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Lesedauer 6 Min.

Hands-on: Grand Seiko Elegance GMT

Grand Seiko High-Beat GMT Wristshot
© WatchTime
Kaum zu glauben, dass die Grand Seiko erst seit zehn Jahren auf dem internationalen Markt präsent ist, feiert sie doch zwischen Geheimtipp und Kultuhr bereits ihren 60. Geburtstag. Dabei ist sie mit moderner Zeitzonenfunktion und dem Schnellschwinger-Automatikkaliber GS 9S86 absolut auf der Höhe der Zeit.
Grand Seiko: Elegance GMT © Grand Seiko
Für Grand Seiko immer nur das Beste. Das hatte sich die fernöstliche Uhrenmanufaktur bereits vor 60 Jahren auf die Fahnen geschrieben und, um beim schweizerischen Chronometrie-Wettbewerb zu gewinnen, ein Schnellschwinger-Kaliber mit 36.000 Halbschwingungen in der Stunde entwickelt. Natürlich wusste man schon damals um die höhere Ganggenauigkeit bei höherer Frequenz, aber auch um die gewaltigen technischen Herausforderungen zur Realisierung des hehren Ziels.
Grand Seiko GS-9S86-Kaliber © WatchTime
Die Aufzugsfeder muss ein hohes Drehmoment liefern, um die Unruh mit ausreichend Energie für ihr schnelles Hin und Her zu versorgen, und zudem noch eine angemessenen Gangautonomie sichern. Gleichzeitig müssen Räderwerk und Hemmung die wirkenden Kräfte aushalten. Damals wie heute ist Grand Seiko neben Zenith als einzige Marke in der Lage, diese Kräfte in einem Schnellschwinger-Kaliber zu bändigen und dieses auch in Serie zu produzieren.1969 bestand Grand Seiko mit dem Schnellschwinger-Kaliber 61 die Chronometer-Prüfung des Observatoriums Neuchâtel. Zugleich stand aber auch schon die erste Quarzuhr namens Astron in den Startlöchern, die dem steten Streben von Seiko folgte, immer die am genauesten gehenden Uhren der Welt zu bauen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass zur Grand Seiko -Jubiläumskollektion in diesem Jahr eine Quarzuhr mit dem neu entwickelten Kaliber GS 9F85 genauso gehört wie ein Modell mit Schnellschwinger-Kaliber auf höchstem Niveau, wie es auch in unserer Testuhr tickt.
Grand Seiko: Elegance GMT © Grand Seiko
Schnelles Automatikwerk mit modernem ZeitzonenwechselIn der Grand Seiko Elegance GMT schlägt das bei Seiko als Hi-Beat bezeichnete Kaliber GS 9S86. Es basiert auf dem GS 9S85, bietet aber zu Stunde, Minute, Zentralsekunde und Datum noch eine sogenannte GMT Funktion, die heute weit mehr als das ist, nämlich eine moderne Zeitzonenfunktion. Modern beschreibt dabei, dass bei einem Zeitzonenwechsel über die mittlere Kronenposition der Stundenzeiger schrittweise vorwärts oder rückwärts geschaltet werden kann, während der vierte "GMT"-Zeiger die Heimatzeit behält, so er zuvor als 24-Stunden-Zeiger auf diese verwiesen hat. (Man könnte ihn ja auch zur Darstellung einer zweiten Zeitzone verwenden.) Während der Zeitumstellung springt das Datum vorwärts und rückwärts mit, wobei die sekundengenaue Zeit bei weiterlaufender Uhr erhalten bleibt. Das ist nicht nur für international Reisende besonders wichtig, sondern verkörpert auch das Grand Seiko-Ideal von hoher Ganggenauigkeit. Nach neuestem Grand Seiko-Standard muss diese zwischen minus drei und plus fünf Sekunden Abweichung am Tag liegen. Unsere Uhr geht im Test in verschiedenen Situationen um die 3,5 Sekunden vor und liegt damit in der Norm. Beachtenswert ist vor allem auch die sehr geringe Lagendifferenz.Bei der Zeitzonenfunktion ist Grand Seiko mit Marken wie Omega, Breitling oder Bulgari auf Augenhöhe, mit dem Schnellschwinger eine Nasenlänge voraus – und das bei beachtlichen 55 Stunden Gangautonomie nach Vollaufzug. Um dies zu erreichen, kommt eine neue Aufzugsfeder zum Einsatz. Die Legierung Spron 530, an der sechs Jahre entwickelt wurde, bietet etwa sechs Prozent mehr Leistung als ihre Vorgängerin. Das heißt, sie gewährleistet ein hohes Drehmoment und damit die erforderliche Leistung für die erhöhte Schwingfrequenz. Sie bietet zudem eine zusätzliche Gangreserve von fünf Stunden bei gleicher Korrosionsbeständigkeit, Haltbarkeit und magnetischer Widerstandskraft.
GS 9S86: Das Kaliber basiert auf dem GS 9S85, besteht aus etwa 230 Teilen und oszilliert mit 36000 A/h. © PR
Zusätzlich sichern in innovativer MEMS-Technologie hergestellte Bau- teile die Präzision des Uhrwerks. MEMS (Micro Electro Mechanical System) ist eine Seiko-eigene, für die Halbleiterfertigung entwickelte Technologie, die es ermöglicht, wichtige Komponenten leichter, glatter und feiner im Detail zu gestalten. Ankerrad und Anker werden mit einer Genauigkeit von einem zehntausendstel Millimeter gefertigt und liefern damit eine deutlich verbesserte Leistung. Das neue Ankerrad enthält Ölvorratsbehälter am Ende jedes Zahnradzahns, wodurch die Ölaufnahme verbessert wurde, von der das reibungslose Funktionieren des Räderwerks abhängt.Grand Seikos ganzer Schnellschwinger-Stolz zeigt sich auf dem Zifferblatt – mit der Ein-Fünftel-Sekundenskala am Rand, die der Sekundenzeiger mit seiner exakten Länge erreicht. Dieser gehört zu einem Trio klassischer Zeiger, das von Anfang an, spätestens jedoch seit 1967 mit der 44GS den Grand Seiko-Stil prägt. Glatte – hier satinierte – Oberflächen und hochglanzpolierte Kanten geben scharfe Konturen und sorgen für Ablesbarkeit unter verschiedenen Blickwinkeln. Dennoch funkeln sie manchmal zusammen mit den geschliffenen und zur Zifferblattmitte hin abgeschrägten Stundenappliken über dem glänzend schwarzen Grund. Eine kleine Handbewegung genügt jedoch, um die Zeit wieder im Blick zu haben. Nachtablesbarkeit gehört allerdings nicht zum Grand Seiko-Konzept in der Elegance-Linie.
Grand Seiko High-Beat GMT Wristshot © WatchTime
Der vierte Zeiger kam bei Grand Seiko erst im Jahr 2002 dazu. Im Design unterscheidet er sich von den Dauphine-Hauptzeigern. Seine Politur lässt ihn schwarz-grau erscheinen und manchmal fast verschwinden – bis auf die auffällige rote Pfeilspitze, die exakt das äußere Ende des etwas tiefer gelegten und kreisgeschliffenen 24-Stunden-Rings erreicht.
Hi-Beat: Um bei hoher Frequenz eine akzeptable Gangautonomie zu sichern, mussten für das Kaliber GS 9S85 zahlreiche Teile neu berechnet und entwickelt werden. © PR
Wie zahlreiche Elemente des Zifferblatts folgen auch einige des Gehäuses der klaren Grand Seiko-Linie. Komplett poliert, zeigt sich die schmale, abfallende Lünette besonders markant. Sie fasst ein stark gewölbtes Saphirglas, das seinerseits den Retro-Stil der Uhr unterstreicht. Das Mittelteil dagegen unterscheidet sich mit seiner Wölbung nach außen von anderen Modellen. An den Band- anstößen findet man jedoch die typische Facette wieder. Deren Neigungen nach unten sorgen für ein gutes Tragegefühl, womit knapp 40 Millimeter Durchmesser dezent am Hand- gelenk daherkommen. Rückseitig gibt ein mit sechs Schrauben fixierter Saphirglasboden den Blick auf das nicht nur optisch glänzende Uhrwerk frei.Wenig Alternativen zum eleganten SchnellschwingerZu so einer klassischen Uhr gehört auch ein klassisches Lederband – hochwertig verarbeitet und mit Faltschließe vollendet. Hierin wird das Band über einen Dorn und eine bewegliche Edelstahlschlaufe ebenso komfortabel fixiert wie sich die Schließe über seitliche Drücker wieder öffnen lässt.6.800 Euro für eine klassischmoderne Uhr mit Manufakturkaliber und Zeitzonenfunktion sind eine starke Ansage. Der Markt bietet wenig unmittelbar Vergleichbares. Mit Versionen des Powermatic 80-Kalibers haben Marken der Swatch Group GMT-Modelle allerdings schon unter oder knapp über 1.000 Euro im Programm. Tudor bietet mit der Black Bay GMT die gleiche Funktionalität mit Manufakturkaliber, allerdings im sportlicheren Outfit für 3.480 Euro. Ganz anders hinsichtlich Funktionalität und Design kommen GMT-Versionen der Omega Planet Ocean für 10.500 Euro oder die berühmte Rolex GMT Master II für derzeit 9.000 Euro daher. Chance und Herausforderung zugleich also für die Grand Seiko Elegance GMT.
Grand Seiko GMT-Uhr Uhren bis 10.000 Euro Uhren-Tests Edelstahl Uhren Luxusuhren Datumsanzeige Archiv

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