgerechnet rund 62.600 Euro.

Qlocktwo W, ausgefallene Uhr mit Wortzeitanzeige

Qlocktwo W

© Qlocktwo 

Qlocktwo bringt die Wortzeitanzeige ans Handgelenk

Mit der Qlocktwo W bringt die Münchner Designmarke ihre charakteristische Wortzeitanzeige erstmals ans Handgelenk. Statt klassischer Zeiger oder digitaler Ziffern zeigt die Uhr die Zeit in Worten an und folgt damit konsequent jener Designsprache, die Qlocktwo bekannt gemacht hat. Kurz nach ihrer Markteinführung wurde die W bereits mit dem Red Dot Award in der Kategorie „Watch Design“ ausgezeichnet. Das flach gestaltete Gehäuse sorgt für hohen Tragekomfort und unterstreicht den minimalistischen Charakter. Neben der Zeitanzeige bietet die neue Generation erstmals auch eine Mondphasenanzeige, die per Knopfdruck aktiviert wird und den Bezug zu den Objekten der Serien Earth und Moon herstellt. Zur weiteren Ausstattung zählen eine automatische Helligkeitsanpassung, ein Bewegungssensor sowie ein magnetisches Lade-Dock. Angeboten wird das Modell in den Varianten Black Steel und Fine Steel, jeweils zu einem Preis von 1.200 Euro. 

Audemars Piguet Code 11.59 Starwheel, Luxusuhr mit Scheibenanzeige

Audemars Piguet Code 11.59 Starwheel

© Audemars Piguet 

Audemars Piguet lässt die Starwheel zurückkehren

Die Rückkehr der Starwheel-Anzeige markiert bei Audemars Piguet die Wiederbelebung einer der markantesten Komplikationen der Unternehmensgeschichte, die nun in die Code-11.59-Kollektion integriert wurde. Die erstmals 1991 vorgestellte Starwheel interpretiert das Prinzip der wandernden Stunden neu – eine Anzeige, deren Ursprünge bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen und die Stunden mithilfe rotierender Scheiben entlang einer bogenförmigen Minutenskala darstellt. Im Zentrum der Zeitanzeige arbeitet ein Rotor, der sich innerhalb von drei Stunden einmal vollständig dreht. Darauf befinden sich drei rotierende Aluminiumscheiben, deren Stundenziffern nacheinander entlang des Minutenbogens wandern. Eine gebogene Sekundenanzeige aus 18-karätigem Weißgold ergänzt die außergewöhnliche Gestaltung, während ein Zifferblatt aus blauem Aventurin den Eindruck eines kleinen Planetensystems entstehen lässt. Das 41 Millimeter große Gehäuse kombiniert schwarze Keramik mit 18-karätigem Weißgold und setzt die markante Architektur der Code-11.59-Kollektion eindrucksvoll in Szene. Ein doppelt gewölbtes Saphirglas verstärkt die räumliche Wirkung des Zifferblatts und hebt die aufwendig finissierten Komponenten zusätzlich hervor. Begleitet wird die Referenz von einer eigens entwickelten Illustrationswelt des französischen Künstlers Ugo Gattoni, der die poetische Mechanik der wandernden Stunden in eine fantasievolle Szenerie übersetzt. 

 

Trilobe Une Folle Journée Diamant, diamantbesetzte Uhr mit besonderer Anzeige

Trilobe Une Folle Journée Diamant

© Trilobe 

Trilobe verbindet Haute Horlogerie und Haute Joaillerie

Insgesamt 150 geschliffene Baguette-Diamanten schmücken die drei rotierenden Ringe für Stunden, Minuten und Sekunden der Une Folle Journée Diamant der Pariser Manufaktur Trilobe. Die Entwicklung des Modells nahm rund zwei Jahre in Anspruch. Um das zusätzliche Gewicht der Edelsteine auszugleichen, ersetzte Trilobe das bisher verwendete Titan der Anzeigenringe durch eine besonders leichte Aluminium-Silizium-Magnesium-Legierung. Jeder der drei Ringe wird von Hand gefertigt und individuell mit Diamanten besetzt, die speziell auf den jeweiligen Radius zugeschnitten werden. Angetrieben wird die Uhr vom automatischen X-Centric-Manufakturkaliber mit Mikrorotor, 196 Komponenten und 48 Stunden Gangreserve. Die handbemalten Stundenziffern unterstreichen den handwerklichen Anspruch. Inspiration für die außergewöhnliche Gestaltung liefert der monumentale Kronleuchter der Pariser Opéra Garnier, dessen kreisförmige Komposition und Lichtspiel sich in den diamantbesetzten Ringen widerspiegeln. Angeboten wird der 40,5 Millimeter große Zeitmesser in Titan, Roségold oder Platin. Die Preise beginnen bei 150.000 Euro.

 

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