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Lesedauer 9 Min.

Hands-on: IWC Pilot's Venturer Vertical Drive

Die IWC Pilot’s Venturer Vertical Drive ist die erste Uhr, die direkt für Einsätze im Weltraum entwickelt wurde. Wir wollten wissen, wie sich die Uhr auf der Erde macht und testeten sie exklusiv noch vor ihrer offiziellen Vorstellung für dieses Hands-on.
IWC: Pilot's Venturer Vertical Drive

IWC: Pilot's Venturer Vertical Drive

© WatchTime

Nachdem IWC seit rund 90 Jahren Fliegeruhren herstellt, sahen die Schaffhauser die Zeit gekommen, einen Schritt weiter zu gehen: in den Weltraum. Mit der neuen Pilot’s Venturer Vertical Drive stellen sie nun die erste Uhr vor, die von vornherein für Einsätze im All, etwa an Bord einer Raumstation oder auch bei Außenbordeinsätzen, konzipiert ist. Darin unterschiedet sie sich von anderen Uhren, die im All waren beziehungsweise fürs All getestet sind wie die berühmte Omega Speedmaster Moonwatch oder die früheren und heutigen Weltraumuhren von Fortis. Die Venturer ist für Astronauten gemacht, daneben kann sie auch auf der Erde getragen werden – nicht umgekehrt. 

Zusammenarbeit mit Vast

Für das Projekt, das zur Venturer führte, arbeitete IWC mit dem US-Raumfahrtunternehmen Vast zusammen. Vast, 2021 vom Krypto-Milliardär Jed McCaleb gegründet, hat seinen Sitz in Long Beach, Kalifornien und spezialisiert sich auf den Bau kommerzieller Raumstationen. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Internationale Raumstation nach deren geplantem Betriebsende 2030 durch eigene Stationen zu ersetzen. Mit dem 2025 erfolgreich geflogenen Demonstrationssatelliten Haven Demo hat Vast bereits erste Erfahrungen im Orbit gesammelt. 2027 soll Haven-1 als erste kommerzielle Raumstation den Betrieb aufnehmen.

IWC selbst sammelte in den vergangenen Jahren bereits erste Erfahrungen im Bereich der Weltraumfahrt. Einige Modelle flogen bei den kommerziellen Raumfahrtmissionen Inspiration4 und Polaris Dawn mit. Und Thomas Pesquet, Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation, trug während seines sechsmonatigen Aufenthalts an Bord der Internationalen Raumstation ebenfalls eine IWC. Bei diesen Uhren handelte es sich aber stets um adaptierte terrestrische Fliegeruhren. Nun haben die Schaffhauser zum ersten Mal eine Uhr entwickelt, die eigens für den Einsatz im Weltraum konzipiert wurde.

 

Die Vision: Astronautin mit IWC Venturer in der Raumstation

Die Vision: Astronautin mit IWC Venturer in der Raumstation

© Vast/IWC

Uhr ohne Krone

Aus der Kooperation mit Vast ergaben sich verschiedenste Anforderungen für die Uhr. Zu den wichtigsten gehört der Verzicht auf eine klassische Aufzugs- und Stellkrone bei drei Uhr. Der Grund: Beim Start der Mission, bis zum Verlassen der Atmosphäre, müssen die Astronauten einen Druckanzug tragen, inklusive Handschuhen. Gleichzeitig sind ihre Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. In dieser Situation ist es einfacher, mit dem rechten Zeigerfinger einen Drücker auf der linken Gehäuseseite als eine Krone auf der rechten Seite zu bedienen. IWC ersann daher ein Drehring-System, das über einen schwarzen Wippschalter am linken Rand der Uhr betätigt wird. Dessen Kupplungssystem, das die Bewegungen des Rings auf Aufzug und Zeigerstellung überträgt, nennt sich „Vertical Drive“.

Erster Eindruck: Wie sieht die Uhr aus?

Auf den ersten Blick macht die Venturer durchaus einen leicht futuristischen Eindruck. Das liegt eben an der fehlenden Krone und dem auffälligen Wippschalter, aber auch an dem starken Schwarz-Weiß-Kontrast. Da sich IWCs Partner Vast selbst ganz in Weiß inszeniert, hat sich IWC für ein Gehäuse aus weißer Keramik entschieden, in das das ebenfalls weiße Band aus FKM-Kautschuk integriert ist. Davon heben sich das schwarze Zifferblatt und die Drehlünette aus Ceratanium maximal ab. Mit Ceratanium hat sich IWC einmal mehr für ein Material entschieden, das die Marke entwickelt und schon häufig eingesetzt hat: eine Legierung auf Titanbasis, die durch ein spezielles Verfahren so behandelt wird, dass sich ihre Oberfläche in eine Art Keramik verwandelt. Das Material ist somit leicht, hart und kratzfest – ein geeigneter Werkstoff für den Weltraum.

Wie erwartet, trägt sich die Venturer angenehm am Handgelenk: leicht, anschmiegsam und ohne jegliche Ecken und Kanten. Mit 44,3 Millimetern Durchmesser und 16,7 Millimetern Höhe ist sie ein Statement am Handgelenk, aber nicht überdimensioniert.

IWC-Pilots-Venturer-Vertical-Drive-Halbseite.jpg
Eine Krone am rechten Gehäuserand sucht man vergeblich: IWC Pilot's Venturer Vertical Drive © WatchTime

Uhrzeit, Datum, zweite Zeitzone

Zugegeben: Für einen Erdling sind die Venturer, ihre Anzeigen und Funktionen auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu erfassen. Zunächst fällt die Stundenskala von null bis 24 auf dem äußeren Zifferblattring auf. Sie bezieht sich auf den UTC-Zeiger mit der weißen Pfeilspitze, der sich einmal in 24 Stunden ums Zifferblatt dreht, während der reguläre Stundenzeiger denselben Weg einmal in zwölf Stunden zurücklegt. Auf der Erde ist die Venturer also eine ganz normale Traveller-GMT, eine Uhr für Vielflieger mit zweiter Zonenzeit: Im Normalzustand nutzt man den UTC-Zeiger als 24-Stunden-Anzeige, um zehn Uhr steht er entweder auf zehn oder auf 22. Reist man in eine andere Zeitzone, bewegt man den Stundenzeiger, der sich separat in Stundenschritten verstellen lässt, auf die neue Ortszeit. Währenddessen laufen Minute und Sekunde weiter, sodass die Präzision erhalten bleibt. Der 24-Stunden-Zeiger bleibt unverändert und zeigt weiterhin die Heimatzeit an.

Für den Astronauten auf der Raumstation macht es dagegen mehr Sinn, den Stunden- und den GMT-Zeiger zu synchronisieren. So dient letzterer als 24-Stunden- oder Tag-Nacht-Anzeige. Das ist sinnvoll, weil eine Raumstation alle anderthalb Stunden die Erde umkreist und die Besatzung so bis zu 16 Sonnenaufgänge pro Tag erlebt. Die 24-Stunden-Anzeige hilft dann dabei, die Orientierung nicht zu verlieren.

IWC: Pilot's Venturer Vertical Drive Wristshot hochkant

IWC Pilot's Venturer Vertical Drive: In der zweiten Zeitzone ist es gerade 14.22 Uhr.

© WatchTime

Unklarheiten auf dem Zifferblatt

IWC hat versucht, das Zifferblatt möglichst reduziert zu halten und den Nutzer oder die Nutzerin nicht mit zu vielen Anzeigen zu überfordern. Das hat im konkreten Fall aber auch Nachteile. So gibt es für den normalen Stundenzeiger keine eigene Skala: Die zwölf Stunden sind weder durch Indexe noch durch Zahlen markiert. Den einzigen Anhaltspunkt bilden die Indexe, die mit den geraden Zahlen von zwei bis 24 markiert sind – aber diese beziehen sich ja auf den UTC-Zeiger und nicht auf den Stundenzeiger. Hier hätte es geholfen, die zwölf Indexe dicker oder länger zu machen, um sie als Stundenindexe auszuweisen.

Das zweite Manko ist, dass die Zahlen zwei bis 24 so in die äußere Skala integriert sind, dass man denken muss, beides gehörte zusammen. Man sucht also nach dem Index für die ungeraden Stunden – 19, 21, 23 und so weiter –, um zu entdecken, dass es den nicht gibt. Denn in Wirklichkeit stellen die insgesamt 60 Striche die Minuten dar. Glücklicherweise ist die Verwirrung nur von kurzer Dauer: Sobald man weiß, was was bedeutet, lässt sich die Uhr ganz gut ablesen. Am klarsten ist die Skala für die Sekunden, die auf dem Rehaut aufgebracht ist: Sie schließt mit einem dünnen blauen Ring ab und demonstriert so eindeutig ihre Zugehörigkeit zum Sekundenzeiger, die in den gleichen Blau lackiert ist.

Ein dritter Kritikpunkt aber bleibt: Der UTC-Zeiger ist relativ kurz. IWC hat das wahrscheinlich absichtlich so gelöst, um nicht den Eindruck zu erwecken, der UTC-Zeiger weise auf eine der Skalen. Bedenkt man aber, wie wesentlich gerade die 24-Stunden-Anzeige im All ist, ist das etwas schade.

Ansonsten lebt die Anzeige von ihrem Schwarz-Weiß-Kontrast: Vor dem mattschwarzen, wenig reflektierenden Zifferblatt heben sich die mit weißer Leuchtmasse belegten Spitzen der diamantförmigen Stunden- und Minutenzeiger sowie die Spitze des UTC-Zeigers gut ab. So kann man die Uhrzeiten bei Helligkeit wie im Dunkeln gut ablesen. Ein Datumsfenster bei drei Uhr ergänzt die Informationen. Dabei stechen die weißen Datumszahlen, die in der gleichen Typografie gehalten sind wie die 24 Stunden, auf der schwarzen Scheibe heraus.

IWC-Pilots-Venturer-Vertical-Drive-Seite.jpg

Mit dem schwarzen Wippschalter am linken Gehäuserand bedient man die kronenlose Uhr.

© WatchTime

Die Funktionen des Wippschalters

Das herausstechende Merkmal der Venturer ist ihr innovatives Aufzugs- und Stellsystem. Da keine Krone vorhanden ist, übernimmt deren Funktionen ein dreistelliger Wippschalter am linken Gehäuserand. Ist er in Neutralstellung, kann man durch das Drehen der Lünette im Gegenuhrzeigersinn das Werk von Hand aufziehen. Das muss man nicht zwingend tun, denn dank des Automatikkalibers 32722 zieht es sich auch durch die Bewegungen des Arms auf. Das Kaliber bietet zudem eine Gangreserve von 120 Stunden.

Schiebt man den Schieber an seinem unteren Ende etwas nach oben, gelangt man in die nächste Funktion: Nun kann man mit einer Drehung der Lünette den Stundenzeiger verstellen – etwa, um eine zweite Zeitzone zu programmieren. Mit etwas Übung hat man schnell heraus, wie man den Schieber in die richtige Position bringt.

Unser Video zeigt die verschiedenen Stufen der Bedienung. Dabei sieht man auch, dass beim Überschreiten von 24 Uhr das Datum in beiden Richtungen mitspringt. 

Kein Erfolg ohne Übung

Schwieriger wird der nächste Schritt: das Einstellen der Uhrzeit. Dafür muss man seitlich auf den unteren Teil des Wippschalters drücken, und zwar in einem ganz bestimmten Winkel. Man muss genau den richtigen Druckpunkt finden, sonst passiert nichts. Hier muss man ein paarmal mehr üben, bis man den Dreh raushat. Mit Handschuhen im Schutzanzug ist das sicher noch schwieriger als mit bloßen Händen auf der Erde. Vielleicht war das aber auch nur ein Problem des Vorserienmodells, das ich zum Test erhalten hatte. Auf der Messe Watches and Wonders, auf der IWC die Venturer Mitte April offiziell vorstellte, hatte ich ein anderes Exemplar in der Hand, bei dem es bedeutend leichter funktionierte.

Hat es geklappt, hört man ein leises Klicken. Der Schalter rastet ein und der Sekundenzeiger bleibt stehen. Jetzt bewegen sich beim Drehen der Lünette die anderen drei Zeiger, die miteinander synchronisiert sind. Jedoch: Die eben erklärte technische Bedienungsreihenfolge, die auch IWC in seinen Presseunterlagen kommuniziert, ist nicht die für den Nutzer ideale Reihenfolge. Denn ist die Uhr komplett verstellt, will man ja zuerst die aktuelle Uhrzeit einstellen und erst danach die zweite Zeitzone. Man führt also erst den dritten Schritt aus und dann den zweiten. Ein kleiner Schönheitsfehler, der einen bei der Bedienung aber nicht wirklich stören sollte.

IWC-Pilots-Venturer-Vertical-Drive-Boden.jpg
Den geschlossenen Ceratanium-Boden der Venturer ziert eine stilisierte Rakete. © WatchTime

Umfangreiche Space-Tests

Vast hat die Venturer in seinem Hauptsitz in Long Beach Tests in drei Kategorien unterzogen: Vibrationstests simulierten Raketenstarts mit Belastungen von bis zu 9,56 g. Unterdrucktests prüften das Verhalten bei schnellen Druckabfällen – dabei ergab sich, dass das Deckglas der Venturer nicht absprang. Auf Anregung von Vast hat IWC aber eine Schutzfolie auf das Glas aufgebracht, damit im Falle eines Glasbruchs keine Splitter in der Kabine umherfliegen können. Materialverträglichkeitsprüfungen schließlich untersuchten die Uhr auf ein mögliches Ausgasen flüchtiger organischer Verbindungen, die die Besatzung oder die Lebenserhaltungssystem der Station gefährden könnten. Am Ende bestand die Venturer alle Tests und die Kriterien für eine Haven-1-Umgebung und erhielt die offizielle Zertifizierung für Raumflüge durch Vast.

IWC Pilot's Venturer Vertical Drive Test

Vast führte mit der Pilot's Venturer Vertical Drive vielfältige Tests durch.

© Vast/IWC

Fazit

Wer sich für die IWC Venturer Vertical Drive entscheidet, erhält eine auffällig und ansprechend designte Uhr, die als erste eigens für Astronauten entwickelt wurde und so ein Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen kann. Mit Anzeige und Handling muss man sich erst eine Weile vertraut machen, dann aber steht einem erfolgreichen Einsatz auch auf der Erde nichts mehr im Wege. Günstig ist die Weltraumuhr allerdings nicht: IWC verlangt für sie 28.600 Euro.

Technische Daten

IWC Pilot's Venturer Vertical Drive

Referenz-Nr. IW328601

Hersteller IWC Schaffhausen, Schweiz

Funktionen Stunden, Minuten, Zentralsekunde, Datum, zweite Zeitzone, Sekundenstopp

Gehäuse Keramik mit Lünette und geschlossenem Boden aus Ceratanium. Drehlünette zur Einstellung von Uhrzeit, zweiter Zonenzeit sowie manuellem Aufzug mittels Wippschalter. Gewölbtes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas. Wasserdicht bis 100 m

Zifferblatt Mattschwarz. Schwarze, diamantförmige Stunden- und Minutenzeiger, teilweise mit grün leuchtendem Superluminova belegt. GMT-Zeiger mit Pfeilspitze, belegt mit blau leuchtendem Superluminova. Blau lackierter Sekundenzeiger

Maße Durchmesser 44,3 mm, Höhe 16,7 mm.

Werk IWC-Kaliber 32722, Automatik, 120 h Gangreserve. Frequenz 4 Hertz = 28.800 A/h

Armband und Schließe Weißes Kautschukband mit Dornschließe aus Ceratanium

Preis 28.600 Euro

IWC-Pilots-Venturer-Vertical-Drive-Schliesse.jpg
Auch die Dornschließe der Venturer besteht aus Ceratanium. © WatchTime
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