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Lesedauer 6 Min.

Die kleinen Komplikationen: GMT

In einer vernetzten Welt werden Uhren mit GMT-Funktionen immer beliebter. Wie unterschiedlich die Marken eine zweite Zeitzone auf die Uhr bringen und was die jeweiligen Vorteile sind, erfahren Sie hier.
GMT-Uhren von Panerai, Rolex und Laco

GMT-Uhren von Panerai, Rolex und Laco

© Panerai, Rolex, Laco. Collage: WatchTime

Die Welt ist heute global: Nie zuvor gab es so viel Flugverkehr, machten so viele Menschen Urlaub in fernen Ländern oder nahmen dort Geschäftstermine wahr. Die passende Begleiterin dafür ist eine Uhr, die eine zweite Zeitzone anzeigt. Wir erklären, was es mit den Zeitzonen auf sich hat, was für Arten von GMT-Uhren es gibt und welche sich für wen am besten eignet.

Internationale Meridiankonferenz 1884

Durch die schnell wachsende Verbreitung der Eisenbahn in den USA im 19. Jahrhundert wuchs dort die Notwendigkeit, verschiedene offizielle Zeitzonen einzuführen. 1883 legten die dortigen Eisenbahngesellschaften vier Standardzeiten fest. Auf der Internationalen Meridiankonferenz in Washington D.C. im Oktober 1884 teilte man dann die gesamte Erde in 24 Zeitzonen ein. Seitdem verläuft der Nullmeridian durch den Londoner Stadtteil Greenwich.

Rolex: GMT-Master II mit schwarz-grauer Lünette und Oysterband

Mutter der Traveller-GMTs: Rolex GMT-Master II

© Rolex

Mehr als 24 Zeitzonen

Seit 1884 hat sich nicht nur die Zahl der Zeitzonen verändert, sondern auch ihre jeweilige Ausdehnung. Politische Entscheidungen und Erfordernisse haben sich vielfach über die Geografie hinweggesetzt. Und die größten Staaten der Welt gehen mit dem Thema unterschiedlich um: Während es in den USA inklusive Alaska fünf und in der Russländischen Föderation sogar elf Zeitzonen gibt, hat die Volksrepublik China sich auf eine einzige festgelegt. Heute existieren insgesamt 38 politisch bestimmte Zeitzonen. Denn in Ländern wie Indien, Iran, Nepal oder Australien findet man auch Zonen, die um eine halbe oder Viertelstunde abweichen.

Caller-GMT mit innen liegendem Drehring: Laco Frankfurt GMT

Caller-GMT mit innen liegendem Drehring: Laco Frankfurt GMT

© Laco

GMT und UTC

Während Uhrenfans im deutschsprachigen Raum früher meist von „Uhren mit zweiter Zeitzone“ sprachen, hat sich in den letzten Jahren immer mehr der Begriff „GMT-Uhren“ durchgesetzt – nicht zuletzt, weil das dem Sprachgebrauch im Englischen entspricht. GMT steht für Greenwich Mean Time, also die mittlere Sonnenzeit am Nullmeridian. GMT ist eigentlich ein historischer Begriff. Er existierte lange vor der 1972 eingeführten UTC und wird wohl deswegen viel häufiger verwendet. Offiziell nutzt man heute UTC, die Universal Time Coordinated. Sie ist physikalisch definiert und basiert auf Atomuhren. Beide beziehen sich auf die gleiche Zeit, nämlich die britische Winterzeit. Alle 38 Zeitzonen sind von ihr abgeleitet: So ist unsere Mitteleuropäische Zeit als UTC+1 definiert und unsere Mitteleuropäische Sommerzeit als UTC+2.

Grand Seiko: Evolution 9 Spring Drive GMT SBGE285

Grand Seiko: Evolution 9 Spring Drive GMT SBGE285

© Grand Seiko

Traveller-GMTs und Caller-GMTs

Die weitaus meisten Uhren mit zweiter Zeitzone verfügen über einen zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger. Er kommt in der Regel aus dem Zentrum und weist auf eine außen liegende 24-Stunden-Skala. Diese ist oft zweifarbig ausgeführt, um zwischen Tag- und Nachtstunden zu unterscheiden. Während man die Ortszeit klassisch über Stunden- und Minutenzeiger abliest, informiert der 24-Stunden-Zeiger über eine vorher eingestellte zweite Zeitzone. Solche Uhren nennt man heute auch Caller-GMTs oder Office-GMTs: Während man aus dem Büro mit Geschäftspartnern auf der ganzen Welt telefoniert oder Videokonferenzen abhält, informiert einen der 24-Stunden-Zeiger über die dortige Uhrzeit. Auch beim Reisen bieten diese Uhren einen – kleinen – Vorteil, denn in einer anderen Zeitzone lässt sich der 24-Stunden-Zeiger für die Heimatzeit nutzen. Der Nachteil: Nach der Landung am Zielort muss man die Uhr umständlich verstellen und mit der sekundengenauen Referenzzeit synchronisieren, was Zeit kostet.

Für Vielreisende eignet sich daher besser die Traveller-GMT. Sie sieht äußerlich ähnlich aus, verfügt aber über einen Stundenzeiger, der sich unabhängig in Stundenschritten verstellen lässt. Landet man mit ihr in einer anderen Zeitzone, dreht man nur den Stundenzeiger so weit wie nötig und kann von dann ihm die neue Ortszeit ablesen. Während des Verstellens laufen Sekunden- und Minutenzeiger weiter, sodass die Präzision erhalten bleibt. Der 24-Stunden-Zeiger zeigt währenddessen unverändert die Heimatzeit an.

Zeppelin Friedrichshafen GMT

Traveller-GMT zum kleinen Preis: Zeppelin Friedrichshafen GMT mit Miyota 9075

© Pointtec/Zeppelin

Rolex als Vorreiter

Die Rolex GMT-Master II gilt als Mutter der Traveller-GMT. Sie ersetzte 1982 die bisherige, „einfache“ GMT-Master. Die bedeutende Neuerung bestand im Kaliber 3085, mit dem sich erstmals der Stundenzeiger unabhängig verstellen ließ. In den letzten 20 Jahren bauten auch einige andere Marken vergleichbare Werke. Bis vor kurzem musste man eine eher teure Manufakturuhr kaufen, wenn man eine Traveller-GMT haben wollte. Inzwischen gibt es sogar schon Uhren unter 1.000 Euro, die diese reisefreundliche Funktion anbieten – dank des Miyota-Kalibers 9075. In Sachen Präzision kann dieses Automatikwerk aber nicht mit den Manufakturkalibern mithalten. Häufiger als Traveller-GMTs sind nach wie vor die Caller-GMTs. Für sie stehen zuverlässige und präzise Schweizer Großserienwerke wie das Eta 2893 oder das Sellita SW 330 zur Verfügung.

Glashütte Original: Senator Cosmopolite
Glashütte Original: Senator Cosmopolite © Glashütte Original

Uhren, die mehr als 24 Zeitzonen anzeigen

Manche Uhren reklamieren für sich, dass sie noch eine dritte Zeit anzeigen. Nämlich dann, wenn sie über eine drehbare 24-Stunden-Lünette (innen oder außen liegend) verfügen. Dann kann man den 24-Stunden-Zeiger durch Drehen der Lünette schnell mit einer anderen als der Referenzzeit synchronisieren. Diese geht dann allerdings verloren, sodass man nicht alle drei Zeiten gleichzeitig sehen kann. Die anspruchsvollste Uhr auf diesem Gebiet stellt Glashütte Original: Mit der Senator Cosmopolite haben die Sachsen eine Uhr im Programm, die 35 Zeitzonen darstellt. Diese sind sogar mit Städtenamen im IATA-Code gekoppelt, was man sonst vor allem bei Weltzeituhren findet.

Panerai: Luminor GMT

Reduzierte 12-Stunden-Anzeige ohne Tag-Nacht-Indikation: Panerai Luminor GMT

© Panerai

Andere Anzeigeformen

Neben der oben genannten häufigsten Anzeigeform, dem zentralen 24-Stunden-Zeiger, gibt es verschiedene Unterarten. Manche Uhren verzichten auf die 24-Stunden-Anzeige und statten die Uhr lediglich mit einem zusätzlichen Stundenzeiger aus, der auf die gleiche 12-Stunden-Skala weist wie der normale Stundenzeiger. Hier muss man entweder wissen, ob es in der zweiten Zeitzone beispielsweise 10 Uhr oder 22 Uhr ist. Das gilt etwa für die Panerai Luminor GMT (auch BiTempo genannt) und die Frankfurter Finanzplatzuhr 6000 von Sinn Spezialuhren. Oder aber die Uhr ist mit einer zusätzlichen Tag-Nacht-Indikation für die zweite Zeitzone ausgestattet wie die Overseas Dual Time von Vacheron Constantin.

 

 

 

Vacheron Constantin: Overseas Dual Time in Grün

Vacheron Constantin: Overseas Dual Time 

© Vacheron Constantin

Eine besonders elegante Form, eine zweite Zeit anzuzeigen, bietet Jaeger-LeCoultre mit dem Wendegehäuse seiner Reverso: Die Reverso Duoface besitzt zwei Zifferblätter, eines vorn, eines hinten, die sich noch dazu optisch und farblich unterscheiden. Mit einem Dreh des Gehäuses hat man so nicht nur eine andere Zeitzone, sondern gleich eine ganz andere Optik am Handgelenk. Für beide Zeiten ist ein einziges Werk verantwortlich, das Manufakturkaliber 854 mit Handaufzug.

Jaeger-LeCoultre: Reverso Tribute Duoface Bleu vorne und hinten

Jaeger-LeCoultre: Reverso Tribute Duoface Bleu 

© Jaeger-LeCoultre

Unter den GMT-Uhren gab es immer wieder auch Kuriositäten wie mehrere Werke in einer Uhr oder gar zwei Uhren in einer. So bot die italienische Marke Meccaniche Veloci vor gut zehn Jahren eine Uhr an, in der sie vier kleine Eta-2671-Kaliber einsetzte. Daraus ergaben sich vier Zeitzonen. Heute führt die Marke ähnliche Modelle, die von einem einzigen Werk angetrieben werden und ebenfalls vier voneinander unabhängige Zeitzonen darstellen. Breitling wiederum hatte bis vor wenigen Jahren für die Super Chronomat B01 44 ein spezielles Band im Programm, in das eine zusätzliche kleine Quarzuhr integriert war.

Breitling: Super Chronomat B01 44 mit zweiter Zeitzone

Aktuell nicht mehr im Programm: Breitling Super Chronomat B01 44 mit zweiter Zeitzone

© Breitling

Chronograph als zweite Zeitzone

Zum Schluss noch ein Hack für Besitzer ganz spezieller Chronographen. Wer einen Chrono besitzt, der für die Kurzzeitmessung ein eigenes Hilfszifferblatt mit Stunden- und 60-Minutenzähler besitzt, kann dieses für eine zweite Zeitzone nutzen. Voraussetzung ist allerdings, dass man den Chronographen genau zur vollen Stunde startet, wenn es in der gewünschten Zeitzone gerade 0 Uhr oder 12 Uhr ist. Solange der Chronograph läuft, hat man dann die gewünschte zweite Uhrzeit. Solche Modelle sind selten, es gibt sie aber. Ein Beispiel ist der Portugieser Yacht Club Chronograph von IWC.

IWC Portugieser Yacht Club Chronograph mit weißem Zifferblatt

IWC Portugieser Yacht Club Chronograph 

© IWC
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