Louis Vuitton Monterey Ceramic: Die LV II kehrt zurück, jetzt mit Automatikwerk
Louis Vuitton nimmt die Monterey fest in die Kollektion auf. Die zwei neuen Modelle haben Keramikgehäuse in Grün oder Schwarz, messen 37 Millimeter und tragen das Manufakturkaliber LFT MA01.02. Vorbild ist die LV II von 1988, eine der ersten Armbanduhren des Hauses.
Die erste Armbanduhr von Louis Vuitton war nicht die Tambour von 2002. Schon 1988 brachte die Pariser Maison zwei Modelle auf den Markt, die die italienische Architektin Gae Aulenti entworfen hatte: die LV I und die LV II. Aulenti hatte kurz zuvor den Umbau eines Pariser Bahnhofs zum Musée d’Orsay verantwortet. An die Uhr ging sie eher wie eine Bildhauerin heran als wie eine Uhrengestalterin. Das Gehäuse ist rund, fast kieselförmig und hat keine Bandanstöße. Die Krone sitzt bei zwölf Uhr, wie bei einer Taschenuhr. Amerikanische Kunden sprachen das französische „montre“ als „Monterey“ aus, und dieser Spitzname ist geblieben. Die beiden Uhren waren unterschiedlich ausgelegt. Die LV I hatte ein 40 Millimeter großes Goldgehäuse und war als funktionsreiche Reiseuhr gedacht. Die kleinere LV II mit 37 Millimetern hatte weniger Funktionen, dafür aber ein Gehäuse aus schwarzer oder grüner Keramik. Ende der Achtziger war das ungewöhnlich. Dass Louis Vuitton überhaupt Zugriff auf diese Technik hatte, lag an der Zusammenarbeit mit IWC. IWC lieferte die Quarzwerke und hatte 1986 mit dem Da Vinci Ewigen Kalender eines der ersten Keramikgehäuse der Branche vorgestellt.
Liebhaber schätzen die Form der Uhr, die Krone ist bei 12 Uhr angebracht.
Louis VuittonVom Archivstück zur festen Linie
Das Comeback kommt nicht aus dem Nichts. Nach Angaben von Louis Vuitton ist die Nachfrage nach Vintage-Exemplaren von LV I und LV II auf Auktionen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nicolas Ghesquière, Artistic Director der Damenkollektionen, ließ auf dem Laufsteg im Herbst/Winter 2025 die LV II und im Frühjahr/Sommer 2026 die LV I zeigen, getragen als Anhänger oder am Gürtel. Ebenfalls 2025 folgte die erste Neuauflage: eine Monterey in Gelbgold mit Grand-Feu-Emailzifferblatt und mechanischem Werk, limitiert auf 188 Stück und formal an der LV I orientiert. Die eigentliche Nachricht dieses Jahres ist deshalb nicht die Keramik, sondern der Status. Die beiden neuen Referenzen W0CR11 (Schwarz) und W0CR21 (Grün) sind nicht limitiert, sondern gehören zur festen Kollektion. Louis Vuitton behandelt die Monterey damit nicht mehr als Zitat aus dem Archiv, sondern als eigene Linie neben Tambour und Escale.
Zwei Lesarten desselben Entwurfs
Die grüne Version ist Ton in Ton gehalten. Gehäuse und Zifferblatt sind grün, die Minuterie weiß, Stunden- und Minutenzeiger gelb lackiert. Das Gelb soll an die Ziernähte der Lederwaren von Louis Vuitton erinnern. Das Kalbslederband ist ebenfalls grün und von Hand in Bandfarbe genäht. Die schwarze Version setzt auf maximalen Kontrast: poliertes schwarzes Gehäuse, matt-weißes Lackzifferblatt, rote Zeiger und eine rote Eisenbahnminuterie. Dazu kommt ein schwarzes, genarbtes Kalbslederband mit roter Naht.
A watch that can be also worn as pendants
Louis VuittonLaut Hersteller wechselt die polierte Keramik je nach Licht zwischen Gunmetal-Grau und tiefem Schwarz. In beiden Fällen läuft ein dünner, blau lackierter Sekundenzeiger mit ringförmigem Gegengewicht über das Blatt. Matthieu Hegi, Artistic Director bei La Fabrique du Temps Louis Vuitton, betont, dass die gestalterischen Codes des Originals unverändert übernommen wurden. Dazu gehören die Eisenbahnminuterie, der im Halbkreis gesetzte Schriftzug „Louis Vuitton Paris“, die markanten Spritzenzeiger und die Krone mit Clous-de-Paris-Muster bei zwölf Uhr, die jetzt aus Stahl besteht und breiter ausfällt.
Weggefallen sind dagegen Datum und Weckfunktion, die die LV II von 1988 noch besaß. Ein mechanischer Wecker in einem 37-Millimeter-Gehäuse wäre ein völlig anderes Projekt gewesen. Die reduzierte Dreizeigerversion passt außerdem zur Gelbgold-Edition vom Vorjahr. Auch die Bandbefestigung stammt aus dem Original. Aulenti hatte das Band unter dem Gehäuseboden hindurchgeführt, damit die Kieselform ohne Anstöße auskommt. Diese Lösung ist geblieben. Am Arm wirkt das Band dadurch so, als liefe es ohne Unterbrechung unter dem Gehäuse durch.
Keramik ohne Pressform
Den größten Teil der Modellvorstellung widmet Louis Vuitton der Gehäusefertigung, und das hat seinen Grund. Nach Darstellung des Hauses arbeitet man anders als viele Wettbewerber nicht mit einer Pressform. Ausgangsmaterial ist Zirkonoxidpulver, das mit Pigmenten gemischt wird. Vibration und Kompression verdichten die Masse zu einem Rohling. Daraus fräst eine Dreiachsmaschine die Kieselform. Erst danach wird das Gehäuse bei über 1.000 °C gebrannt. Dabei schrumpft das Material, und diese Schwindung muss schon beim Fräsen eingerechnet werden, damit die Endmaße stimmen. Nach dem Brand ist Keramik so hart, dass sie sich nicht mehr spanend bearbeiten lässt. Die Feinform entsteht deshalb durch Schleifen von Hand auf einer eigens dafür eingerichteten Schleifmaschine, in mehreren Durchgängen. Zu viel Druck kann das Gehäuse beschädigen. Den Hochglanz bringt am Ende eine Handpolitur. Für eine durchgehend gewölbte Form ohne Hörner und Kanten ist die Bearbeitung des noch ungebrannten Rohlings plausibel, weil sie ohne teure Werkzeugformen auskommt und sich für kleine Serien eignet. Besonders schwierig war nach Herstellerangaben das Grün, das erst nach vielen Versuchen den gewünschten historischen Ton traf.
Lackzifferblatt in mehreren Schichten
Auch beim Zifferblatt setzt Louis Vuitton auf Lack, wie beim Original. Allein für die Pigmentmischung des grünen Blatts gibt das Haus vier Wochen Entwicklungszeit an. Grüne und weiße Zifferblätter erhalten zwei bis drei Lackschichten, die mit der Spritzpistole aufgetragen werden. Danach folgt von Hand eine Mattlackschicht. Sie dämpft die Reflexe, lässt dem Lack aber seine Tiefe. Zuletzt werden Minuterie und Schriftzüge aufgedruckt. Das grüne Blatt durchläuft dabei einen Druckgang für die weißen Elemente, das schwarz-weiße Modell zwei Gänge für Rot und Schwarz. Nach jedem Gang wird das Zifferblatt eine Stunde lang bei 80 °C gebrannt. Bricht es dabei, beginnt der Prozess von vorn.
Kaliber LFT MA01.02: Aufwand hinter verschlossenem Boden
Mit dem Wechsel von Quarz auf Mechanik ist das Gehäuse um zwei Millimeter auf 11 Millimeter in der Höhe gewachsen. Das Automatikkaliber LFT MA01.02 misst 23 mal 5,4 Millimeter, besteht aus 174 Teilen, schwingt mit 28.800 A/h (4 Hz) und bietet 45 Stunden Gangreserve. Es zeigt Stunden, Minuten und Sekunden. Entwickelt und montiert wird das Werk bei La Fabrique du Temps in Genf. Die Grundplatine hat einen Perlschliff, die Brücken sind sandgestrahlt und an den Kanten zusätzlich mikrosandgestrahlt. Statt roter Rubine sitzen farblose Lagersteine im Werk. Technisch ändert das wenig, denn beides ist synthetischer Korund, nur ohne die Chromdotierung, die dem Rubin seine Farbe gibt. Der Rotor aus 750er Roségold ist mit V-förmigen Einkerbungen versehen, sein Rand poliert, darauf ist das LV-Monogramm graviert. Unter dem Federhaus sitzt die Punze „LFT“ als Herstellerzeichen. Gesehen wird davon allerdings nichts. Der Stahlboden ist geschlossen, wie beim Original, und das Werk bekommt nur der Uhrmacher bei der Revision zu sehen. Dazu kommt eine 45 Stunden Gangreserve und 30 Meter Wasserdichtigkeit für den Alltag.
Die Monterey Ceramic kostet 23.000 Euro.