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Typisch Richard Mille: Das macht die Uhren aus

Richard Mille: RM 32 Voiles de Saint Barth
© Richard Mille
Richard Mille ist ein Phänomen: Die Marke hat es in nur 20 Jahren seit ihrer Gründung geschafft, in den Uhrenolymp aufzusteigen. Bei der Wertsteigerung kann sie mit den traditionsreichen Herstellern Patek Philippe, Audemars Piguet und Rolex mithalten. Preislich und von der Komplexität her legt sie sogar noch eine Schippe drauf.

RM 88: Bitte Lächeln!

Während die im Vorspann genannten Marken von ihren über 40 Jahre alten Ikonen leben, hat Richard Mille die Luxusuhr neu erfunden: komplex, innovativ, mit Bezügen zu Streetart und urbaner Kultur. Bestes Beispiel ist die neue RM 88: Zum einen finden sich hier viele Elemente, die typisch für die Marke sind und die Wiedererkennbarkeit steigern wie das tonneauförmige gebogene Sandwich-Gehäuse mit den sichtbaren markeneigenen Schraubenköpfen auf der Lünette und den unsichtbaren Bandanstößen. Typisch ist auch die Verwendung von Hightech-Materialien: Hier bestehen Lünette und Boden aus weißer ATZ-Keramik, einer stoß-, kratz- und abriebfesten Keramik aus luminiumoxidverstärktem Zirkoniumoxid.
© Richard Mille
Der Blick aufs Werk von vorn ist möglich, und hier zeigt sich ein spielerischer Ansatz: Ein Smiley lächelt einen an. Dieses digitale Symbol der Pop- und Alltagskultur ist hier in höchster Miniaturkunst von Hand graviert und bemalt. Begleitet wird es von weiteren positiven Emoticons, die wir vom Smartphone kennen: Regenbogen, Sonne, Cocktail und Flamingo beispielsweise. Neben den positiven Vibes und der Handwerkskunst kommt aber auch die Uhrmacherei nicht zu kurz: Unter dem kleinen Sekundenzeiger, der minütlich zwischen Regen und schönem Wetter wechselt, liegt ein Tourbillon. Und wer lächelt noch beim Preis? Eines der 50 Exemplare kostet 1,2 Millionen Franken plus Steuern.

RM 32: Es ist kompliziert!

Ein Beispiel für außergewöhnlich komplizierte Zeitmesser mit innovativer Technik ist die Taucheruhr RM 32 Voiles de Saint Barth, die der gleichnamigen Segelregatta auf der Karibikinsel gewidmet ist. Die Uhr besitzt einen Flyback-Chronographen und einen Jahreskalender. Der Stoppmechanismus treibt zwei zentrale Zeiger für die Sekunden und Minuten sowie einen kleinen Stundenzähler bei der Sechs an. Der Kalender besteht aus einem Großdatum bei der Zwölf und einem kleinen Monatsfenster bei halb fünf Uhr. Als Funktionskontrolle, ob das Automatikwerk überhaupt läuft, dient ein Propeller bei der Drei, der dank schwarzer Flächen und Leuchtmassefelder besonders gut zu erkennen ist. Das Saphirglaszifferblatt zeigt die komplizierte Werktechnik.
© Richard Mille
Ebenfalls typisch für Richard Mille: hochmoderne Werkstoffe. So besteht die Lünette aus dem Hightechwerkstoff Quarz TPT in den Farben Hellblau und Weiß. Der Drehring verfügt zudem über einen sehr effektiven Sicherungsmechanismus: Ein Verstellen ist nur möglich, wenn man gleichzeitig auf die großen Tasten bei null und 30 Minuten drückt. Überhaupt wurde das Gehäuse wie gewohnt besonders innovativ und detailreich konstruiert. So lassen sich beispielsweise die großflächigen Formdrücker durch eine Drehung des unteren Kronenrings sperren und abdichten, wodurch die hohe Wasserdichtheit bis 300 Meter erhalten bleibt. Während das Gehäusemittelteil und die Drücker aus Titan bestehen, sind die Bandanstöße und der Gehäuseboden aus Carbon TPT gefertigt. Aber schön vorsichtig beim Tauchen: Das auf 120 Exemplare limitierte Modell kostet 220 000 Schweizer Franken plus Steuern.

Plattgemacht! Die flachste Uhr der Welt

Dieses Modell ist mit 1,75 Millimetern Höhe die flachste mechanische Uhr der Welt. Das 51 Millimeter breite Gehäuse besteht aus Titan Grade 5. Das Handaufzugswerk hat Richard Mille zusammen mit der Entwicklungsabteilung von Audemars Piguet (früher Renaud & Papi) entwickelt. Es baut nur 1,18 Millimeter hoch, kommt aber trotzdem auf eine alltagstaugliche Gangreserve von 45 Stunden. Um die geringe Höhe zu erreichen, verzichtete die Marke unter anderem auf einen Rückerzeiger und die Begrenzungsstifte für den Anker. Stattdessen verlängerten die Entwickler die Ankergabel und verwendeten eine freischwingende Unruh aus Titan mit sechs Masseschrauben. Auch eine klassische Krone sucht man vergebens.
© Richard Mille
Stattdessen wählt der Träger mit einem Bedienrad auf der Vorderseite aus, ob er mit dem zweiten Rad aufziehen oder die Zeiger stellen möchte. Die Zeitanzeige erfolgt über Zeiger, die in die entsprechenden Räder integriert sind. Auch die Unruh ist zu sehen. Trotz der ehrgeizigen Flachheit findet sich mit der Tonneauform (hier im Querformat) und den sichtbaren Schrauben im Richard-Mille-Stil viel Typisches. Auch Partnerschaften sind für die Marke wichtig. Die RM UP-01 ist die erste Uhr, die Richard Mille mit Ferrari zusammen herausbringt – gut erkennbar an dem sich aufbäumenden Pferd. Für den Preis von 1,7 Millionen Schweizer Franken, den jedes der 150 Exemplare kostet, würde man immerhin 13 gebrauchte Ferrari Testarossa bekommen. jk

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