Architektur am Handgelenk: Alexander Shorokhoffs Frozy im Hands-on
Ein neues Gehäusekonzept ist in der Uhrenbranche selten geworden. Wer die Neuheiten der letzten Jahre verfolgt, sieht vor allem Variationen bekannter Formen: andere Materialien, andere Zifferblätter, gelegentlich neue Maße. Die Frozy von Alexander Shorokhoff bringt eine Gehäuseform mit, die bei aktuell verfügbaren Modellen nur wenig anzutreffen ist.
Alexander Shorokhoff Frozy, Referenz AS.FRZ01-1Z
WatchTimeEin Gehäuse als Designaussage
Das Besondere liegt im stufenförmigen Aufbau der Lünette. Statt einer einzelnen, durchlaufenden Lünettenform schichtet Shorokhoff mehrere konzentrische Ebenen übereinander, die zum Zifferblatt schmaler werden. Die Krone folgt derselben Logik: auch sie gestuft, auch sie in mehreren Ebenen.
Alexander Shorokhoff Frozy mit stufenartiger Lünette
WatchTimeIn der Praxis bedeutet das am Handgelenk, dass die Uhr trotz 40 Millimeter Durchmesser optisch kompakter wirkt als erwartet, weil die abgestuften Lünettenflächen den Blick ins Zentrum ziehen. Bei der Blauflussstein-Variante, die wir im Hands-on tragen konnten, verstärkt das Lünettenfinish diesen Effekt noch: Die Oberfläche wurde durch ein besonderes Strahlverfahren mit anschließender Handarbeit bearbeitet, was bei wechselndem Lichteinfall einen feinen Glitzereffekt erzeugt. Keine Polierung, kein Satinieren im klassischen Sinn, sondern etwas, das strukturell an die schimmernde Oberfläche des Zifferblatts anknüpft.
Alexander Shorokhoff Frozy: Kaliber Automatik 2892/SW300
WatchTimeDas Zifferblatt: Blauflussstein
Blauflussstein, auch als synthetisches Goldfluss-Glas bekannt, ist ein Kompositmaterial mit eingebetteten Kupfer- oder Eisenpartikeln, das unter Licht leuchtet und schimmert. Dieser ist deutlich expressiver als der grüne Malachit der zweiten Frozy-Variante. Das Zifferblatt der Blauflussstein-Frozy zeigt je nach Lichteinfall verschiedene Blautöne, durchzogen von einem Glitzer-Effekt, der an Tiefe gewinnt, je direkter das Licht einfällt. Weiße Stunden- und Minutenzeiger lassen sich gut ablesen, der Sekundenzeiger in Fuchsia setzt einen Farbakzent, der polarisieren dürfte. Das Krokolederband in Fuchsia komplettiert die Farbstimmung und schließt den Kreis zur Sekundenzeigerspitze.
Alexander Shorokhoff Frozy am Handgelenk
WatchTimeZum Vergleich: Die Frozy Green mit ihrem Malachit-Zifferblatt setzt auf ein natürliches Steinmaterial, dessen charakteristische grüne Bänderung von Platte zu Platte variiert. Beide Varianten sind auf 60 Exemplare limitiert, also in Summe 120 Uhren weltweit.
Alexander Shorokhoff Frozy, Referenz AS.FRZ01-2
Alexander ShorokhoffDas Werk: Kal. 2892/SW300
Im Innern arbeitet das Automatikkaliber 2892 auf Basis des Selitta SW300, ein bewährtes Basiswerk, das Shorokhoff um einen handgravierten und veredelten Rotor ergänzt hat. Die Gangreserve beträgt 42 Stunden, die Frequenz liegt bei 28.800 Halbschwingungen pro Stunde. Das Kaliber bietet Stunden, Minuten, Zentralsekunde und Datum, mehr nicht, was bei dieser Uhr auch die richtige Entscheidung ist. Ein Automatikwerk mit Komplikationsmodul hätte die Gehäusehöhe, die mit 10,3 Millimeter inklusive Glas moderat ausfällt, nach oben getrieben. Der Saphirglasboden gibt den Blick auf den Rotor frei, der den handwerklichen Anspruch der Manufaktur sichtbar macht.
Alexander Shorokhoff Frozy, Referenz AS.FRZ01-2
Alexander ShorokhoffDas 2892 ist kein Manufakturwerk, gehört aber zu einem der zuverlässigsten Werke, die am Markt verfügbar sind, und im Kontext einer auf 60 Stück limitierten Uhr zu 2.390 Euro bzw. 2.490 Euro ist dies eine vertretbare Entscheidung. Wer bei diesem Preis ein vollständig in-house entwickeltes Kaliber erwartet, liegt falsch, wer ein gut abgestimmtes, servicefreundliches Automatik sucht, ist richtig.
Am Handgelenk
Die Frozy mit Blauflussstein liegt angenehm am Handgelenk. Das Edelstahlgehäuse mit 40 Millimeter Durchmesser und 10,3 Millimeter Höhe ist gut ausgewogen, das gestufte Lünettendesign tastet sich weich ab, keine scharfen Kanten. Das Krokoband mit 20-Millimeter-Anstoß sitzt sicher. Der Tragekomfort entspricht dem, was man von einer Uhr dieser Größenordnung erwartet.
Alexander Shorokhoff positioniert sich in einem Segment, das zwischen etablierten Schweizer Manufakturen und der breiten deutschen Uhrenindustrie liegt: handwerklicher Anspruch, Materialexklusivität, kleine Auflagen, keine Conglomerate im Rücken. Neue Gehäusekonzepte sind in diesem Segment besonders riskant, weil die Käufer keine emotionale Vorgeschichte mitbringen, auf die man aufbauen könnte. Die Frozy löst dieses Problem, indem sie das Gehäuse selbst zur Geschichte macht. Die Lünettenarchitektur ist kein stilistisches Detail, sie ist das Argument. Ob Alexander Shorokhoff dieses Konzept in der Kollektion fortschreibt und die angekündigten Varianten mit unterschiedlichen Lünettenplattierungen konsequent umsetzt, wird zeigen, wie weit dieses Gehäusekonzept trägt. Die Frozy zeigt, dass Shorokhoff mit der neuen Gehäuseform ein echtes Designstatement abliefert, das sich nicht auf Zifferblattmaterial allein stützt. Die Blauflussstein-Variante ist die optisch direktere der beiden Ausführungen, die Kombination aus schimmerndem Zifferblatt und glitzernder Lünette bildet eine formale Einheit. Das Kaliber ist solide, der Preis angemessen. Wer nach einer limitierten Uhr sucht, die sich von Vertrautem absetzt, ohne den Rahmen der Tragbarkeit zu verlassen, findet in der Frozy ein überzeugendes Argument.
Technische Daten
Frozy | Referenz: AS.FRZ01-1Z
Kaliber: Automatik 2892/SW300, handgravierter Rotor, 25 Steine, 42 h Gangreserve
Funktionen: Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum
Gehäuse: Edelstahl, stufenförmige Lünette, Glitzeroberfläche durch Strahltechnik
Durchmesser: 40 mm | Höhe: 10,3 mm
Glas: entspiegeltes Saphir-Front- und -Bodenglas
Zifferblatt: Blauflussstein
Zeiger: weiß, Sekundenzeiger in Fuchsia
Bandanstoß: 20 mm | Band: Krokoleder Fuchsia
Limitierung: 60 Stück | Preis: 2.490 Euro