Tiffanys schönster Stopp der Zeit
LVMH Watch Week 2026
Man könnte diesen Chronographen leicht missverstehen. Als Schmuckstück mit Stoppfunktion. Als LVMH-Crossover. Als luxuriöse Jubiläumsedition mit kalkulierter Nostalgie. Aber all das greift zu kurz. Der neue Tiffany & Co. Timer ist vor allem eines: eine ernsthafte Uhr, die genau weiß, warum sie so ist, wie sie ist.
Zum 160. Jahrestag des ersten Tiffany-Chronographen von 1866 bringt das Haus eine auf 60 Exemplare limitierte Neuauflage – vorgestellt während der LVMH Watch Week 2026 in Mailand. Und statt auffäliger Gesten setzt Tiffany auf etwas Ungewöhnliches: Zurückhaltung.
Tiffany & Co. begann 1847 mit dem Verkauf hochwertiger Uhren und erkannte früh die Nachfrage nach präzisen Zeitmessern, darunter auch Modelle aus der Schweiz. 1866 folgte mit der „Timing Watch“ die erste eigene Stoppuhr des Hauses, 1868 in „Tiffany Timer“ umbenannt, parallel zur Eröffnung einer Montagewerkstatt in der Schweiz. 1874 gründete Tiffany eine eigene Manufaktur in Genf, fertigte Uhren mit Komplikationen wie Chronographen und Kalendern und meldete mehrere Patente an. Während der LVMH Watch Week wurden neben dem neuen Tiffany Timer drei historische Chronographen aus dem 19. Jahrhundert gezeigt, ergänzt durch seltene Archivmaterialien wie einen Timing-Watch-Katalog aus dem späten 19. Jahrhundert und das Blue Book von 1893. In den letzten Jahrzehnten geriet dieses Ausmaß an relevanter Uhren-Historie stets etwas in Vergessenheit, konzentrierte sich die Maison und damit das Außenbild vor allem auf seine Legimitation der Edelsteinauswahl und Fassung. Vor einem Jahr kam dann das Signal zur Rückkehr mit der offiziellen Teilnahme an der LVMH Watch Week sowie weitere Releases im Verlauf des Jahres.
Archiv: Tiffany & Co. Pocket Watch Chronograph 1872-1879
Tiffany & Co.Glaubwürdigkeit beginnt beim Werk
Die wichtigste Entscheidung in diesem Jahr beginnt jedoch nicht bei Design, sondern beim Uhrwerk. Tiffany greift nicht zu irgendeinem Automatik-Chronographen, sondern zum El Primero 400 von Zenith. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Überzeugung. Das El Primero ist kein Mythos, weil es alt ist, sondern weil es funktioniert. Seit 1969 ein integrierter, automatischer Chronograph, klar aufgebaut, robust, präzise, gut ablesbar. Das Layout bleibt klassisch, die Funktionalität steht im Vordergrund.
Auf dem skelettierten Rotor sitzt der Bird on a Rock – Tiffanys ikonisches Motiv nach Jean Schlumberger. Von Hand aus massivem 18-karätigem Gelbgold gefertigt, 1,4 Zentimeter breit, fein poliert mit Diamantabrasiven und Enzianholz. Technisch war das kein Selbstläufer: Zenith musste die Masse des Rotors neu kalibrieren, um den Vogel zu integrieren. Für Tiffany war das nicht verhandelbar. Der Vogel gehört dazu. Punkt. Er bringt etwas Spielerisches in eine ansonsten sehr rationale Uhr. Und genau dieser Kontrast funktioniert.
Das für Tiffany modifizierte Chronographenwerk kommt auf eine Gangdauer von 50 Stunden.
Modifiziertes El Primero Chronograph Kaliber mit 18k Bird on a Rock Gelbgold-Rotor
Tiffany & Co.Die Uhr spricht für sich: Mit 40 Millimetern, spürbarem Gewicht und klassischem Drei-Register-Layout. Das 40-Millimeter-Gehäuse aus poliertem Platin wirkt weich, fast organisch. Die Chronographendrücker schmiegen sich an die Gehäuseform und fungieren zugleich als Kronenschutz. Die facettierte Krone zitiert die legendäre Tiffany-Diamantfassung. Das Zifferblatt in Tiffany Blue ist aufwendig lackiert. Die Stundenindizes aus baguette-geschliffenen Diamanten sind kein dekorativer Selbstzweck, sondern Teil der Identität dieses Hauses. Die Zeiger aus Weißgold halten die Farbwelt kühl und kontrolliert. Alles ist präzise, nichts überladen.
Tiffany & Co. Timer Chronograph in Platin mit Kaliber El Primero 400 samt 50 Stunden Gangreserve
Tiffany & Co.
Tiffany & Co. Timer Chronograph, Referenz 75450125
Tiffany & Co.Die Uhr ist bis 10 atm wasserdicht. Der Preis der auf 160 Stück limitierten Referenz 75450125 beträgt 55.000 US-Dollar.