Secret Watch mit Saphiren: Die neue Ludo von Van Cleef & Arpels
Van Cleef & Arpels erweitert die Ludo Secret Watches um ein Modell mit blauen Saphiren. Vorlage ist eine Uhr von 1949, das gestalterische Fundament ist dazu das Ludo-Armband von 1934.
Schmuckuhren mit verdeckter Anzeige haben eine lange Tradition bei Van Cleef & Arpels. Die Secret Watch, bei der eine Abdeckung das Zifferblatt verbirgt, gehört seit Jahrzehnten zum Repertoire der Pariser Maison. Die neue Ludo Secret Watch ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Haus diese Kategorie heute interpretiert: als Armband zuerst, als Zeitmesser auf Abruf.
Ein Gürtel fürs Handgelenk
Das Ludo-Armband entstand 1934 und zählt bis heute zu den markantesten Entwürfen der Maison. Seine Idee ist schnell erklärt: Das Armband sieht aus wie ein Gürtel, inklusive Schnalle. Van Cleef & Arpels ordnet es selbst in die Reihe seiner Trompe-l’œil-Entwürfe ein, also jener Arbeiten, die das Auge bewusst täuschen. Die Nähe zur Couture war Programm und die Linie von Beginn an erfolgreich. Die neue Saphir-Version greift ein konkretes Modell von 1949 auf. So wird die Uhr nicht als lose Hommage an eine Designsprache positioniert, sondern als Neuauflage einer historischen Referenz.
Briquette-Band, Saphir-Halbmonde, verdecktes Zifferblatt
Das Armband besteht aus spiegelpolierten Briquette-Gliedern in Gelbgold, also kleinen, ziegelförmigen Elementen. Jedes Glied wird von Hand angepasst, zusammen ergeben sie ein flexibles Geflecht, das sich eher wie Stoff als wie ein klassisches Gliederband verhält. Das ist der eigentliche Kern des Ludo-Konzepts: Die Uhr soll sich tragen wie ein Accessoire aus der Mode, nicht wie ein Uhrenkopf mit Band. Auf der Schmuckschnalle bilden die Saphire zwei großzügige Halbmondmotive auf Goldgrund. Drückt man beide Seiten der Schnalle gleichzeitig, gibt die Abdeckung das Zifferblatt frei. Es besteht aus weißem, guillochiertem Perlmutt, auf der Zwölf-Uhr-Position sitzt ein Saphir im Baguetteschliff als Index. Dass der Öffnungsmechanismus einen Doppeldruck verlangt, ist konstruktiv sinnvoll. Ein einseitiger Taster würde sich im Alltag leicht unbeabsichtigt auslösen.
Van Cleef & Arpels Ludo Secret Watch
Van Cleef & ArpelsDie Gemmologen des Hauses wählten die Saphire nach einem intensiven, klaren und gleichmäßigen Blau, dazu wurden Reinheit und die Qualität des Schliffs hinzugezogen. Die Steine sind in abgestuften Größen gefasst, was die Farbwirkung zusätzlich staffelt.
Ganz neu ist die Ludo Secret Watch nicht. 2024 hatte Van Cleef & Arpels bereits eine Variante in Gelbgold-Guilloché vorgestellt. Hier übernimmt die Guillochierung die Rolle der Edelsteine: Feine parallele Linien sind sonnenstrahlenförmig ins Gold graviert und verändern ihre Wirkung je nach Lichteinfall. Die Maison nutzt diese Technik nach eigenen Angaben seit den 1910er-Jahren für Accessoires, Objekte, Schmuck und Uhren. Dazu kommen zwei Roségoldmodelle, eines mit rosafarbenen Saphiren, eines mit Diamanten. Die Steine sind strahlenförmig um das Zifferblatt angeordnet und werden nach außen größer. Für 2026 folgen also nun blaue Sapphire, die Uhr wurde erstmals während der Messe Watches and Wonders gezeigt.
Quarz statt Kaliber
Im Inneren arbeitet ein Schweizer Quarzwerk. Mechanik-Fans mögen das bemängeln, für diese Uhr macht es Sinn. Eine Secret Watch wird selten abgelesen und im Zweifel tagelang nicht geöffnet. Ein entsprechend kleines Handaufzugswerk müsste regelmäßig über eine Krone bedient werden, die das Gürtelbild stören würde, ein Automatikwerk hätte unter der Schnalle kaum Platz für einen Rotor. Das Quarzwerk hält die Zeit, auch wenn niemand hinsieht. Die eigentliche Komplikation dieser Uhr ist deshalb keine horologische, sondern eine mechanische im Schmuckbereich: die Abdeckung mit ihrem Öffnungsmechanismus.
Die neue Ludo Secret Watch mit Saphiren ist weniger eine Neuheit als eine sorgfältige Wiederaufnahme. Van Cleef & Arpels kombiniert ein Armbanddesign von 1934 mit einem Uhrenmodell von 1949 und setzt dabei auf das, was das Haus am besten beherrscht: Steinauswahl und Goldschmiedearbeit. Wer eine Uhr im klassischen Sinn sucht, ist hier falsch. Wer ein Schmuckstück sucht, das nebenbei die Zeit anzeigt, findet in der Ludo eine besonders stimmige Interpretationen dieser Idee. Der Preis beläuft sich auf circa 140.000 Euro.