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Lesedauer 4 Min.

Tool Watch mit Solarantrieb — TAG Heuer schickt die Aquaracer in eine neue Ära

TAG Heuer Aquaracer Solargraph 2026: Zwei Größen, zwei Kaliber, zwei Materialien – warum die Linie mehr erhält als ein Solarupdate.
TAG Heuer Aquaracer 40 mm

TAG Heuer Aquaracer 40 mm

© TAG Heuer

TAG Heuer Aquaracer Professional Solargraph (2026): Zwei Linien, zwei Kaliber, eine Strategie 

TAG Heuer hat die neue Generation des Aquaracer Professional lanciert — und es ist eine breitere Überarbeitung als die vergangenen Iterationen der Kollektion. Statt eines einzigen Modells erscheinen zwei Linien gleichzeitig: die Aquaracer Professional 100 Solargraph in 28 mm und die Aquaracer Professional 200 Solargraph in 40 mm. Beide tragen Solargraph-Kaliber aus eigener Entwicklung, unterscheiden sich aber in Gehäusegröße, Wasserdichtigkeit und Zielpublikum erheblich. TAG Heuer positioniert damit die Aquaracer ausdrücklicher als unisex Plattform, ohne dabei die charakteristisch sportuhrliche DNA aufzugeben. 

TAG Heuer Aquaracer 40 mm

TAG Heuer Aquaracer 40 mm

© TAG Heuer

Kaliber TH50-00 und TH51-00: Solarantrieb als Markenkern 

Im Zentrum beider Modelle stehen zwei verwandte Manufakturkaliber. Das TH50-00 treibt die 40-mm-Linie an, das TH51-00 die 28-mm-Modelle. Beide wandeln natürliches und künstliches Licht in elektrische Energie um — das Prinzip ist nicht neu, die Parameter sind es. Das TH50-00 leistet beim 40-mm-Modell bis zu 10 Monate Gangreserve bei völliger Dunkelheit. Bereits 10 Minuten Lichtexposition reichen für 40 Stunden Betrieb. Das TH51-00 in der 28-mm-Variante kommt auf bis zu 8 Monate Autonomie, eine volle Ladung ist nach 14 Stunden erreicht. Beide Werte liegen über dem, was Mitbewerber im Preissegment um 3.000 Euro bieten. Seiko und Citizen sind in solarer Effizienz zwar historisch stark, aber klassische Swiss-Made-Manufakturkaliber mit vergleichbaren Reservewerten sind rar. Die Anbindung der Solargraph-Technologie an ein Manufakturkaliber ist für TAG Heuer strategisch wichtig: Sie hebt die Modelle aus dem Commodity-Bereich der reinen Quarzuhren heraus und gibt ihnen horlogische Substanz, die im Handel erklärt und verteidigt werden kann. 

TAG Heuer Ambassador Kai Lenny

TAG Heuer Ambassador, Surfer Kai Lenny

© TAG Heuer

Aquaracer Professional 200 Solargraph, 40 mm: Die Tool Watch, überarbeitet 

Das 40-mm-Modell ist die direkte Fortsetzung der bestehenden Aquaracer-Linie — aber „Fortsetzung" wäre untertrieben. TAG Heuer beschreibt es selbst als Neuinterpretation, und an mehreren Punkten wird das konkret. Die Lünette erhält eine überarbeitete Geometrie: Wieder eingeführte Reiter-Elemente, neu geformte Stunden- und Minutenzeiger sowie eine schärfere Gehäusegeometrie sollen eine präzisere optische Sprache etablieren. Hinzu kommt bei 9 Uhr eine geriffelte Gehäuseform — ein Detail, das die Griffigkeit verbessert, aber auch als visueller Akzent funktioniert. Das Quick-Change-Armbandsystem erlaubt dazu einen Bandwechsel ohne Werkzeug. Vier Referenzen stehen zur Wahl. Die Stahlvarianten (Blau und Grün) kosten 3.050 Euro und sind damit exakt im Kernpreissegment des Segments positioniert. Interessanter sind die beiden Titan-Referenzen. Die Grade-2/Grade-5-Kombination mit schwarzem Zifferblatt und polarblauen Akzenten (Ref. WBP1184.BF0008) kostet 3.600 Euro. Das Grade-5-Vollitanmodell mit grauem Sonnenschliff-Zifferblatt und Roségold-Akzenten (Ref. WBP1190.BZ0003) liegt bei 3.800 Euro.

Titan gegen Stahl im gleichen Modell — das ist eine Preistrennlinie, die TAG Heuer in der Aquaracer bislang nicht so klar gezogen hat. Sie signalisiert, dass die Marke die Aquaracer im oberen Einstiegssegment weiterentwickeln will, ohne den zugänglichen Preispunkt der Solaruhr-Stahl-Referenzen aufzugeben.

TAG Heuer Ambassador Summer McIntosh

TAG Heuer Ambassador Summer McIntosh

© TAG Heuer

Aquaracer Professional 100 Solargraph, 28 mm: Neue Gehäusegröße, neue Zielgruppe 

Die 28-mm-Linie ist die eigentliche Überraschung der Kollektion. TAG Heuer führt damit eine Gehäusegröße ein, die bislang in der Aquaracer nicht existierte — und tut das mit einem klaren Bekenntnis zu einer weiblichen Zielgruppe. Das ist eine ungewöhnliche Entscheidung für eine Kollektion, die traditionell auf Sport und Utility ausgerichtet ist. Vier Referenzen, mehrere mit Diamantbesatz auf Lünette oder Indizes, Perlmuttzifferblätter, gelbvergoldete Zeiger: Der ästhetische Anspruch ist ein anderer als bei den 40-mm-Modellen. Technisch teilen beide Linien die Philosophie (Solargraph, Wasserdichtigkeit, Saphirglas), aber die 28-mm-Varianten verzichten auf die unidirektional drehbare Lünette. Das Edelstahlgehäuse samt Armabdn ist gebürstet und poliert im Wechsel. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 100 statt 200 Metern — korrekt für das Kürzel „Professional 100", aber ein funktionaler Abstrich gegenüber dem großen Bruder. Die Preisspanne reicht von 3.000 Euro (Stahlreferenz mit blauem Zifferblatt) bis 5.350 Euro für die Diamant-Lünetten-Variante mit Perlmuttzifferblatt und Gelbgold-Akzenten (Ref. WBP141H.BA0049).

TAG Heuer Aquaracer 28 mm

TAG Heuer Aquaracer 28 mm

© TAG Heuer

Was die Solargraph-Strategie bedeutet 

TAG Heuer setzt seit einigen Jahren konsequent auf die Solargraph-Technologie als Differenzierungsmerkmal. Die Integration in ein Manufakturkaliber — statt eines zugekauften Quarzwerks — erlaubt es, Solar-Uhren nicht als günstige Alternative, sondern als technische Eigenentwicklung zu vermarkten.

Die Einführung der 28-mm-Linie verbreitert die Kollektionsbasis und öffnet neue Vertriebskanäle. Ob die Diamant-Varianten den Aquaracer-Markenkern stärken oder verwässern, wird sich im Handel zeigen. Formal bleibt das Gehäuse klar in der Aquaracer-DNA, inhaltlich bewegt man sich in Richtung schmuckaffinerer Kundschaft. Das ist ein Spagat, der gelingen kann — vorausgesetzt, die Marke kommuniziert beide Zielgruppen trennscharf.

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