Roger Dubuis: Wenn der Sekundenzeiger zur Perlmuttblüte wird
Roger Dubuis führt die Damenlinie Excalibur Lady of the Lake mit einer dritten Variante fort. Nach Sovereign Grey und Sylvan Green heißt die neue Edition Hawthorn, englisch für Weißdorn.
Drei Uhren, drei Seiten einer Figur: Die Kollektion trägt den Namen des Schwerts, das König Artus der Sage nach von Viviane erhält, der Herrin des Sees. Roger Dubuis nutzt die Artussage seit Jahren als erzählerischen Rahmen für die Excalibur-Linie. Bei der Lady of the Lake steht jede Variante für einen anderen Wesenszug der Figur: Die graue Version verweist auf die Ritterin und Strategin, die grüne mit Perlmuttmosaik auf ihre magische Seite im Wald von Brocéliande. Hawthorn soll nun den Gegensatz von Zartheit und Wehrhaftigkeit darstellen. Der Weißdorn eignet sich dafür als Symbol: weiße Blüten im Frühjahr, rote Beeren im Herbst, dazu Dornen, die in der Mythologie häufig als Grenze zwischen Menschenwelt und Feenreich gelten. Für den Sammler ist diese Erzählung weniger entscheidend als die Frage, wie sie umgesetzt wird. Und hier liefert das Zifferblatt einiges.
Roger Dubuis Excalibur Lady of the Lake Hawthorn am Handgelenk
Roger DubuisZifferblatt in drei Ebenen
Roger Dubuis baut das Zifferblatt in drei Ebenen auf. Ganz außen sitzt ein polierter, versilberter Réhaut mit zwei Flächen: Die Oberseite trägt einen Schneckenschliff, die geneigte Flanke ist mattiert. Darauf stehen dreidimensionale Indizes, galvanisch mit Roségold beschichtet und mit Leuchtmasse gefüllt. Die mittlere Ebene bildet eine Perlmuttbasis mit geschnitzten Weißdornblüten, ebenfalls aus weißem Perlmutt. Jede Blüte besitzt einen Diamanten als Stempel, umgeben von polierten Goldkügelchen, die die Staubblätter darstellen. Die Beeren sind als tropfenförmige rote Saphire gefasst. Die unterste Ebene besteht aus einem Perlmuttring und einer zentralen Scheibe aus Roségold, besetzt mit 147 Diamanten. Darüber laufen facettierte Stunden- und Minutenzeiger aus Roségold, satiniert und sandgestrahlt. Technisch am interessantesten ist die kleine Sekunde bei sechs Uhr. Statt eines Zeigers dreht sich dort eine Scheibe, auf der eine Perlmuttblüte mit Diamant sitzt; ein einzelnes Blütenblatt übernimmt die Zeigerfunktion. Die Blüte ist asymmetrisch und dreidimensional, ihr Schwerpunkt liegt also nicht exakt auf der Drehachse. Eine solche Unwucht auf dem Sekundenrad erzeugt je nach Stellung ein wechselndes Drehmoment im Räderwerk, das sich theoretisch bis zur Unruh fortsetzen kann. Roger Dubuis verweist selbst darauf, dass die Konstruktion ein präzises Zusammenspiel von Gleichgewicht und Massenträgheit erfordert.
Ebenfalls bemerkenswert: Trotz des Schmuckcharakters verzichtet Roger Dubuis nicht auf Leuchtmasse in den Indizes. Das ist bei diamantbesetzten Zeitmessern dieser Kategorie keineswegs selbstverständlich und spricht dafür, dass die Uhr als tragbare Uhr gedacht ist und nicht nur als Objekt.
Roger Dubuis erweitert die Excalibur Lady of the Lake um die Hawthorn-Edition in 36 mm Roségold und mit 249 Diamanten
Roger DubuisGehäuse: Excalibur-Codes im Damenformat
Das Gehäuse aus Roségold misst 36 Millimeter im Durchmesser und 9,85 Millimeter in der Höhe. Die geriffelte Lünette, das zentrale Erkennungsmerkmal der Excalibur, ist hier vollständig mit Diamanten besetzt. Ein eingelassener Diamantring verläuft entlang des Gehäusemittelteils bis zur Krone, die beiden geneigten Bandanstöße tragen je vier weitere Steine. Polierte Kanten und satinierte Flächen wechseln sich ab, das Logo auf der Krone ist mit einem transparenten Schutzlack überzogen. Die Wasserdichtigkeit liegt bei 3 bar beziehungsweise 30 Metern. Das reicht für Alltag und Spritzwasser. Das Alligatorlederband ist tiefrot mit Perleffekt gefärbt und wird mit einer Dornschließe aus Roségold geschlossen.
Schmuckuhr mit Manufakturkaliber: Die Excalibur Lady of the Lake Hawthorn von Roger Dubuis behaust das Kaliber RD830
Roger DubuisKaliber RD830
Durch den Saphirglasboden ist das Automatikkaliber RD830 zu sehen. Es misst 11 ⅓ Linien, also rund 25,6 Millimeter, und ist mit 4,16 Millimetern flach genug, um die moderate Gehäusehöhe zu ermöglichen. Das Werk besteht aus 183 Komponenten, läuft mit 4 Hertz (28.800 Halbschwingungen pro Stunde) und hat eine Gangreserve von 48 Stunden. Es zeigt Stunden, Minuten und die kleine Sekunde. Die Brücken sind NAC-beschichtet, also galvanisch dunkel veredelt, und tragen Genfer Streifen; hinzu kommt ein Schneckenschliff. Der skelettierte Rotor ist aus 22-karätigem Roségold gefertigt.
Roger Dubuis ist vor allem für skelettierte Excalibur-Modelle, Hyper-Horology-Konstruktionen und Tourbillons bekannt. Die Lady of the Lake zeigt die andere Seite der Marke: klassische Juwelierarbeit, kombiniert mit einem hauseigenen Automatikwerk. Der Preis von 91.000 Euro erklärt sich in erster Linie über Edelmetall, Steinbesatz und den Aufwand für das geschnitzte Perlmutt, interessant ist die Hawthorn-Edition deshalb weniger als technische Neuheit denn als Beispiel dafür, wie Roger Dubuis Schmuckgestaltung und Uhrmacherei nun auch für schmale Handgelenke verbindet.