Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 5 Min.

Rolex-Uhren aus der DDR

Rolex: Date-Just, Referenz 16013
Rolex: Datejust, Referenz 16013
© PR
Rolex und die DDR – für die meisten Menschen passen diese Begriffe nicht wirklich zusammen, sie schließen sich eher noch gegenseitig aus. So ist es kaum vorstellbar, dass es an ausgewählten Orten im real existierenden Sozialismus tatsächlich die Möglichkeit gab, eine Luxusuhr der Marke Rolex zu erwerben. Über die Hintergründe dieser ungewöhnlichen „Agentengeschichte“ ist nur wenig bekannt. Von Rolex selbst gibt es keine offiziellen Informationen. Und doch existieren Rolex-Uhren aus der DDR.
Rolex-Garantie mit dem DDR-Ländercode 301
Rolex-Garantie mit dem DDR-Ländercode 301 © PR
Aufmerksam wurden Sammler, als erstmals Rolex-Uhren mit dem Stempel des Grand Hotels in der Osterberliner Friedrichstraße auftauchten. So erfuhr die Öffentlichkeit von einem bis dato unbekannten Rolex-Verkaufsagenten. Alle gefundenen Uhren sind mit dem Ländercode 301 versehen. In der Uhrenszene führte dies zunächst zu großer Verwirrung, gepaart mit dem üblichen Fälschungsverdacht. Doch der Ländercode 301 für die DDR hat wirklich existiert; es gibt inzwischen mehrere gesicherte Fundstücke, die das beweisen.

Rolex-Uhren als Mittel der Devisenbeschaffung

Die Spur führt in das erwähnte Berliner Grand Hotel – heute als Westin Grand bekannt. Bei allen dokumentierten Modellen ist in den Papieren der Stempel dieses Hotels gut zu erkennen. Der entsprechende Rolex-Verkaufsagent war im staatlichen Auftrag unterwegs und gehörte offiziell zu den 1965 gegründeten DDR-Interhotels. Dort wurden bevorzugt Gäste aus – wie es im DDR-Jargon hieß – „nicht sozialistischen Wirtschaftsgebieten“ untergebracht. Diese Hotels waren Bestandteil der für die DDR so wichtigen Devisenbeschaffung. Alle Leistungen mussten in harter Währung bezahlt werden. Am 1. August 1987, pünktlich zur 750-Jahr-Feier von Berlin, wurde das Grand Hotel nach zwei Jahren Bauzeit offiziell von Generalsekretär Erich Honecker eröffnet. Eine Suite kostete damals die gigantische Summe von 3.600 D-Mark pro Übernachtung. Der klassizistisch anmutende Hotelbau erinnert stark an die zuvor auf dem Gelände stehende Kaisergalerie. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg ausgebombt und in den 1950er-Jahren dann vollständig abgerissen.
Rolex-Papiere mit dem Stempel des Grand Hotels in Ostberlin
Rolex-Papiere mit dem Stempel des Grand Hotels in Ostberlin © PR

Die Doppelrolle des Ostberliner Grand Hotels

Die DDR befand sich 1987 in einer prekären politischen und vor allem wirtschaftlichen Lage. Mit luxuriösen Häusern wie dem Grand Hotel versuchte man einerseits dem Westen zu zeigen, dass auch der Sozialismus Luxus erschaffen kann. Andererseits und vor allem hatte man es aber auf die begehrten Devisen der zahlungskräftigen Kunden abgesehen. Das erklärt auch die gigantischen Dimensionen: Allein der gastronomische Trakt des Grand Hotels konnte bei der Eröffnung 900 Gäste gleichzeitig bewirten. Da bot es sich förmlich an, auch hochwertige Accessoires wie Schmuck und Luxusuhren anzubieten. Eine Marke wie Rolex war der Inbegriff für westlichen Luxus und passte gut in das gehobene Repertoire des Hotels. Unter welchen Umständen dieser ungewöhnliche „Austausch“ von Devisen gegen Luxus stattfand und welche Preise aufgerufen wurden, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls fand er nicht an einer der sonst üblichen diskreten Orte wie der Glienicker Brücke statt, sondern mitten im Herzen von Ostberlin. Hier geht es weiter mit der Geschichte der Rolex-Uhren aus der DDR Es werden wohl nur besondere DDR-Mitarbeiter gewesen sein, die Geschäfte wie jenes mit den Rolex-Uhren abwickeln durften. Auf den gefundenen Dokumenten ist immer nur dieselbe Unterschrift zu sehen. Das Unterfangen hatte zudem regelrecht hoheitlichen Charakter. Das Grand Hotel gehörte nämlich zu den sogenannten Valuta-Hotels, die direkt dem Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo) im Ministerium für Außenhandel zugeordnet waren. Dessen Aufgabe bestand vor allem in der Devisenbeschaffung. „Valuta“ war der in der DDR-Administration gängige Begriff für westliche Währung.

Die DDR-Rolex-Uhren

Es versteht sich von selbst, dass die angebotenen Modelle auch den weltläufigen Vorstellungen von einer luxuriösen Uhr entsprechen mussten. Die Rolex Datejust mit der Referenz 16013 passt perfekt in dieses Klischee: Sie verbindet ein Gehäuse in Stahl-Gold-Ausführung mit klassischem Jubileeband und einem goldfarbenen Tapestry-Zifferblatt. Mit der dazugehörigen Box (Referenz 68.00.71) war dieses Modell im Westen regulär erhältlich. Die Uhr mag wegen ihres modischen und hochwertigen Erscheinungsbilds das Interesse der „KoKo“ geweckt haben, denn der damalige Zeitgeschmack hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Stahl-Gold-Gehäuse. Auch viele DDR-Uhren wurden in dieser Ausführung angeboten, bei deren Gold handelte es sich aber selbstverständlich um Golddoublé.
Natürlich durfte unter den DDR-Rolex-Uhren auch ein reines Goldmodell nicht fehlen. So ist bekannt, dass auch eine Rolex Day-Date aus Gelbgold (Referenz 18038) mit President-Armband im Dezember 1989 im Grand Hotel den Besitzer wechselte. Die Berliner Mauer war kurz zuvor gefallen, und die DDR lag in den letzten Zügen. Interessant ist in diesem geschichtlichen Zusammenhang, dass die Uhr über eine Wochentagsanzeige auf Englisch verfügte.

Eine ungewöhnliche Agentengeschichte

Es wäre interessant zu erfahren, ob es noch weitere Rolex-Uhren und Verkaufsstellen in der ehemaligen DDR gab. Vielleicht tauchen durch diesen Beitrag weitere Informationen dazu auf. An der Symbolik dieser ungewöhnlichen Agentengeschichte wird sich jedoch nichts ändern. Die Rolex-Verkaufsstelle mitten in der Hauptstadt der DRR war nicht nur eine pikante Randnotiz zu einem Regime, dem in seinen letzten Tagen die Genossen abhandenkamen. Sie zeigt auch, dass alle Mittel ausgeschöpft wurden, um den drohenden wirtschaftlichen Untergang der DDR abzuwenden. Walter Castillo ist begeisterter Sammler von historischen Flieger- und Militäruhren. Er ist Betreiber des Internetforums Vintage-Time.de, das sich seit 2007 dem Thema klassische Uhren mit Schwerpunkt Flieger- und Militäruhren widmet: www.vintage-time.de Fortlaufend aktualisierter Artikel, ursprünglich online gestellt im September 2014.
Rolex Datejust Rolex Day-Date Schweizer Uhren Archiv

Neueste Beiträge

Ein Fenster nach innen: Hamilton bringt neue Jazzmaster Open Heart
Mit neuen Farben und drei Gehäusegrößen bringt Hamilton frischen Wind in die Jazzmaster Open Heart. Das charakteristische Zifferblattfenster gewährt einen direkten Blick auf das mechanische Herz der Uhr.
3 Minuten
11. Mär 2026
Panerai und die Kunst der großen Komplikationen
Vom Ewigen Kalender bis zur Minutenrepetition – wie das Laboratorio di Idee die Grenzen moderner Uhrmacherkunst neu definiert
11 Minuten
12. Mär 2026
Volle Drehzahl: Neue T-Race-Modelle von Tissot
Mit fünf Neuheiten erweitert Tissot seine sportliche Tissot T-Race-Linie. Zwei MotoGP-Sondereditionen und drei neue Quarz-Chronographen übertragen die Dynamik des Motorradrennsports in markantes Design und präzise Zeitmessung.
4 Minuten
12. Mär 2026
Citizen – Tsuyosa Shore

Citizen – Tsuyosa Shore

- Top Thema
WatchTime Magazin mit Kaffee

Neue WatchTime-Ausgabe ist da

- Aufbruch, Innovation und globale Uhrenkultur

Das könnte Sie auch interessieren

Unerwartet: Für diese Rolex-Ikone kommt das Aus
Ein Abschied mit Signalwirkung – und ein Blick zurück auf die vielleicht berühmteste Lünette der Uhrengeschichte
4 Minuten
2. Mär 2026
Rolex-Gerüchte 2026: Jubiläen, Rückkehrer und der nächste große Schritt
Von Oyster-Geburtstag über Milgauss-Comeback und Day-Date bis zur „Padellone“-Spur: Welche Neuheiten Rolex zur Watches & Wonders 2026 liefern könnte
7 Minuten
25. Feb 2026
Patina & Prestige – Wenn Zeit Schönheit formt
Jenseits von Feinmechanik und Markenhistorie entfaltet sich in der Welt der Uhren ein Detail, das ihre wahre Seele sichtbar macht: die Patina.
4 Minuten
19. Feb 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige