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Van Cleef & Arpels 2026: Mondphasen und Emaille neu gedacht

Van Cleef & Arpels präsentiert bei Watches and Wonders 2026 neue Poetic Complications: Mondphasen-Automatik, Zweitzeitzonen-Werk und Emaille-Meisterleistungen. Alle Neuheiten im Überblick.
Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune

Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune

© Van Cleef & Arpels

Van Cleef & Arpels betreibt seit 2006 konsequent eine Linie, die in der Haute Horlogerie nahezu einzigartig ist: Die Kollektion Poetic Complications verbindet mechanische Komplikationen nicht mit Sportuhr-Narrativen oder technokratischen Leistungsversprechen, sondern mit literarischen und mythologischen Motiven. Liebe, Kosmos, Natur. Das ist eine langfristig durchgehaltene Produktstrategie, die während der Watches and Wonders 2026 ein weiteres komplexes Kapitel aufschlägt. Vier Neuheiten, alle unter dem Themendach Himmlische Poesie, sowie zwei weitere Auskopplungen bekannter Linien.

Midnight Jour Nuit Phase de Lune 

Die aufwendigste Konstruktion im diesjährigen Tableau: Das 42-mm-Gehäuse aus Weißgold beherbergt zwei kombinierte Komplikationen: die charakteristische Jour-Nuit-Anzeige der seit 2008 bestehenden Kollektion sowie eine astronomische Mondphasenanzeige.

Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune Kaliber

Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune: mechanisches Automatikuhrwerk mit kombinierter Mondphasen- und Tag-/Nachtanzeige sowie Animation auf Abruf

© Van Cleef & Arpels

Beide werden durch zwei getrennt rotierende Scheiben realisiert, eine dreht sich im 24-Stunden-Takt (Sonnenscheibe, Jour-Nuit-Funktion), die zweite in einem Zyklus von 24 Stunden, 16 Minuten und 27 Sekunden, womit der synodische Monat von 29,5 Tagen mit hoher Präzision abgebildet wird. Bemerkenswert ist der Animationsmechanismus auf Abruf: Per Drücker am Gehäuserand dreht sich das Zifferblatt rund 10 Sekunden lang um 360 Grad und macht die Mondphase auch dann sichtbar, wenn der Mond unter dem Horizont steht. Genau dieser Mechanismus war laut Rainer Bernard, Director of Research and Development bei VCA, die zentrale Herausforderung: Die zusätzliche Rotation der Scheiben während der Animation muss rechnerisch in die Mondphasenanzeige eingerechnet werden, sonst entsteht ein Gangfehler. Vier Jahre Entwicklung für diesen einen Mechanismus. Das klingt nach viel, ist für eine Komplikation dieser Präzision aber realistisch. 

Das Zifferblatt selbst besteht aus Murano-Aventuringlas, einem Material, das Van Cleef & Arpels bereits 2024 bei der Perlée einsetzte. Aventuringlas ist kein Standardmaterial: Das Glas wird auf 1.200 °C erhitzt, Mineralerz verleiht ihm die tiefblaue Farbe mit dem charakteristischen Funkeln. Der Abkühlvorgang des Schmelztiegels allein dauert einen Monat. Auf diesem Zifferblatt-Hintergrund erscheinen eine guillochierte Goldsonne und ein Perlmuttmond, flankiert von Acrylsternen. Au der Rückseite ist eine Erdgravur in Weißgold verewigt, auf dem Saphirglasdeckel ergänzt eine Miniaturmalerei mit Planeten.

Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune

Van Cleef & Arpels Midnight Jour Nuit Phase de Lune

© Van Cleef & Arpels

Midnight Heure d'ici & Heure d'ailleurs 

Die Zweitzeitzonen-Uhr im 38-mm-Roségoldgehäuse nutzt ein vollständig überarbeitetes Automatikwerk mit doppelt springenden Stunden und retrogradem Minutenmechanismus sowie 65 Stunden Gangreserve. Beide Zeitzonen, Heure d'ici oben und Heure d'ailleurs unten, werden über zwei Sektorritzel synchronisiert. Der retrograde Minutenzeiger springt bei 60 Minuten zurück, während die Stundenanzeige gleichzeitig vorwärts springt. Die Bedienung beider Zeitzonen erfolgt über eine einzige Krone.

Van Cleef & Arpels Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs

Van Cleef & Arpels Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs: mechanisches Automatikuhrwerk mit doppelt springenden Stunden und retrogradem Minutenmechanismus

© Van Cleef & Arpels

Ein weiterer besonderer Augenmerk liegt im Zifferblatt-Emaille. Van Cleef & Arpels hat in den Werkstätten in Genf eine Emaille mit dichroitischem Effekt entwickelt, die je nach Lichteinfall zwischen Warm- und Kaltton wechselt und einen dichten, tiefen Bernsteinbraunton nachbildet. Die Inspiration sind die optischen Eigenschaften von Rubinen, die trotz warmer Grundfarbe kühle Untertöne aufweisen. Der Herstellungsprozess erfordert mehr als 30 Stunden bei unter 500 °C, zwei weitere Brenngänge bei über 1.000 °C, sowie das abschließende Prägen des Piqué-Motivs von Hand. Ein Guilloché-Dekor breitet sich strahlenförmig über das gesamte Blatt aus, das Piqué-Muster darüber kommuniziert ein klassisches VCA-Signet. Dass beides in einer Emaille-Schicht realisiert wurde, ohne die unterschiedliche Farbintensität durch Schichtdickenvariation aus dem Gleichgewicht zu bringen, ist handwerklich bemerkenswert.

Van Cleef & Arpels Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs

Van Cleef & Arpels Midnight Heure d’ici & Heure d’ailleurs

© Van Cleef & Arpels

Die Basisstunde – Heure d’ici – wird die im oberen Fenster angezeigt und die zweite Zeitzone – die Heure d’ailleurs – wird unten auf dem Zifferblatt angezeigt. Beide Stunden laufen synchron dank zweier Sektorritzel, die die beiden Scheiben und den retrograden Minutenzeiger miteinander koppelt. Sobald der Zeiger 60 Minuten auf der Skala erreicht, kehrt er in seine Ausgangsposition zurück, während die Stundenanzeige vorwärts springt.

Van Cleef & Arpels Ludo Secret

Van Cleef & Arpels Ludo Secret

© Van Cleef & Arpels

Ludo Secret 

Die Secret-Watch ist keine neue Kollektion, sondern eine Heritage-getriebene Weiterentwicklung. Das Ludo-Armband, 1934 von VCA entworfen, diente von jeher als Grundlage für Uhren mit verstecktem Zifferblatt hinter einem Schmuckverschluss. Die neue Variante mit Saphiren greift ein Modell von 1949 auf: hochglanzpolierte Gelbgold-Briketten-Glieder, besetzt mit intensiv blauen Saphiren in Halbmondmotiven, darunter ein guillochiertes Perlmutt-Zifferblatt, das sich durch gleichzeitigen Druck auf beide Seiten der Schmuckschnalle öffnet. Der Antrieb erfolgt über ein Schweizer Quarzwerk. Die Saphire wurden nach Kriterien der VCA-Gemmologen ausgewählt: gleichmäßiges klares Blau, hoher Reinheitsgrad, graduell abgestufte Größen.

Van Cleef & Arpels Perlée

Van Cleef & Arpels Perlée, 23 mm Weißgold, Aventuringlas, Diamanten, Schweizer Quarzwerk

© Van Cleef & Arpels

Van Cleef & Arpels Perlée Watch

Die neue Perlée in Weißgold setzt die für die Kollektion typischen goldenen Perlen als doppelte Reihe um das 23-mm-Gehäuse. Darunter: ein Aventuringlas-Zifferblatt in tiefem Mitternachtsblau, strahlenförmig guillochiert, Gehäuserand und Minuteriering diamantbesetzt. Die Zeiteinstellung erfolgt über einen rückseitigen Drücker, der am Handgelenk nicht sichtbar ist. Geliefert wird die Uhr mit zwei Armbändern, eines aus Alligatorleder, das zweite in einer Farbe nach Wahl aus der Kollektion, beide ohne Werkzeug wechselbar. (Auch interessant: Van Cleef & Arpels enthüllt Früchte als lebendige Miniaturwelten am Handgelenk)

Van Cleef & Arpels Lady Rencontre Céleste

Van Cleef & Arpels Lady Rencontre Céleste

© Van Cleef & Arpels

Lady Rencontre Céleste / Lady Retrouvailles Célestes 

Zwei Schwesternuhren aus der Kollektion Extraordinary Dials, deren Zifferblätter die chinesische Legende von Vega (Zhinu) und Altair (Niulang) erzählen. Beide Uhren arbeiten mit mechanischen Handaufzugwerken. Was sie auszeichnet, ist das Emaille-Handwerk: Champlevé-Emaille als Hintergrund, Grisaille-Emaille für Hell-Dunkel-Kontraste, Plique-à-jour-Emaille für transparente Wolken und Gewänder, die wie Buntglasfenster wirken. Dazu kommt eine bei Van Cleef & Arpels patentierte Emaille-Fassungstechnik, bei der Diamanten direkt in die Plique-à-jour-Struktur gesetzt werden, ohne zusätzliche Metallkomponenten. Vier der genannten Techniken wurden für den Gesamteffekt kombiniert, zwei Jahre Forschung flossen in die Emaille-Fassung allein.

Van Cleef & Arpels Lady Rencontre Céleste

Van Cleef & Arpels Lady Rencontre Céleste

© Van Cleef & Arpels

Die Gesichter der Figuren sind aus Diamanten im Rosenschliff gearbeitet, ein diamantbesetzter Mond beleuchtet die Szene. Der Zifferblatt-Hintergrund kombiniert Champlevé- und Grisaille-Emaille, ein Saphirhalbmond mit kolorierter Miniaturmalerei an den Fassungskugeln setzt einen weiteren Akzent.

Van Cleef & Arpels Lady Retrouvailles Célestes

Van Cleef & Arpels Lady Retrouvailles Célestes

© Van Cleef & Arpels

Bei der Lady Retrouvailles Célestes dominieren Rosa- und Mauvetöne: Champlevé-Emaille als Hintergrund, ein Halbmond aus mauvefarbenen Saphiren. Die beiden Figuren mit ausgestreckten Armen, Weißgold-Vögel zwischen ihnen. Die diamantenbesetzten Wolken und Nebelschleier sind in Plique-à-jour-Emaille ausgeführt. Auf den Rückseiten beider Uhren ist das Sommerdreieck eingraviert, die Konstellation aus Altair, Vega und Deneb.

Van Cleef & Arpels Lady Retrouvailles Célestes

Van Cleef & Arpels Lady Retrouvailles Célestes

© Van Cleef & Arpels

Was Van Cleef & Arpels für 2026 zeigt, bewegt sich fast vollständig innerhalb der seit 2006 etablierten Poetic Complications-Logik. Wo andere Häuser ihre DNA durch neue Uhrenlinien oder Gehäuseformen diversifizieren, vertieft VCA konsequent das bestehende Themenuniversum. Kosmos, Monde, Sternbilder, Liebespaare. Jede neue Uhr ist eine Erweiterung desselben konzeptuellen Rahmens. Die technische Leistung ist real: vier Jahre Entwicklung, patentierte Mechanismen, Materialforschung auf Zifferblattebene. Gleichzeitig bleibt VCA ein Schmuckuhren-Haus, das Mechanik als Ausdrucksmittel einsetzt. Für Sammler, die Émailleur-Handwerk und poetische Bildsprache suchen, setzt VCA konsequent fort, was die Maison auszeichnet: atemberaubend schöne Uhren, die Mechanik und Romantik zu einer eigenen Sprache verbinden.

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